Beiträge vom Juni, 2011

Gewitter und Eisregen in Kappadokien im Juni

Sonntag, 26. Juni 2011 11:35

In Kappadokien ist die Klimaerwärmung angekommen

 

 

Das kontinentale Klima in Kappadokien zeichnete sich bislang durch harte, kalte Winter und heiße, trockene Sommer aus.

 

Noch 1950 erzählten Reiseberichte aus Kappadokien vom „Ewigen Eis“ des fast 4000er Vulkans Erciyes Dağı.  Und 1969 sollen die Temperaturen im Sommer +38°C nicht überschritten und im Winter bis zu -25°C geherrscht haben mit hoch Schnee.

 

Dieses scheint nun einer anderen Klimaperiode anzugehören.

 

Das „ewige“ Eis vom Erciyes ist seit einigen Jahren jeden August verschwunden und letzten Sommer hatte Kappadokien Hitzerekorde von + 45°C zu melden.

Schnee gibt es nur noch manchmal und die Winter sind inzwischen eher „frühlingshaft“ mild mit noch vor 40 Jahren unvorstellbaren 15-20°C plus.

Dafür gibt es mehr Regen in Kappadokien, das bisher als sehr trocken galt. Im Mai 2009 gab es in der ganzen Türkei Regenmassen wie noch nie. Auch Kappadokien versank im Tuff-Schlamm und war ungewöhnlich grün für die Jahreszeit. Es blühte wie es die Einheimischen zu Lebzeiten im Mai noch nicht gesehen hatten.

Das wiederholte sich 2011. Temperaturen von nur + 15°C tagsüber und einer dichter Wolkendecke sowie immerwieder starke Regenfällen ließen deutsche Urlauber an das heimische Mai-Wetter erinnern. In Deutschland dagegen war es ungewöhnlich trocken - verkehrte Welt! Der Juni, normalerweise schon sehr heiß mit über + 30°C und absolut regenfrei war zwar freundlicher als der Mai mit + 25°C, aber heftige Gewitterschauer brachten so manchen Wanderer in den schönen kappadokischen Schluchten in Katastrophenstimmung. Glücklicherweise bietet Kappadokien überall Unterstände inform von Höhlen und unter bröselnden Tuffsteinüberhängen bot sich dem Naturliebhaber ein wahres Naturschauspiel:   Täler und Straßen Kappadokiens verwandelten sich in reißende Ströme, die ganze Gesteinsbrocken mit sich schleppten, tieferliegende Höhlen füllten sich mit Wasser und bereits von der Erosion stark beschädigte Mauern und Felsenreste wurden einfach mitgerissen. Höhepunkt dieser Gewitterwelle im Juni war schließlich der infernale Wolkenbruch am 13.Juni, der halb Anatolien überflutete. Kein Haus, was nicht einen Wasserschaden meldete. Und in einer Zeit, in der die Kappadokier normalerweise bereits unter der brennend-heißen Sonne zu stöhnen beginnen, fiel Eis vom Himmel, Graupelschauer.  Welcher enorme Schaden freiliegende Fresken und antike Ruinen im Weltkulturerbe genommen haben, mag keiner schätzen.

Welchen Sommer wir in Kappadokien erwarten dürfen, auch nicht! Man munkelt, der würde dieses Jahr wohl ausfallen oder auf den Winter verschoben werden.

 

Wir werden weiter berichten!

Susanne Oberheu & Michael Wadenpohl

www.kappadokya-travel.com 

 

Juli 2011 …. der Sommer hat in Kappadokien wie gewohnt Einzug gehalten. Durch die Hitze von weit über 30°C sind nun “endlich” und wie wir das seit Jahrzehnten nicht anders kennen, die schönen Hänge und sanften Hügel Kappadokiens wüstenhaft gelb geworden, die letzte wilde Blume ist vertrocknet, außer noch in manchen schattigen Tälern. Und die Kappadokier ziehen sich in ihre kühlen Höhlen zurück…. bis zum Abend. Die Nächte sind nun wunderbar lau-warm und der immer seichte Wind, der über die anatolische Höhenplatte streicht, streichelt die Haut. Die Luft ist trocken und angenehm. So kennen wir das und so soll es sein im Juli. Ein letztes großes Gewitter vor ein paar Tagen war noch einmal Segen für die kappadokischen Bauern. Aber nun haben wir Sonne pur! Susanne Oberheu:   www.kappadokya-travel.com

