Anatolien – Das Herz der Welt – Ein Vortrag von Susanne Oberheu an der Universität Ulm

 

Susanne Oberheu in einer Seldschukkischen Karawansarei in Kappadokien in ZentralanatolienAnatolien – Ein Ausflug in die Vergangenheit

Anatolien lag in der Antike fast immer auf dem Weg:  Eroberer, Flüchtlinge und Suchende fanden hier ein neues Zuhause. Neue Ideen, neue Religionen, neue Sitten  - der Weg führte stets durch Anatolien.  Anatolien schien für viele tausend Jahre das Herz der Welt gewesen zu sein.

Anatolien, von den Römern das kleine Asien genannt, 1300 km lang und 650 km breit mit einer Küste von sagenhaften 7200 km ist wohl die Region der Erde mit den meisten antiken Kulturdenkmälern und den ältesten Beweisen einer menschlichen Präsenz auf der Erde und einer sich herausbildenden Zivilisation. Sie kamen von Westen, Osten, Süden und Norden. Fast hat man den Eindruck, jeder wollte einmal nach Anatolien und die meisten blieben.

Die ersten durch Schrift überlieferten Einwanderungen fanden vor fast 4000 Jahren statt: Indogermanen  drängten aus dem Norden über den Kaukasus ins Landesinnere und gründeten  ein Großreich, die Hethiter. Auch die Ägypter wollten nach Anatolien, aber das ließen die Indogermanen nicht zu. Und andere Ausgrabungen unweit von Kappadokien belegen: Hier  begannen bereits viele tausend Jahre vorher die ersten Menschen sesshaft zu werden, hier wurden die ersten Tempelanlagen gebaut, hier schienen sich die Menschen besonders wohl gefühlt zu haben, hier wurde Kultur quasi erfunden! Einwanderer kamen aus allen Himmelsrichtungen und verschmolzen mit den Einheimischen. Vom Balkan kamen mit Sack und Pack die Phrygier. An der Westküste Anatoliens machten sich die Griechen breit. Aber auch der Zugang vom Kaukasus blieb belebt: Das wilde Reitervolk der Skythen jagte die Kimmerer, welche sich im Westen niederließen, während es den Skythen im östlichen Anatolien gut gefiel. Seit langem hatten auch schon die Assyrer vom Süden nach Anatolien geschaut und Städte gegründet. Dann kamen die Perser aus dem Osten, sie bauten die Seidenstraße und ermöglichten noch mehr Zuwanderungen aus Asien und Europa. Irgendwann kam dann wieder die Stunde der Griechen: Ganz Anatolien wurde nach Alexander dem Großen griechisch. Und schließlich wollten dann auch die Römer Kleinasien, wie sie es nannten, und zwar ganz, weswegen sie sich für Jahrhunderte mit den Persern darum schlugen. Die Einheimischen nahmen es hin: Römisch-griechisch-persische Kultur, nomadisch unterwandert, wurde in Anatolien gepflegt, immer wieder bedroht von einfallenden Horden, die ein Stück vom Kuchen abhaben wollten. Selbst die germanischen Goten stürmten über das Schwarze Meer und drangen plündernd ins Kernland vor. Kelten kamen und blieben. Hunnen dagegen interessierten sich nur für Beute, wie übrigens alle Piraten, ob aus Zentralasien, Europa oder Afrika – die lange Küste Anatoliens war vor niemandem sicher, bot aber auch Möglichkeiten für unbegrenzten Handel. Und hier bekam unter all den Einflüssen dieser so verschiedenen Kulturen nun das Christentum seine bis heute gültige Fassung und trat seinen Siegeszug nach Europa an –  Das war im 4.Jahrhundert und seitdem haben viele weitere Völker auf ihren Wanderungen ein neues Zuhause in Anatolien gefunden. Erst bestürmten die Araber mit ihrem neuen Glauben das Land, dann blieb so mancher Kreuzfahrer auf dem Weg nach Jerusalem ebenfalls hier hängen. Schließlich erreichten die Turkvölker aus den fernen asiatischen Steppen Anatolien und etablierten nach fast 1000 Jahren Christentum nun den Islam. Dann noch einmal ein Einfall der Mongolen und schlussendlich eroberten die Osmanen sogar Konstantinopel. Seitdem ist Ruhe in Anatolien, fast: Nach dem 1.Weltkrieg wollten die Kolonialmächte das begehrte Tortenstück unter sich aufteilen, Atatürk entriss es ihnen und gründete die Türkei. Aber immer noch scheint diese riesige Halbinsel zwischen allem zu liegen: heute zwischen Islam und Christentum. Als Brücke seit eh und je zwischen Orient und dem sogenannten Westen, das ja Anatolien so viel zu verdanken hat. Und nun schauen die Länder des Islam auf die Türkei, wie sie den Spagat zwischen islamischen Traditionen und den Herausforderungen einer globalisierten Welt, die von einer westlich-christlichen Kultur bestimmt wird, besteht. Schafft sie es, wird Anatolien wieder den alten Klang der Antike haben, als kosmopolitisches Zentrum einer sich ständig wandelnden Welt, inschallah!

Auch die vortragende Autorin Susanne Oberheu, gebürtig in Norddeutschland, fühlt sich in Kappadokien im Herzen Anatoliens seit vielen Jahren zuhause!

Susanne Oberheu auf den Spuren der Hethiter in Kappadokien

Vortragstermin Universität Ulm

 18.11.2013 und Fortsetzung am 19.11.2013

-  jeweils um 18.30 Uhr

Fragen bitte an Frau Gülüzar Winter: Email: gueluezar.winter@uni-ulm.de

 

Autor:
Datum: Mittwoch, 26. Juni 2013 11:27
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