Beiträge vom Mai, 2011

Von Juni bis August wird in Kappadokien gefeiert!

Dienstag, 31. Mai 2011 12:08

Was ein europäischer Besucher schon immer einmal erleben wollte……..

 

Es ist laut, man versteht kaum sein eigenes Wort und das des Tischnachbarn sowieso nicht. So sitzt man nun vor trockenen Keksen an Monoblock-Plastiktischen in bequemen Monoblock-Stühlen. Ein eher gelangweilter Herr verteilt Säfte im 100ml-Miniformat- Tetrapack und nur für Kinder wie es scheint; die Zahl ist begrenzt, da mag man nicht fragen. Der Sänger singt schmachtende Liebeslieder und auf der Tanzfläche werden dazu die Hüften geschwungen. So geht es eine ganze Weile. Zum fortgeschrittenen Abend erscheint schließlich ein in einer roten Robe bekleideter Mann. Die Musikgruppe hört auf zu spielen. Es wird plötzlich andächtig still. Wir sind auf einer türkischen Hochzeit. Der Mann in der feierlichen Robe ist der Standesbeamte. Das Brautpaar, er im glänzenden Anzug, sie im weißen Brautkleid mit roter Schärpe um die Hüfte, nehmen zusammen mit dem Beamten an dem extra für sie hergerichteten Tisch Platz.

Mit einem lauten „Evet!“(Ja!)  durch das Mikrophon, eher für die Gäste als für die Form gesprochen, besiegeln die beiden ihre Ehe. Die Musiker fangen wieder an zu spielen und die Tanzfläche füllt sich erneut, jetzt zusammen mit dem Brautpaar. Will man nicht tanzen, so muss man einfach abwarten. Weiterhin kommen Hochzeitsgäste und werden mit parfümierten Wasser und Bonbons am Eingang begrüßt. Man kann gucken, wer alles kommt und wie sich die Jugend auf der Tanzfläche outet.

Irgendwann kommt mit Pomp und Tusch eine Hochzeitstorte hereingefahren, mehrstöckig, aber leider nur zum kleinen Teil echt. Das Brautpaar schneidet den Kuchen an und der Service verteilt kleine Brocken auf Plastikteller an die Gäste, auch hier haben die Kinder natürlich Vorrang. Die Musik spielt weiter, zu laut, um sich unterhalten zu können. Schließlich gegen 10.3o Uhr fingern die Gäste plötzlich in ihren Taschen, viele stehen auf und bewegen sich Richtung Brautpaar, das sich am Tanzflächenrand postiert hat. Dann wird es still und jemand fordert durch ein Mikrophon auf, nun das Brautpaar zu beschenken.  Braut und Bräutigam tragen dafür quer über der Brust breite rote Schärpen. Flankiert werden sie von Eltern und engsten Verwandten, die beim Geschenke-Abgeben hilfreich zur Seite stehen. Denn die Geschenke der Gäste bestehen aus Goldblättchen und Geldscheinen, die mit Sicherheitsnadeln an den Schärpen befestigt werden müssen. Manchmal ist auch ein Goldreif für den Arm dabei. Name des Gastes und Höhe seines Geschenkes  werden von einem Conferencier  durch ein Mikrophon den übrigen Gästen mitgeteilt und manchmal auch dem ganzen Wohnviertel. Nachdem dem Brautpaar Geld, Gold und gute Wünsche überreicht wurden, verlassen schließlich die meisten Besucher die Hochzeit. Nur die Jugend nutzt noch die Gelegenheit, auf der Tanzfläche unzweideutige Signale auszusenden. Bei einer normalen türkischen Hochzeit auf dem Land gibt es kein Essen, wenig zu trinken und natürlich kein Alkohol; es wird getanzt bis die Füße schmerzen und für eine gute Musikergruppe wird viel Geld investiert.

 

Zu so einer Hochzeit werden mindestens 100 Gäste geladen, oft sind es sogar mehrere Hundert. Einladungskarten werden vorweg großzügig verteilt und wer keine explizite Einladung bekommen hat, kann trotzdem hingehen. Es wird allerdings missbilligend notiert, wenn man kein Geld oder Gold abgibt. So kommen viele Eingeladene, die aus dem Tanzalter heraus sind, erst gegen 10.oo Uhr, wenn die Geschenkübergabe bevorsteht und verlassen danach auch gleich wieder die Hochzeit.