 

Siehe auch türkischen Wetterdienst für Kappadokien / Nevsehir:

http://www.mgm.gov.tr/de-DE/forecast-cities.aspx?m=NEVSEHIR

 

 

 

 

 

 

Thema: Klima | Kommentare (0) | Autor: admin

Der Patagonientourist in Kappadokien

Freitag, 24. Juni 2011 12:45

oder wie man richtig reist…

 

Der sogenannte Patagonientourist in Kappadokien wünscht das echte und wahre Kappadokien zu sehen. Er legt allergrößten Wert darauf, dass ihn der Einheimische nicht als Einnahmequelle, sondern neugierigen Besucher und wohlwollender Freund sieht, eben so wie er sich selbst sieht. Deswegen achtet er streng darauf, dass ihm nur das wirkliche Kappadokien gezeigt wird, abseits aller von anderen Touristen frequentierten Wege und Orte. Er lässt sich auch nur sehr ungern als Tourist bezeichnen. Touristen sind in seinen Augen oberflächliche Konsumenten, die sich wenig für die Kultur eines Landes interessieren und daher willige Opfer der einheimischen Geschäftemacher sind. Ein Tourist kauft alles, was man ihm anbietet, er als Reisender dagegen nur das wirklich Echte und Besondere, wenn überhaupt. So nimmt er viele Unbequemlichkeiten in Kauf, denn fälschlicherweise wird er immer wieder wie ein normaler Tourist behandelt, wenn er Hotels, Restaurants oder Geschäfte betritt. So sucht er unentwegt nach Auswegen aus dieser Miesere, isst lieber gar nichts und geht große Umwege als den Ausschilderungen für Touristen zu folgen. 

Außerdem hat der Patagonientourist eine klare und theoretisch gut vorbereitete Vorstellung von dem, was er für das Wahre und Echte hält.

 

Idealer Weise soll man auf Reisen seinen Horizont erweitern. Das bedeutet aber, dass der Horizont, den man bisher hatte, vielleicht verrückt wird, also ganz unvorhergesehene Einsichten das bisherige Weltbild verändern.

 

Davon hält der Patagonientourist wenig. Sein Weltbild wurde ihm bereits von namhaften Schriftstellern und Wissenschaftlern in vielen Lesestunden im heimischen Wohnzimmer vermittelt. Daran kann ein Einheimischer mit 4 Jahren Schulbildung und wenig Kenntnissen von diesen Dingen kaum rütteln. Eher sollte man den Einheimischen über die Tragweite seiner Kultur und seines Denkens aufklären, sozusagen als kleine Entwicklungshilfe nebenbei.

 

Mit einem massiven Fundament an Einsichten geht dann auch der Patagonientourist an seine Aufgabe, Land und Leute zu erkunden. Ausgerüstet mit allen zur Verfügung stehenden gedruckten Informationen und der dazugehörigen Technik schreitet er ans Werk. Seine größten Trophäen sind Fotos vom spontanen Einheimischenkontakt, weit weg von jeder Zivilisation und Technik: Strommasten, Autos und Fernsehgeräte auf seinen Fotos will er nicht haben und werden, wenn es gar nicht anders geht, digital nachgearbeitet, eben rausgeschnitten. Die echten und wahren Bilder sind  Fotos von lachenden Frauen mit Kopftuch, Männern in traditioneller Hose, am liebsten auf einem Esel, und natürlich Kinder in allen Variationen, gern schmutzig und barfuss in Lumpen. Auch die Schafherde mit Schäfer darf nicht fehlen. Dazu natürlich romantische Sonnenuntergänge von Landschaften, in denen sonst kein Tourist je gesichtet wurde.

