Kappadokien meets Istanbul meets Germany von Gabriele Kern Altindis

…… Seit nunmehr fast 5 Jahren schlittern wir von einer Krise in die nächste: Anschläge, Böhmermann, Putschversuch, Verhaftungen, Referendum, Präsidialsystem, Özil, Währungskrise – für viele ein Grund nach dem anderen, nicht mehr in die Türkei zu reisen. Nachdem nun der Ausnahmezustand vor ein paar Wochen offiziell aufgehoben wurde und auch das Auswärtige Amt die Reisewarnungen zurückgenommen hat, sind wir zuversichtlich, dass im nächsten Jahr auch deutsche Gäste wieder vermehrt in die Türkei reisen werden. Doch es wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen, bis das schlechte Image, das das Land mittlerweile hat, verblassen wird, verschwinden wird es wohl so schnell nicht mehr… Aber es gibt sie immer noch die andere, die liebens- und sehenswerte Türkei, die so viele Reisende bis vor wenigen Jahren immer wieder begeistert hat, mit ihrer Vielseitigkeit und ihrem kreativen Potential. Gäste werden hier in der Türkei immer noch mit der gleichen Herzlichkeit empfangen. Istanbul ist immer noch magisch und inspirierend, das Land voll von Naturschönheiten und sehenswerten Kulturschätzen. Wer in einer Demokratie lebt, der kann das derzeitige politische System der Türkei nur kritisieren. Doch es wäre falsch, das ganze Land und alle, die hier leben, deshalb zu ignorieren. Jeder, der meint, mit einem Boykott ein politisches Zeichen setzen zu wollen, sollte wissen: Das Geld fließt ja nicht in die Kasse der Mächtigen, sondern zum größten Teil in die Taschen jener Menschen, deren Lebensgrundlage der Tourismus ist. Die Frage ist, ob man diejenigen, die seit Jahren Gäste aus Deutschland herzlich empfangen und großzügig bedient haben, jetzt für eine Regierung bestrafen soll, mit der man sich persönlich nicht identifizieren kann. Wer richtig informiert ist, weiss auch, dass insbesondere in Istanbul und den Küstenregionen viele Menschen eine liberale politische Haltung vertreten und die große Opposition in der Türkei bilden. Hier wird man zwangsläufig auf politisch Gleichgesinnte treffen. Reisen ist ja auch Austausch: Man sollte zwar nicht besserwisserisch politisieren, aber wer über sein eigenes Leben in Deutschland spricht, transportiert schon gesellschaftliche Ideen und Demokratiegedanken. Noch nie hat das Land Gäste aus dem Westen so sehr gebraucht wie jetzt: gerade auch um wieder eine Balance zu schaffen, und auch um Andersdenkende in der Türkei, die stets dem Westen zugewandt waren und sind, zu unterstützen und ihnen Mut zu machen. Der Tourismus ist nach wie vor einer der größten Wirtschaftsfaktoren des Landes, hat ein riesiges Potential und ist und bleibt eine der angenehmsten Arten des Austauschs. Das bietet die Chance für einen direkten, spannenden kulturellen Dialog, der Voraussetzung ist für ein friedliches Leben in einer globalisierten Welt.

Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass die Menschen hier, die vom Tourismus leben, aus den Erfahrungen der letzten „mageren“ Jahre auch lernen und jetzt nicht den Fehler machen, aus dem möglichen Aufwind nur Profit schlagen zu wollen. Viele europäische Städte, wie z.B. Venedig, Florenz, stöhnen unter der Last der großen Besucherzahlen. Auch Istanbul war, bis noch vor wenigen Jahren, von Touristen übervölkert. Viele und vieles hat darunter gelitten, auch die Küstenregionen waren beherrscht vom Massentourismus. Gerade jetzt hat das Land riesige Chancen, neue Wege im Tourismus zu gehen: hin zu alternativen und nachhaltigen Konzepten. Einem Tourismus, von dem alle profitieren. Bleibt zu hoffen, dass die Tourismusexperten hierzulande das erkennen und auch nutzen. Dem Land und seinen Menschen wäre es zu wünschen.

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Wir glauben, trotz der Widerstände, an die deutsch-türkische Verbindung. Wir leben sie jeden Tag: sie gibt uns Kraft und unendliche Lebensfreude. Und wir glauben an die Demokratie: sie ist eine hohes Gut, an dem wir alle immer und überall arbeiten müssen, damit es sich entfalten kann und wir es nicht verlieren…….

Von Gabriele Kern Altindis und Erdogan Altindis

Deutsch-türkisches Archtektenehepaar, lebend in Istanbul und Inhaber von “Manzara” in Istanbul, Appartments der besonderen Art

 

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Datum: Montag, 8. Oktober 2018 12:03
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