Kappadokien-Rundreise
Sonntag, 30. Oktober 2011 15:26
Ein kritischer Bericht
In der kalten Jahreszeit zwischen November und April werden wieder die billigen Kappadokien-Rundreisen angeboten.
Warum gerade jetzt?
Die wenigsten Touristen, die diese Rundreise buchen, wissen eigentlich wohin es geht.
Denn, Kappadokien liegt zwar im Süden, mit Wärme und sommerlichen Temperaturen aber ist in der Zeit zwischen November und April kaum zu rechnen. Die Hotels stehen dann leer und die Zimmer sind billig zu haben. Die eigentliche Reisesaison für Kappadokien ist von Mai bis Oktober!
Kappadokien liegt im Schnitt über 1000 m hoch und das bedeutet von November bis April in der Regel Temperaturen von unter +10°C oder sogar Minuswerte mit Schnee bis hin zu minus -20°C; Schneeketten sind dann für Kappadokien vorgeschrieben.
Eine sogenannte Kappadokien-Rundreise heißt auch, dass der Rundreise-Tourist mindestens 1500 km im Bus sitzt. Die Türkei ist ein riesiges Land. Ist der Zielflughafen zum Beispiel Antalya, so ist das immerhin etwa 600 km von Kappadokien entfernt und muss hin und zurückgefahren werden, weitläufige Abstecher unterwegs sind außerdem zu erwarten. Das eigentliche Kappadokien ist ein sehr kleines Gebiet, etwa 20×20 km groß, also innerhalb Kappadokiens bedeutet eine „Rundreise“ eine Fahrt von maximal 1 Stunde!
Aber das ist nicht das schlimmste Übel!
Was den deutschen Touristen dann erwartet, ist vielleicht nicht jedem klar.
Wie sich der super Spott-Preis von 150,-€ oder auch 250,-€ rechnet, auch nicht.
Es gibt sogar Gerüchte, dass die türkische Regierung diese Reisen subventioniert:
„..weil die ja in die EU wollen!“, wie mancher blauäugig und ziemlich überheblich meint.
Gleich vorweg: Es gibt nur einen, der für den ausstehenden Restbetrag, der so eine Reise kostet, bezahlt, und das ist der Kunde selbst, ausgelegt von pfiffigen türkischen Geschäftsleuten;
und zwar mit extrem überhöhten Preisen für Getränke, Essen, Verpflegung, Touren, zusätzliche touristische Angebote.
Wenn der „Reisende“ nun glaubt, er könne sich dem entziehen, so irrt er. Die Reiseveranstalter sorgen natürlich auch dafür, dass Sie keine Alternative haben. Außerdem sehen sie eine Verweigerung nicht gerne und reagieren oft mit Unfreundlichkeit. Ein entspanntes Urlaubsgefühl kann da nicht aufkommen.
Der Rest der offen stehenden Summe wird auf Verkaufsveranstaltungen verdient, diese sind immerhin gut geheizt und finden in riesigen Häusern meist außerhalb auf der „grünen Wiese“ statt, so dass Sie sich auch hier nicht entziehen können. Mancherorts werden sogar nach dem Einlass der Busgesellschaft die Türen geschlossen. Selbst wenn Sie dann nichts kaufen, angenehm ist das nicht - das weiß man von Butterfahrten! Mit ein bisschen Folklore und Ambiente untermalt glaubt der Gast sogar einen Moment, dass ihm etwas geboten wird.
Dass Sie erst gar nicht auf die Idee kommen, einmal Land und Leute auf eigene Faust zu besuchen oder echte Kontakte zu knüpfen, geschweige die normalen Preise kennen zu lernen, dafür sorgen die Reiseleiter. Selbst türkischen Reiseleiter machen ihre eigenen Landsleute schlecht. Sie mahnen ihre Schäfchen, würde man sich außerhalb ihrer Obhut begeben, so könnten sie für nichts garantieren, man könnte überfallen, bestohlen oder bestenfalls übern Tisch gezogen werden, dem Türken an sich sei nicht zu trauen. Die Preise in den kleinen Läden seien viel höher als bei ihnen und die Türken würden einen gnadenlos ausnehmen. Sicher wäre man nur in den von dem Veranstalter benutzten Verkaufsausstellungen, die von der türkischen Regierung betrieben würden und diese würde für die verkaufte Ware eine Garantie geben. Nichts davon entspricht der Wahrheit! Die Preise in diesen von skrupellosen türkischen Geschäftsleuten betriebenen Verkaufsveranstaltungen sind nicht selten 10 bis 50 mal höher als der normale Preis. Reiseleiter bekommen oft kein Gehalt und verdienen ihr Geld durch Provisionen. Für jedes von seinen Schäfchen gekaufte Stück erhält er bis zu 40 % des Preises für sich; was natürlich vorweg auf den Verkaufspreis aufgeschlagen wurde. Außerdem kann man sich vorstellen, wo das besondere Interesse des Reiseleiters während der Rundreise liegt! Große Teppichläden erwarten einem Umsatz von mindestens 10.000,-€ pro Busladung Touristen. Diese Rechnung schien auch bisher aufzugehen.