Und dennoch lüstert es den Patagonientouristen auch nach anderen Beweisen seiner Reisetätigkeit, sogenannten Souvenirs. Aber echt sollen sie sein und möglichst geschenkt, denn die einheimische Tourismusindustrie zu unterstützen entspricht nicht seinem Konzept vom Reisen. Obwohl er aus dem gut situierten Bildungsbürgertum kommt, lässt er sich also gern beschenken: Wenn Einheimische ihn zum Essen einladen, ist das für ihn die größte Wertschätzung als Reisender und oft genug muss die Anwesenheit des Gastes Dank genug sein für die Großzügigkeit. Man will die armen Wilden ja auch nicht mit Gaben des westlichen Wohlstandes verderben. Womöglich auch mit Geld seine Dankbarkeit zu zeigen, gehört zu den Todsünden des Patagonientouristen. Wenn Kleidung und Ausrüstung für die Reise auch ein Vermögen gekostet haben und man nicht an Markenprodukten gespart hat, so ist das schlichte Kaufen eher verpönt und entspringt dem Kapitalismus, den man ja in der Fremde nicht unterstützen möchte.

 

Trotz intensivster Vorbereitungen passieren dem Patagonientouristen dennoch manchmal Fehler. Da er wenig auf die Beratung von Einheimischen Wert legt und andere Touristen sowieso keine Ahnung haben, also jeder nicht gedruckten Information eher kritisch gegenübersteht,  können diese Fehler ausgesprochen peinlich werden.

 

Warum der Patagonientourist von der Autorin so genannt wird, erzählt die folgende wahre Geschichte:

 

Ein Tourist, der als solcher nicht erkannt und genannt werden möchte, betritt schließlich dennoch irgendwann einen kleinen Teppichladen in der Altstadt von Avanos in Kappadokien. Eigentlich will er gar nicht und der freundliche Teppichhändler muss ihn fast hineinziehen, aber schließlich und unter Protest gibt er nach und betritt den unechten Ort, an dem man für Teppiche bezahlen muss und wo jedem dummen Touristen das Geld aus der Tasche gezogen wird.

Um seine Ehre zu retten und um seine Andersartigkeit zu demonstrieren, wiederholt er gebetsmühlenartig, dass er aber nur und ausschließlich echte Patagonien-Teppiche sehen wolle! - Der freundliche Teppichhändler zuckt zusammen. Eine gute Reaktion, wie der Patagonientourist meint, denn jetzt hätte er den Teppichhändler überrascht und ihm gezeigt, dass er anders ist all die anderen Touristen. Der Teppichhändler wedelt etwas hilflos mit den Armen: „Leider, nein, damit könne er nicht dienen, aber vielleicht…..“ -  „Nein!“, kontert der Patagonientourist nun wesentlich selbstsicherer und seiner Einzigartigkeit bewusst: für ihn käme, wenn überhaupt, nur ein echter und wirklich  e c h t e r  Patagonien-Teppich in Frage. Er ließe sich da auch nicht beirren oder rumkriegen wie vielleicht andere. So geht das eine ganze Weile, der Teppichhändler wühlt verzweifelt in seinem Gedächtnis danach, was ein Patagonien-Teppich denn sein könne und ob er in seinem umfangreichen Sortiment dem strengen Kaufinteressenten vielleicht doch noch etwas Ähnliches bieten könnte. Bis schließlich die bis dahin stille Ehefrau des “Patagonientouristen” ganz leise flüstert:

 “Kappadokien, mein Schatz, ………….K a p p a d o k i e n  !  ! !“

 

Susanne Oberheu 

www.kappadokya-travel.com

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Der Reiseführer für Kappadokien soll eine Hilfe sein, um sich auf etwas Neues einlassen zu können.....

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Ist der Orient-Teppich out?

Sonntag, 19. Juni 2011 14:32

Ein original kappadokischer Teppich aus der Region Taschpinar

Ein original kappadokischer Gebetsteppich aus der Region Taschpinar, Schafswolle

Lange Zeit galt der Orient-Teppich als Statussymbol erst der Adligen und Superreichen, dann des soliden Bürgertums. Orientalische Teppiche waren Werte, die an die Nachkommen mit Stolz weitervererbt wurden.

