Als in Anatolien die Frauen herrschten

Frauen-2011

Am Anfang war die dicke Frau von Anatolien …… und nicht “das Wort”

Der Archäologe James Mellaart fand 1961 in Catal Höyük, etwa 200 km von Kappadokien entfernt, die älteste befestigte Siedlung der Welt – eine Sensation! Eigentlich dachte man bis dahin, dass zu dieser Zeit die Menschen mehrheitlich noch Kräuter sammelnd umherziehen und von der Jagd leben würden, damals vor über 8000 Jahren! Ein Irrtum! 

Catal Höyük steht heute für den ersten Beweis einer ”Kleinstadt” mit Ackerbau und Viehzucht. Die sogenannte neolithische Revolution musste bereits lange vorher stattgefunden haben. Damit waren die Menschen der Jungsteinzeit der Zivilisation einen riesigen Schritt näher gekommen!

Aber erst mit dem Beginn der Verarbeitung von Metall etwa 1000 Jahre später vollzog sich eine weitere Revolution, die bis heute wildeste Spekulationen und Anlass tiefster Grabenkämpfe zwischen den Geschlechtern verursacht: Der Übergang zu einer patriarchalischen Gesellschaft, Männer herrschten nun erstmals über Frauen. Das war nicht immer so!

Das Metall hatte es dem bis dahin ehrgeizlosen Jäger ohne Eigentum angetan und er mutierte innerhalb kürzester Zeit zum Krieger, Hausbesitzer mit eigenen Herden und Lagervorräten. Und eine Frau musste her, die ihm Nachkommen schenken sollte, damit sein Besitz sich noch mehr vergrößern könnte, über seinen Tod hinaus. Der erste bekannte männliche Größenwahn beherrschte nun alles Denken und Fühlen. Auch die Frau wurde zum Besitz des Mannes und er achtete eifersüchtig darauf, dass kein anderer Mann sich ihr näherte. Er musste schließlich sicherstellen, dass die Nachkommen auch wirklich die seinen waren und nicht die anderer Männer, nie konnte er sich dessen sicher sein.

Vaterschaft hatte bis dahin in der Gesellschaft keine Rolle gespielt. Die Kinder, die die Frau zur Welt brachte, gebar sie nicht einem bestimmten Mann, sondern eben der Welt, der ganzen Sippe. Das Wort „Kind“ bedeutet „Leben schenken“, das englische Wort „Kindred“ bedeutet Verwandtschaft. Die Frau schenkte der Sippe und der Welt neues Leben. Das Wort Gebären etablierte sich erst im frühen Mittelalter und bedeutet „liefern“. Das Wunder des Lebensschenkens wurde herabgewertet zu einer reinen Dienstleistung – für den Mann.

Mit der Vormachtstellung des Mannes begannen sich auch die Beerdigungsriten zu verändern, es entstanden klare hierarchische Strukturen. Mächtige Männer erhielten prächtige Einzelgräber unter zum Teil gigantischen Grabhügeln. Bis dahin waren alle gleichermaßen in Erdgräber beigesetzt worden. Mit dem Anhäufen von Eigentum und der Hierarchisierung der Gesellschaft begann der Drang, immer mehr zu besitzen, auch über die eigenen Bedürfnisse hinaus. Die sogenannte Kurgankultur war geprägt durch eine kriegerische und hierarchische Männerkaste, die Europa eroberte, und schließlich bis nach Anatolien vordrang. Dieses waren die ersten bekannten Eroberungen mit Waffengewalt. Die Europäer sind heute Nachfahren dieser indogermanischen Einwanderer aus Asien. Und diese veränderten die vorhandenen Gesellschaftsformen vollkommen. Das war vor etwa 7000 Jahren. Die Technisierung der Welt hatte mit der Bearbeitung von Kupfer begonnen. Seitdem sollte nicht mehr die bessere Gesellschaftsform der Gewinner der Zukunft sein, sondern eine überlegene Technik.

Das hat sich bis heute nicht geändert. Die Begierde des Besitzens und Beherrschens war und ist der Motor der Zivilisation und des Fortschrittes. Nun entstanden Städte, das Rad wurde erfunden, internationaler Handel getrieben, Nachbarn überfallen und um einen Überblick über die sich anhäufenden Besitztümer zu erlangen, wurde die erste Schrift konzipiert. Dann kam die Bronze, das Eisen und der Mikrochip. Das Prinzip des Herrschens und Gehorchens wurde zur gesellschaftlichen Maxime. Bis heute ist unsere Zivilisation so strukturiert.

