Kappadokien ist kein Erdbeben-Gebiet

Druck von allen Seiten – die Anatolische Platte

Die Türkei ist eines der vom Erdbeben am meisten gefährdeten Gebiete der Erde. Daran erinnert einmal mehr das schreckliche Beben von VAN dieser Tage ganz im Osten der Türkei.

Und leider sind die Erschütterungen oft von sehr großer Wucht. Das letzte ganz große Erdbeben in Izmit nahe Istanbul hatte eine Stärke von M= 7,6. Dieses Beben in VAN erreichte auch fast diesen Wert. In Izmit starben 1999 fast 17.000 Menschen. In Van, das nicht so stark bevölkert ist, starben bereits über 400 Menschen, viele sind noch vermisst.

Am 23.11.2011 ereignete sich im Gebiet VAN im Osten Anatoliens ein Erdbeben der Stärke M=7,2

Am 23.11.2011 ereignete sich im Gebiet VAN im Osten Anatoliens ein Erdbeben der Stärke M=7,2

 

 

 

 

 

 

 

Und die Türken müssen ständig mit neuen Verwerfungen rechnen. Hängen sie doch als relativ kleine Anatolische Platte zwischen der riesigen Kontinentalplatte Eurasiens im Norden, Westen und Osten, der Afrikanischen Platte im Süden und der Arabischen Platte im Südosten. Und ausgerechnet die 20 Mio-Metropole Istanbul steht direkt am Graben, der die eurasische von der anatolischen Platte trennt. Hier rechnen Experten in den nächsten Jahrzehnten mit einem der größten Erdbeben der Geschichte. Dieses würde die 2000 Jahre alte Stadt Istanbul, das alte Konstantinopel fast vollständig zerstören und Millionen von Menschen sind gefährdet.  Seltsamerweise wächst Istanbul aber immer weiter. Eine kollektive Verdrängung der Gefahr lässt die Menschen normalerweise ruhig schlafen. Dieses Erdbeben von VAN aber, das über 1000 km entfernt von Istanbul liegt, hat wieder alle aufgeschreckt und sie an ihr Schicksal erinnert.

Dennoch gibt es selbst in diesem sehr bewegten Gebiet Türkei ruhige Ecken: Kappadokien gehört dazu! Es liegt auf halbem Weg zwischen Istanbul und VAN, welche jeweils etwa 600 km entfernt sind. Das große Erdbeben von 1999 ließ allerdings auch in Kappadokien die Erde vibrieren, so stark waren die Auswirkungen gewesen.

Kappadokien liegt fast mittig auf der Anatolischen Platte. Wenn diese gedrückt und geschoben wird, dann sind die Ränder betroffen, dort wo die Gräben verlaufen. Durch das  zentralanatolische Hochland zieht sich keiner dieser furchtbaren tektonischen Schluchten. Es wird zwar bei starken Beben mitgerüttelt, aber kaum merkbar. Das jetzige Erdbeben von VAN war in Kappadokien überhaupt nicht zu spüren.

 

Der fast 4000er Vulkan ERCIYES ist fast immer schneebedeckt

Der fast 4000er Vulkan Erciyes in Kappadokien

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber als hätte die Mitte der Anatolischen Platte ein Luftloch benötigt, steht genau hier einer der größten Vulkane der Türkei, der fast 4000er mit dem seltsamen Namen Erciyes. Er ist allerdings schon seit Jahrtausenden erloschen. Dass das nicht für alle Ewigkeiten gelten muss, daran werden die Kappadokier durch ihre vielen heißen Thermalquellen erinnert.

Heiße Thermalquellen in Kappadokien

Heiße Thermalquellen in Kappadokien

 

 

 

 

 

 

Susanne Oberheu  

www.kappadokya-travel.com

 

Autor:
Datum: Mittwoch, 26. Oktober 2011 11:18
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