 Wer unter seinem Ess- oder Wohnzimmertisch einen mindestens 7 m² großen echten Perser zeigen konnte, hatte es meistens geschafft in der Welt des Geldes. Denn Orient-Teppiche waren unerschwinglich teuer für die meisten Sterblichen.

Das hat sich nun geändert und das europäische Bürgertum, durchaus in der Lage, sich so ein Schmuckstück zu leisten, hat andere Vorstellungen von vorzeigbaren Werten. Außerdem gebeutelt von allerlei Allergien verzichtet die gut situierte Hausfrau heute lieber ganz auf textile Bodenbeläge. In der schwedischen Möbelwelt, die inzwischen Einzug in die meisten Haushalte genommen hat, spielt eine aufwendige Handarbeit keine Rolle mehr. Helle Einrichtungen verlangen allerdings hier und da nach bunten Flecken, ganz besonders fürs Kinderzimmer. Und so haben sich die persischen Manufakturen auf den europäischen Geschmack eingestellt und überfluten den Möbelmarkt mit sogenannten Gabbeh-Teppichen, bei Kennern als Pädagogen-Teppich verunglimpft: knallige Farben mit kleinen Tierchen oder Männchen sparsam verziert, denn der Europäer liebt den Überblick, weder bunt noch floral noch mit Bordüre darf es sein. So ganz anders als der Orient-Teppich seit Jahrhunderten traditionell hergestellt wird. 

 

Ein traditioneller Orient-Teppich ist nach wie vor der Inbegriff von handwerklicher Qualität, die seinesgleichen sucht. Jedes Stück ist ein Unikat, in das die Knüpferin mit unermüdlichen Fleiß und Einsatz etwas von sich eingewebt hat. Zuhause am heimischen Webstuhl verbrachte bisher eine junge Frau im Orient viel Zeit; sind doch Teppiche, Decken und Kissen auch ihre Aussteuer für die zukünftige Ehe gewesen. So hat sie in den Jahren des Webens und Knüpfens auch ihren ganz eigenen Stil und Geschmack in die Handarbeit gebracht; viele Symbole haben einen tieferen Sinn und drücken oft  ihre Wünsche und Träume aus. Ein in Heimarbeit gefertigter Orient-Teppich, auch Nomaden-Teppich genannt, ist ein einmaliges Kunsthandwerk.

 

An einem 3 m² großem Teppich knüpft eine Frau schon mal ein ganzes Jahr, die umfangreichen Vorarbeiten für die Wolle nicht mitgerechnet. Je nach sorgfältiger Arbeit, Qualität der Wolle und Können der Knüpferin sind dann solche traumhaften Arbeiten auch schon für 400,-€ zu haben. Dass die Künstlerin davon nur ein Bruchteil gesehen hat, versteht sich. Aber der europäische Geschmack verschmäht die wertvolle Handarbeit; zu bunt, zu kitschig aus deren Sicht.

 

Heute knüpfen und weben kaum noch junge Frauen in der Türkei oder dem Iran zuhause oder verdienen sich in Heimarbeit etwas Geld dazu. Der Markt wird von Manufakturen beliefert. Auch hier arbeiten vorwiegend Frauen, deren Fingerwertigkeit für Männer meist unerreichbar bleibt. Doch die Handarbeiten sind leblose Kopien von vorgegebenen Mustern, wie die des Gabbeh im Iran, die vom Käufermarkt bestimmt werden. Dass in diesen Manufakturen manchmal unhaltbare Arbeitsbedingungen herrschen ist bekannt, seitdem man von Kinderarbeit in indischen Werkstätten weiß.

 

So werden dann echte und zuhause gefertigte Nomaden-Teppiche, die zurzeit noch billig zu haben sind, irgendwann einmal unbezahlbar sein und  als wertvolle Einzelstücke gehandelt werden. 

