Wunderheiler in Kappadokien

Er heißt Halis Ateş und nennt sich der „Bio-Energie-Mann“. Er wohnt in einfachen Verhältnissen in Avanos, was einen wundert, wenn man ihn einmal in Aktion gesehen hat. Im türkischen Fernsehen ist er eine Berühmtheit und wöchentlich kommen von weither Menschen, die bei ihm auf Heilung einer Krankheit hoffen. Freundlich bittet  er die Hilfesuchenden in sein kleines altes Tuffsteinhaus etwas abseits in der Altstadt von Avanos am Roten Fluss. Am Wochenende kommt es in der kleinen Gasse vor seinem Haus schon einmal zu Warteschlangen. Die Schuhe müssen natürlich im Vorraum abgestreift werden. Man sitzt eine kleine Weile auf bequemen großen Sesseln um einen Tisch und sehr zurückhaltend, als hielte er seine Frage für Anmaßung, erkundigt sich Halis Ates  nach den Beschwerden seiner Besucher. Am Wochenende holt er sich auch Hilfe von seinen heranwachsenden Töchtern, die die gleiche Gabe besitzen wie er. Halis meint sogar, dass seine älteste Tochter größere Fähigkeiten besäße als er; bei ihm würde die Kraft schon langsam nachlassen. Er wolle seine Kinder  aber nicht überfordern; in der Woche, wenn die Mädchen zur Schule gingen, wäre Heilen für sie sowieso tabu. Außerdem bräuchte das Heilen sehr viel Kraft.  Schon sein Vater heilte fremde Menschen, ohne je eine medizinische Ausbildung erhalten zu haben. Und scheinbar ist diese Fähigkeit von ihm auch auf seine Töchter übergegangen. 

Im Fernsehen tritt Halis Ates weniger als Heiler, denn als Bio-Energie-Mann auf: dann entblößt er seinen Oberkörper und bittet die Zuschauer Löffel, Gabeln  oder große Messer an seinen Rücken und Brust zu heften. Obwohl Halis völlig aufrecht steht, bleiben die Gegenstände ohne jede Hilfe an ihm hängen und fallen nicht herunter, sogar Bügeleisen scheinen wie an ihm zu kleben.

 

Seine heilende Gabe aber ist, den Schmerz der Patienten mit seinen Händen zu erspüren. Hat er den Schmerz gefunden, so zieht er seine großen Hände immer wieder über diese Stelle des Körpers, ohne sie zu berühren. Die Patienten schließen dabei die Augen und könnten schwören, dass Halis warme Hände auf ihrem Körper liegen würden, da es dort sehr warm geworden wäre. Sie würden ihm nicht glauben, dass er sie nicht berührt habe, wenn nicht  anwesende Freunde und Verwandte ihnen genau das bestätigten. Die Zuschauer sehen diesem Geschehen fassungslos zu, selbst die, die vorher an solche Kräfte eher zweifelten.

Die heilenden Händer der Tochter wirken ohne Berührung!

Die heilenden Hände der Tochter wirken ohne Berührung!

 

Es herrscht Ruhe in diesem kleinen Zimmer, wo der Patient sich auf einem Sofa ausstrecken musste.

 

Nach 10 Minuten merkt man Halis an, dass er erschöpft ist. Er scheint mit seinen Händen den Schmerz aus dem Körper des Patienten zu ziehen und er selbst verliert dabei an Kraft. Auch das ist ein Grund, warum er nur ungern diese Arbeit seinen Töchtern zumutet.

Nach Beendigung der ersten Sitzung gibt er Prognosen ab, manche Patienten müssen noch einmal wiederkommen. Dann sitzt man noch eine Weile um den Tisch herum und die Frau des Hauses reicht Tee. Halis Ateş würde nie Geld für seinen Dienste verlangen. Dennoch geben die glücklichen Patienten natürlich gerne etwas. Bei manchen tritt sofortige Erleichterung ein, bei einigen erst Tage später, und es gibt auch Menschen, denen kann sogar der Bio-Energie-Mann aus Avanos nicht helfen, was er dann auch in aller Bescheidenheit zugibt.

Susanne Oberheu

 

Halis mit seinen begabten Töchtern
Halis mit seinen begabten Töchtern

www.kappadokya-travel.com

 

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Datum: Samstag, 19. Februar 2011 11:58
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