Beitrags-Archiv für die Kategory 'Kultur'

Turkish Way of Life oder die Verlangsamung des Seins

Mittwoch, 4. Januar 2012 13:02

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Die Türken sind keine Stubenhocker

 

Die ganze Lebensart der Türken ist darauf ausgerichtet, Ausblick zu haben, gucken zu können, den Blick schweifen zu lassen in entspannter Erwartung, was der Tag so bringt. Hektik und Stress wird dabei um jeden Preis vermieden. Man kann auch sagen, die Türken sind die Erfinder der im Westen überall geforderten Verlangsamung des Seins. Türken beherrschen selbst bei größtem Stress und großen Sorgen einen eigenen Beruhigungsautomatismus, von dem wir im Westen sehr viel lernen könnten.  Dabei verkriechen sie sich aber nicht, sondern im Gegenteil: man geht raus, vor die Tür!

Traditionelle türkische Häuser sind so gebaut, dass es immer einen überdachten, aber freien Vorraum vor dem Haus gibt. Ein paar Kissen und Teppiche am Boden laden dann zum Verweilen ein. Da die traditionellen orientalischen Häuser sehr viel Wert auf Privatsphäre legen, geht der Blick vom offenen Vorraum nicht unbedingt in die weite Landschaft, sondern bei Stadthäusern zunächst einmal in einen weiten Innenhof, der von einer hohen Mauer umgeben ist. Dieser Hof wird oft wie ein kleines Abbild des Paradieses geschaffen, mit Wasserstelle, Blumen, rankenden Weinreben, kuscheligen Sitz- und Schlafmöglichkeiten. Die modernen türkischen Häuser haben diese großen Innenhöfe nicht mehr, dafür riesige Balkone oder zur Straße ausgerichtete verglaste Wintergärten, in denen dann das Sofa platziert wird, von dem man immer einen freien Blick auf die Straße oder Umgebung hat. Aber die Türken lieben ja nicht nur den freien Blick und wollen ansonsten alleine und für sich sein - nein, man möchte sich in seiner Freizeit auch unterhalten, ein bisschen tratschen und klatschen, Kontakte pflegen. Zur türkischen Lebensqualität gehören immer auch andere Menschen. Und wer weder einen großzügigen Innenhof noch Vorgarten oder offenen Wintergarten hat, setzt oder hockt sich, sobald es seine Zeit erlaubt einfach auf die Straße, ohne Sofa und ohne Kissen. Und manche recken ihre Beine dann so in den Weg, dass man kaum daran vorbeikommt. Das ist auch so beabsichtigt, denn die türkische Höflichkeit gebietet es, dass man sich ein wenig Zeit für seine Mitmenschen nimmt: „Komm setz dich und trink ein Glas Tee mit mir. Warum hast du es so eilig, genieße lieber dein Leben und erzähl mir etwas von dir!“ Ein Glas Tee bekommt man überall, kostet nur wenige Kurusch und wird an jeder Straßenecke serviert. Manchmal redet man auch gar nicht, sondern verbringt einfach ein wenig Zeit miteinander. Türken können stundenlang einfach nur dasitzen und eben gar nichts tun, dafür haben sie sogar einen eigenen Begriff genauso wie für das langsame scheinbar ziellose Schlendern. Wobei die Frauen ihr Wohnviertel und die Männer die Geschäftswelt als bevorzugte Schlenderregionen benutzen, eben dort wo traditionell auch ihre Aufgaben und Beziehungen liegen: die Frauen kümmern sich um Haus, Familie und Hof und die Männer um Geschäfte und das Geldverdienen. Geschlendert wird überall, sogar auf verkehrsreichen Straßen, der Schlenderer hat in der Türkei noch immer Vorrang, was dem Schlenderbedürfnis nicht entspricht, wird als große Einschränkung empfunden und einfach ignoriert, wie zum Beispiel Fußgängerampeln oder Supermarktschlangen.

Einen geregelten Arbeitstag wie in den Industrienationen gibt es traditionell in Anatolien nicht, Türken arbeiten aufgabenorientiert, das bedeutet manchmal bis zu 14 Stunden täglich, 7 Tage die Woche ohne Wochenende und Urlaub. Aber Türken hetzen sich nicht, selbst wenn sie es eilig haben. Wer hektisch und gestresst ist, hat in seinem Leben etwas falsch gemacht. Hektik ist kein Zeichen für Fleiß und Erfolg, wie im Westen, sondern ein Zeichen für Versagen und Unvermögen. Selbst die Ärmsten würden niemals laufen und ihr ganzer Stolz ist ihre Gelassenheit und Ruhe. Das türkische Wort „langsam“ – „yavasch“ - ist ständiger Mahner bereits an die Kinder. Der Türke zeigt, dass er Zeit hat oder anders ausgedrückt, er alles im Griff und Hektik nicht nötig hat. Touristen werden deshalb wegen ihrer ewigen Eile oft bemitleidet, da sie für Türken den Eindruck machen, als könnten sie sich Ruhe und Gelassenheit nicht leisten, benehmen sich also wie Sklaven, die von einem grausamen Herrn getrieben würden. Auch Gelassenheit im Miteinander und Geschäftlichen ist absolute Voraussetzung für Respekt und Würde. Lautes Schimpfen ist verpönt und in Geldangelegenheiten nimmt man die Dinge nicht so ernst. Selbst der Ärmste würde niemals die Kurusch (Pfennige / Cents) auf die Hand zählen, man greift in die Tasche und ist großzügig, auch im Kleinen. Getrennte Rechnungen im Restaurant sind unmöglich und die türkischen Kellner mussten sich erst mit Entsetzen an diese Gepflogenheiten der ausländischen Touristen gewöhnen.

Das heißt natürlich auch, dass man manchmal zu wenig Geld in der Tasche hat. Geldsorgen sind für Türken ein alltägliches Brot. Aber auch hier reagiert man mit Gelassenheit. Denn im türkischen Way of Life braucht es nicht viel: einen schönen Platz mit viel Aussicht, Menschen, die man kennt und sich Zeit für einen nehmen, einen Tee ausgeben und beim Essen nicht getrennte Rechnungen verlangen - das ist selbstverständlich in der Türkei, darauf kann sich bisher jeder verlassen…. und irgendwann ergeben sich dann schon neue Verdienstmöglichkeiten, inschallah!!

Susanne Oberheu

Sich vor dem Haus gemütlich niederlassen, Menschen treffen und Tee trinken - das ist türkische Lebensqualität!
Sich vor dem Haus gemütlich niederlassen, Menschen treffen und Tee trinken - das ist türkische Lebensqualität!

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Opferfest in der Türkei

Sonntag, 30. Oktober 2011 10:53

Das Schweigen der Schafe

 

Wir schreiben das Jahr 1432.

Es ist Ende Oktober und in wenigen Tagen feiern die Gläubigen in der ganzen Welt ein großes Fest. Sie gedenken dem Stammvater aller Juden, Christen und Muslime als Vorbild für echten Glauben an den einzigen und wahren Gott.

 

Im Tanach der Juden, im Alten Testament der Christen und im Koran der Muslime wird davon berichtet, wie Abraham von Gott aufgefordert wird, ihm seinen einzigen Sohn zu opfern. Er will gehorchen, aber Gott hält ihn auf und verlangt statt des Sohnes die Tötung eines Opfertieres.

 

Und genau dieses tun Muslime am Tag des so genannten Opferfestes, dem Kurban Bayrami: sie schlachten in Gedenken an Abraham und seinen Sohn ein Schaf oder eine Ziege oder sogar ein Rind und verschenken das Fleisch an Verwandte, Bekannte, Nachbarn und Bedürftige. Es ist das größte islamische Fest: Millionen von Schafen müssen an diesem Tag ihr Leben lassen.

 

Das Wort Kurban stammt aus dem Hebräischen und bedeutet Opfer, waren es doch die Juden, die diesem Opfer Abrahams als erste gedachten.

Feiern tun allerdings nur die Muslime nun dieses Fest.

Arabische Christen nennen das Osterfest Kurban Bayrami und meinen damit Jesus Opfertod am Kreuz. `

 

Für Juden ist es die Initiation zur Erneuerung des Bundes mit Jahwe, der Abraham auffordert, das Weltliche zu verlassen, um das Geistige und Göttliche zu schauen. Das Opfer meint nicht das Menschenopfer als Gehorsam unter einer göttlicher Brutalität, sondern die Bereitschaft, in ein mystisches Verhältnis zu Gott zu treten.

Für Christen ist es das alttestamentliche Gegenstück zum Kreuzestod Christi, der vom Vater zur Vergebung der Sünden geopfert wurde, um den Menschen Gott näher zu bringen.

Opfer bedeutet also nicht grausames Töten für einen unbarmherzigen Gott sondern sich als Mensch mit Gott zu verbinden.

Und in diesem Sinne ist es dann auch der gerettete Sohn Ismail, der zusammen mit Abraham Begründer des Heiligtums Kaaba in Mekka wurde, dort wo Muslime sich Gott besonders nahe fühlen. Ismail selbst gilt als Stammvater der Araber. In der Bibel ist allerdings von Ismails Bruder Isaak die Rede, und dieser gilt als Erzvater aller Juden, was weder Juden noch Muslime dazu veranlasst, sich als Brüder zu sehen.

 

Die große Bedeutung dieses Opfers Abrahams, arabisch Ibrahim, für alle trägt leider überhaupt nicht zur interreligiösen Verständigung bei.

 

Wenn wir also die Bedeutung auch als Christen und Juden verstehen, warum feiern wir dann Kurban Bayrami nicht mit den Muslimen gemeinsam?

 

Wenn in Europa das Fleisch der Tiere am Opferfest verteilt wird, gehen Sie ruhig zu ihrem muslimischen Nachbarn und lassen sich etwas davon abgeben. Und rümpfen Sie nicht die Nase über das massenhafte Schlachten. Der Fleischverbrauch der Europäer ist wesentlich höher als der der Muslime in der Welt und dafür wird täglich im Akkord getötet.

Nur die Reicheren können sich ein ganzes Rind für ca. 2000,-€ leisten.

Nur die Reicheren können sich ein ganzes Rind für ca. 2500,-€ leisten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehrere Familien tun sich oft zusammen, um ein ganzes Rind zu kaufen. 2/3 des Fleisches soll aber an Bedürftige verschenkt werden und nur 1/3 dürfen nach islamischer Tradition die Familien für sich behalten. Es heißt aber, dass das nicht immer eingehalten wird, da Fleisch in der Türkei besonders teuer ist.

  

Übrigens ist es am 6. November 2011 wieder soweit und wir schreiben das Jahr 1432 islamischer Zeitrechnung!

 

Abraham lebte vor fast 4000 Jahren und wuchs in Harran auf, der heutigen Türkei!