 

Leider haben inzwischen auch die Türken keinen Sinn mehr für die von Mama noch in liebevoller Heimarbeit gefertigten Stücke. In Istanbul hat dann auch schon der erste Ikea-Markt geöffnet mit Teppichen ohne Kultur, industriell gefertigt oder in Manufakturen, die keiner kennt.

 

 

Kleine Teppichkunde

 

Wann die ersten Teppiche geknüpft wurden, weiß man nicht. Leider sind Teppiche nicht besonders haltbar, in geschichtlichen Dimensionen gesprochen. Feuchtigkeit zerstört sie und archäologische Funde sind selten. Ein Glücksfall ist dann auch der sogenannte Pazyryk-Teppich, der im Permafrost Sibiriens 2500 Jahre die Zeit überstehen konnte und damit der älteste Nachweis für die Knüpfkunst ist. teppich-pazyryk

Es ist wahrscheinlich, dass turkmenische Nomadenstämme in Zentralasien die ersten dicken Teppiche aus Schafs- und Ziegenwolle knüpften, um diese in kalten Wintern in ihren Zelten auf den Boden zu legen. Schnell zu verstauende Webstühle gehören seit ewigen Zeiten zu der Ausrüstung jeden Nomadenstammes, quasi die Raumausstattung der Zeltbewohner.

Da man viel Zeit mit dem Knüpfen verbrachte, müssen dann auch bald künstlerische und ästhetische Erwägungen in das Handwerk eingeflossen sein. So entwickelte jede Region und jeder Stamm im Laufe der Jahrhunderte ganz eigene Teppiche, mit eigenen Mustern und Farben. Von Generation zu Generation wurde dann an das Handwerk immer höhere Ansprüche gestellt und die Teppichknüpferei verfeinert: bessere Wolle, klarere Linien, hohe Knüpfdichte, Detailgenauigkeit.

Die im türkischen Konya gefundenen Teppiche aus dem 13.Jahrhundert n.Chr.beweisen einen  hohe Kunst der Teppichherstellung.

Seldschukkische Muster prägten Teppiche und Architektur des gesamten Orients

Seldschukkische Muster prägten Kunst und Architektur des gesamten Orients

Der zu dieser Zeit in Anatolien lebende turkmenische Stamm der Seldschukken beglückte schließlich den gesamten Orient mit seinen feinen Ornamenten und Arabesken und hatte künstlerischen Einfluss bis in das maurische Spanien.

Handbemalte Kacheln in Isfahan im Iran

Handbemalte Kacheln in Isfahan im Iran

Die in den nomadischen Teppichen eingewebten und geknüpften geometrischen Muster fanden schließlich Einzug in die Keramik- Kachel- und Fliesenherstellung sowie Architektur der berühmtesten und schönsten Gebäude von Samarkand nördlich von Afganistan, Isfahan im Iran bis Granada in Spanien. Imitiert wurden diese Muster schließlich auch in der europäischen Gotik. Kreuzritter hatten erste Teppiche zu den erstaunten Europäern gebracht, wo sie sofort den künstlerischen Stil prägten. Osmanische Sultane verschenkten die begehrten Stücke schließlich an europäische Königs- und Fürstenhäuser und erkauften sich somit diplomatisches Wohlwollen. Die Blütezeit der Teppichknüpfkunst war schließlich das 16.Jahrhundert. In der Türkei herrschte der prächtigste und erfolgreichste aller osmanischen Sultane, Sultan Süleyman. Er machte die Teppichknüpfkunst zur Chefsache und verschleppte die besten Künstler und Teppichmeister aus dem besiegten Täbris in Persien, wo diese eine ganz eigene Stilrichtung von hoher Qualität entwickelt hatte, nach Istanbul.