 

Von einem rauschenden Fest, für das die Eltern der Braut ein Vermögen ausgeben müssen, kann nur bedingt die Rede sein. Das Brautkleid und die Frisur der Braut allerdings sind meistens atemberaubend. Kostspielig aber wird es oft für die Gäste, für die die vielen Einladungen manchmal ein finanzielles Problem bedeuten. Das Geld und das Gold aber, das das Brautpaar bekommt, gehört der Braut allein für den Fall einer Scheidung und wird meistens direkt auf die Bank gebracht. Und tatsächlich haben die Scheidungen in der Türkei auch schon zugenommen. Geheiratet wird aber trotzdem nach wie vor und gern traditionell. Auf dem Land ist eine “wilde Ehe”noch absolut unüblich.

 

Die Hochzeitssaison in Anatolien beginnt etwa Mitte Juni mit den Sommerferien und endet zu Ramasan. Der Fastenmonat Ramasan verschiebt sich jedes Jahr um 10 Tage. Dieses Jahr beginnt er bereits Anfang August, so dass für die Feierlichkeiten keine 2 Monate Zeit bleiben. Also müssen in dieser kurzen Zeit alle geplanten Hochzeiten des Jahres stattfinden. Fast täglich fahren dann hupende Autokorsos  durch die Straßen und jeden Abend sind die Ortschaften mit türkischer Life-Musik erfüllt, oft mit einem Feuerwerk gekrönt. 

Falls Sie auf so eine Hochzeitsfeier treffen, gehen Sie ruhig hin! Gratulieren Sie dem Brautpaar und lassen Sie sich auf der Tanzfläche von den verführerischen Rhythmen mitreißen:

Arme hoch, Brust raus und dann die Hüfte kreisen lassen!                   

Susanne Oberheu

auf-turkischen-hochzeiten-wird-immer-ausgelassen-getanzt

www.kappadokya-travel.com

Thema: Kultur | Kommentare (0) | Autor: admin

Ömer macht die Frauen glücklich

Donnerstag, 26. Mai 2011 15:31

Avanos nahe dem Töpferdenkmal

Sanft legt er die Hände in ihren Nacken. Sie solle die Augen schließen, verlangt Ömer leise von seiner Kundin. Dann streift er die Hände leicht über die Schultern herunter und wieder zum Nacken, schließlich umfasst er ihren Kopf und die Stirn und wieder gehen die Hände sichtbar vorsichtig in den Nacken. Mit kleinen Kreisbewegungen bearbeitet er nun die Schläfen. Der Raum ist verdunkelt und es riecht nach Rasierwasser.

Ömer beherrscht sein Handwerk seit über 30 Jahren: er ist Berber von Beruf. Täglich kommen viele Männer in seinen kleinen Laden am Hauptplatz in der Töpferstadt Avanos, um sich rasieren und die Haare schneiden zu lassen und, wie es das Berberhandwerk verlangt, auch eine Kopfmassage zu bekommen.

Seit ein paar Jahren aber haben Frauen mit verspanntem Nacken, Kopf- oder Rückenschmerzen Ömers Hände zu schätzen gelernt.

Besonders gestresste Frauen aus Europa schwören inzwischen auf seine Künste. So mancher Physiotherapeut, so meinen sie, könnte von Berber-Ömer eine Menge lernen.

Manchmal verlangen die Frauen sogar, dass er ihre Rückenbeschwerden behandelt. Dann aber guckt Ömer verlegen, denn sein kleiner Frisörladen mit großem Schaufenster ist nicht dafür ausgerichtet, dass die Frauen ihren Rücken entblößen. So müssen die Freundinnen und Ehemänner Wache stehen, die Vorhänge werden zugezogen und in Ömers Frisörladen ziehen die Frauen etwas verschämt die T-Shirts hoch. Mit leichten und auch stärkeren Kreis- und Druckbewegungen und hochkonzentriert macht sich der Berber nun daran, seinen Patientinnen Wohlbefinden zu verschaffen. Und es gelingt sogar fast immer! Frauen gehen meistens glücklich aus seinem Laden; manchen sind sogar die Sorgenfalten im Gesicht verschwunden, anderen laufen Freudentränen die rosigen Wangen herunter, nun schmerzfrei und entspannt.  Ömers Preis: schlappe 5,-€! Dass die Behandlungen auch von längerfristigem Erfolg sein können, das beweisen dann die Raki-Flaschen, die aus Dank im Berberladen abgegeben werden. Und so ist dann auch Ömer glücklich, denn seine Fähigkeiten, so sagt er, sind ganz normal für einen Berber! Nur den Nacken kurzfristig auszurenken, wie es früher immer zum Service gehörte, das verbieten ihm die Frauen, ganz unverständlicher Weise!

Susanne Oberheu
Eine Rasur und eine Massage beim Berber - diesen Luxus läßt sich der türkische Mann nicht nehmen
Eine Rasur und eine Massage beim Berber - diesen Luxus läßt sich der türkische Mann nicht nehmen

www.kappadokya-travel.com

Thema: Handwerk, Kultur, Skurriles | Kommentare (0) | Autor: admin