 

War das mal anders? 

Das können die Archäologen und Wissenschaftler nicht mit Sicherheit sagen. Ihre Untersuchungen und Ausgrabungen haben jedoch ergeben, dass die Durchsetzung der patriarchalischen Gesellschaftsform besonders durch die Kurgankultur vor 7000 Jahren eine ganz andere bereits bestehende Kultur abgelöst haben musste.

Da es damals noch keine Schrift gab, sind die Forscher auf anderes Material angewiesen, zum Beispiel auf die seit Jahrtausenden mündlich überlieferten Mythen. Die Zeit vor der Männerherrschaft wirkt in Kunst, Religion und Kultur bis in unsere Zeit nach – darüber sind sich die Wissenschaftler einig: aber welcher Teil von uns stammt aus der Steinzeit und wie deutet man ihn?

Die Feldforschung beginnt in Anatolien nicht weit von Kappadokien entfernt, in Catal Höyük, die erste bekannte “Stadt” der Welt, in der bereits über 2000 Menschen lebten. Ob Männer oder Frauen hier herrschten, ist archäologisch nicht zu ergründen. Kein aus der Masse herausragendes Prestigegebäude, Heiligtum und keine besondere Begräbnisstätte weist darauf hin; alle Häuser sind mehr oder weniger gleich groß und erfüllen ähnliche Funktionen. Aber man fand in Catal Höyük dicke Frauenskulpturen von hohen künstlerischem Wert. Figuren, wie Archäologen sie inzwischen ähnlich in anderen Weltteilen gefunden haben. Die dicken Frauen von Catal Höyük gehören noch zu den jüngsten Zeugen einer ganz anderen Welt, weit bevor Männer über diese herrschten. Die so genannte Venus von Willendorf ist ca.35.000 Jahre alt und die Venus vom Hohlefels sogar 40.000 Jahre.

Venus von Willendorf ca.32.000 v.Chr

Venus von Willendorf ca.32.000 v.Chr

Unmengen von Frauen-Skulpturen aus der Steinzeit wurden bei Grabungen bisher gefunden, jedoch kaum männliche, was die Schlussfolgerung zulässt, dass Frauen in besonderer Verehrung standen.  

 

Felszeichnungen und Wandmalereien jedoch zeigen meistens Tiere und Menschen bei der Jagd.

Bevor die Menschen sesshaft wurden und persönlichen Besitz anhäuften, Tiere domestizierten und Häuser bauten, lebten sie von der Jagd und sammelten, was ihnen die Natur so gab. Die Menschen verstanden sich als Teil eines Kosmos, als Teil der ganzen Welt. Zur Natur, zu Tieren, Bäumen, Steinen, Pflanzen, Himmel, Erde und Meer hatten sie eine spirituelle Beziehung und tiefen Respekt. Sie nahmen der Natur, um zu überleben, aber opferten ihr auch, um sich dafür zu entschuldigen. Ihr Leben wurde bestimmt durch Geburt und Tod, dem Zyklus des Mondes und den Jahreszeiten der Natur.

Durch das Wunder des „Zur-Welt-Bringens“ eines neuen Menschen-Kindes erhielten die Frauen eine mystische Bedeutung. Noch wusste man nicht, woher das neue Leben kam, das das Überleben aller sicherte. Man nahm an, dass die Frau die Schöpferin des Lebens und der Welt ist, sie das neue Leben also aus sich heraus erschaffte. Sie allein war die Schöpferkraft, die der Natur immer wieder neues Leben schenkte. Sie war also die Urmutter der Welt. Als Große Mutter, Magna Mater wurde sie vergöttlicht. Eine der Figuren aus Catal-Höyük zeigt eine Frau, wie sie gebiert.

Eine andere zeigt eine Frau auf einem Leoparden-Thron.

kybele-auf-thron 

Das Wohl der Menschheit hing von ihr ab im Kreislauf des Lebens. Dem Mann aber oblag die sehr verantwortungsvolle Aufgabe des Tötens von Tieren zum Überleben der Menschen. Da man aber der Ansicht war, dass man nicht ungestraft in die kosmische Ordnung eingreifen durfte, wurden die Totenrituale zur Wiederherstellung des Lebenszyklus besonders wichtig.

