Die Ortschaften von Kappadokien

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Kappadokien für den Besucher – das sind 7 kleine und größere Ortschaften in und um den Nationalpark Göreme

 

Der heute touristische Begriff Kappadokien betrifft nur noch eine Region von ca. 400 km2. In seiner größten Ausdehnung zur Zeit des Römischen Reiches überzog Kappadokien einen großen Teil ganz Zentral-Anatoliens. An Kappadokien kam niemand vorbei, der vom Orient nach Europa wollte und umgekehrt.

 

Wenn der Besucher heute nach Kappadokien kommt, meint er damit 7 kleine und ganz kleine Ortschaften, in denen sich die Einwohner auf die Gäste mehr oder weniger eingerichtet haben:

 

1.) Der Hauptort Göreme, nach dem der Nationalpark benannt wurde, ist eigentlich nur ein Dorf mit etwa 2500 Einwohnern. Es hat aber die spektakulärsten Feenkamine und Felswohnungen von ganz Kappadokien zu bieten. Der Dorfplatz wirkt skurril und unwirklich durch seine natürliche Architektur. Und hier befindet sich das berühmte Göreme-Freilicht-Museum mit den schönsten Kirchen und den wertvollsten Fresken. Göreme ist die erste Anlaufstelle für jeden Touristen. 150 Pensionen und Hotels, dazu Restaurants, Bars und Geschäfte haben sich auf den ausländischen Besucherstrom eingestellt; die wichtigsten Täler sind von hieraus zu Fuß zu erreichen.

 

2.) Der größte Ort im Dreieck „Kappadokien“ ist Ürgüp mit ca. 16.000 Einwohnern. Auch hier gibt es ein gutes touristisches Angebot mit weltstädtischer Atmosphäre. Manche Bar und manches Restaurant haben Istanbuler Standard. Eine gigantische antike Felswand erinnert daran, dass die Ürgüper mal in Höhlen gewohnt haben. Heute sieht man vorwiegend schön restaurierte alte osmanische Villen, in denen die Einheimischen leben oder schöne Hotels untergekommen sind. Ürgüp hat im Unterschied zu Göreme ein eigenes türkisches Stadtleben, das aber sehr westlich geprägt ist.

 

3.) Der nächst größere Ort ist die Töpferstadt Avanos, gelegen am Roten Fluss mit etwa 12.000 Einwohnern. Die Altstadt des Ortes wirkt verschlafen, während sich in der Peripherie ähnlich wie in Ürgüp Hotels, Verkaufshallen und Animateurbetriebe für den Massentourismus breit gemacht haben, deren Gäste aber die schöne Innenstadt kaum besuchen. Bekannt ist Avanos durch seine vielen Töpferhöhlen. Kleine Pensionen und Hotels gibt es hier nur eine Hand voll und so bleibt das Leben im Kern türkisch. Aber es gibt etliche Lokantas, Cafes, Teehäuser und sogar Bars mit Live-Musik, die sich in der Altstadt und entlang des Flussufers ganz auf den türkischen Gast eingestellt haben.

 

4.) Der schönste Ort ist sicherlich der kleine Ort Uçhisar mit etwa 3500 Einwohnern. Hier befindet sich einer der beiden berühmten Felsenburgen, die weit über den Ort und die Landschaft ragen. Am Hang gelegen mit einer der schönsten Aussichten, die Kappadokien zu bieten hat, haben sich inzwischen einige Luxushotels in die alten Höhlenhäuser eingenistet, mit Preisen von bis zu 1.000,-€ für eine Übernachtung, Höhlensuite mit grandiosem Blick und Whirlpool inklusive. Das Dorfleben beschränkt sich auf eine Straße oberhalb des Hanges und hat ein bescheidenes Angebot. Restaurants, Cafes oder Bars außerhalb der Hotels gibt es kaum.

 

5.) Der Ort Ortahisar mit ebenfalls 3500 Einwohnern ist berühmt durch die zweite verlassene Felsenburg als höchster Punkt in der Landschaft. Dieser Ort ist noch ganz dörflich, wenige Pensionen und kleine Hotels haben sich im Tal in den alten verlassenen Höhlenhäuser niedergelassen. Hier besteht noch ein echtes Dorfleben mit kleinen Geschäften, Lokantas, Teehäusern. Nur vor der Felsenburg sammeln sich die Touristenbusse zu bestimmten Tageszeiten. Als Attraktion hat Ortahisar außerdem die unterirdischen Vorratskammern, die bis heute genutzt werden.  

 

6.) Der kleinste Ort ist Cavuşin mit nur 700 Einwohnern, einigen kleinen Restaurants, Souvenirständen und ein paar Pensionen. Auch hier beeindruckt eine riesige von der Erosion freigelegte Felswand, in denen die Bewohner noch bis 1961 in ihren Höhlenwohnungen lebten. Vor hier aus geht ein Wanderweg in eines der schönsten Täler Kappadokiens, in das Rosental.

 

7.) Der ehemals griechische Ort Mustafapaşa mit 2000 Einwohnern liegt etwas außerhalb des kappadokischen Dreiecks, südlich von Ürgüp. Er unterscheidet sich von allen anderen kappadokischen Ortschaften durch sein an Griechenland erinnernden Dorfkern mit einer großen alten Kirche, einem Cafe mit dem griechischen Namen „Ellena“ und die reich verzierten Tuffsteinhäusern der 1923 vertriebenen Griechen. Dieser Ort ist klein und verschlafen und scheinbar abseits des kappadokischen Trubels. Dennoch gibt es auch hier inzwischen einige schöne kleine Hotels und Pensionen und einige Souvenirstände.   

 

 

 

So bietet Kappadokien nicht nur in jedem neuen Tal Überraschungen und neue Sichtweisen einer erodierenden Landschaft. Auch jeder der 7 Orte hat etwas ganz Eigenes und unterscheidet sich von den anderen. Darauf bestehen auf jeden Fall die Einwohner der Ortschaften. Kappadokier wie alle Türken sind Lokalpatrioten. Kein Einheimscher würde sagen, er käme aus Kappadokien! Ein „Avanoslu“ möchte sich auf gar keinen Fall mit einem „Göremeli“ verwechselt sehen und umgekehrt.

Sie sind alle Türken, aber zwischen den Ortschaften liegen Welten!

So wie Türkischstämmige in Deutschland zwar sagen, sie seien Türken, aber ihre Stadt, zu der sie gehörten, das wäre Dortmund oder Berlin.

Also überlegen Sie sich als Besucher, bei wem Sie zu Gast sein wollen: Kommen Sie in Göreme unter, so schlägt Ihnen in Ortahisar vielleicht etwas Unverständnis entgegen und natürlich umgekehrt.

Susanne Oberheu

www.kappadokya-travel.com

 …und zur Begrüßung gibt es immer den obligatorischen Tee aus dem türkischen Samowar!

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Datum: Dienstag, 29. März 2011 8:16
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