Neue Teppichknüpfzentren entstanden im westlichen Anatolien. Die Seidenraupe hatte man bereits 1000 Jahre zuvor lebend aus China schmuggeln können und in den Maulbeerbäumen der türkischen Stadt Bursa fühlten sie sich besonders wohl. Hier entstanden die schönsten Seiden- und Brokatstoffe. Der orientalische Teppich war nun das Wertvollste und Schönste, was europäische Adelshäuser als ihr eigen wünschten. Hatten sie einen erwerben können, so ließen sie sich gern mit ihm auf einem Gemälde darstellen, von berühmten Malern wie Hans Holbein, Lorenzo Lotto, Jan van Eyck und Jan Vermeer. In Europa nannte man diese Teppiche dann auch Holbein- oder Lotto-Teppiche. Tatsächlich aber waren es Uschak-Teppiche aus der heute noch bekannten Uschak-Region in der West-Türkei.

tuerkei-orient-teppich-hereke-seide-kunst-handwerk

Der bisher erreichte Gipfel der Teppichknüpfkunst wurde im 19,Jahrhundert schließlich in der vom Sultan ins Leben gerufenen Manufaktur Hereke in Izmit nahe Istanbul erreicht: persische florale Muster kombiniert mit türkmenischen geometrischen Ranken und Symbolen werden in Seide geknüpft mit einer unvorstellbaren Knüpfdichte von 200 Knoten pro Quadratzentimeter und sogar mehr. Diese Stücke sind allerdings heute in Sammlerhänden und erzielen astronomische Preise.

Aber in türkischen Teppichläden sind heute noch Hereke-Seiden-Teppiche zu finden, nicht alt und mit einer Knüpfdichte von „nur“ 100 Knoten pro Quadratzentimeter, aber der feine Glanz dieser Prachtstücke ist immer noch atemberaubend. Aber Achtung: Fälschungen kommen inzwischen aus China, vielleicht als späte Rache für den Seidenraupenklau.

Auch wenn es nicht in Ihre Wohnung passt: lassen Sie sich mit einer Lupe die Knüpfdichte eines Hereke-Seiden-Teppichs ruhig einmal zeigen. Sie scheinen nicht von Menschenhänden gemacht zu sein- sind sie aber!   

Seidenteppich aus Kayseri in Kappadokien

Seidenteppich aus Kayseri in Kappadokien

Türkische Orient-Teppiche kommen heute noch aus den Regionen
- Izmit, Canakkale, Bergama, Uschak, Mugla im Westen Anatoliens
- aus Antalya und Konya in der Mitte Anatoliens
- aus Kirschehir, Aksaray, Nigde,Yahyale und Kayseri in der Region Kappadokien in Zentralanatolien
- und Adiyeman, Diyarbakir und Kars im Osten.
Im Gegenesatz zu Webteppichen, den Kelims, werden geknüpfte Teppiche meist aus Schafswolle hergestellt und nur manchmal mit der minderwertiger Baumwolle vermischt. Entscheident für die Qualität der Wolle ist das Alter des Schafes und die Zeit der Schur. Winterwolle von 1-2-jährigen Schafen soll die beste sein. Behutsam wird diese dann in Handarbeit gewaschen, gesponnen und schließlich mit den örtlichen zur Verfügung stehenden Pflanzenfarben eingefärbt, die dem Teppich einen einzigartigen Farbton verleihen, der von Region zu Region unterschiedlich ist.
Susanne Oberheu
www.kappadokya-travel.com

Original kappadokischer Teppich aus der Region Yahyali mit traditionellem Muster

Original kappadokischer Teppich aus der Region Yahyali mit traditionellem Muster

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Das berühmte Freilichtmuseum von Göreme

Sonntag, 5. Juni 2011 10:09

Großer Andrang am „Göreme Open Air Museum“

 

Von Touristenzentrum Göreme zufuß kommend weist ein Schild daraufhin, dass es zum Göreme Open-Air-Museum hier entlang ginge. Statt geradeaus dem Bürgersteig Richtung Eingang folgend, solle man nun hier abbiegen. Der Grund wird schnell deutlich: der Weg führt eng durch eine Gasse mit Souvenirläden auf beiden Seiten und endet vor 2 Kamelen, ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir uns bei einem der größten touristischen Attraktionen der Region befinden. Hinter den mit Tüchern und Figuren für die heimische Vitrine vollgepackten Baracken stehen dann auch die Reisebusse in Reih und Glied; bis zu 20 Stück können es zu Stoßzeiten schon mal werden.  Jeder der Kappadokien auch nur für einen Tag besucht, geht in das berühmte Göreme-Open-Air-Museum. Der Eintrittspreis ist dann auch für Kappadokien verhältnismäßig hoch mit ca. 7,-€.