In fast jeder Mythologie bis in unsere Zeit gab und gibt es einen Beherrscher der Totenwelt. Seit der Steinzeit glaubten die Menschen  an Mutter-Göttinnen. An ihrer Seite steht meistens ein geliebter Mann, der aber dem Tod geweiht ist. Die große Göttin beweint und betrauert ihn, kann seinen Tod aber nicht verhindern: Der Tod ist Teil des Lebens und des kosmischen Kreislaufes. So beweint die ägyptische Isis den Tod ihres Osiris, die babylonische Ischtar den Tod ihres geliebten Tammuz und die griechische Göttin Aphrodite den Tod ihres Adonis, sowie die anatolische Kybele ihren Attis –  Isis, Ischtar, Astarte, Demeter, Aphrodite, Kybele und auch die römische Venus stehen alle für die große Göttin, die Magna Mater. Des „Teufels Großmutter“ ist im christlichen Mittelalter die Negativbesetzung und Verunglimpfung der Magna Mater; der Teufel die christliche Verunglimpfung des Herrschers der Totenwelt, dem Partner der großen Mutter-Göttin!

 

Die Sage von der anatolischen Kybele besagt, dass Kybele und Attis aus einem Körper geschaffen wurden. Und da beide einmal eins waren, waren sie einander sehr zugetan. Attis wollte sich jedoch von Kybele trennen. Da bestrafte Kybele Attis mit Wahnsinn, so dass dieser sich selbst entmannte und dabei verblutete. Attis starb und Kybele betrauerte ihren Geliebten und Sohn. In der ägyptischen Mythologie liebt die große Göttin Isis den Gott Osiris. Auch dieser wird getötet, aber Isis erzeugt mit dem toten Osiris noch den Sohn und künftigen Gott-König Ägyptens, den Himmelsgott Horus. Osiris aber wurde von nun an Beherrscher des Totenreichs und für den Übergang der Lebenden zur Welt der Toten verantwortlich. Ihm oblag das Seelenwiegen, das darüber entschied, welches Leben der Verstorbene nach seinem Tod führen dürfte.

Die Unterwelt und das Totenreich waren keine böse Hölle, sondern gehörten in der Mythologie der Ägypter, Babylonier und Griechen und in Anatolien zum heiligen Lebenszyklus dazu, wie auch Pflanzen und Tiere heilig waren und deren auch versehentliche Tötung schwer bestraft wurde.  

 

In der griechischen Mythologie wollen Wissenschaftler schließlich den endgültigen Übergang von der Göttinnen-Welt in das Patriarchat erkennen: In der bekannten Tragödie Orestie des Aischylos 450 v.Chr. entscheidet die Göttin Athene, dass Orestes für die Ermordung seiner Mutter Klytaimnestra nicht zum Tode bestraft, ja sogar frei gesprochen wird. – Eine Ungeheuerlichkeit: der Muttermord war bis dahin eine der größten Todsünden und mit keinem anderen Mord zu vergleichen. Kenner sehen hierin den endgültigen Bruch mit der Verehrung der Großen Mutter-Göttin und Verwirklichung einer rein patriarchalischen Gesellschaftsordnung. Der Mann durfte seine Mutter töten, das war in der Vergangenheit ein nicht wieder gut zu machendes Sakrileg gewesen.

Dennoch konnte sich der Glaube an die Magna Mater bis in unsere Zeit retten und fand sogar Einzug in den christlichen Glauben: Die Jungfrau Maria gebärt einen Sohn ohne männliche Zeugung, sozusagen aus sich selbst heraus wie vor Urzeiten die Magna Mater. Sie bekommt schon sehr bald den Titel „Gottesgebärerin“ und erfährt schließlich oft mehr Verehrung als Jesus selbst. Ihr Schoss ist der Königsthron. Hier sitzt das Jesuskind als zukünftiger Gott-König, genauso wie über 1000 Jahre vorher die ägyptische Gottesgebärerin Isis ihren Sohn und künftigen Gott-König Horus auf ihrem Schoß präsentiert. 

Maria mit Sohn Jesus ca. 1550 n.Chr.

Maria mit Sohn Jesus ca. 1550 n.Chr.

 

 

Isis mit Sohn Horus ca.2000 v.Chr.
Isis mit Sohn Horus ca.2000 v.Chr.

