Opferfest in der Türkei

 

Opferfest in der TürkeiD a s   S c h w e i g e n   d e r    S c h a f e

 

 

Wir schreiben das Jahr 1432.

Es ist Ende Oktober und in wenigen Tagen feiern die Gläubigen in der ganzen Welt ein großes Fest. Sie gedenken dem Stammvater aller Juden, Christen und Muslime als Vorbild für echten Glauben an den einzigen und wahren Gott.

 

Im Tanach der Juden, im Alten Testament der Christen und im Koran der Muslime wird davon berichtet, wie Abraham von Gott aufgefordert wird, ihm seinen einzigen Sohn zu opfern. Er will gehorchen, aber Gott hält ihn auf und verlangt statt des Sohnes die Tötung eines Opfertieres.

 

Und genau dieses tun Muslime am Tag des so genannten Opferfestes, dem Kurban Bayrami: sie opfern -also töten- in Gedenken an Abraham und seinem Sohn ein Schaf oder eine Ziege oder sogar ein Rind und verschenken das Fleisch an Verwandte, Bekannte, Nachbarn und Bedürftige. Es ist das größte islamische Fest: Millionen von Schafen müssen an diesem Tag ihr Leben lassen.

 

Das Wort Kurban stammt aus dem Hebräischen und bedeutet Opfer, waren es doch die Juden, die diesem Opfer Abrahams als erste gedachten.

Feiern tun allerdings nur die Muslime nun dieses Fest.

Arabische Christen nennen das Osterfest Kurban Bayrami und meinen damit Jesus Opfertod am Kreuz. `

 

Für Juden ist es die Initiation zur Erneuerung des Bundes mit Jahwe, der Abraham auffordert, das Weltliche zu verlassen, um das Geistige und Göttliche zu schauen. Das Opfer meint nicht das Menschenopfer als Gehorsam unter einer göttlicher Brutalität, sondern die Bereitschaft, in ein mystisches Verhältnis zu Gott zu treten.

Für Christen ist es das alttestamentliche Gegenstück zum Kreuzestod Christi, der vom Vater zur Vergebung der Sünden geopfert wurde, um den Menschen Gott näher zu bringen.

Opfer bedeutet also nicht grausames Töten für einen unbarmherzigen Gott sondern sich als Mensch mit Gott zu verbinden.

Und in diesem Sinne ist es dann auch der gerettete Sohn Ismail, der zusammen mit Abraham Begründer des Heiligtums Kaaba in Mekka wurde, dort wo Muslime sich Gott besonders nahe fühlen. Ismail selbst gilt als Stammvater der Araber. In der Bibel ist allerdings von Ismails Bruder Isaak die Rede, und dieser gilt als Erzvater aller Juden, was weder Juden noch Muslime dazu veranlasst, sich als Brüder zu sehen.

 

Die große Bedeutung dieses Opfers Abrahams, arabisch Ibrahim, für alle trägt leider überhaupt nicht zur interreligiösen Verständigung bei.

 

Wenn wir also die Bedeutung auch als Christen und Juden verstehen, warum feiern wir dann Kurban Bayrami nicht mit den Muslimen gemeinsam?

 

Wenn in Europa das Fleisch der Tiere am Opferfest verteilt wird, gehen Sie ruhig zu ihrem muslimischen Nachbarn und lassen sich etwas davon abgeben. Und rümpfen Sie nicht die Nase über das massenhafte Schlachten. Der Fleischverbrauch der Europäer ist wesentlich höher als der der Muslime in der Welt und dafür wird täglich im Akkord getötet.

 

 

Nur die Reicheren können sich ein ganzes Rind für ca. 2000,-€ leisten.

Nur die Reicheren können sich ein ganzes Rind für ca. 2500,-€ leisten.

 

Mehrere Familien tun sich oft zusammen, um ein ganzes Rind zu kaufen.  2/3 des Fleisches soll aber an Bedürftige verschenkt werden und nur 1/3 dürfen nach islamischer Tradition die Familien für sich behalten. Es heißt aber, dass das nicht immer eingehalten wird, da Fleisch in der Türkei besonders teuer ist. 

 

 

 

 

 

 

Übrigens ist es am 6. November 2011 wieder soweit und wir schreiben das Jahr 1432 islamischer Zeitrechnung!

Abraham lebte vor fast 4000 Jahren und wuchs in Harran auf, der heutigen Türkei!

 

Frohe Festtage – Iyi Bayramlar

 

Susanne Oberheu   www.kappadokya-travel.com

Zum Opferfest verschenken Muslime das Fleisch eines geschlachteten Tieres

Auch in Kappadokien werden Schafe und Rinder vor der Haustür geschlachtet. Die zurückbleibenden Blutlachen überall auf den Straßen erinnern noch lange daran.

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Datum: Sonntag, 30. Oktober 2011 10:53
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