Das Geheimnis der Unterirdischen Städte

- Ein Erklärungsversuch

Eine der Hauptattraktionen von Kappadokien sind die sogenannten „Unterirdischen Städte“.

Eigentlich kann man bei näherer Begutachtung gar nicht von Städten sprechen, auch weiß man nichts über die Beweggründe ihrer Erbauer und vor allem gibt es bisher keinerlei  Hinweise dafür, wann diese unterirdischen Anlagen ausgebuddelt wurden.

Nur durch Zufall wurden viele entdeckt: Dorfbewohner fielen plötzlich in ein Loch oder schwere Mauern durchbrachen die dünne Erdschicht über dem Eingang einer unteririschen Anlage und legten diesen frei. So wurde manch kleiner Bauer Besitzer eines weitverzweigten unteririschen Höhlensystems, weil der Eingang auf seinem Gelände lag.

Unterirdische Stadt Kappadokien Foto Ruckdeschel 2012 Kappadokya Travel

Heute heißt es, dass jeder Ort in Kappadokien über eine „Unterirdische Stadt“ verfügt.

Für die Bewohner der letzten Jahrhunderte war dieses keine Sensation, wohnten sie doch selbst in Höhlen und zusätzlicher Lagerraum war immer willkommen. Die nicht benötigten Höhlenräume dagegen wurden einfach zugeschüttet oder zugemauert. Im Laufe der Zeit verschwand schließlich dieses Wissen über weitere Gänge und Höhlen und so bleiben heute nur Vermutungen. Dennoch lohnt es sich, in die kappadokischen Dörfer zu gehen und danach zu fragen: zunächst wird man weitergereicht von Nachbar zu Nachbar und viele Gläser Tee müssen getrunken werden bis sich jemand findet, der den Neugierigen zu einem versteckten Loch führt. Ausgerüstet mit guten Taschenlampen und festen Schuhen betritt man nun eine geheimnisvolle Welt von Räumen und Gängen, die scheinbar unendlich weiterreichen und sich verzweigen, ohne dass je Tageslicht eingedrungen wäre. Die Angst, nicht wieder zurückzufinden stoppt dann meistens den Forschergeist, auch wenn der Dorfjunge versichert, er würde sich ganz genau auskennen in diesem Labyrinth.

Die bekanntesten Unterirdischen Anlagen sind heute in den kleinen Orten Derinkuyu, was bezeichnenderweise „Tiefes Loch“ heißt, und Kaymakli zu besichtigen. Diese Anlagen gehen 8 Stockwerke in die Tiefe und sind mit einem ausgetüftelten Belüftungssystem über einem Brunnenloch ausgestattet. Manchmal sind einzelne Räume nur durch Kriechgänge oder senkrechte Schächte zu erreichen; aber es gibt auch Kappellen, Weinkeltereien und Stallungen mit in den Fels gehauenen Futterkrippen; Löcher im Boden einiger Räume weisen darauf hin, dass hier Vorratskrüge gestanden haben müssen; schwarze Wände zeigen, dass hier eine Feuerstelle war, wahrscheinlich die Küche.

Kaymakli und Derinkuyu wurden mit elektrischem Licht für die Besucher sichtbar gemacht, dennoch ergreift manchen Touristen die klaustrophobische Panik und die Flucht an die rettende Oberfläche.  Reiseleiter können den Sinn einzelner Räume erklären, aber der Sinn der gesamten Anlage bleibt bis heute ein Geheimnis. Leider haben sich bisher auch nur wenige Experten für die Erforschung dieser ungewöhnlichen Wohnstätten gefunden. So bleibt viel Platz für Spekulationen und für Superlative:

Obwohl viele Gänge nicht geöffnet wurden und noch zugeschüttet sind, weiß man trotzdem, dass erst 10% aller kappadokischen unterirdischen Anlagen freigelegt wurden – eine interessante Rechnung!! Mit anderen Worten, man weiß absolut nichts und verfällt in extreme Zahlenspiele: 60.000 Menschen sollen in einer „Unterirdischen Stadt“ bis zu 6 Monate gelebt haben. Woher der Autor das weiß, bleibt ebenfalls ein Geheimnis, aber er hatte offensichtlich eine Affinität zu der Zahl „6“! Auch sollen alle „Städte“ über Hunderte von Kilometern miteinander durch Gänge verbunden gewesen sein. Zwar ist noch keiner dieser Gänge frei geräumt worden, aber der Fantasie, wohin all diese Gänge führen könnten sind eben keine Grenzen gesetzt. Wie groß und weitreichend die kappadokische Unterwelt sein soll, darüber besteht bei vielen Märchenerzählern, Einheimischen und Reiseleitern also keinerlei Zweifel.