 

Frohe Festtage - Iyi Bayramlar

 

Susanne Oberheu   www.kappadokya-travel.com

Zum Opferfest verschenken Muslime das Fleisch eines geschlachteten Tieres

Auch in Kappadokien werden Schafe und Rinder vor der Haustür geschlachtet. Die zurückbleibenden Blutlachen überall auf den Straßen erinnern noch lange daran.

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Wasser, Luft, Erde

Donnerstag, 22. September 2011 9:45

SU, HAVA, YER

 

Wenn Türken sich auf der Straße treffen, dann tauschen sie zunächst die obligatorische Grußformel aus:

„Wie-geht-es-dir?-Danke-mir-geht-es-gut!-Und-wie-geht-es-dir?-Danke-mir-geht-es-auch-gut!“ Unterbrochen von Füllwörtern wie „“ach“, „naja“, „eigentlich“ etc., und natürlich versehen mit den entsprechenden höflichen Anredetiteln wie  „Bruder“, “Schwester“, “Tante“, “Onkel“ etc.

 

Das dauert immer eine ganze Weile, das geht nicht im Vorübergehen, dazu muss man stehen bleiben, manchmal hält man sich während dieser Prozedur an den Händen, sollte man sich lange nicht gesehen haben, dann wird natürlich auch der doppelte Wangenkuss vorausgeschickt.

Ein kurzes Hallo ist in der Türkei absolut unüblich und gilt als extrem unhöflich. So kann ein Wochenmarktbesuch sich über Stunden hinziehen, da in der nächsten Höflichkeitsphase man sich natürlich zum Tee einlädt. Teeküchen gibt es an jeder Ecke und die Teeverkäufer laufen jede Strecke für ihre Kunden. Nun lobt man den guten Tee und dass dieser wohl aus besonders feinem Wasser und auf keinen Fall aus Leitungswasser zubereitet wurde; man fragt weiter nach dem Befinden der ganzen Familie und wenn das alles absolviert ist, unterbrochen mit Seufzern des Erstaunens und Entzückens, und lautstarkem Schlürfen des Tees, der nach jedem Schluck natürlich wieder gelobt wird, …ja dann tritt nun endlich Stille ein, mit dem dampfenden Teeglas in der Hand.

 

Wie wichtig den Türken die Qualität des Wassers ist, zeigen die vielen Plätze, Bäche und Ortschaften, die in Anatolien „Incesu“ heißen: „Feines Wasser“. Für „Feines Wasser“ fahren die Türken meilenweit und füllen an berühmten Quellen ihre Plastikflaschen und Kofferräume damit. Stolze Hausfrauen betonen beim Servieren des Tees gern, dass ihr Mann dafür 400 km gefahren ist.

 

Und wenn die Türken dann irgendwann still beim Tee aus feinstem Quellwasser ihren Gedanken nachhängen, dann hauchen sie manchmal: „Ne Hava güzel bugün!“-  „Was ist die Luft gut heute!“ Und der dazugehörige Seufzer verrät, dass damit mehr gemeint ist als „nur“ gute Luft!

 

Was wir nun in den Sommermonaten 2011 in Kappadokien erleben durften, war das Beste, was es an Luft gibt und die Türken kamen aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus: „Yayla Havasi“ – „Hochlandluft!“ wiederholten sie immer wieder wie eine Beschwörungsformel.

Für uns Europäer ist es einfach angenehm warme, nicht zu heiße  trockene Luft mit weniger als 20% Luftfeuchtigkeit und mit einer ständig frischen Brise versehen.  

Für die Türken ist es der Inbegriff von Glück und Freiheit: Das Nomadenleben längst vergangener Zeiten wird mit dem gehauchtem „Yayla Havasi“ romantisch und wehmütig wieder zu Leben erweckt: Als man noch ungebunden, immer die warme seichte Hochlandbrise im Nacken, mit den Herden durch unberührte und atemberaubende Natur auf die Sommerweiden zog, die Abende an Feuern unter dem  Sternenhimmel verbrachte und man sich stolze Geschichten aus seinem Volk erzählte.

 

Yayla Havasi“ und „Ince Su“ – Hochland-Luft und feines Wasser und ein Stück Erde in freier weiter Natur, um ein Feuer machen zu können für die herrlichen Fleischspieße.

 - Das sind bis heute immer noch die 3 Dinge, die einen Türken glücklich machen!

 

Vielleicht gibt es deshalb in Kappadokien noch kein McDonalds und keine künstlichen Konsum- und Vergnügungstempel und auch die Shopping Center sind immer noch sehr bescheiden.

 

Kappadokien hat eine traumhafte und meist noch unberührte Natur, unvergleichlich gute Luft und viele Hochlandquellen, aus denen feinstes Wasser strömt …… 

Susanne Oberheu

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Der Beruf des Hirten ist hart und entbehrungsreich. Dennoch verbinden viele Türken damit ein verlorenes Gefühl von Freiheit und Ungebundenheit

Der Beruf des Hirten ist hart und entbehrungsreich. Dennoch verbinden viele Türken damit ein verlorenes Gefühl von Freiheit und Ungebundenheit

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Ramadan heißt auf Türkisch Ramasan

Mittwoch, 21. September 2011 11:20

Mit Unverständnis beobachtet das christliche Abendland die seltsame Sitte der Muslime, einmal im Jahr eine einmonatige Fastenzeit einzulegen, die aber durch Fressorgien in der Nacht aus Sicht der Europäer ad absurdum geführt wird.

 

Tatsächlich steigt der Umsatz der Lebensmittelsindustrie in der Türkei um satte 30% während des „Fastenmonats“ Ramasan. In dieser Zeit wird tagsüber gedarbt und nach Sonnenuntergang verwöhnen sich die Muslime mit den teuersten und köstlichsten Mahlzeiten und ähnlich wie bei uns zu Weihnachten werden während der Nachtstunden Unmengen von Süßigkeiten gegessen.

 

“Was soll daran Fasten sein?”, fragt sich der an christliche Fastenriten gewöhnte Europäer.

 

Das christliche Fasten soll den Körper reinigen und für Spiritualität öffnen.

 

Das islamische Fasten ist da ganz anders angelegt:

 

Mohammed war rigoros gegen Askese: Ein Muslim solle mit beiden Beinen im Leben stehen, arbeiten, Familie haben und das Leben genießen. Die christlichen Mönche mit ihrer Weltabgewandtheit und ihren Entsagungen waren ihm zutiefst suspekt. Selbst Sex verordnete er seinen Gläubigen als etwas Gottgegebenes.

 

Warum dann aber diese absurde Fastenzeit?

 

Mohammed wollte seinen Gläubigen nicht eine Zeit der innerlichen Nabelschau verabreichen, sondern im Gegenteil, eine Zeit des Leidens und der Entsagungen, zu mindestens während der Tageszeit.

 

Der Fastenmonat Ramasan richtet sich nach dem islamischen Mondkalender, was eine jährliche Bewegung von 11 Tagen zu unserem gregorianischen Kalender ausmacht. Somit findet der Fastenmonat jedes Jahr 11 Tage früher statt. Nach nun mehr etwa 35 Jahren trifft der Fastenmonat wieder auf den heißen Sommer mit langen Tagen und kurzen Nächten. Das heißt, bis zu 14 Stunden während des verordneten Tagesfastens darf der Gläubige weder trinken noch essen noch rauchen. – Eine seltsame Pflicht, wenn man bedenkt, dass der Islam in der Wüste entstanden ist, wo Wasser und Trinken existenzielle Bedeutungen haben. Tatsächlich soll Mohammed im Sommer den Fastenmonat eingeführt haben, dann wenn es den Gläubigen am schwersten fällt, nicht zu trinken.

 

Der Muslim soll also während der Fastenzeit leiden - das ist der Sinn des islamischen Fastens. Die Fastenzeit soll ihn daran erinnern, wie es ist, nichts zu essen und zu trinken zu haben, Entsagungen zu spüren. So ist dann auch die oberste Pflicht während des Ramasans, den Armen zu spenden.

Aber ganz nach Mohammeds lebensfreudiger Einstellung gilt dieses Leiden nur für den Tag. Nach Sonnenuntergang, eine Zeitmessung, die jeder Muslim in antiken Tagen nachvollziehen konnte, soll er sich wieder ganz den Genüssen hingeben, natürlich nur bis Sonnenaufgang, dann ging das Leiden von vorne los.

Welche wirtschaftlichen und gesundheitliche Folgen diese Regelung bei seinen Gläubigen im Industriezeitalter haben würde, konnte Mohammed vor fast 1400 Jahren noch nicht ahnen.

 

Noch zu Mohammeds Zeiten hat man während des Fastenmonats tagsüber einfach geschlafen und die Nacht zum Tag gemacht. Das hat sich auch bis vor ein paar Jahrzehnten in der islamischen Welt bewährt. Nun aber müssen auch die Muslime im globalen Zeitalter immer pünktlich auf der Matte stehen und dabei fit sein.

Außerdem hat man herausgefunden, dass diese Art des Fastens zu Gallensteine führt. Und besonders für ältere Menschen, die noch gern am Fasten traditionell festhalten, wird der Ramasan-Monat lebensbedrohlich, da viele von Ihnen unter Diabetes und anderen altersbedingten Krankheiten leiden. Davon wusste Mohammed natürlich im Konkreten nichts. Allerdings schränkte er diese muslimische Pflicht schon so erheblich ein, dass fast jeder, der Ramasan nicht machen möchte, dieses auch religiös begründen kann. Vom Fasten ausgenommen sind Kinder, Schwangere, Reisende und Kranke. Wer sich also nicht ganz wohl oder sogar krank fühlt, ist von dieser Pflicht ausgenommen.

 

So ist es üblich geworden in der Türkei, während des Ramasans seine Mitmenschen zu fragen, ob sie denn fasten würden. Die Antworten fallen ganz individuell unterschiedlich aus. Der eine arbeitet tagsüber hart und beteuert, dass fasten für ihn unmöglich sei. Der andere hat gerade während der Sommerzeit Kreislaufprobleme und entzieht sich mit dieser Begründung der religiösen Pflicht.

 

Aber ein bisschen Ramasan versucht jeder: der eine verzichtet auf Alkohol und Fleisch in dieser Zeit, der andere spendet besonders viel den Armen, der dritte geht öfters in die Moschee als gewöhnlich. Aber die leckeren Süßigkeiten werden von allen in Unmengen vernascht. Und in der Nacht besucht man sich mehr als sonst, trifft die Familie, geht aus und gönnt sich einfach etwas Besonderes. Eben wie bei uns zu Weihnachten. Böse Zungen meinen deshalb, der Fastenmonat wäre zur Konsumorgie verkommen.

 

Die Tradition, dass in der Nacht Trommler durch die Straßen gehen, um die Gläubigen zur letzten Mahlzeit vor Sonnenaufgang zu wecken, ist inzwischen vielerorts eingestellt worden. In Istanbul wurde das seit über 500 Jahren übliche Wecken verboten. Ein Zugeständnis an die Leistungsgesellschaft des 21.Jahrhunderts: Menschen, die tagsüber arbeiten müssen, wollen einfach nicht um 3 Uhr nachts von Ohren betäubenden Paukenschlägen geweckt werden. 