 

Auch die Pieta von Michelangelo scheint eine Inkarnation der großen Mutter-Göttin zu sein, die um ihren toten Sohn und Geliebten trauert, wie schon Kybele, Isis und all die anderen Göttinnen vor ihr. Der verstorbene Jesus jedoch wurde nicht Herrscher des Totenreiches, sondern stieg zum Himmel auf, sitzend zur Rechten Gottes, dem Allmächtigen, um von dort zu richten die Lebenden und die Toten. Nun wissen wir, dass die Große Mutter ausgedient hatte, sie war für das Leben nicht mehr zuständig. 

Maria trauert um Jesus - Pieta Michelangelo 1550 n.Chr.

Maria trauert um Jesus - Pieta Michelangelo 1550 n.Chr. Auffallend ist die sehr junge Maria, die eher ihren Geliebten als ihren Sohn im Arm zu halten scheint.

Der Kybele-Attis-Kult aus Anatolien wurde Jahrhunderte lang in selbstzerstörerischen Riten zelebriert: Die Kybele-Priester kastrierten sich selbst während der Zeremonie, in Erinnerung an Attis und zu Ehren der großen Kybele. Die Beschneidung der Juden und Muslime soll als angedeutete Kastration ein Zugeständnis an die Rechte der Magna Mater vergangener Zeiten sein. Im Christentum begnügten die Priester sich mit dem Zölibat. 

In der vorpatriarchalischen Welt lebten Frauen und Männer in offensichtlich nicht hierarchischen Gemeinschaften zusammen. Die zur Welt gebrachten Kinder empfand man als Teil der Welt, also der ganzen Sippe, nicht aber als Besitz einer Person oder der Eltern. Man bezweifelt, dass trotz aller Anbetung der großen Mutter-Göttin die Frauen über die Männer herrschten, sondern es ein soziales System gab, nach dem die Gesellschaft gleichberechtigt funktionierte und einer klaren Aufgabenverteilung unterlag. Das Leben der Steinzeitmenschen wurde bestimmt durch den Kreislauf der Natur, der sie in vielerlei Form huldigten. Sie waren durchdrungen von einem spirituellen Respekt für ihre Umwelt. Die größte Verehrung galt aber der großen Mutter-Göttin als Schöpferin des Lebens. 

Geburt der Venus ca.1500 n.Chr.

Botticelli: Geburt der Venus ca.1500 n.Chr.

Was ist nun geblieben aus dieser Zeit? Wo steht die Frau heute kulturell.

Die Frau wird nicht mehr als die hoch angesehene Stütze der Gesellschaft verehrt. Sie ist und fühlt sich heute meistens nur noch einem einzigen Mann verpflichtet, nicht einer ganzen Gesellschaft, wenn ihre soziale Kompetenz auch nach wie vor unumstritten ist. Nutzen tut sie diese meistens nur zum Wohle ihrer Kleinfamilie, dem Mann und seinen Nachkommen. Die patriarchalischen Religionen, die heute die Welt beherrschen, bestimmen, dass die Frau sich für den zukünftigen Mann aufheben soll, also nur und ausschließlich ihm Kinder gebären soll. Ehebruch der Frauen gehört zu den schlimmsten Verbrechen dieser Religionen, ob christlich oder islamisch, nicht aber für die Männer.

Das haben nicht nur über die Jahrtausende die Männer verinnerlicht. Frauen sind heute die größten Verfechter der Treue und der Monogamie. Ihr ganzer Ehrgeiz ist, dass der Mann nur sie allein liebt. Dafür tut sie fast alles.

 

Model 2011

Model 2011

Frauen in der westlichen Welt versuchen heute zum

Preis ihrer Gesundheit

sich auf einen im wahrsten Sinne des Wortes

“Jungfrauen”-Körper herunterzuhungern.

Denn die Jungfrau, das Mädchen

steht bei den Männern in besonderer Gunst:

Sie sind noch unreife Frauen und

den überlegenen Männern scheinbar fügig.

Der reife Körper einer erwachsenen Frau

sendet zwar wesentlich mehr sexuelle Signale aus,

aber viele Männer scheinen unreife Frauen zu bevorzugen….

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Zudem hat die Frau kulturell immer noch mit dem Schuldgefühl des Bösen zu kämpfen. Hat nicht sie vom Baum der Erkenntnis gegessen und ist damit verantwortlich für den Rausschmiss aus dem Paradies?

