Das Göreme-Open-Air-Museum

Susanne Oberheu Reiseleiterin und Buchautorin Kappadokien

... als Reiseleiter im Göreme Open Air Museum noch die Kirchen erklären durften....

Eine Farce und trotzdem ein Muss

Tausende von Besucher kommen in der Hochsaison, besonders im Mai täglich in das Göreme-Open-Air-Museum. Der 3-Tage-Massentourismus hat dieses Museum als Höhepunkt der Kappadokien-Rundreise fest im Programm.

6 kleine mit kostbaren Fresken ausgestattete Kapellen, nicht größer als 20 m², an geringe Luftfeuchtigkeit gewöhnt, müssen nun den feuchten Atem unzähliger Gruppen jeden Tag ertragen.

Die Museumsleitung, seit 2013 privatisiert, hat gehandelt:

Touristen dürfen bei Andrang nicht länger als 3 Minuten in der Kapelle verweilen und grundsätzlich darf innerhalb der Kapelle nicht gesprochen werden, zwischenzeitlich durften die Reiseleiter selbst die Kirchen überhaupt nicht betreten!

Der Druck der Reiseleiter, ihre Busladungen von Touristen in die Kapellen zu bekommen, ist groß, Eile ist geboten, denn die nächste Gruppe steht schon in der Schlange, ungeduldige Menschenhaufen drängen vor dem niedrigen Höhleneingang.

Die ehemals nur von Vogelgezwitscher gestörte idyllische Klosteranlage ist ein profitorientierter Massenbetrieb geworden, mit ewig missmutigen und zurechtweisenden Museumswärtern, mit aggressiven und laut rufenden Reiseleitern, die auch schon mal die Trillerpfeife zur Hilfe nehmen, und frustrierten Besuchern, denen keiner die zahlreichen biblischen Szenen erklärt, weil ja keiner in den Kirchen sprechen darf!

Die wunderschönen Kapellen als sakralen Raum zu erleben, kommt bei diesem Andrang ebenfalls nicht in Frage.

Fotografiert werden darf natürlich auch nicht, weder mit noch ohne Blitzlicht, dieses machen die Wärter bereits beim Betreten der Kirchen unmissverständlich klar!

Man muss die Kirchen im Göreme-Open-Air-Museum gesehen haben!

Wirklich?

So ist dann auch der Eindruck der meisten in diesem Massenbetrieb gestressten Besucher, die nicht verstehen, was sie dort sehen: ” Kennste eine, kennste alle, ist nichts Besonderes!”

- Was für ein Irrtum!

Eine Begrenzung der täglichen Besucherzahlen, wie bei anderen großen Sehenswürdigkeiten, kommt aus ökonomischen Gründen für die Museumsleitung nicht in Frage!

Eintritt: 20,-TL  + 10,-TL für die Karanlik Kilise innerhalb des Museumsbereiches

 

Susanne Oberheu

 

Autor:
Datum: Montag, 5. Mai 2014 7:38
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Archäologie, Christentum, Kirchengeschichte, Tourismus

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben