Meltingpot Anatolien / Schnittstelle Kappadokien

Schmelztiegel der Kulturen

 

Man kann sagen, jeder wollte mal nach Anatolien und die meisten blieben.

 

Die ersten nachweislichen Einwanderer waren vor fast 4000 Jahren Indogermanen, die über den Kaukasus ins Landesinnere drängten und ein Weltreich gründeten, die Hethiter.

Wer zu der Zeit schon dort wohnte, ist unbestimmt. Aber die Ausgrabungen in Catal Hüyük unweit von Kappadokien belegen: Hier gab es die ersten weltweit menschlichen Siedlungen vor 8000 Jahren. Anatolien war schon immer bewohnt. Die Einheimischen, wer sie auch immer waren, verschmolzen dann mit den Neuankömmlingen. Als nächsten weiß man, dass ein Bauernvolk vom Balkan auf die anatolische Hochebene mit Sack und Pack kam und sich für immer niederließ, die Phrygier.

An den Rändern Anatoliens machten sich die Griechen breit, wir wissen das von Homer, der von Troja berichtete. Aber auch die Einfahrt vom Kaukasus blieb belebt. Die Skyten jagten die Kimmerer vor sich her, auch die blieben, und den Skyten schien es im östlichen Anatolien auch gut zu gefallen. Seit langem hatten auch schon die Semiten von der arabischen Halbinsel nach Anatolien geschaut, mit denen sie bereits seit Jahrhunderten Handel betrieben. Bis Kappadokien konnten die Assyrer Ihr Großreich ausdehnen.

Bis dann die Perser kamen, erst zaghaft, dann gewaltig die Achämeniden und ganz Anatolien in ihr Reich eingliederten. Sie bauten die Seidenstraße und ermöglichten noch mehr Zuwanderungen aus Asien und Europa. Irgendwann kam dann wieder die Stunde der Griechen. Ganz Anatolien wurde nach Alexander dem Großen griechisch. Das hielt aber nicht die Kelten davon ab, auch einmal vorbeizuschauen und zu bleiben: die Galater der Paulusbriefe sind Kelten, Nachbarn der Kappadokier. Und schließlich wollten dann auch die Römer Kleinasien, wie sie es nannten, und zwar ganz, weswegen sie sich für Jahrhunderte mit den Persern darum schlugen. Die einheimischen Griechen nahmen es gelassen. Römisch-persisch-griechische Kultur, nomadisch unterwandert wurde in Anatolien gepflegt, immer wieder bedroht von einfallenden und plündernden Horden. Die Hunnen und selbst die Goten schauten auch mal kurz vorbei, gingen aber wieder, beladen mit Beute und so manchem verschleppten Kappadokier. Einer dieser kappadokischen Nachkommen war Wulfila, der erste Bischof der Goten, der den Wilden in Europa das Christentum und die Schrift brachte. 

Dann kamen wieder die Semiten, aber diesmal mit einer religiösen Mission, dem Islam. Die Araber kamen zunächst nur bis Kappadokien, das sie aber nicht in Ruhe lassen wollten. Der Westen kämpfte erbittet um jeden Meter, musste sich aber schließlich weit zurückziehen. Von allen Seiten im Osten kamen nun Turkvölker, die vor den Mongolen aus Zentralasien flüchteten. Auch die wollten nach Anatolien, aber die wollten ja überall hin und gingen dann nach ausgiebigen Plünderungen auch wieder, jedenfalls die meisten. Als sich dann der Turkstamm der Osmanen in Anatolien etablierte, war es mit der westlichen griechisch-römischen Macht bald vollends vorbei, dennoch blieben die meisten Griechen, Römer, Slawen, Gallier oder wie sie sich auch immer nannten.

Seitdem herrscht Ruhe.

Seltsamerweise sind all die Völker nach Anatolien gekommen, man weiß aber nur von den Hunnen, Goten und Mongolen, dass sie auch wieder gingen. Alle anderen blieben und vermischten sich mit der ansässigen Bevölkerung.

Der griechische Ort Mustafapasa heute von Griechen verlassen. Aber vielleicht ist dieser Türke ja ein bischen griechisch oder slawisch oder semitisch oder persisch. Wer weiß das schon.
Der griechische Ort Mustafapasa ist heute von christlichen Griechen verlassen. Aber vielleicht ist dieser Türke ja ein bischen griechisch oder slawisch oder semitisch oder persisch. Wer weiß das schon.

So kann man wohl heute mit Recht behaupten, dass wohl kaum ein Land derartige Anziehungskraft auf fremde Völker ausübte. Anatolien war über Jahrtausende hip, jeder wollte sich dort niederlassen! Und die heutigen Türken haben wahrscheinlich den größten Genpool der Welt! Kappadokien aber war die Schnittstelle und daher auch immer wieder militärische Front. Dieses mag der Grund sein, warum die Kappadokier, die ebenfalls nicht weg gehen wollten, sich lieber in die Erde gruben, um sich so vor den ständigen Überfällen zu schützen –  in den unterirdischen Städten.Susanne Oberheu

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Datum: Montag, 14. März 2011 19:12
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