Der Gottvater des Alten Testaments etablierte sich vor über 3000 Jahren zunächst nur bei den Israeliten. Dieser männliche Gott duldete keine anderen Götter mehr neben sich, und vor allem keine Frauen! Die Menschheit entsteht seitdem aus dem Samen des Mannes, die Frau trägt aus. Der neue Gott fordert nun ganz anders als vorher, sich die Natur untertan zu machen: „.. füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. 1 Mose 1.28 . Und der mächtige neue Gott stellt weiter fest: „Dass ich der Herr den hohen Baum erniedrigt habe.“ Dieser Gott ist nicht mehr Teil einer heiligen Welt, er beherrscht, unterwirft und erniedrigt sie. – Eine Kriegserklärung an die große Muttergöttin und die kosmische Ordnung. Trotzig und eigensinnig bleibt dennoch die Frau, als sie vom Baum der Erkenntnis isst: „Und das Weib schaute an, daß von dem Baum gut zu essen wäre….., weil er klug machte; und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon, und er aß. 1. Mose 3.6

Seitdem ist es vorbei mit der Erkenntnis, für Männer wie für Frauen. Aber Frauen stehen seitdem auch unter Generalverdacht, den Mann ständig verführen zu wollen. Seit 1500 Jahren erklärt die katholische Kirche das Weib zum Bösen und Minderwertigen. Große Kirchenväter mahnten, Männer sollten sich ihr nur unter Ekel und mit Widerwillen nähern und nur zum Zwecke der Nachkommenregelung. In der Hexenverfolgung erreichte dieses perverse Frauenbild seinen Höhepunkt. Heute noch begegnen Männer manchmal Frauen aus einer Mischung aus Angst, Sehnsucht und Verachtung –  Das ist das Resultat eines von der christlichen Kirche über Jahrhunderte geprägten Frauenbildes. Wenn die westliche Frau sich heute für ein Schönheitsideal kasteit, das sie fast umbringt, auf jeden Fall jedes bisschen an Lebensqualität vermissen lässt, dann tut sie das mit der unbewussten Gewissheit, in dieser von Männern bestimmten Gesellschaft keine andere Chance zu haben. Rechtlich ist sie dem Mann nun seit über 20 Jahren in der westlichen Welt gleichgestellt, kulturell aber hängt die Frau  immer noch an den Ketten der Männerbedürfnisse und -Fantasien. Diesen gilt nach wie vor ihre ganze Aufmerksamkeit, ihr ganzes Streben und auch ihr Leiden. 

Aber in den orientalischen Gesellschaften sind noch Reste einer uralten Magna-Mater-Gesellschaftsform zu finden, die sich nicht ausschließlich um die Bedürfnisse der Männer dreht. Und das obwohl Frauen in diesen mehrheitlich von Diktaturen geprägten Staaten rechtlich der Willkür der Männer ausgeliefert sind. 

Auch in Anatolien, wo einst eine mächtige Kybele die Geschicke des Kosmos in den Händen hielt, kann man diese Frauengemeinschaften noch erleben. Traditionell bewegen sich orientalische und auch türkische Frauen nach wie vor nur ungern in der Welt der Männer, in der damals gejagt wurde und heute Geschäfte gemacht werden, nicht weil sie es nicht wagten, sondern weil sie sich für Männerangelegenheiten einfach nicht interessieren. Sie finden Pumphosen und Strickjacke bequemer als Büstenhalter und Minirock und es ist ihnen egal, was ihre Männer davon halten. Eine sich erotisch auf der Bühne windende Madonna kann ihnen keine Konkurrenz sein. Ihre Identität und ihren Selbstwert finden sie in einer großen Gemeinschaft, die von Frauen bestimmt wird. Auch die Kinder werden in diesem häuslichen Umfeld großgezogen unter Mitspracherecht der ganzen Verwandt- und Nachbarschaft. Männer sind hier meistens nicht anwesend und auch oft nicht willkommen.