 

Besucht man ein islamisches Land während des Ramasan, so muss man mit viel Verständnis die schlechte Laune der Muslime während der Tageszeit ertragen, besonders um Raucher sollte man dann einen großen Bogen machen. In vielen Gegenden gibt es weder etwas zu essen noch zu trinken. Aber der Tourist muss nicht arbeiten, er kann tagsüber schlafen und dann nachts die Feierstimmung auf den Straßen genießen. Wenn der Muezzin abends zum Fastenbrechen ruft, gibt es keine freien Plätze mehr in den Restaurants und eine feierliche Stille erfasst dann die muslimische Welt, in Erwartung kulinarischer Wonnen. Essen Sie vorher etwas heimlich und gehen später ins Restaurant oder lassen Sie sich von den Süßigkeiten verwöhnen, die überall verschenkt werden.   

So endet der Ramazan dann auch, wie man vermutet, mit einem großen Zuckerfest!      Susanne Oberheu         www.kappadokya-travel.com

In Kappadokien braucht der Tourist keine Angst vorm Verhungern haben. In den verstecktesten Tälern bemühen sich geschäftstüchtige Einheimische, die Wanderer mit frisch gepressten Orangensaft oder mit provisorisch gezimmerten rollenden Küchen zu versorgen

In Kappadokien braucht der Tourist zu Ramasan keine Angst vorm Verhungern haben. Selbst in den verstecktesten Tälern bemühen sich geschäftstüchtige und weniger fromme Einheimische, die Wanderer mit frisch gepressten Orangensaft und mit turkish Fastfood aus provisorisch gezimmerten Küchen zu versorgen.

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Von Juni bis August wird in Kappadokien gefeiert!

Dienstag, 31. Mai 2011 12:08

Was ein europäischer Besucher schon immer einmal erleben wollte……..

 

Es ist laut, man versteht kaum sein eigenes Wort und das des Tischnachbarn sowieso nicht. So sitzt man nun vor trockenen Keksen an Monoblock-Plastiktischen in bequemen Monoblock-Stühlen. Ein eher gelangweilter Herr verteilt Säfte im 100ml-Miniformat- Tetrapack und nur für Kinder wie es scheint; die Zahl ist begrenzt, da mag man nicht fragen. Der Sänger singt schmachtende Liebeslieder und auf der Tanzfläche werden dazu die Hüften geschwungen. So geht es eine ganze Weile. Zum fortgeschrittenen Abend erscheint schließlich ein in einer roten Robe bekleideter Mann. Die Musikgruppe hört auf zu spielen. Es wird plötzlich andächtig still. Wir sind auf einer türkischen Hochzeit. Der Mann in der feierlichen Robe ist der Standesbeamte. Das Brautpaar, er im glänzenden Anzug, sie im weißen Brautkleid mit roter Schärpe um die Hüfte, nehmen zusammen mit dem Beamten an dem extra für sie hergerichteten Tisch Platz.

Mit einem lauten „Evet!“(Ja!)  durch das Mikrophon, eher für die Gäste als für die Form gesprochen, besiegeln die beiden ihre Ehe. Die Musiker fangen wieder an zu spielen und die Tanzfläche füllt sich erneut, jetzt zusammen mit dem Brautpaar. Will man nicht tanzen, so muss man einfach abwarten. Weiterhin kommen Hochzeitsgäste und werden mit parfümierten Wasser und Bonbons am Eingang begrüßt. Man kann gucken, wer alles kommt und wie sich die Jugend auf der Tanzfläche outet.

Irgendwann kommt mit Pomp und Tusch eine Hochzeitstorte hereingefahren, mehrstöckig, aber leider nur zum kleinen Teil echt. Das Brautpaar schneidet den Kuchen an und der Service verteilt kleine Brocken auf Plastikteller an die Gäste, auch hier haben die Kinder natürlich Vorrang. Die Musik spielt weiter, zu laut, um sich unterhalten zu können. Schließlich gegen 10.3o Uhr fingern die Gäste plötzlich in ihren Taschen, viele stehen auf und bewegen sich Richtung Brautpaar, das sich am Tanzflächenrand postiert hat. Dann wird es still und jemand fordert durch ein Mikrophon auf, nun das Brautpaar zu beschenken.  Braut und Bräutigam tragen dafür quer über der Brust breite rote Schärpen. Flankiert werden sie von Eltern und engsten Verwandten, die beim Geschenke-Abgeben hilfreich zur Seite stehen. Denn die Geschenke der Gäste bestehen aus Goldblättchen und Geldscheinen, die mit Sicherheitsnadeln an den Schärpen befestigt werden müssen. Manchmal ist auch ein Goldreif für den Arm dabei. Name des Gastes und Höhe seines Geschenkes  werden von einem Conferencier  durch ein Mikrophon den übrigen Gästen mitgeteilt und manchmal auch dem ganzen Wohnviertel. Nachdem dem Brautpaar Geld, Gold und gute Wünsche überreicht wurden, verlassen schließlich die meisten Besucher die Hochzeit. Nur die Jugend nutzt noch die Gelegenheit, auf der Tanzfläche unzweideutige Signale auszusenden. Bei einer normalen türkischen Hochzeit auf dem Land gibt es kein Essen, wenig zu trinken und natürlich kein Alkohol; es wird getanzt bis die Füße schmerzen und für eine gute Musikergruppe wird viel Geld investiert.

 

Zu so einer Hochzeit werden mindestens 100 Gäste geladen, oft sind es sogar mehrere Hundert. Einladungskarten werden vorweg großzügig verteilt und wer keine explizite Einladung bekommen hat, kann trotzdem hingehen. Es wird allerdings missbilligend notiert, wenn man kein Geld oder Gold abgibt. So kommen viele Eingeladene, die aus dem Tanzalter heraus sind, erst gegen 10.oo Uhr, wenn die Geschenkübergabe bevorsteht und verlassen danach auch gleich wieder die Hochzeit.

 

Von einem rauschenden Fest, für das die Eltern der Braut ein Vermögen ausgeben müssen, kann nur bedingt die Rede sein. Das Brautkleid und die Frisur der Braut allerdings sind meistens atemberaubend. Kostspielig aber wird es oft für die Gäste, für die die vielen Einladungen manchmal ein finanzielles Problem bedeuten. Das Geld und das Gold aber, das das Brautpaar bekommt, gehört der Braut allein für den Fall einer Scheidung und wird meistens direkt auf die Bank gebracht. Und tatsächlich haben die Scheidungen in der Türkei auch schon zugenommen. Geheiratet wird aber trotzdem nach wie vor und gern traditionell. Auf dem Land ist eine “wilde Ehe”noch absolut unüblich.

 

Die Hochzeitssaison in Anatolien beginnt etwa Mitte Juni mit den Sommerferien und endet zu Ramasan. Der Fastenmonat Ramasan verschiebt sich jedes Jahr um 10 Tage. Dieses Jahr beginnt er bereits Anfang August, so dass für die Feierlichkeiten keine 2 Monate Zeit bleiben. Also müssen in dieser kurzen Zeit alle geplanten Hochzeiten des Jahres stattfinden. Fast täglich fahren dann hupende Autokorsos  durch die Straßen und jeden Abend sind die Ortschaften mit türkischer Life-Musik erfüllt, oft mit einem Feuerwerk gekrönt. 

Falls Sie auf so eine Hochzeitsfeier treffen, gehen Sie ruhig hin! Gratulieren Sie dem Brautpaar und lassen Sie sich auf der Tanzfläche von den verführerischen Rhythmen mitreißen:

Arme hoch, Brust raus und dann die Hüfte kreisen lassen!                   

Susanne Oberheu

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Ömer macht die Frauen glücklich

Donnerstag, 26. Mai 2011 15:31

Avanos nahe dem Töpferdenkmal

Sanft legt er die Hände in ihren Nacken. Sie solle die Augen schließen, verlangt Ömer leise von seiner Kundin. Dann streift er die Hände leicht über die Schultern herunter und wieder zum Nacken, schließlich umfasst er ihren Kopf und die Stirn und wieder gehen die Hände sichtbar vorsichtig in den Nacken. Mit kleinen Kreisbewegungen bearbeitet er nun die Schläfen. Der Raum ist verdunkelt und es riecht nach Rasierwasser.

Ömer beherrscht sein Handwerk seit über 30 Jahren: er ist Berber von Beruf. Täglich kommen viele Männer in seinen kleinen Laden am Hauptplatz in der Töpferstadt Avanos, um sich rasieren und die Haare schneiden zu lassen und, wie es das Berberhandwerk verlangt, auch eine Kopfmassage zu bekommen.

Seit ein paar Jahren aber haben Frauen mit verspanntem Nacken, Kopf- oder Rückenschmerzen Ömers Hände zu schätzen gelernt.

Besonders gestresste Frauen aus Europa schwören inzwischen auf seine Künste. So mancher Physiotherapeut, so meinen sie, könnte von Berber-Ömer eine Menge lernen.

Manchmal verlangen die Frauen sogar, dass er ihre Rückenbeschwerden behandelt. Dann aber guckt Ömer verlegen, denn sein kleiner Frisörladen mit großem Schaufenster ist nicht dafür ausgerichtet, dass die Frauen ihren Rücken entblößen. So müssen die Freundinnen und Ehemänner Wache stehen, die Vorhänge werden zugezogen und in Ömers Frisörladen ziehen die Frauen etwas verschämt die T-Shirts hoch. Mit leichten und auch stärkeren Kreis- und Druckbewegungen und hochkonzentriert macht sich der Berber nun daran, seinen Patientinnen Wohlbefinden zu verschaffen. Und es gelingt sogar fast immer! Frauen gehen meistens glücklich aus seinem Laden; manchen sind sogar die Sorgenfalten im Gesicht verschwunden, anderen laufen Freudentränen die rosigen Wangen herunter, nun schmerzfrei und entspannt.  Ömers Preis: schlappe 5,-€! Dass die Behandlungen auch von längerfristigem Erfolg sein können, das beweisen dann die Raki-Flaschen, die aus Dank im Berberladen abgegeben werden. Und so ist dann auch Ömer glücklich, denn seine Fähigkeiten, so sagt er, sind ganz normal für einen Berber! Nur den Nacken kurzfristig auszurenken, wie es früher immer zum Service gehörte, das verbieten ihm die Frauen, ganz unverständlicher Weise!

Susanne Oberheu
Eine Rasur und eine Massage beim Berber - diesen Luxus läßt sich der türkische Mann nicht nehmen
Eine Rasur und eine Massage beim Berber - diesen Luxus läßt sich der türkische Mann nicht nehmen

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Die Ortschaften von Kappadokien

Dienstag, 29. März 2011 8:16

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Kappadokien für den Besucher - das sind 7 kleine und größere Ortschaften in und um den Nationalpark Göreme

 

Der heute touristische Begriff Kappadokien betrifft nur noch eine Region von ca. 400 km2. In seiner größten Ausdehnung zur Zeit des Römischen Reiches überzog Kappadokien einen großen Teil ganz Zentral-Anatoliens. An Kappadokien kam niemand vorbei, der vom Orient nach Europa wollte und umgekehrt.