Warum und wann allerdings das alles ausgehöhlt worden ist, weiß niemand zu berichten.

Noch vor wenigen Jahren war die allgemein gängige Meinung, dass sich hier Christen vor den einfallenden Muslims gerettet hätten und dieses also der Zeitpunkt der Entstehung war, im 7.Jahrhundert byzantinischer Zeit.

Aber schon viele Jahrhunderte vorher ließen sich hier an der Durchgangsstraße zwischen Jerusalem und Byzanz erste Christen in der versteckten Welt der kappadokischen Täler nieder. Damals wurden sie noch von den Römern verfolgt. Als schließlich die Araber mit dem Islam ein Weltreich im 7.Jahrhundert begründeten, fielen die streitbaren Anhänger Mohammeds natürlich auch in das inzwischen christliche byzantinische Reich ein. Der normale Weg für alle Reisende aus Arabien führte damals wie heute durch die Kilikische Pforte – ein Durchbruch im hohen Taurusgebirge, das eine bequeme Besteigung der anatolischen Hochebene von Süden her ermöglichte ohne über 4000m-hohe Gipfel zu müssen. Für die islamischen Eroberer war dies also der direkte Weg zu dem reichen Byzanz alias Konstantinopel und der führte durch Kappadokien, was somit ganz sicher Aufmarschgebiet der Araber gewesen war. Aber eben nicht nur der Araber! Auch andere Völkerschaften aus dem Süden wälzten sich durch das Nadelöhr der Kilikischen Pforte, um zu erobern oder auch Handel zu treiben: Bereits im 2.Jahrtausend vor Christus hatten die Assyrer aus Mesopotamien Handelsniederlassungen in der Nähe von Kayseri  gegründet. Kappadokien war ein Handelsknotenpunkt, später verlief hier die Seidenstraße, die das Mittelmeer mit Indien und China verband, also weltweiten Handel ermöglichte, bis dieser im Mittelalter durch Schifffahrtslinien bestritten wurde.

Die Menschen in Kappadokien waren also Bedrängung gewöhnt und zwar aus allen 4 Himmelsrichtungen: Aus Nord-Ost kamen die wilden Reitervölker der nördlichen Schwarzmeerregion, aus dem Osten die Perser, aus dem Südosten erst die Araber, dann die Türken, aus dem Westen erst die Griechen, dann die Römer und schließlich auch die Kreuzfahrer. Kappadokien lag eigentlich immer auf dem Weg, ob im Krieg zwischen Römer und Perser oder zwischen Muslime und Christen. Auch lag Kappadokien auf der Route der großen religiösen Erweckungsbewegungen: Christen wie Muslime, aber auch Juden in der Diaspora passierten Kappadokien; und so mancher fühlte sich in der weltoffenen Metropole Caesarea, dem heutigen Kayseri mehr zuhause als in Jerusalem.

Kappadokien war also schon immer ziemlich multikulti; Jahrhunderte lang persisch, dann römisch, dann byzantinisch-griechisch, dann türkisch  und manchmal alles gleichzeitig: Zarathustra ist hier genauso fest verankert wie Jesus Christus und Mohammed.

Kappadokier sind also einiges gewöhnt und Fremde machen ihnen so schnell keine Angst; diese Offenheit ist eigentlich bis heute zu spüren.

Wovor aber hatten die weltoffenen und kriegsgewöhnten Kappadokier so eine Höllenfurcht, dass sie sich viele Meter tief  in das Erdinnere buddelten? Denn eines ist klar: Dass hier niemand freiwillig gelebt haben kann, erzählen einem auch heute noch die primitivsten Instinkte, wenn man so eine Anlage betritt. Hier haben sich Menschen versteckt und sie haben unglaubliche Mühen auf sich genommen, um sich unter der Erdoberfläche Schutzräume zu graben und dieses von einer Größenordnung, die darauf schließen lässt, dass die unterirdischen Bunker nicht nur für einzelne sondern für Evakuierungen ganzer Dörfer und Städte vorgesehen waren.

Soviel zu den einzelnen „Unterirdischen Städten“.

