Das Dekor der Häuser Kappadokiens

Die Blume der Schöpfung und des Lebens

 

Wohl kaum ein Haus in Kappadokien, in die sie nicht in den weichen Tuffstein gemeißelt wurde, über Türen und Fenster und Gesimse, allein oder in Reihe. Und so manche Kirche schmückt sie ebenfalls: Die Blume der Schöpfung und des Lebens. Neben der Spirale, dem Sonnen- und Wirbelrad gehört dieses Symbol zu den ältesten der Menschheit und ist nahezu in der ganzen Welt zu finden. Besonders reich vertreten aber ist sie in Kappadokien. Wurden diese Symbole auch von fast allen Religionen als Ornamente adaptiert und religiös uminterpretiert, so liegen ihre Ursprünge und Bedeutungen doch viel weiter zurück im Dunkel der steinzeitlichen Geschichte. An Ausstrahlung aber haben sie bis heute nicht eingebüßt, so simpel sie zunächst dem Betrachter auch erscheinen mögen.

Die Frage ist nur, warum gerade kappadokische Häuser so verschwenderisch damit versehen wurden, christliche wie muslimische Häuser gleichermaßen. Die griechischen Häuser in Mustafapaşa sind besonders reich damit geschmückt. Und noch heute bauen die Türken ihre Tuffsteinhäuser nach diesem Vorbild, wobei die Blume der Schöpfung und des Lebens dabei auf keinen Fall fehlen darf. Ob Blume, Spirale, Sonnen- oder Wirbelrad, alle Symbole verweisen auf die kosmische Ordnung, die Schöpfung und die Unendlichkeit, das Leben und die Wiederkehr. Die Fragen danach haben an Aktualität nicht eingebüßt und auch heute noch im Zeitalter der Endmystifizierung bleiben sie die großen Rätsel der Menschheit.

 

So ist dann ein Besuch von Kappadokien mehr als nur eine Wander- und Besichtigungsreise. Es ist ein Abenteuer für den, der sich Zeit nimmt und darauf einlässt.

 

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Datum: Mittwoch, 12. Juli 2017 18:58
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