 

Wenn der Besucher heute nach Kappadokien kommt, meint er damit 7 kleine und ganz kleine Ortschaften, in denen sich die Einwohner auf die Gäste mehr oder weniger eingerichtet haben:

 

1.) Der Hauptort Göreme, nach dem der Nationalpark benannt wurde, ist eigentlich nur ein Dorf mit etwa 2500 Einwohnern. Es hat aber die spektakulärsten Feenkamine und Felswohnungen von ganz Kappadokien zu bieten. Der Dorfplatz wirkt skurril und unwirklich durch seine natürliche Architektur. Und hier befindet sich das berühmte Göreme-Freilicht-Museum mit den schönsten Kirchen und den wertvollsten Fresken. Göreme ist die erste Anlaufstelle für jeden Touristen. 150 Pensionen und Hotels, dazu Restaurants, Bars und Geschäfte haben sich auf den ausländischen Besucherstrom eingestellt; die wichtigsten Täler sind von hieraus zu Fuß zu erreichen.

 

2.) Der größte Ort im Dreieck „Kappadokien“ ist Ürgüp mit ca. 16.000 Einwohnern. Auch hier gibt es ein gutes touristisches Angebot mit weltstädtischer Atmosphäre. Manche Bar und manches Restaurant haben Istanbuler Standard. Eine gigantische antike Felswand erinnert daran, dass die Ürgüper mal in Höhlen gewohnt haben. Heute sieht man vorwiegend schön restaurierte alte osmanische Villen, in denen die Einheimischen leben oder schöne Hotels untergekommen sind. Ürgüp hat im Unterschied zu Göreme ein eigenes türkisches Stadtleben, das aber sehr westlich geprägt ist.

 

3.) Der nächst größere Ort ist die Töpferstadt Avanos, gelegen am Roten Fluss mit etwa 12.000 Einwohnern. Die Altstadt des Ortes wirkt verschlafen, während sich in der Peripherie ähnlich wie in Ürgüp Hotels, Verkaufshallen und Animateurbetriebe für den Massentourismus breit gemacht haben, deren Gäste aber die schöne Innenstadt kaum besuchen. Bekannt ist Avanos durch seine vielen Töpferhöhlen. Kleine Pensionen und Hotels gibt es hier nur eine Hand voll und so bleibt das Leben im Kern türkisch. Aber es gibt etliche Lokantas, Cafes, Teehäuser und sogar Bars mit Live-Musik, die sich in der Altstadt und entlang des Flussufers ganz auf den türkischen Gast eingestellt haben.

 

4.) Der schönste Ort ist sicherlich der kleine Ort Uçhisar mit etwa 3500 Einwohnern. Hier befindet sich einer der beiden berühmten Felsenburgen, die weit über den Ort und die Landschaft ragen. Am Hang gelegen mit einer der schönsten Aussichten, die Kappadokien zu bieten hat, haben sich inzwischen einige Luxushotels in die alten Höhlenhäuser eingenistet, mit Preisen von bis zu 1.000,-€ für eine Übernachtung, Höhlensuite mit grandiosem Blick und Whirlpool inklusive. Das Dorfleben beschränkt sich auf eine Straße oberhalb des Hanges und hat ein bescheidenes Angebot. Restaurants, Cafes oder Bars außerhalb der Hotels gibt es kaum.

 

5.) Der Ort Ortahisar mit ebenfalls 3500 Einwohnern ist berühmt durch die zweite verlassene Felsenburg als höchster Punkt in der Landschaft. Dieser Ort ist noch ganz dörflich, wenige Pensionen und kleine Hotels haben sich im Tal in den alten verlassenen Höhlenhäuser niedergelassen. Hier besteht noch ein echtes Dorfleben mit kleinen Geschäften, Lokantas, Teehäusern. Nur vor der Felsenburg sammeln sich die Touristenbusse zu bestimmten Tageszeiten. Als Attraktion hat Ortahisar außerdem die unterirdischen Vorratskammern, die bis heute genutzt werden.  

 

6.) Der kleinste Ort ist Cavuşin mit nur 700 Einwohnern, einigen kleinen Restaurants, Souvenirständen und ein paar Pensionen. Auch hier beeindruckt eine riesige von der Erosion freigelegte Felswand, in denen die Bewohner noch bis 1961 in ihren Höhlenwohnungen lebten. Vor hier aus geht ein Wanderweg in eines der schönsten Täler Kappadokiens, in das Rosental.

 

7.) Der ehemals griechische Ort Mustafapaşa mit 2000 Einwohnern liegt etwas außerhalb des kappadokischen Dreiecks, südlich von Ürgüp. Er unterscheidet sich von allen anderen kappadokischen Ortschaften durch sein an Griechenland erinnernden Dorfkern mit einer großen alten Kirche, einem Cafe mit dem griechischen Namen „Ellena“ und die reich verzierten Tuffsteinhäusern der 1923 vertriebenen Griechen. Dieser Ort ist klein und verschlafen und scheinbar abseits des kappadokischen Trubels. Dennoch gibt es auch hier inzwischen einige schöne kleine Hotels und Pensionen und einige Souvenirstände.   

 

 

 

So bietet Kappadokien nicht nur in jedem neuen Tal Überraschungen und neue Sichtweisen einer erodierenden Landschaft. Auch jeder der 7 Orte hat etwas ganz Eigenes und unterscheidet sich von den anderen. Darauf bestehen auf jeden Fall die Einwohner der Ortschaften. Kappadokier wie alle Türken sind Lokalpatrioten. Kein Einheimscher würde sagen, er käme aus Kappadokien! Ein „Avanoslı“ möchte sich auf gar keinen Fall mit einem „Göremeli“ verwechselt sehen und umgekehrt.

Sie sind alle Türken, aber zwischen den Ortschaften liegen Welten!

So wie Türkischstämmige in Deutschland zwar sagen, sie seien Türken, aber ihre Stadt, zu der sie gehörten, das wäre Dortmund oder Berlin.

Also überlegen Sie sich als Besucher, bei wem Sie zu Gast sein wollen: Kommen Sie in Göreme unter, so schlägt Ihnen in Ortahisar vielleicht etwas Unverständnis entgegen und natürlich umgekehrt.

Susanne Oberheu

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www.kappadokya-travel.com

 

 

 

 

 

 

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Keine Angst vorm Teppichkauf

Freitag, 25. März 2011 12:07

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Wie betrete ich ein Teppichgeschäft,

ohne den listigen Methoden gewiefter Teppichhändler ausgeliefert zu sein?

6 Regeln!

 

 

1. Regel:

Vergessen Sie Ihre Anonymität!

Niemand kann sich oder seine Absichten vor Teppichhändlern verstecken.

Teppichhändler sind die besten Psychologen und wissen schon über Sie Bescheid, da wissen Sie noch gar nicht, ob Sie den Laden überhaupt betreten wollen. Schon vor der Tür gehen Sie eine Beziehung zum Teppichhändler ein. Umso offener und direkter Sie auftreten, desto mehr fühlt sich ein Teppichhändler an seiner Ehre gepackt. Seien Sie Sie selbst!

 

2. Regel:

Glauben Sie nicht, einem Teppichhändler etwas vormachen zu können!

Wenn er Sie sieht, kennt er Ihre Schuhgröße, Ihre Nationalität, oft auch Ihren Beruf und vor allem hat er eine klare Vorstellung von Ihrem Bankkonto, egal was Sie beteuern oder beschwören. Außerdem sind die meisten Teppichhändler sehr gebildet, sprechen mehrere Sprachen, haben oft studiert und sind viel gereist und kennen die Kultur ihrer Kunden. Wenn Sie sein Teppichgeschäft betreten, ist er Ihnen weit überlegen. Benutzen Sie sein Wissen, quetschen Sie ihn aus!

 

3. Regel: 

Seien Sie freundlich!

Desto abweisender und unfreundlicher Sie sind, umso mehr zieht Sie der Teppichhändler über den Tisch, ohne dass Sie es merken. Oder er zeigt Ihnen nur wertlose Ware, die Sie in jedem heimischen Kaufhaus kriegen könnten. Gute und wirklich schöne Teppiche zu kaufen, setzt ein Vertrauensverhältnis zwischen Käufer und Verkäufer voraus. Und lassen Sie sich ruhig in die traumhafte Welt der Teppichkunst einführen.

 

4. Regel:

Lassen Sie sich nicht erpressen!

Selbst nach 4 Stunden Teppich-Vorführung, 100 gezeigten Teppichen, Unmengen von Tee und Wein und einer großartigen Beköstigung, trauen Sie nur ihrem Bauchgefühl für einen Teppich! Können Sie sich nicht entscheiden, dann gehen Sie einfach. Sie sind moralisch an kein Geschäft gebunden. Und wenn der freundliche Teppichhändler Sie dann noch abends zum Essen oder in sein Haus einlädt, sagen Sie ruhig zu, aber kaufen Sie keinen Teppich, wenn er Ihnen nicht gefällt.

 

5. Regel:

Kaufen Sie nur Teppiche, in die Sie sich wirklich verliebt haben!

Hand gewebte und geknüpfte Teppiche sind ein Traum, echte Unikate und wahre Kunstwerke, die jede Wohnung verschönern. Die Türkei ist berühmt für ihre Teppiche. Wirklich schöne und gute Handarbeiten aus Privatbesitz und nicht aus der Manufaktur werden immer seltener, da die junge türkische Frau inzwischen andere Interessen hat, als jahrelang zuhause vor einem Webstuhl zu hocken. Deshalb lohnt sich immer der Gang in ein Teppichgeschäft, besonders in Kappadokien. Lassen Sie sich die schönen Stücke in Ruhe zeigen, schwelgen Sie, trinken dazu Tee oder auch mal einen Rakı und genießen Sie die Vielfalt dieser Handarbeiten. Und irgendwann erscheint dann der Teppich Ihres Lebens vor Ihren Augen. Lassen Sie sich ganz offen von dem erfahrenen Händler beraten, aber nie erpressen. Kaufen Sie nur, wenn Sie ohne diesen Teppich den Laden nicht mehr verlassen wollen.

 

6. Regel:

Preisverhandlungen sind ein Muss!

Desto distinguierter Sie auftreten, umso teurer wird der Teppich. Der Preis eines Teppichs entscheidet sich oft nach dem Käufer und nicht nach dem Produkt. Setzen Sie sich eine feste Preis-Obergrenze und dann verhandeln Sie: 20% Preisnachlass sind mindestens drin. Aber kaufen Sie keinen Teppich als Wertanlage, da Sie den wirklichen Marktwert meistens nicht kennen können. Dazu bräuchten Sie ein unabhängiges Wertgutachten. Teppichhändler halten sich nicht an tatsächliche Marktwerte: 1000 % Gewinn ist keine Seltenheit.