Betrachtet man jedoch die geografische Verteilung aller bisher bekannten unterirdischen Fluchtanlagen, so wird zum einen klar, dass fast jeder Ort in Kappadokien sich verstecken musste, im Umkreis aber von etwa 50 km sich eine geschlossene Verteidigungslinie bildete, die ganz besonders nach Süden, also Richtung Kilikische Pforte wie Perlen an einer Schnur dicht aufgereiht waren und das wiederum auf der Hochebene, wo kaum ein Strauch den winterlichen eisigen Winden trotzt, es weder geschützte Hänge noch Süßwasser gibt, also keinen Grund, sich anzusiedeln. Hier aber unter der fast lebensfeindlichen, vegetationsarmen Oberfläche der anatolischen Hochebene auf über 1500 m Höhe findet man die größten „Unterirdischen Städte“.

Baumlos ist die anatolische Hochebene in Kappadokien

1600 m über dem Meeresspiegel. Kaum ein Strauch bietet hier Schutz vor der sengenden Sonne des Sommers oder den eisigen Winden des Winters.

Heute zwar stehen an diesen Stellen ebenfalls kleinere Ortschaften wie Derinkuyu und Kaymakli, die mit Strom und Wasserleitungen hier ein einigermaßen komfortables Dasein fristen. Vor Hunderten von Jahren aber, als Menschen noch gezwungen waren, dort zu siedeln, wo sie mit dem Wichtigsten versorgt wurden,  musste dieser Standort eine Strafe gewesen sein. An manchen dieser Stellungen mussten Brunnen von 50 m Tiefe gebohrt werden, um nicht zu verdursten. Niemand hätte hier freiwillig gewohnt, erst recht nicht, kennt man die fast paradiesischen Zustände kappadokischer Täler nur 30 km weiter im Norden und einige Hundert Meter tiefer und damit klimatisch angenehmer gelegen:  Dort lebte man geschützt vor den eisigen Winden und der sengenden Sonne in den Berghängen, die aus allen Löchern die Täler und Schluchten mit feinstem Quellwasser versorgten, so dass an der Talsohle fast jedes Gemüse und zahlreiche Obstsorten heimisch werden konnten. Gleichzeitig boten die Felswände aus Tuffstein allerbeste Wohnvoraussetzungen, warm im Winter und kühl im Sommer und mit Aussicht ins Grüne! Und die meisten Täler waren außerdem uneinsehbar für Feinde – Also ein idealer Siedlungsort!

Wozu also dieser irrsinnige Aufwand der unterirdischen Anlagen auf der kargen Hochebene im Süden Kappadokiens?

Kein Mensch weiß wie alt die Anlagen sind, da sich bei Gestein leider nicht messen lässt, wann es behauen wurde. Findet man keine Artefakte, so kann die Höhle so alt sein wie der Fels selbst und seit Menschen Höhlen zu graben imstande waren. Die kappadokischen Höhlen wurden auch immer wieder neu genutzt, das heißt man renovierte erst einmal und schmiss alles raus, um dann neu zu beziehen. So ist leider nichts übriggeblieben, was auf eine antike Nutzung  schließen könnte. Dennoch gilt es inzwischen als gesichert, dass die sogenannten „Unterirdischen Städte“ von Kappadokien älter als die Christen sind. Man geht sogar davon aus, dass vereinzelt Anlagen aus hethitischer Zeit stammen, also mehr als 3000 Jahre alt sind wie zum Beispiel Teile der  Anlage von Gaziemir, einer unterirdischen Karavansarai, wie man annimmt.

Der unterirdische und unsichtbare „Schutzwall“ von einzelnen Anlagen, die halbkreisförmig die Hochebene von Kappadokien nach Süden hin abschließen, hatte aber mit ziemlicher Sicherheit militärische Aufgaben!

Und wer oder was nun trieb die Kappadokier zu dieser verzweifelten Maßnahme?

Nicht selten gaben Laienarchäologen und Hobbyforscher entscheidende Hinweise für die Geschichte. So auch hier:

Im Mai 2011 hatten wir das große Glück, jemanden bei uns in Avanos als Gast zu haben, der uns auf längst vergessene Unterlagen zu diesem Thema aufmerksam machte. Werner Fuchs war ein Freund und Kollege des inzwischen verstorbenen Dr. Martin Urban gewesen und dieser war zwar im richtigen Leben Leiter für Flugwetterkarten beim Meteorologischen Amt der Bundeswehr, was ihn aber nicht davon abhielt, als Laienforscher seine gesamte Freizeit dem Thema kappadokischer unterirdischer Städte zu widmen. Das war in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts.  Dazu hatte er ein Buch geschrieben, welches heute leider weder vom Verlag noch antiquarisch zu erhalten ist. Unser Gast Herr Fuchs aber übergab uns mit Einverständnis der Erben eine Kopie des Manuskriptes, das diesen Forschungen gewidmet war.  Und hier unterbreitet Dr. Urban nun die unserer Meinung nach bisher schlüssigste Theorie über die Entstehung der unterirdischen Anlagen.