Der Anthropologe Lewis Henry Morgan hat bereits im 19.Jahrhundert herausgefunden, dass die Isolierung der Frau von ihrer Sippe unmittelbar zur Unterdrückung der Frau durch den Mann führt. Der Mann hält sich sozusagen eine persönliche Frau, die ihm jederzeit zur Verfügung steht; alleingelassen ist sie ihm ausgeliefert.  Damit begann vor 7000 Jahren das Patriarchat und gipfelt heute in der westlichen Kleinfamilie, in der die Frau besonders stark auf die Bedürfnisse des Mannes ausgerichtet ist. Andere Frauen werden kaum wahrgenommen, also auch nicht als Hilfe und Partnerin im Bewältigen der täglichen Aufgaben mit einbezogen. So werden dann die Kinder allein erzogen und sind damit eine große Belastung, die die meiste Kraft der modernen Frau kostet. In ihrer restlichen Zeit aber kämpft sie um Gleichberechtigung, indem sie den Männern ihre angestammten Machtgebiete streitig macht. Beachtung und Anerkennung ihrer Persönlichkeit findet sie aber hauptsächlich durch eine ansprechende äußerliche Erscheinung, die einem Jungendwahn geschuldet ist: jung, fit, schön, dünn und straff auch noch mit 40 und 50!  - was für ein Stress!

Unterwirft sie sich diesem Schönheitsideal nicht, ist sie meist zu einem Leben in Einsamkeit verdammt. Dicke Frauen haben in der westlichen Gesellschaft einen schweren Stand, sie werden sogar verhöhnt und gedemütigt und trauen sich kaum noch aus dem Haus.

Fahren wir also nach Anatolien und setzen uns zu den türkischen dicken und alten Frauen, von denen einige verblüffend viel Ähnlichkeit mit der großen Magna Mater, der großen Mutter-Göttin haben, und erfahren wir, wie es ist, nicht ständig Projektionsfläche zu sein. Die Zufriedenheit, der Stolz und das Selbstverständnis dieser dicken Frauen ist für westliche Frauen ganz irritierend und überraschend. Verfügen diese orientalischen Frauen dann über Bildung und Möglichkeiten, so steht ihrem Machtwillen nichts im Wege, keine Beißhemmung verschont die Männer, von Frauen erhalten sie die gewohnte Unterstützung, ob dick oder dünn. Das wird jeder Besucherin klar, wenn sie sich unter die Mütter Anatoliens begibt. Die junge Frauengeneration der Türkei ist machtwillig, verfügt über Bildung und hat den Stolz ihrer Großmütter; von diesen Frauen können wir in Zukunft viel erwarten.

Wie anders fühlen sich doch Frauen in der westlichen Zivilisation bei vollkommener rechtlicher Gleichstellung und überdurchschnittlicher Ausbildung: fast bescheiden stehen sie alleingelassen und von allen Seiten misstrauisch beäugt vor den Palästen der Männer und bitten zaghaft um Eintritt…sind sie dick und hässlich haben sie keine Chance! Kein Wunder, dass das kulturelle Defizit nun von einer Frauenquote ausgeglichen werden soll.

- Zum Vergleich:

Bereits heute besetzen Frauen in der wirtschaftlich aufsteigenden Türkei zu 26 % Top-Manager-Posten, dagegen wirken die 6,5 % der deutschen Top-Managerinnen eher wie ein Kuriosum. Die 2-mächtigste Frau der Wirtschaftswelt ist eine Türkin, eine Top-Managerin mit ganz eigenen Vorstellungen von Erfolg und Verantwortung: Gülen Sabanci

http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2013/01/467183/top-management-mehr-frauen-in-der-tuerkei-als-in-der-eu/

 

… deshalb sollte sich jede Frau, die Kappadokien besucht, eine der Repliken dieser dicken Göttinnenfiguren von Catal Höyük kaufen, die in den zahlreichen Töpferhöhlen von Avanos zu erwerben sind.

Der kappadokische Künstler Erdogan Gülec erstellt eine Kybele-Replik aus Catal Höyük

 

Stellen Sie diese auf Ihren Schreibtisch und träumen sie von einer Welt von vor über 8000 Jahren in Anatolien, als Männer noch nicht so wichtig waren. Auf Ihre Gesundheit sollten Sie dennoch weiter achten! Fett ist ja ganz schön, aber macht doch ziemlich unbeweglich.

 

Von der Töpferin und Künstlerin Susanne Oberheu in ihrer Höhle in Avanos geformte Nachbildung der anatolischen Kybele

Als Töpferin und Künstlerin habe auch ich mich an die Nachbildung der Großen Mutter aus Anatolien gewagt und in meiner Höhle im kappadokischen Avanos dicke Frauen aus Ton geformt..
Susanne Oberheu

Autor:
Datum: Donnerstag, 15. März 2012 16:19
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