Lassen Sie sich Zeit bei Ihren Entscheidungen.

Bei Kauf erhalten Sie schließlich ein Zertifikat für Ihre Hausrat-Versicherung. Das bedeutet aber nicht, dass der genannte Betrag darin auch in etwa dem wirklichen Wert entspricht. Das garantiert Ihnen ohne Wertgutachten keiner. Umtauschrecht gibt es in der Türkei nicht; ein Gesetz gegen Wucherei auch nicht! Und noch ein wichtiger Hinweis: In Kappadokien gibt es außer die kleinen als Familienbetrieb geführte Teppichläden auch große Verkaufshallen, in denen bis zu 100 Teppichhändler und eine unbegrenzte Auswahl an Teppichen auf die Bus-Touristen warten. Da diese meistens keine Preisvergleiche anstellen können, sind hier die Teppiche wesentlich teurer als in den kleinen Läden. Dies hat zur Folge, dass die kleinen Teppichhändler ihre Kunden lieber in die großen Verkaufshallen “schleppen”, als eigene Teppiche zu verkaufen; die Provision, die sie dort bekommen überschreitet sogar die Gewinnspanne beim Verkauf eigener Teppiche! Meiden Sie also die großen Verkaufshallen, da hier die Preise besonders hoch sind!

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Grundsätzlich sollten Sie in kleinen Läden nur den betreffenden Teppich kaufen, wenn er, egal mit welchem Marktwert, Ihrer Meinung nach das schöne Stück ist, für das Sie diesen Preis auf jeden Fall opfern würden.

Und da werden Sie staunen, welch wunderschöne Handarbeiten ganz günstig zu haben sind! 

 

Die 3 wichtigsten Kriterien, die den Preis eines Orient-Teppichs bestimmen:

 

1. Das Alter:

Umso älter ein Teppich, desto wertvoller.

Das Alter, ob 50 Jahre alt oder 100 Jahre, kann den Preis eines Stückes vervielfachen

 

2. Die Einzigartigkeit:

Umso seltener eine Teppichart, desto wertvoller.

Hier ist der Preis-Obergrenze kein Limit gesetzt, eben wie ein Gemälde von Van Gogh

 

3. Die Qualität:

Die Feinheit der Arbeit und die Qualität des Materials entscheiden über den Preis

 

 

 

Gar nicht oder weniger wichtig ist:

 

1. Ob der Teppich heile ist:

Eine gut restaurierte Arbeit vermindert den Wert eines Teppichs nicht.

Besonders wertvolle alte Teppiche sind oft zerschlissen und fadenscheinig. Es gibt Teppiche, die der Laie wahrscheinlich als zerfetzten Lappen zum Müll geben, während der Kenner dafür 100.000,-€   bezahlen würde.

 

2. Ob die Handarbeit fehlerfrei ist:

Fehler werden im Orient grundsätzlich mit eingewebt (Nur Allah ist vollkommen!).

Hat ein Teppich oder Kelim keinen Fehler, so ist es wahrscheinlich eine Maschinenarbeit und damit nichts wert.

 

 

 

 

Als Kenner erwartet Sie in Kappadokien eine unbegrenzte Auswahl von Orient-Teppichen, Kelims, Dschidschims, Sumaks etc.

Und mancher unscheinbarer Teppichladen verbirgt in seinem Inneren Werte von mehreren hundert Tausend Euro. Suchen Sie besonders wertvolle Stücke, so fragen Sie den Teppichhändler danach, weil diese meistens im Safe oder sehr gesondert aufbewahrt werden, jedenfalls nicht für jedermann sichtbar.

Susanne Oberheu

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Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf einen Blick

Freitag, 18. März 2011 10:23

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1.       Verlassene Höhlendörfer

2.       Große und kleine Klosteranlagen, tief verborgen hinter Fels aus der Frühzeit des Christentums

3.       Höhlenkirchen der ersten Christen

4.       Wertvolle byzantinische Fresken

5.       Unterirdische Städte, in denen die Menschen schon vor Jahrtausenden Zuflucht suchten

6.       Jahrhundert alte kappadokische Tuffsteinhäuser

7.       Türkische Wohnkultur und Lebensart

8.       Griechische Dörfer und deren wunderschön verzierten Häuser aus Tuff

9.       Seldschukische Karawanserei aus dem 11. Jahrhundert und Kappadokien als Verkehrsknotenpunkt der antiken Handelswege

10.   Römische Ausgrabungen

11.   Hethitische Gräber

12.   Alevitische Heiligtümer

13.   Osmanische Bauten der letzten Jahrhunderte

14.   Heilende Thermalquellen und Maare als letzte Zeugnisse vulkanischer Tätigkeiten der größten Vulkane Anatoliens nach dem Ararat: Die erloschenen Vulkane Erciyes und Hasan-Dağı

15.   Die zu bizarren Felsformationen erodierte Vulkanlandschaft Kappadokiens

16.  Wanderungen durch die unzähligen fruchtbaren Täler und Schluchten Kappadokiens, entlang der Höhlen, Höhlenkirchen, antiken Wohnanlagen und den wunderschönen Gärten der Einheimischen

17.   Die hochragenden Felsenburgen von Uçhisar, Çavuşin und Ortahisar

18.   Die Höhlen und Kirchen des Mönchstals Zelve

19.   Die berühmten Feenkamine von Paşabağı

20.   Die skurrilen Felskegel von Aşkdere

21.   Die verzierten Taubenschläge vom Taubental und Çat-Tal

22.   Die unterirdischen Vorratshallen von Ortahisar

23.   Die seltsamen Felsformationen des Devrent-Tals

24.   Die spektakuläre Ihlara-Schlucht

25.   Das farbenprächtige Rosental, das romantische Balkantal, das abenteuerliche Zemi-Tal u.a.

26.   Die berühmten Fresken im Open-Air-Museum von Göreme

27.   Die Touristenzentren mit ihren Souvenirläden und Restaurants von Göreme und Ürgüp

28.   Die Fast-Millionenstadt Kayseri, das berühmte antike Caesarea des Römischen Reiches

29.   Den traditionellen Töpferort Avanos mit seinen unzähligen Höhlentöpfereien - am längsten Fluss der Türkei gelegen, dem Kizilirmak, bekannt in der Antike als Halys, den Krösus überschritt

30.   Den über ganz Kappadokien verteilten traditionellen Handwerken wie Teppichknüpferei, Töpferei und Weinanbau sowie Onyxverarbeitung - da wo sie arbeiten, nicht wo sie verkaufen!

31.   Die seit Jahrhunderten existierenden Basare, auf die der Tourismus noch keine Auswirkungen hat

32.   Die örtliche Küche, Kochkunst in handgefertigten Töpfen aus Avanos in einheimischen Lokantas. Der örtliche Wein aus Kappadokien, einem durch Hitze, Kälte und Kalkböden ausgezeichneten Weinanbaugebiet.

 

 

Abseits der Touristenpfade können Sie die paradiesische Stille der Natur genießen oder das echte kappadokische Leben. Die kleinen Gruppen machen eine ganz individuelle Erfahrung Kappadokiens möglich. Dabei wird kein Programm stur absolviert: Ziel ist ein stressfreier und interessanter Tagesablauf ohne Terminkalender. Die traumhafte Landschaft Kappadokiens bietet beste Voraussetzungen, um einmal die Seele baumeln zu lassen, aber mit Tiefgang! Authentizität ist das Motto!

Die Tagestouren

 

Die Tagestouren beginnen gemütlich nach dem Frühstück um ca. 9.30 Uhr.

Je nach Themenschwerpunkt werden sie geführt von Susanne Oberheu oder Michael Wadenpohl. In der Regel steht ein Geländewagen zur Verfügung, für größere Gruppen ein Kleinbus. Susanne Oberheu mit Schwerpunkt Geschichte, Kunst, Kultur und Religion sowie

Michael Wadenpohl als Wanderführer mit Schwerpunkt Geologie, Vulkanologie und Architektur werden Ihnen ein abwechslungsreiches Tagesprogramm bieten.

Sie führen Sie an die schönsten Stellen Kappadokiens und zeigen Ihnen Geheimtipps, die in keinem Reiseführer (auch nicht ihrem eigenen!) vermerkt sind! 

 

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Meltingpot Anatolien / Schnittstelle Kappadokien

Montag, 14. März 2011 19:12

Schmelztiegel der Kulturen

 

Man kann sagen, jeder wollte mal nach Anatolien und die meisten blieben.

 

Die ersten nachweislichen Einwanderer waren vor fast 4000 Jahren Indogermanen, die über den Kaukasus ins Landesinnere drängten und ein Weltreich gründeten, die Hethiter.

Wer zu der Zeit schon dort wohnte, ist unbestimmt. Aber die Ausgrabungen in Catal Hüyük unweit von Kappadokien belegen: Hier gab es die ersten weltweit menschlichen Siedlungen vor 8000 Jahren. Anatolien war schon immer bewohnt. Die Einheimischen, wer sie auch immer waren, verschmolzen dann mit den Neuankömmlingen. Als nächsten weiß man, dass ein Bauernvolk vom Balkan auf die anatolische Hochebene mit Sack und Pack kam und sich für immer niederließ, die Phrygier.

An den Rändern Anatoliens machten sich die Griechen breit, wir wissen das von Homer, der von Troja berichtete. Aber auch die Einfahrt vom Kaukasus blieb belebt. Die Skyten jagten die Kimmerer vor sich her, auch die blieben, und den Skyten schien es im östlichen Anatolien auch gut zu gefallen. Seit langem hatten auch schon die Semiten von der arabischen Halbinsel nach Anatolien geschaut, mit denen sie bereits seit Jahrhunderten Handel betrieben. Bis Kappadokien konnten die Assyrer Ihr Großreich ausdehnen.

Bis dann die Perser kamen, erst zaghaft, dann gewaltig die Achämeniden und ganz Anatolien in ihr Reich eingliederten. Sie bauten die Seidenstraße und ermöglichten noch mehr Zuwanderungen aus Asien und Europa. Irgendwann kam dann wieder die Stunde der Griechen. Ganz Anatolien wurde nach Alexander dem Großen griechisch. Das hielt aber nicht die Kelten davon ab, auch einmal vorbeizuschauen und zu bleiben: die Galater der Paulusbriefe sind Kelten, Nachbarn der Kappadokier. Und schließlich wollten dann auch die Römer Kleinasien, wie sie es nannten, und zwar ganz, weswegen sie sich für Jahrhunderte mit den Persern darum schlugen. Die einheimischen Griechen nahmen es gelassen. Römisch-persisch-griechische Kultur, nomadisch unterwandert wurde in Anatolien gepflegt, immer wieder bedroht von einfallenden und plündernden Horden. Die Hunnen und selbst die Goten schauten auch mal kurz vorbei, gingen aber wieder, beladen mit Beute und so manchem verschleppten Kappadokier. Einer dieser kappadokischen Nachkommen war Wulfila, der erste Bischof der Goten, der den Wilden in Europa das Christentum und die Schrift brachte. 