Die Geschichte rollt sich von hinten auf:

Wie schon erwähnt, hatten die Assyrer aus Arabien bereits im 2.vorchristlichen Jahrtausend eine Handelsstadt in Kappadokien ganz in der Nähe von Kayseri gegründet und betrieben von dort Handel mit den Hethitern. Das wichtigste Handelsprodukt der Hethieter in Kappadokien war Obsidian, der als vulkanisches Gestein nur in wenigen Gegenden der Welt vorzufinden ist und in der damaligen Stein- und Bronzezeit von ganz besonderem Interesse war. Denn Obsidian konnte wie Feuerstein als messerscharfes und hartes Werkzeug Verwendung finden, was in der Zeit vor Erfindung des Eisens von unermesslichem Wert war. Selbst die Ägypter, die ihre Pyramiden mit weichen Kupfermeißeln bauen mussten, schickten Handelsdelegationen ins ferne Kappadokien. Der dunkel glänzende Obsidian galt als das schwarze Gold der Region. Mit den Hethitern begann allerdings auch die Eisenzeit und damit verlor der Stein nach und nach an Bedeutung, jedenfalls zunächst nur für die Hethiter. Dieses war natürlich ein sehr langsamer Prozess, der von Kappadokien ausgehend die Levante und auch das Assyrische Reich erreichte. Das harte Gestein sollte noch weitere Jahrhunderte eine herausragende Rolle spielen.

Und viele Legenden bildeten sich um diesen Reichtum:

Im 8. Jahrhundert v.Chr. herrschte über Kappadokien König Midas, dessen Phrygisches Reich sich fast über ganz Anatolien erstreckte. Von ihm erzählt man die Sage, dass alles in seinen Händen zu Gold wurde. Der in der Psychologie genannte Midaskomplex bedeutet heute maßlose Gold- bzw. Geldgier. Goldfundstätten aber  gab es in Anatolien kaum.

Auch kennt jeder den  sagenhaften Reichtum von König Krösus, dessen Lydisches Reich in Anatolien sich ebenfalls bis nach Kappadokien zog.

Aber was machte den legendären Reichtum von Midas und Krösus aus, wenn es kein Gold war? War es das so seltene Obsidian, das schwarze Gold, das ihnen diesen Ruhm bescherte? Man weiß es nicht! Die Geschichte verliert sich in Sagen und Mythen.

Und nun kommen wir wieder zu den Assyrern, die bereits Jahrhunderte früher ihre ebenfalls gierigen Hände nach Kappadokien ausstreckten, zunächst als Händler, dann aber als Eroberer des Großassyrischen Reiches, und zwar zu der Zeit, als der Goldjunge Midas König von Phrygien, also auch Kappadokien war. Das Großassyrische Reich gilt in der Geschichte als eines der grausamsten Erobererstaaten der Antike. Von Ninive, Babylon und Assur in Mesopotamien ausgehend überfielen die Assyrer mit unvorstellbarer Gewalt ihre Nachbarstaaten und eroberten schließlich sogar Ägypten. All das weiß man heute von Tausenden von Tontafeln, auf denen die Assyrer akribisch genau ihre Metzeleien festhielten: Die Menschen wurden entweder getötet oder verschleppt, die Beute in das Mutterland geschafft.

Der Weg auf die anatolische Hochebene in das Goldland des König Midas` war durch die Kilikische Pforte vorgezeichnet und Kappadokien mit der alten Handelsmetropole schien offen.

Und nun erfahren wir, dass die Assyrer das vor Reichtümer strotzende Phrygien des König Midas nicht eroberten, sondern Midas nur Tribute an Assyrien zu zahlen hatte!!!?? Was war da geschehen? Warum stoppten die Assyrer plötzlich kurz vor Kappadokien, dass sogar ihr Handelsstützpunkt Kanis bei Kayseri außerhalb ihres Reiches blieb?

Unterirdische Städte von Kappadokien Eine Erklärung

-          Es ist eigentlich überhaupt nicht zu verstehen, dass die erfolgreichsten Eroberer des 8.Jahrhunderts vor Christus ausgerechnet dort zurückwichen, wo es der Sage nach unermessliche Reichtümer gab: König Midas, in dessen Händen alles zu Gold wurde, musste nur Tribute zahlen, aber sein Reich durfte er behalten?

