Die prächtigsten Höhlenkirchen von Göreme

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Die „Dunkle-“ und die „Schnallen“-Kirche:

 

Zu den schönsten Kirchen Kappadokiens, die bisher gefunden wurden, gehören die Dunkle- und die Schnallen-Kirche im Freilicht-Museum von Göreme. Ihre Farbenpracht und ihren guten Zustand verdanken sie tatsächlich der Dunkelheit. Von Menschen unentdeckt hatten diese Kirchen in der unterirdischen Felsenlandschaft von Kappadokien einen 1000-jährigen Schlaf geschlummert, bis kappadokische Schäfer einen kleinen Zugang im Berg fanden und ihn frei räumten. Durch das fehlende Tageslicht haben die wertvollen Fresken dieser Kirche die lange Zeit gut überstanden.  

Die „Dunkle Kirche“ stammt aus dem 11.Jahrhundert und gehört zu den am prächtigsten ausgestatteten Kirchen Kappadokiens. Sie stammt aus einer Zeit, als ein Kappadokier als Kaiser in Konstantinopel das große byzantinische Reich für kurze Zeit befrieden konnte, Kappadokien ausnahmsweise einmal nicht umkämpftes Grenzgebiet war und weder Araber noch Perser die verschreckten Menschen ständig in die unterirdischen Städte trieben. Reiche Stifter und hervorragende Künstler gaben sich in dieser Friedensperiode die Klinke in die Hand. Es war eine wahre Blütezeit, aus der diese reich ausgestatteten Kirchen stammen.

Ende des 11.Jahhunderts fielen bereits neue Eroberer nach Kappadokien ein: die turkmenischen Seldschukken entrissen nun für immer die Region dem christlich-byzantinischen Machtbereich. Das tat dem christlichen Mönchsleben in Kappadokien allerdings kaum Abbruch. Die Seldschukken herrschten tolerant und so entstanden weitere prächtige Kirchen.

Entgegen der Ausschilderung im Göreme-Museum stammt nämlich die neue Tokali (Schnallen-)Kirche nicht aus dem 11. sondern aus dem 13.Jahrhundert, wie die deutsche Kunsthistorikerin, Hanna Wiemer-Enis in ihrer Dissertation beweisen konnte.

Selbst dem Laien scheint es schon ganz unwahrscheinlich, dass diese dicht beieinander liegenden Höhlenkirchen aus derselben Epoche stammen sollten: hier der Pantokrator, dort Jesus am Kreuz in der Hauptapsis. Außergewöhnlich ist auch die liebkosende Maria, Maria Eleusa, in der Tokalı Kirche. Szenen aus Jesu Leben sind ganz unterschiedlich dargestellt und kombiniert.

Bedenkt man, dass die byzantinische Malerei wie auch die Ikonenmalerei 1000 Jahre lang sehr strengen immer gleich bleibenden Regeln unterworfen war, so sind die Unterschiede zwischen der „Dunklen-“ und der „Schnallen“(Tokalı)-Kirche erheblich. Natürlich gab es Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte und auch regionale Eigenheiten. Dennoch gilt der byzantinische Stil als statisch und ist genau deshalb als oberflächlich und zurückgeblieben im Westen immer wieder verkannt worden. Tatsächlich aber vermitteln die griechisch-orthodoxen Fresken und Al-Secco-Malereien des byzantinischen Reiches eine sprituelle Tiefe, die in unserer westlichen materiellen Welt fast verloren gegangen scheint.

Leider läßt der große Besucherstrom, der diese kleinen Kirchen heute besucht, keinerlei Spriritualität mehr zu. Laut ist es geworden in den heiligen Kappellen und Kirchen. Man muss die Zeiten kennen, während der man manchmal ganz allein in dieser Pracht stehen kann und dann erfasst den Betrachter ein leichter Schauder und er ahnt, dass diese Ausschmückungen ganz und gar nicht oberflächlich sind.

Susanne Oberheu

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www.kappadokya-travel.com

 

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Datum: Dienstag, 5. April 2011 10:36
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