Dann kamen wieder die Semiten, aber diesmal mit einer religiösen Mission, dem Islam. Die Araber kamen zunächst nur bis Kappadokien, das sie aber nicht in Ruhe lassen wollten. Der Westen kämpfte erbittet um jeden Meter, musste sich aber schließlich weit zurückziehen. Von allen Seiten im Osten kamen nun Turkvölker, die vor den Mongolen aus Zentralasien flüchteten. Auch die wollten nach Anatolien, aber die wollten ja überall hin und gingen dann nach ausgiebigen Plünderungen auch wieder, jedenfalls die meisten. Als sich dann der Turkstamm der Osmanen in Anatolien etablierte, war es mit der westlichen griechisch-römischen Macht bald vollends vorbei, dennoch blieben die meisten Griechen, Römer, Slawen, Gallier oder wie sie sich auch immer nannten.

Seitdem herrscht Ruhe.

Seltsamerweise sind all die Völker nach Anatolien gekommen, man weiß aber nur von den Hunnen, Goten und Mongolen, dass sie auch wieder gingen. Alle anderen blieben und vermischten sich mit der ansässigen Bevölkerung.

Der griechische Ort Mustafapasa heute von Griechen verlassen. Aber vielleicht ist dieser Türke ja ein bischen griechisch oder slawisch oder semitisch oder persisch. Wer weiß das schon.
Der griechische Ort Mustafapasa ist heute von christlichen Griechen verlassen. Aber vielleicht ist dieser Türke ja ein bischen griechisch oder slawisch oder semitisch oder persisch. Wer weiß das schon.

So kann man wohl heute mit Recht behaupten, dass wohl kaum ein Land derartige Anziehungskraft auf fremde Völker ausübte. Anatolien war über Jahrtausende hip, jeder wollte sich dort niederlassen! Und die heutigen Türken haben wahrscheinlich den größten Genpool der Welt! Kappadokien aber war die Schnittstelle und daher auch immer wieder militärische Front. Dieses mag der Grund sein, warum die Kappadokier, die ebenfalls nicht weg gehen wollten, sich lieber in die Erde gruben, um sich so vor den ständigen Überfällen zu schützen -  in den unterirdischen Städten.Susanne Oberheu

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Tourismus in Kappadokien vor 25 Jahren

Mittwoch, 9. März 2011 15:13

Susanne Oberheu 1994 allein unterwegs in der Türkei.

Susanne Oberheu allein unterwegs in der Türkei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie die kappadokischen Männer den “jungen” Tourismus kennenlernten:

 

Westliche Touristinnen wagen sich nur selten allein, wenn überhaupt, in ein islamisches Land. Sie befürchten zu große Einschränkungen in ihrer Bewegungsfreiheit und auch unangenehme Begegnungen mit muslimischen Männern, da der Islam dem Mann gegenüber Frauen ein Verhalten erlaubt, das in der westlichen Welt undenkbar wäre. Frau weiß, der islamische Mann hat keinen Respekt vor Frauen.  

So das traditionelle Vorurteil!

 

Ganz besonders junge Touristinnen erwarten aber von ihrem Urlaub nicht nur Erholung unter südlicher Sonne, sondern natürlich wollen sie auch Partys machen, ausgehen, tanzen, aus sich herauskommen können: eben alles, was hilft, den heimischen Alltagsstress abzubauen  - dazu ist Urlaub da, endlich der täglichen Kontrolle und den gesellschaftlichen Normen zuhause zu entfliehen.

 

Frau ahnt, dieses ist natürlich mit muslimischen Männern nicht möglich, ohne Gefahr zu laufen, im glimpflichsten Fall unangenehm angebaggert zu werden.

 

Die einheimischen Männer dagegen stecken mittendrin in ihren täglichen Normen und Regeln, nach denen sie auch zunächst versuchen, ihre Gäste zu empfangen. Dass aber Touristen keinen normalen Gäste sind, konnten die Türken in den Anfängen des Tourismus in Kappadokien noch nicht ahnen.

 

Hierzu möchte ich aus der Anfangszeit des Tourismus in der Türkei berichten: 

 

 

In Kappadokien verbrachten mein Freund und heutiger Ehemann Michael und ich in den Jahren 1986 und 1987 viele Monate und wir kamen bei unserem Freund Mustafa unter, der in Deutschland groß geworden war, aber mit 17 Jahren wieder in die Türkei zurück musste. Wir erinnerten ihn an seine Teenagerzeit, als er in den 70er Jahren seine Jugend in Deutschland genoss. In diesen Monaten bei Mustafa gammelten wir so herum, lernten Leute kennen und verbrachten mit anderen in unserem Alter so unsere Zeit. Wir waren jung und wohl im Gegensatz zu unseren türkischen Freunden hatten wir das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu erleben: Das Fremde kribbelte und wir waren auf der Suche nach einer weiteren Wahrheit in diesem Leben. Aber auch Micha und ich waren für die jungen Türken die reizvollen Fremden, in deren Nähe man sich gern aufhielt, einfach nur weil man neugierig war.

Wir waren zwischen 18 und 25 Jahre alt. So saß ich eines Tages mal wieder mit Ali, er mag damals 18 Jahre gewesen sein, vor dem Geschäft, in dem er als Verkäufer arbeitete, und wir beobachteten die Ankunft eines der Linienbusse auf dem angrenzenden zentralen Platz.

Unsichtbare Erregung machte sich unter den gelangweilten Geschäftsleuten vor ihren Läden breit, als eine kleine Gruppe von hübschen jungen und sehr blonden Touristinnen aus dem Bus entstiegen und gleichsam die Arena betraten: Rucksacktouristen, Individualreisende, geradezu Pioniere, wie es sie in den 80er Jahren verstärkt in der Türkei gab. Aber die Türken in Kappadokien waren an diesen Anblick noch nicht gewöhnt: Bequeme Shorts, ärmellose T-Shirts und einen riesenhaften Rucksack über der Schulter, dazu klobige Boots an den Füßen. Als Tourist kommt man sich in solchen Momenten vor wie im Zoo, ungehemmten Gaffern optisch erbarmungslos ausgeliefert. Türken kannten dieses Outfit nur als Unterwäsche und die Schuhe nur als Militärstiefel und waren entsprechend amüsiert. Wer sich so anzog, war entweder verrückt oder ein nicht ernstzunehmender Ausländer. Niemand mit einem bisschen Anstand würde sich so unter die Leute wagen.

Also hatten wir da ein paar junge verrückte Ausländerinnen. In manchem türkischen Mann erwachte geradezu der Jagdtrieb bei diesem Anblick, da solche Frauen unter den nicht gut meinenden Zeitgenossen wie vogelfrei gesehen werden. Dass sie mit ihren Frechheiten dann aber auch noch Erfolg haben sollten, verblüffte sie.

Ali schien in seinem jungen Leben bereits entsprechende Erfahrungen gemacht zu haben. Jedenfalls bemerkte er, die glotzende Lethargie unterbrechend, völlig unvermittelt, dass er mit mir darüber wetten wolle, noch heute Nacht eine dieser Frauen ins Bett zu kriegen.

Ich sagte Ali, dass er jetzt aber spinnen würde. Er zwinkerte mir zu, stand auf und die Jagd konnte beginnen: ein junger hübscher Mann mit schwarzen Haaren und braunen Augen, einem verführerischen schwebenden Gang und einem umwerfenden Lächeln sprach die verunsicherten Touristinnen im fließenden Englisch an. Charmant bot er seine Hilfe als Fremdenführer an: die Damen schienen begeistert. Abends trafen wir uns wie so oft im Lokanta, wo nur noch 2 der Frauen Alis tollen Geschichten lauschten. Es wurde ein schöner gemeinsamer Abend und wir Touristen konnten Reise-Erfahrungen austauschen.

Schließlich verabschiedete sich Ali und eine der Frauen stand mit ihm wie selbstverständlich auf, die andere blieb fast ein wenig beleidigt sitzen. Ali zahlte, legte seinen Arm um seine Begleiterin und zwinkerte mir noch einmal beim Hinausgehen zu. Wir alle, die im Lokanta zurückblieben, auch die anderen türkischen Gäste sahen mit Fassungslosigkeit, wie einfach Touristinnen für etwas zu haben waren, wofür die Männer sonst bezahlen mussten, abgesehen davon, dass diese Art von Frauen für fast jeden Türken auf dem Land unerreichbar war.

Mit 20 Jahren behauptete Ali, er hätte schon 100 verschiedene Frauen im Bett gehabt. Nach dieser Show glaubte ich ihm das fast. Der Kelim, um den wir gewettet hatten, war natürlich verloren und mein Glaube an die moralische Integrität meiner Schwestern auch. In Deutschland hören sich diese Urlaubserlebnisse dann wohl ganz anders an. Ich habe nicht nur an der türkischen Riviera Alis Experiment immer wieder bestätigt gesehen. Hotels heuern Gigolos sogar an, um ihre weibliche Kundschaft zu befriedigen.

In Kappadokien habe ich allerdings auch erlebt, wie diese erotischen Abenteuer die türkischen Männer korrumpierte und sie völlig aus der Bahn riss. Beziehungen zu einheimischen Frauen waren nicht mehr möglich, ihr Ruf bei den türkischen Frauen war ruiniert. Die Männer wurden zynisch, aggressiv, machten Schulden und verrieten alte Freunde, mit denen sie in den schweren Jahren des türkischen Putsches fest zusammengehalten hatten; sie ließen sozusagen die Sau raus. Es folgte viel Streit und ihr Benehmen ließ sie gesellschaftlich absinken. Irgendwann fuhren sie dann mit dicken Autos und unnahbaren Sonnenbrillen als vermeintlich erfolgreich und angeberisch durch den Ort. Aber sie wurden nicht mehr eingeladen und man sah sie nur noch an den Theken der neuen Bars, die überall aus dem Boden schossen… Damals hieß es, die Türkei sei das Tailand der europäischen Frauen. Dass diese Frauen die Männer benutzten, diese Einsicht hätten die türkischen Männer aus Stolz nie zugelassen.  Die glücklicheren von ihnen heirateten schließlich eine Frau aus dem “Westen” und verließen die Türkei.

 

Heute dreht sich kein Türke mehr in Kappadokien um, wenn blonde leicht bekleidete Touristinnen aus den Bussen steigen.  