Und hier greift nun die These von Dr. Martin Urban: Dass nämlich die militärischen Anlagen der sogenannten „Unterirdischen Städte“ wie ein Schutzwall die assyrischen Eroberer aufhalten konnten, wenn auch nicht für immer. Jahrzehnte später erweiterten die Assyrer ihr Reich in Richtung Westen, allerdings auch nur bis zum Salzsee. Die, die ganz Ägypten erobert hatten, verloren ausgerechnet hier das Interesse? Waren tatsächlich die unterirdischen Wehrhöhlen rund um und überall verteilt in Kappadokien dafür verantwortlich?

Tausende von Soldaten konnten sich hier unter der Erde verstecken, um dann im Überraschungsangriff wie aus dem Nichts über die Eindringlinge herzufallen; als Bogenschützen waren die Kappadokier gefürchtet! Die Eroberer wähnten also freien Durchzug durch eine menschenleere Gegend und plötzlich sprangen ganze Kompanien aus dem Erdboden. Machte die so mögliche Guerillataktik der Kappadokier, die wie Gespenster auftauchten und gleich wieder verschwanden, den Assyrern so zu schaffen, dass sie schließlich ganz aufgaben? Vorstellbar wäre das Entsetzen, das die sonst so grausamen assyrischen Krieger erfassen musste, ahnten sie doch nichts von den “Unterirdischen Städten”!

Auch spricht dafür, dass diese auf der kargen Hochebene verteilten unterirdischen Anlagen über Dutzende von kleinen weit verteilten Zugängen verfügen. Dahinter öffnen sich dann auch nicht die großen Schutzräume, die Massen von Flüchtenden zunächst aufzunehmen im Stande sind, sondern Stallungen, kleinere Konglomerate von Räumen. Hier verteilt warteten kleinere Guerilla-Einheiten auf ihren Angriff, kleine wendige Pferde auf ihren Einsatz. Die vielen eher winzigen Räume der unterirdischen Städte waren nicht zum Schutz von Flüchtlingen gedacht sondern zum Verstecken ausgebildeter militärischer Einheiten, die auch den Entbehrungen unter der Erde gewachsen waren und auch durch die niedrigen Gänge sich wendig und schnell bewegen konnten. Ganze Familien mit Vieh, Kinder und Alten würden direkt am Eingang der unterirdischen Stadt sofort im Stau stehen und die Räumlichkeiten wären viel zu klein, um völlig verängstigte Menschen versorgen zu können.

Und wer verfügte über die Mittel, derartig riesige Anlagen unter der Erde zu schaffen? War es das “Gold” von König Midas?

Aber Reiche kommen und gehen. Das Assyrische Reich musste weichen. Als nächstes hatten die wehrhaften Kappadokier die wilden Reitervölker aus dem Norden des Schwarzen Meeres zu erdulden, die Kimmerer eroberten Anatolien.  Der bis dahin von Erfolg verwöhnte und goldgierige König Midas aber soll diese Schmach nicht ertragen und schließlich Selbstmord begangen haben, indem er Stierblut trank.

Auch König Krösus musste für seine Arroganz büßen, als er meinte, wie im Orakel prophezeit, hier in Kappadokien beim Roten Fluss die Perser besiegen zu können. Das Orakel hatte ihm geweissagt, dass sobald er den Halys überschreiten, er ein großes Reich zerstören würde. Dass dieses sein eigenes sein könnte, auf diese Idee war er gar nicht gekommen.

Kappadokien wurde für die nächsten 200 Jahre also persisch und befriedet. Vielleicht waren es die nun freigelassenen Pferde der Soldaten aus den “Unterirdischen Städten”, die friedlich auf den weiten Ebenen grasten und die Perser dazu bewogen, dieser Region im Herzen Anatoliens nun einen Namen zu geben „Katpatuka“- Land der schönen Pferde! Die Römer machten daraus schließlich Cappadocia!

In Erinnerung an Dr. Martin Urban

Susanne Oberheu

Susanne Oberheu in einem senkrechten Verteidigungsschacht einer Unterirdischen Stadt 2012 in Kappadokien

Susanne Oberheu in einem senkrechten Verteidigungsschacht einer Unterirdischen Stadt in Kappadokien

 

 

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Datum: Samstag, 2. März 2013 10:29
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