20 Busse bedeuten ca. 1000 Besucher.

Das Open-Air-Museum ist eine ehemalige Klosteranlageaus dem 11.Jahrhundert mit etwa 10 kleineren Kapellen, dazu Refektorien, Küchen etc. Die Kappellen, zum Teil mit den best erhaltensten Fresken Kappadokiens, sind in der Regel nicht größer als 15-20 m². Nur die Tokali-Kirche außerhalb des Geländes hat Kirchengröße. Diese durchaus sehenswerten Kappellen befinden sich in Tuffkegeln und im Felsen, verteilt an einem kleinen Rundgang.

 

Man stelle sich nun 1000 Besucher vor, die in 150-200 m² Kapellenfläche drängen. Große Menschentrauben vor den Höhleneingängen füllen das kleine Tal. Ein Museumswächter tippt auf seine  Armbanduhr:“ Three minutes!“ Der Reiseleiter einer Busgesellschaft zwängt seine Schäfchen nun in die dunkle Höhlenkirche. Aber auch bei aller Liebe, 50 Personen passen nicht auf den schmalen eingezäunten Weg innerhalb der kleinen Kappelle; der Reiseleiter drängt, die Zeit läuft, er brüllt seine Informationen in die dichte Menge und schon mahnt der Museumswächter, dass die 3 Minuten vorbei sind. Die Luft in der Kappelle ist stickig und schwül. Die meisten Kulturinteressierten sind froh, wieder ins freie Gelände zu kommen. Aber wofür sie nun 15,- Lira zahlen mussten ist ihnen nicht klar und sie sind unzufrieden. Der Reiseleiter bekommt schlechte Laune und die Stimmung im sonst so beschaulichen Mönchstal von Göreme ist eher gereizt. Reiseleiter unterschiedlicher Gesellschaften giften sich an. Die Laune der Museumswächter, die vor jeder Höhlenkirche die Zeit messen, ist auch nicht die beste. Dennoch sagt sich der Besucher :“Was muss, das muss und erträgt das alles!“ Wie lange die 1000 Jahre alten Fresken diesen Ansturm von feuchter Atemluft ertragen werden, das wartet die Museumsverwaltung offensichtlich geduldig ab.

Schwierig wird die Situation allerdings erst, wenn, wie es regelmäßig passiert, in Göreme der Strom ausfällt. Das ist kein Problem für Hotels, Restaurants und sogar die Souvenirläden schalten dann ihre Generatoren an; man hat sich darauf eingestellt. Nur das Göreme-Open-Air-Museum besitzt offensichtlich keinen Generator! Die sowieso dunklen Höhlenkirchen liegen dann vollständig im Dunkeln. Dennoch wird ohne jeden Hinweis, dass man zurzeit im Museum ja gar nichts erkennen könne, weiterhin Eintritt in Massen kassiert: 15.000,-€ ohne dass man irgendetwas von den berühmten Fresken sehen würde. Die Museumswächter vor den Eingängen sind auch verschwunden; nicht, um  Taschenlampen zu holen, sondern weil ja jetzt sowie keiner mehr in die Kirchen geht.

Die schönste Kirche von Kappadokien ist die sogenannte „Dunkle Kirche“  im Göreme-Open-Air-Museum“, die so heißt, weil hier noch weniger Tageslicht hineinfällt als in die anderen, was die Farbenpracht der Fresken erhalten hat. Freundlicherweise sagt einem dann auch der Museumswächter, dass sie dunkel ist, bevor er die zusätzlichen 4,-€ dafür kassiert.               

Susanne Oberheu

Besuchen Sie Kappadokien nie ohne Taschenlampe!

Besuchen Sie Kappadokien nie ohne Taschenlampe!

 www.kappadokya-travel.com

Thema: Christentum, Freizeit, Kunst | Kommentare (0) | Autor: admin