Susanne Oberheutuerkei-kappadokien-kultur-reise-frauen-tourismus

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Wunderheiler in Kappadokien

Samstag, 19. Februar 2011 11:58

Er heißt Halis Ateş und nennt sich der „Bio-Energie-Mann“. Er wohnt in einfachen Verhältnissen in Avanos, was einen wundert, wenn man ihn einmal in Aktion gesehen hat. Im türkischen Fernsehen ist er eine Berühmtheit und wöchentlich kommen von weither Menschen, die bei ihm auf Heilung einer Krankheit hoffen. Freundlich bittet  er die Hilfesuchenden in sein kleines altes Tuffsteinhaus etwas abseits in der Altstadt von Avanos am Roten Fluss. Am Wochenende kommt es in der kleinen Gasse vor seinem Haus schon einmal zu Warteschlangen. Die Schuhe müssen natürlich im Vorraum abgestreift werden. Man sitzt eine kleine Weile auf bequemen großen Sesseln um einen Tisch und sehr zurückhaltend, als hielte er seine Frage für Anmaßung, erkundigt sich Halis Ates  nach den Beschwerden seiner Besucher. Am Wochenende holt er sich auch Hilfe von seinen heranwachsenden Töchtern, die die gleiche Gabe besitzen wie er. Halis meint sogar, dass seine älteste Tochter größere Fähigkeiten besäße als er; bei ihm würde die Kraft schon langsam nachlassen. Er wolle seine Kinder  aber nicht überfordern; in der Woche, wenn die Mädchen zur Schule gingen, wäre Heilen für sie sowieso tabu. Außerdem bräuchte das Heilen sehr viel Kraft.  Schon sein Vater heilte fremde Menschen, ohne je eine medizinische Ausbildung erhalten zu haben. Und scheinbar ist diese Fähigkeit von ihm auch auf seine Töchter übergegangen. 

Im Fernsehen tritt Halis Ates weniger als Heiler, denn als Bio-Energie-Mann auf: dann entblößt er seinen Oberkörper und bittet die Zuschauer Löffel, Gabeln  oder große Messer an seinen Rücken und Brust zu heften. Obwohl Halis völlig aufrecht steht, bleiben die Gegenstände ohne jede Hilfe an ihm hängen und fallen nicht herunter, sogar Bügeleisen scheinen wie an ihm zu kleben.

 

Seine heilende Gabe aber ist, den Schmerz der Patienten mit seinen Händen zu erspüren. Hat er den Schmerz gefunden, so zieht er seine großen Hände immer wieder über diese Stelle des Körpers, ohne sie zu berühren. Die Patienten schließen dabei die Augen und könnten schwören, dass Halis warme Hände auf ihrem Körper liegen würden, da es dort sehr warm geworden wäre. Sie würden ihm nicht glauben, dass er sie nicht berührt habe, wenn nicht  anwesende Freunde und Verwandte ihnen genau das bestätigten. Die Zuschauer sehen diesem Geschehen fassungslos zu, selbst die, die vorher an solche Kräfte eher zweifelten.

Die heilenden Händer der Tochter wirken ohne Berührung!

Die heilenden Hände der Tochter wirken ohne Berührung!

 

Es herrscht Ruhe in diesem kleinen Zimmer, wo der Patient sich auf einem Sofa ausstrecken musste.

 

Nach 10 Minuten merkt man Halis an, dass er erschöpft ist. Er scheint mit seinen Händen den Schmerz aus dem Körper des Patienten zu ziehen und er selbst verliert dabei an Kraft. Auch das ist ein Grund, warum er nur ungern diese Arbeit seinen Töchtern zumutet.

Nach Beendigung der ersten Sitzung gibt er Prognosen ab, manche Patienten müssen noch einmal wiederkommen. Dann sitzt man noch eine Weile um den Tisch herum und die Frau des Hauses reicht Tee. Halis Ateş würde nie Geld für seinen Dienste verlangen. Dennoch geben die glücklichen Patienten natürlich gerne etwas. Bei manchen tritt sofortige Erleichterung ein, bei einigen erst Tage später, und es gibt auch Menschen, denen kann sogar der Bio-Energie-Mann aus Avanos nicht helfen, was er dann auch in aller Bescheidenheit zugibt.

Susanne Oberheu

 

Halis mit seinen begabten Töchtern
Halis mit seinen begabten Töchtern

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In allen großen Kulturen haben Menschen ihre Mahlzeiten liegend eingenommen!

Mittwoch, 16. Februar 2011 12:58

Orientalische Esskultur in Kappadokien

 

Das kappadokische Leben wie das aller Türken und Orientalen findet traditionell am Boden statt. Peinlichst wird darauf geachtet, dass niemand den Wohn- und Essbereich mit Schuhen betritt; weder Hund noch Katze hat Zugang zur kappadokischen Wohnung.

 

Das ist auch kein Wunder, denn die Kappadokier nehmen seit Alters her sogar ihr Essen am Boden ein.

 

Dazu werden weiche Kissen und Teppiche in einem großen Kreis auf dem gerade gefegten und vielleicht mit Matten und weiteren Teppichen belegten Boden ausgebreitet. In die Mitte platziert die Hausfrau ein niedriges Gestell, etwa 20-30 cm hoch, darüber wird eine große Tischdecke ausgebreitet und darüber schließlich der Tisch, traditionell ein schön ziseliertes Kupfertablett. Heute ist das Tablett oft aus Aluminium oder mit Blumenmuster verzierter Emaille.

 

Wenn nun alle Familienmitglieder bis auf die Hausfrau und die älteren Töchter es sich auf den Kissen gemütlich gemacht haben, servieren die Frauen das Essen: zunächst ein Salat aus zerkleinerten Tomaten mit Zwiebeln, vielleicht noch Gurken und Paprika und viel Petersilie und alles sehr klein geschnitten, gesalzen und mit scharfer trockener Paprika gewürzt, so dass der Gemüsesaft entziehen kann und eine Soße bildet, in die man Brot stippen kann.

 

Und natürlich werden dazu Unmengen von Weißbrot gereicht und Wasser in Karaffen von der nächsten Quelle- das schmeckt besonders gut.

 

Nun setzen sich zum ersten Gang die Frauen dazu. Es werden zur Bereicherung noch gesalzene Zwiebeln in Scheiben und Oliven, sauer Eingelegtes, vielleicht auch Schafskäse und gefüllte Weinblätter- herzhafte Kaltspeisen eben, dazu gereicht. 

 

Grundnahrungsmittel ist das weiche Weißbrot, das man in den Salatsud oder eine Paste stippen oder wie eine kleine Tasche als Besteck benutzt und damit Käse und Gurkenscheiben greifen kann.

 

Ist der Salatteller verputzt erheben sich die Frauen wieder, jetzt kommt der Hauptgang:

 

Gegrilltes Fleisch, gegrilltes Gemüse wie  Auberginen, Paprika und Tomaten, dazu in Öl geschwenkter Reis mit Pinienkernen und natürlich Brot.

 

Die kappadokische und jede türkische Hausfrau hat eine Palette an Köstlichkeiten für die Hauptmahlzeit zu bieten: Gefüllte Auberginen sind sehr beliebt; so beliebt, dass sich schon mancher überfressen hat. Deswegen heißt diese Spezialität auch: Der Imam ist in Ohnmacht gefallen. Außerdem essen die Türken sehr gern diverse gefüllte und belegte Teigstücke, was in der Türkei Pide heißt und natürlich haben die Italiener mit ihrer Pizza von den Türken abgeguckt. Aber das wäre gar nicht so aus der Welt gegriffen, denn Europa hat bekanntermaßen den Kaffee und den Grillspieß von den Türken. Der Döner dagegen soll in den 70er Jahren in Berlin erfunden worden sein.

 

Auch hier wird zum Essen Wasser aus der besten Quelle getrunken.

Gegessen wird nicht von Tellern. Die Mahlzeiten werden in großen flachen Schüsseln serviert, an die jeder in der Runde mit dem Löffel oder dem zum Besteck geformten Brot heranreichen kann. Jeder hat seine Seite der Schüssel und es gilt als ungehörig vom Schüsselrand des anderen zu essen. Der Hausherr zeigt gern seine Großzügigkeit, indem er seinen Anteil den Kindern oder dem Gast mit dem Löffel rüberschiebt.

 

Inzwischen sind so um die 2 Stunden vergangen und auf dem schönen Emailletablett die Blumen nicht mehr zu sehen. Oft schützt man das Tablett noch mit Zeitungen, die dann nach Ende der Mahlzeit mit all den Knochen-, Brot- und Essensresten zusammengeknüllt entsorgt wird.

 

Nach diesem anstrengenden Schlemmen reicht die Hausfrau noch ein paar süße Sünden und dazu gibt es frisch aufgebrühten Tee.

Erschöpft vom Essen liegt man nun um den niedrigen Tisch in den weichen Kissen, schlürft den Tee, der natürlich auch nur aus allerfeinstem Quellwasser gebrüht wurde, gönnt sich das eine oder andere Stückchen Würfelzucker mehr im Tee und natürlich die kleinen in Honig und Zuckerwasser gereichten Magenschließer. Wem das noch nicht reicht, bekommt noch diverse Nüsse in kleinen Schälchen und Früchte der Saison vorgesetzt und weil nach all den Stunden einem inzwischen der Gesprächsstoff ausgegangen ist und die Nachbarin einfach nicht mit Neuigkeiten vorbeikommt, knuspert man noch lange an den unvermeidlichen Sonnenblumenkernen, die zwar nicht den Magen belasten, aber für Beschäftigung sorgen. Denn nun dauert es ja eine Weile bis das alles verdaut ist. Die Frauen räumen schon wieder auf, legen das Tablett zur Seite, so dass die Herren genügend Platz für ihre ausgestreckten Beine haben, und bereiteten schon mal den nächsten Tee vor. Deren Zubereitung dauert nämlich in manchen Haushalten bis zu einer Stunde.

Susanne Oberheu

An diesem Tisch ist immer noch Platz für Besuch vorgesehen

Im Orient und auch in Kappadokien isst man am Liebsten im Freien!

Ach ja, wozu war eigentlich die Tischdecke da, wenn doch sowieso alles im Zeitungspapier landete?

Da man bei „Tisch“ im Schneidersitz sitz, um besser an das Essen heranzukommen, werden durch das Tischtuch die bestrumpften Füße bedeckt. Außerdem ersetzt die Tischdecke die Servierte.  

Und wenn der Gast nach vielen Stunden das Haus verlässt, erhält er noch einige Spritzer Parfümwasser in die offenen Hände. Er soll nicht nur satt und glücklich sein, sondern auch gut riechen.

Orientalisch essen heißt nach wie vor genießen. Dieses gilt auch in den ärmsten Haushalten, in denen es vielleicht kein Fleisch oder Honig gibt, man sich aber nicht minder der ausgesuchten Qualität des Gemüses, des Wassers und des Tees und deren guter Zubereitung mit Genuss hingibt. 

Als Besucher lernt man schnell die wichtigsten geschmacklichen Feinheiten einfachster Lebensmittel wie rohe Zwiebeln zu unterscheiden.  

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Über Kopftücher

Mittwoch, 3. März 2010 17:01

Ausschnitt aus der Englischausgabe des Reiseführers:

Zur traditionellen Bekleidung einer anatolischen Frau gehört das liebevoll umhäkelte Kopftuch genauso wie die äußerst bequeme Pumphose, genannt Schalva

Zur traditionellen Bekleidung einer anatolischen Frau gehört das liebevoll umhäkelte Kopftuch genauso wie die äußerst bequeme Pumphose, genannt Schalva

..Die bessere Bildung der Frauen hat in der Türkei ganz andere Folgen als vom Westen erwartet: Gebildete junge Frauen tragen wieder das Kopftuch. Die Verschleierung der Frau war zur Zeiten Mohammeds nicht üblich und ist auch in keiner Zeile im Koran erwähnt. Irgendwann galt es im Orient als vornehm, ein Kopftuch zu tragen. Erst mit dem Niedergang der islamischen Kultur in den letzten Jahrhunderten wurde die Verschleierung als Zeichen der Unterdrückung der Frau befohlen. Die moderne türkische Frau trägt heute Kopftuch aus Protest und wieder weil es schick ist. Sie möchte sich gegen die westliche Frauenrolle abgrenzen und der islamischen Kultur einen neuen Impuls geben. Die moderne Muslima ist beruflich, politisch und gesellschaftlich aktiv und fühlt sich emanzipiert.  Auch äußerlich unterscheiden sie sich von ihrer Salvar tragenden Großmutter mit traditionellem Kopftuch : Unter dem modernen Kopftuch wird das Haar zu einem Dutt hochgebunden, was dem Kopf eine besonders längliche Form verleiht. Dazu wird ein fast bodenlanger leichter Mantel getragen. Dies alles ist aus feinstem Tuch gefertigt und elegant geschnitten sowie der neuesten Mode entsprechend. Bei Familienfeiern in Kappadokien sind dann auch alle Richtungen vertreten: die Großmutter mit traditionell umhäkelten anatolischen Kopftuch, die Mutter nach westlichem Vorbild mit gefärbten Haaren und Dauerwelle, und die Tochter mit Hochsteckfrisur unter edelster Seide. … und es ist eher die kopftuchtragende Großmutter, die  über diese neue Mode verwundert ist. Die unterschiedlichen Sichtweisen darüber, was die Enkeltochter tragen sollte, sind oft nur ästhetischer Natur. Dass die Enkeltochter damit das neue Selbstbewußtsein der Muslima in ihrer Generation demonstrieren möchte, wird wohlwollend zur Kenntnis genommen. Streitereien unter den Frauen über das Kopftuch gibt es selten. Darüber verwirrt und oft auch dagegen ist allerdings der moderne türkische Mann.

Susanne Oberheu

 

 

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Unterirdische Städte

Mittwoch, 8. April 2009 14:00

 

Nichts für Besucher mit Platzangst. die meisten unterirdischen Städte sollte man auf keinen Fall ohne ortskundigen Führer betreten!

Nichts für Besucher mit Platzangst! Die meisten unterirdischen Städte sollte man auf keinen Fall ohne ortskundigen Führer betreten!

Geheimnisvoll und bisher kaum erforscht: Viele von den unterirdischen Stätten sollen Jahrtausende alt sein und die meisten wurden noch gar nicht entdeckt, so vermuten Experten.

Uterirdische Städte sind vollkommen autarke Lebensräume mit Viehställen, Lager- und Wohnräumen, Küchen, Kirchen und Kapellen und sogar Keltereien wie auf diesem Foto.

Unterirdische Städte sind vollkommen autarke Lebensräume mit Viehställen, Lager- und Wohnräumen, Küchen, Kirchen und Kapellen und sogar Keltereien wie auf diesem Foto.

  Sie sind eine der Hauptattraktionen in Kappadokien. Allerdings sollte man lieber von Stätten sprechen, denn in historischen Zeiten besaßen die Ortschaften selten mehr als ein paar hundert Einwohner. Die Erzählungen, dass über 10.000 Menschen über Monate hinweg in diesen Anlagen leben mussten, ist eher unwahrscheinlich. Gern wird das ausgeklügelte System der Belüftung dem Besucher vorgeführt. Wer jedoch einmal zwischen zwei Busladungen voller Touristen dort unten gerät, wird sehr schnell merken, dass auch dieses System seine Grenzen hat. Addiert man noch die Gerüche des menschlichen Bedürfnisses und die Ausdünstung der Tiere dazu, dann ist es ganz aus mit der frischen Luft.

Über die Geschichte dieser unterirdischen Anlagen, hier in Kappadokien, ist nur sehr wenig bekannt. Gründeten die verschiedenen Kulturen anderer Ausgrabungsstätten ihre Orte auf den Trümmern ihrer Vorgänger und hinterließen so Schicht für Schicht ihr Zeugnisse für die Archäologie, so passierte dies hier in Kappadokien nicht. Wer hier diese Anlagen erneut nutzen wollte, der musste die Reste der vorherigen Bewohner entfernen, bzw. erst einmal richtig aufräumen.

Sicherlich waren die unterirdischen Städte Zufluchtskeller vor Überfällen, die in Kappadokien zu mancher Zeit zur Tagesordnung gehörten. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Logisch erscheint es auch, dass sie als Arbeits- und Lagerstätten, oder als Ställe auch zu Friedenszeiten genutzt wurden. Einen besseren Schutz vor den brütend heißen Sommertemperaturen und dem klirrend kalten anatolischen Winter kann es nicht geben. Auch war es wesentlich leichter eine Höhle in den weichen Fels zu schlagen, als aufwendig ein Haus zu errichten.

 

Senkrechte geheime Gänge tief unter der Erde sollten es Eindringlingen schwer machen

Senkrechte geheime Gänge führen immer tiefer in die Erde. Eindringlinge konnten sie bewaffnet kaum erklimmen!

                                                                                                                                                                                                                                                        

 

Für Touristen ist die Besichtigung der unterirdischen Städte ein richtiges Abenteuer. Auch wenn die Anlagen heute eine Ausschilderung besitzen und elektrisch beleuchtet sind, so läuft trotzdem so manchem Besucher ein kalter Schauer über den Rücken wenn er die engen Gänge durchwandert. Für Menschen mit Platzangst ist eine solche Begehung jedoch nicht ratsam. So mancher Tunnel ist nur im Entengang zu bewältigen.

Michael Wadenpohl

 

Kriechgänge als Fluchtwege oder wurden hier nur die Schafe durchgetrieben?

Kriechgänge als Fluchtwege oder wurden hier nur die Schafe durchgetrieben?

 

Wer sich eine solche Anlage einmal in aller Ruhe anschauen möchte, sollte nicht gerade die großen Städte in Derinkuyu oder Kaymakli aufsuchen, sondern zu den kleineren und unbekannteren fahren.

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Thema: Archäologie, Geschichte, Kultur, Vulkanismus | Kommentare (3) | Autor: admin

Töpfern am Roten Fluss

Samstag, 21. Februar 2009 18:20

 

Ein großes Töpferdenkmal am zentralen Platz von Avanos zeigt dem Besucher, dass er in einer der kreativsten Orte Kappadokiens gelandet ist

Ein großes Töpferdenkmal am zentralen Platz von Avanos zeigt dem Besucher, dass er in einer der kreativsten Orte Kappadokiens gelandet ist

Ein Spaziergang durch den alten Töpferort Avanos:

Erdogan Gülec bei der Vorlage zu einem Wandrelief aus Ton

Erdogan Gülec bei der Vorlage zu einem Wandrelief aus Ton

Erdogan Gülec steht vor einer Holztafel und modelliert Unmengen von Ton zu einem Relief. Leise anatolische Gitarrenmusik schwebt durch den Raum und vermischt sich mit dem Duft dampfenden Tees und irdenen Tones. Er hat wieder einen neuen Auftrag erhalten. Vor ihm liegt aufgeschlagen ein Buch über antike Mosaiken in Kleinasien. Im Maßstab 1:1 hat ein Hotelier aus Istanbul diese Kopie zur Verschönerung seiner Rezeption bestellt. Erdogan war einer der ersten hier in Avanos, die mit der Herstellung großflächiger Wandreliefs nach historischem Vorbild begannen. Mittlerweile ist sein Name in der ganzen Türkei bekannt, nur Touristen verirren sich selten in sein altes Tuffsteinhaus oberhalb der Altstadt.

 

 

 

Man weiß, dass bereits die Hethiter etwa 1500 v.Chr. am Roten Fluss siedelten, und aus dessen tonhaltigen Ablagerungen hochwertige Töpferwaren herstellten. Noch heute gelten die komplizierten Schnabelkannen aus jener Zeit zu den schwierigsten Drehformen des Töpferhandwerkes.

Mehmet Ikizler bei der schwierigen Erstellung einer hethitischen Schnabelkann

Mehmet Ikizler bei der schwierigen Erstellung einer hethitischen Schnabelkanne

Seit über 3000 Jahren werden in den Höhlen und Tuffsteinhäusern entlang des Flusses diese Kenntnisse und Fähigkeiten des Töpferns von einer Generation an die nächste weitergegeben. Noch vor 20 Jahren gab es in Avanos über 300 Töpferfamilien, in denen jeder männliche Nachkomme das Handwerk lernen musste. Die industrielle Fertigung hat viele Familien arbeitslos gemacht und so findet man heute noch vielleicht hundert Töpfer, die mehr schlecht als recht ihren Lebensunterhalt mit Gebrauchskeramik oder Souvenirs für den Tourismus verdienen. Aber auch  einige wenige beliefern Europa und Amerika mit Gartenkeramik und bauen sich so eine größere Manufaktur auf.

 

 

 

 Aus einigen Töpfern sind aber auch inzwischen international anerkannte Künstler geworden und sogar ausländische Keramiker haben sich in einigen dieser Höhlen niedergelassen: da arbeiten deutsche, englische, kanadische, niederländische, japanische und türkische Töpfer und Töpferinnen Seite an Seite. Weltweit bestehen Verbindungen zu anderen Töpfereien und Kunstkeramikern. 

Susanne Oberheu zeigt ihren Gästen wie es geht

Susanne Oberheu ist in Deutschland ausgebildete Keramikerin. Hier zeigt sie ihren Gästen, wie es geht. Von der Meisterschaft eines Avanos-Töpfers ist sie aber weit entfernt!

 

Auch als Tourist kann man hier

die Grundkenntnisse der Töpferei erlernen,

tuerkei-kappadokien-toepfer-meister-goekan-kreativ-reise-avanosbzw. können fortgeschrittene Töpfer zu

neuer Inspiration und echtem Können gelangen.

tuerkei-kappadokien-kreativ-reise-im-toepfer-ort-avanos

 

 

Töpfermeister Gökan  liefert inzwischen bis nach Amerika Avanos-Keramiken … ……………und der Nachwuchs wird schon angelernt!

Susanne Oberheu, Michael Wadenpohl

www.kappadokya-travel.com 

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