Leider hält sich die türkische Regierung völlig heraus, gibt weder Sicherheiten noch Verbraucherschutz, es gibt kein Rückgaberecht und kein Gesetz gegen Wucherei.
Und hier tun sich die türkischen Reiseleiter einen Bärendienst, denn so mancher Tourist hat danach und spätestens zuhause herausgefunden, dass seine Lederjacke, die er von 1000,-€ auf 300,-€ herunter handeln konnte, nicht mehr als 50,-€ wert ist. Noch schlimmer geht es denjenigen, die meinen, einen besonders wertvollen Teppich erstanden zu haben. Ihr Schnäppchenglück verwandelt sich dann ganz schnell in blanke Wut, wenn sie herausfinden, dass der Teppich ganz und gar nicht aus Seide ist und er nicht 5000,-€ Wert ist, sondern gleich um die Ecke in einem kleinen Laden für 200,-€ zu haben war.
Die Türkei ist ein wunderschönes Land und die Gastfreundlichkeit seiner Bewohner ist echt und herzlich. Das kann jeder bestätigen, der einmal auf eigene Faust dieses riesige Land besucht hat.
Die Tausende von Deutschen aber, die jetzt diese Rundreisen buchen, um die türkische Kultur einmal aus der Nähe kennen zu lernen, werden nach so einer Abzocke sicher nicht wieder kommen und viele von ihnen werden von der Türkei wenig Freundliches zu berichten haben.
Schade, dabei könnte eine unverfälschte Sichtweise auf die Türkei auch in Deutschland viel Positives bewegen!
„.Am nächsten Morgen steigen 30 Touristen in den Bus.. Reiseleiter Hakan* (46) erklärt das Programm…. Auffällig nur: Hakan preist immer wieder die Einkaufsangebote für Leder, Schmuck und Teppiche an: „Für solche Jacken zahlen Sie zu Hause 1200 Euro, hier nur 200 Euro!“ …Doch zunächst sollen sich die Reisenden für das „Fress-Paket“ (139 €) oder das „Rund-um-Sorglos-Paket“ (179 € für Mittag und Folklore-Abend) entscheiden… Die Hotels nehmen gern mal acht Euro für ein Glas Wein. Was in der Reisebeschreibung als informativer „Besuch einer Teppichknüpfschule“ beschrieben wird, stellt sich als clevere Verkaufstaktik heraus. Leder- und Schmuckpräsentationen stehen auf dem Programm – allerdings nicht auf dem Programm im Internet, dort ist keine Rede von Verkaufsshows. Dabei gäbe es ohne die gar keine Reise. „Dem Lederhersteller gehört das Reiseunternehmen. Die Teppich-, Leder- und Schmuck-Hersteller sind die Sponsoren der Reise. Wenn niemand etwas kaufen würde, gäbe es solche Reisen nicht“, sagt Hakan. … “(aus: bildderfrau.de/reisen-urlaub/eine-woche-tuerkei-fuer-einen-euro-d17264×45736.)
“Genau, irgendwie muss sich das ja finanzieren, umsonst ist der Tod”, sagt Günter Pfaff. “Und wer soll das denn sponsern?”, fragt er. Die Zeitung, die der Mann abonniert hat, tue das mit Sicherheit nicht. Pfaff geht davon aus, dass der Verlag “an sich damit nichts zu tun hat, “das wird ungeprüft reingelegt” - das passiere auch in anderen Zeitschriften und Nachrichtenmagazinen. Seiner Meinung nach handelt es sich bei den Sponsoren um genau die Leute, die sich vor Ort ein gutes Geschäft mit den Reisenden erhoffen: “Wir laden Sie mit freundlicher Unterstützung der Tourismusförderung Türkei zu einem unvergesslichen Urlaubserlebnis ein” steht in dem Schreiben - und dahinter stecken möglicherweise die Betreiber dieser Manufakturen”, sagt der Verbraucherberater. Diese hätten vermutlich einen Deal mit den Touristik-Betrieben: Wir bezuschussen euch und dafür bringt ihr uns willige Käufer.” ( aus stz-online.de/nachrichten/regional/schmalkalden/fwstzsmlokal/art2450,1136953)
Susanne Oberheu
www.kappadokien-reisefuehrer.com
Kappadokya Travel bietet Individualreisen von Mai bis Oktober an:
Thema: Freizeit | Kommentare (3) | Autor: admin







