Rumi und die Liebe

Dschalal ad-Din Rumi, 1207 in Balch in Afghanistan geboren, flüchtete als Kind vor den Mongolen, bis er nach Konya in Anatolien kam (240 km von Kappadokien entfernt). Konya war damals Hauptstadt der weltoffenen Seldschuken und Anziehungspunkt für viele Gelehrte, Künstler und Denker, die der Mongolensturm vor sich hertrieb. Mevlana Rumi genoss die offene und tolerante Atmosphäre der Stadt und verbrachte schließlich sein ganzes Leben in Konya. Sein weltberühmtes Mausoleum erinnert heute an ihn. 

 

Rumi zählt zu den größten islamischen Mystikern und die in seiner Muttersprache verfassten persischen Gedichte zu den bedeutensten Werken der persischen Literatur. 

 

Als Derwischmeister und Sufi stiftete er den Derwischorden der Mevlana in Konya, die durch den Derwischtanz berühmt wurden. Beim konzentrischen Um-Sich-Selbst-Drehen versetzen die Mevlana-Mönche sich in eine transzendente Ekstase, die ihnen die Harmonie des Universums fühlen bzw. Gottesnähe erfahren lassen soll. Diese spirituelle Übung findet immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Bei Touristen beliebte Derwischvorführungen werden also nicht von Mönchen des Mevlana-Ordens sondern von Tänzern vorgetragen, die dabei garantiert nicht in Trance fallen. Auch in der seldschukischen Karawansarei bei Avanos in Kappadokien finden jeden Abend Derwischtanzvorführungen statt. Auch wenn diese natürlich nicht echt sind, vermitteln sie doch die große spirituelle Hingabe, die die Mönche dabei haben müssen.  

 

Hier in Konya lernte  Rumi schließlich den Derwisch Schamsuddin Tabrizi kennen und lieben. Dieser war ein Schüler des Haçı Bektaş aus Kappadokien und die beide wurden ein beargwöhntes Paar in Konya. Seine Liebesbeziehung zu Schamsuddin Tabrizi endete schließlich tragisch, aber die Liebesgedichte, die Mevlana Rumi über seinen verschollenen Freund schrieb, gehören zu den schönsten der Weltliteratur und beeinflussten schließlich den mittelalterlichen Minnesang in Europa.  

Susanne Oberheu

Auch Kappadokien hat sein Ort der Liebe: Askdere, das Liebstal!

Auch Kappadokien hat sein Ort der Liebe: Askdere, das Liebestal!

Kern auch seiner islamische Mystik ist die Liebe:

Die Liebe zu Gott befähigt ihn zur Liebe alles Geschaffenen, denn alles gehört zu einem harmonischen Ganzen, dessen Teil auch der Mensch ist. In der Ekstase löst sich der Mensch in diesem Ganzen auf, wie  „eine Welle im Meer“ und erfährt die Harmonie des Universums!

 

Wer liebt, ist Gott nahe und hat selbst Gott in sich.

 

Von Geboten und Dogmen hielt Rumi nichts. Auch sollte man sich in einer Liebesbeziehung ganz hingeben, also auch sexuell. Diese von islamischen Mönchen sehr oft vertretenen Auffassung von Liebe widerspricht in diesem Fall der christlichen, die in allem Sexuellen eher etwas Teuflisches vermutet ( Paulus, Augustinus) und stellt damit einer der wenigen Gegensätze zwischen islamischer und früh-christlicher Mystik dar.

 

So sind Rumis Gedichte voller Sinnenfreude und doch losgelöst von allem Weltlichen:

 

“Komm, wer du auch seiest!
Wanderer, Anbeter, Liebhaber des Loslassens, komm.
Dies ist keine Karawane der Verzweiflung.
Auch wenn du deinen Eid tausendmal gebrochen hast,
komm nur,
und noch einmal: komm!”


“Wer von Lieb´ nicht Farbe hat,
Ist bey Gott nur Stock und Stein.
Liebe lockt aus Steinen Wasser,
Liebe glättet Spiegel rein.“

 

“Sei frei, mein Knabe, und durchbrich die Schranke,
Zu lang war Gold und Silber dein Gedanke!
Denn gössest du das Meer in einen Krug, -
Was fasst er? Kaum für einen Tag genug.
Voll wird des Geiz´gen Aug´ nie; doch verleiht
Der Muschel Perlen die Genügsamkeit?
Wem immer Liebe riss das Kleid entzwei,
Der ist von Geiz und aller Schande frei.“

 Die UNESCO erklärte das Jahr 2007 als das "Jahr von Rumi"!

www.kappadokyaa-travel.com
www.kappadokien-reisefuehrer.com

Autor:
Datum: Dienstag, 22. Februar 2011 12:34
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Islam

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben