Beiträge vom April, 2011

Katharina, Margareta, Barbara und Dorothea

Sonntag, 17. April 2011 11:18

Wer kennt sie nicht, die vier Heiligen Frauen?!

 

Noch heute werden gern Mädchen nach ihnen benannt.

So manche glücklichen Eltern meinen, ihren Töchtern schöne deutsche Namen gegeben zu haben.

 

Ein deutscher Merkspruch lautet:

 

Margareta mit dem Wurm,
Barbara mit dem Turm,
Katharina mit dem Radl,
das sind die drei heiligen Madl.

 

Aber die „Madl“ sind nicht deutscher Herkunft!

 

Drei der Heiligen Frauen aus dem 3.Jahrhundert waren anatolische Damen aus der heutigen Türkei und eine kam sogar aus Afrika, aus Ägypten.

 

Alle waren Töchter aus besserem Hause, besonders schön und klug und sehr widerborstig. Ihr Leben hatten Sie Christus geweiht. Sie weigerten sich zu heiraten, was besonders ihre Verehrer sehr erboste. Dies hatte grausame Folgen, was sie schließlich zu den ersten Märtyrerinnen im Christentum machte.

 

Die Heiligen Jungfrauen lebten zu einer Zeit, als Anatolien und auch Ägypten unter der Knute der Römer stand, die erbarmungslos die neuen Christen bestraften.

 

Katharina wird vom griechischen Adjektiv katharos („rein“) abgeleitet und bedeutet demnach „die Reine“, „die Aufrichtige“. Die Heilige Katharina kam aus Alexandria in Ägypten, mit ihrer Schönheit und Klugheit betörte sie sogar den römischen Kaiser, den sie aber zugunsten ihres christlichen Gottes zurückwies. Das erboste den Kaiser so sehr, dass er sie erst in ein Verließ stieß und als das auch nichts half, sie mit zwei Rädern, die sie auseinander zu reißen drohten, folterte. Ein Engel kam ihr zur Hilfe. Schließlich wurde sie geköpft und aus ihren Wunden soll Milch geflossen sein. Nach ihr wurde das Katharinenkloster am Mosesberg im Sinai benannt, wo man ihre Gebeine fand, aus denen bis heute heilendes Öl fließen soll. Sie wurde zur Schutzpatronin der Gelehrten und Universitäten, aber auch der Töpfer und Frisöre u.s.w.

 

Margareta ist abgeleitet vom altgriechischen „margarites“ und bedeutet „die Perle“. Die Heilige Margareta lebte in Antiochia, das türkische Antakya an der Grenze zu Syrien. Ihr Vater missbilligte ihren christlichen Glauben und denunzierte sie. Der Richter verliebte sich in die Schöne. Doch auch sie lehnte mit Hinweis auf ihre Liebe zu Jesus Christus ab. Ins Verließ gestoßen wurde sie von einem Drachen bedroht. Das Kreuzeszeichen rettete sie aber, auch siedendes Öl konnte ihr nichts anhaben. Wie ein Wunder blieb sie unverletzt und wurde schließlich geköpft. Sie ist die Schutzpatronin der Schwangeren und wird gegen Unfruchtbarkeit angerufen. Die Anatolierin wird gern mit der germanischen Göttin der Ehe, Göttin Freya verglichen.

 

 

Barbara bedeutet im Griechischen „Die Fremde“. Die Heilige Barbara wohnte in der Nähe des heutigen Istanbuls, damals Byzanz, in dem Ort Nikomedia.

Auch sie war sehr schön und klug und wollte nicht heiraten. Ihr erzürnter Vater sperrte sie darauf in einen Turm. Aber das half nichts. Ihr Vater beschloss nun, sie zu töten. Sie konnte aber fliehen und sich in einer sich vor ihr öffnenden Felsspalte verstecken. Der Vater fand sie dennoch. Sie wurde grausam gefoltert und von ihrem Vater dann eigenhändig enthauptet. Die Heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Architekten und Maurer, des Technischen Hilfsdienstes und der Geologen, aber ganz besonders der Bergleute. Berühmt ist sie auch in deutschen Bergbaugebieten, wo bis heute an ihrem Namenstag, dem 4.Dezember in den Bergwerken ihr zu Ehren die Arbeit ruht. Pflückt man an diesem Tag einen Obstbaumzweig, so wird der in eine Vase gestellte so genannte Barbarazweig am Heiligen Abend blühen.

Im Göreme-Museum in Kappadokien ist der Heiligen Barbara eine eigene Kapelle geweiht: nur durch eine kleine Felsöffnung gelangt man in die Höhlenkirche und diese befindet sich direkt neben der Apfelkirche, die so heißt, weil hier einmal ein Apfelbaum gestanden haben soll. Und in Nikomedia sollte sich über 1600 Jahre später noch einmal die Erde bewegen: 1999 zerstörte ein großes Erdbeben die heute Stadt Izmit.

 

Dorothea bedeutet im Griechischen „Das Geschenk Gottes“. Die Heilige Dorothea wurde von einem römischen Stadthalter begehrt. Aber auch sie wollte nicht heiraten und Jesus Christus ganz alleine gehören. Der brüskierte Amtsmann war empört, ließ sie foltern und zum Tode durch Enthauptung verurteilen. Auf dem Weg zum Schafott spottete ein Heide namens Theophilus: „Ob denn ihr Bräutigam Jesus Christus der Braut auch Blumen und Früchte schenken würde?“. Da erschien ein Engel mit einem Körbchen voller Rosen und Äpfel. Theophilus war bekehrt und wurde mit Dorothea zusammen enthauptet.

Dorothea ist die Schutzpatronin der Gärtner, Blumenhändler, aber auch der Bierbrauer.

Der Grund liegt sicherlich darin, dass ihre Heimat das kappadokische Caesarea war. Bereits die hier lebenden Hethiter tranken gerne Bier und so hat das Bierbrauen in Kappadokien eine Jahrtausende zurückliegende Tradition. Das türkische Bier „EFES“ tut dem keinen Abbruch!

Susanne Oberheu
Weder Jungfruaen noch heilig: Susi, Fatma, Suse und Ingrid
Weder Jungfrauen noch heilig: Susi, Fatma, Susanne und Ilka

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Von Kappadokien brach ein Held auf, um das Böse in der Welt zu bekämpfen

Montag, 11. April 2011 13:05

Der berühmteste Heilige der Christenheit war Kappadokiertuerkei-kleinasien-kappadokien-kultur-reise-hoehlen-kirchen-georg-der-drachentoter1

 

Der Heilige Georg lebte zurzeit der Christenverfolgungen Ende des 3.Jahrhunderts in Kappadokien. In dieser Zeit erlitten die jungen Christen unter dem römischen Kaiser Diokletian besonders grausame Hinrichtungen und Folterungen. Auch der Heilige Georg musste viele furchtbare Martern überstehen, bis er schließlich daran starb.

 

Berühmt jedoch wurde er nicht als Märtyrer, sondern als Drachentöter!

Der Legende nach soll er eine Prinzessin vor einem bösen Drachen gerettet haben.

Schon vor dem Martyrium des Heiligen Georg war die Drachenlegende fester Bestandteil der Christenerzählungen gewesen wie u.a. im Johannes-Evangelium in der Offenbarung beschrieben:

 

„Ein Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen.

Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn…Und ihr Kind wurde zu Gott …

 

Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften,

aber sie konnten sich nicht halten und sie verloren ihren Platz im Himmel.

Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und mit ihm wurden seine Engel hinab geworfen….

Da geriet der Drache in Zorn über die Frau und er ging fort, um Krieg zu führen…..“

Johannes Offenbarung 12

 

 

Erst während der Kreuzzüge im Orient hörten die in den Krieg gegen die Sarazenen und zur Errettung der Christenheit Ausgezogenen von dem besonders schrecklichen Martyrium des Kappadokiers Georg: mit siedendem Öl und mit Nägeln sollen sie ihn traktiert haben, damit er von seinem christlichen Glauben abschwor, aber der Heilige Georg blieb standhaft und wetterte gegen die Römer.

 

Als die Kreuzzüge anfangs unter dem Banner des Erzengel Michaels nicht zum erhofften Erfolg führten, sah man sich nach einem neuen Erretter der Christenheit um, der die Kreuzritter in den Sieg führen sollte. Georg, durch sein Martyrium in Kleinasien bereits eine Berühmtheit, wurde zum Drachentöter und zum edlen Bezwinger des Bösen.

In seinem Namen wurde 1099 n.Chr. Jerusalem von den Christen erobert. Diese Eroberung war jedoch weniger edel, niemand in der Stadt soll dieses Massaker überlebt haben. Die Ritter sollen knöchelhoch durch Blut gewartet sein. Der Heilige Georg war aber nun berühmt.

 

Ab dem 12. Jahrhundert wurde dann der Kappadokier als der Strahlenste aller Retter und Heiligen der Christenheit gefeiert. Er wurde zum Sinnbild für Edelmut und Opferbereitschaft, im Kampf gegen das Böse und immer auf der Seite der Armen. Er wurde zum Schutzheiligen der Templer und des Deutschen Ordens, er war der persönliche Schutzpatron von Richard Löwenherz und ist bis heute Schutzpatron des englischen Könighauses. Der Ritter Sir Galahad von der berühmten Tafelrunde geht als reinster und edelste Ritter auf die Figur des Heiligen Georg zurück. Die Moslems verehren ihn als Prophet.

 

Georg der Drachentöter ist außerdem der Schutzheilige von England, Portugal, Tirol, Moskau, London, Barcelona, Istanbul und Rio De Janeiro, aber auch Freiburg und Eisenach in Deutschland u.s.w…..

 

In Kappadokien wird er zusammen mit seinem Bruder Theodor fast in jeder Kirche mit Malereien in großen Freskenbildern dargestellt.

 

Aber der Heilige Georg ist nicht nur Schutzpatron der Ritter und Soldaten, sondern auch der Pfadfinder, Reiter und Wanderer:

 

Wo also sonst könnte sich heute der Wanderer sicherer fühlen als in Kappadokien, der Heimat des berühmtesten aller Schutzheiligen. Und da er außerdem auch noch für das gute Wetter zuständig ist, gibt es wohl keinen besseren Ort, um als Pfadfinder zu Pferd oder zu Fuß die Landschaft Kappadokiens zu erkunden.

Susanne Oberheu

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Thema: Christentum, Geschichte, Kirchengeschichte | Kommentare (0) | Autor: admin

Die prächtigsten Höhlenkirchen von Göreme

Dienstag, 5. April 2011 10:36

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Die „Dunkle-“ und die „Schnallen“-Kirche:

 

Zu den schönsten Kirchen Kappadokiens, die bisher gefunden wurden, gehören die Dunkle- und die Schnallen-Kirche im Freilicht-Museum von Göreme. Ihre Farbenpracht und ihren guten Zustand verdanken sie tatsächlich der Dunkelheit. Von Menschen unentdeckt hatten diese Kirchen in der unterirdischen Felsenlandschaft von Kappadokien einen 1000-jährigen Schlaf geschlummert, bis kappadokische Schäfer einen kleinen Zugang im Berg fanden und ihn frei räumten. Durch das fehlende Tageslicht haben die wertvollen Fresken dieser Kirche die lange Zeit gut überstanden.  

Die „Dunkle Kirche“ stammt aus dem 11.Jahrhundert und gehört zu den am prächtigsten ausgestatteten Kirchen Kappadokiens. Sie stammt aus einer Zeit, als ein Kappadokier als Kaiser in Konstantinopel das große byzantinische Reich für kurze Zeit befrieden konnte, Kappadokien ausnahmsweise einmal nicht umkämpftes Grenzgebiet war und weder Araber noch Perser die verschreckten Menschen ständig in die unterirdischen Städte trieben. Reiche Stifter und hervorragende Künstler gaben sich in dieser Friedensperiode die Klinke in die Hand. Es war eine wahre Blütezeit, aus der diese reich ausgestatteten Kirchen stammen.

Ende des 11.Jahhunderts fielen bereits neue Eroberer nach Kappadokien ein: die turkmenischen Seldschukken entrissen nun für immer die Region dem christlich-byzantinischen Machtbereich. Das tat dem christlichen Mönchsleben in Kappadokien allerdings kaum Abbruch. Die Seldschukken herrschten tolerant und so entstanden weitere prächtige Kirchen.

Entgegen der Ausschilderung im Göreme-Museum stammt nämlich die neue Tokali (Schnallen-)Kirche nicht aus dem 11. sondern aus dem 13.Jahrhundert, wie die deutsche Kunsthistorikerin, Hanna Wiemer-Enis in ihrer Dissertation beweisen konnte.

Selbst dem Laien scheint es schon ganz unwahrscheinlich, dass diese dicht beieinander liegenden Höhlenkirchen aus derselben Epoche stammen sollten: hier der Pantokrator, dort Jesus am Kreuz in der Hauptapsis. Außergewöhnlich ist auch die liebkosende Maria, Maria Eleusa, in der Tokalı Kirche. Szenen aus Jesu Leben sind ganz unterschiedlich dargestellt und kombiniert.

Bedenkt man, dass die byzantinische Malerei wie auch die Ikonenmalerei 1000 Jahre lang sehr strengen immer gleich bleibenden Regeln unterworfen war, so sind die Unterschiede zwischen der „Dunklen-“ und der „Schnallen“(Tokalı)-Kirche erheblich. Natürlich gab es Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte und auch regionale Eigenheiten. Dennoch gilt der byzantinische Stil als statisch und ist genau deshalb als oberflächlich und zurückgeblieben im Westen immer wieder verkannt worden. Tatsächlich aber vermitteln die griechisch-orthodoxen Fresken und Al-Secco-Malereien des byzantinischen Reiches eine sprituelle Tiefe, die in unserer westlichen materiellen Welt fast verloren gegangen scheint.

Leider läßt der große Besucherstrom, der diese kleinen Kirchen heute besucht, keinerlei Spriritualität mehr zu. Laut ist es geworden in den heiligen Kappellen und Kirchen. Man muss die Zeiten kennen, während der man manchmal ganz allein in dieser Pracht stehen kann und dann erfasst den Betrachter ein leichter Schauder und er ahnt, dass diese Ausschmückungen ganz und gar nicht oberflächlich sind.

Susanne Oberheu

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Thema: Architektur, Archäologie, Christentum, Kirchengeschichte, Kunst, Vulkanismus | Kommentare (0) | Autor: admin

Kappadokien in der Steinzeit

Freitag, 1. April 2011 10:45

Inzwischen weiß der Kenner, Kappadokien steht für viele Superlative: Zentrum des ersten indoeuropäischen Großreichs,die erste Formulierung einer Menschenrechts-Charta, die größten Mystiker des Islams und des Christentums, das erste christliche Glaubensbekenntnis, die erste Kanonisierung der Bibel, und natürlich die einzigartige Erosionslandschaft mit ihren Tausenden von Wohnhöhlen und Höhlenkirchen.

Die Vulkane, die unter anderem für diese Landschaft verantwortlich sind, sind schon seit Tausenden von Jahren erloschen.

 

Und nun kommt die nächste Superlative:

Menschen haben den Hasan Dağı gezeichnet, als dieser noch aktiv war!

 

Die erste Landschaftszeichnung der Welt zeigt den eruptierenden Vulkan Hasan Dağı in Kappadokien. Gezeichnet von einem Künstler vor über 8000 Jahren in Catal Höyük, der ersten bekannten Siedlung der Menschheit, ca. 150 km entfernt.

hasan-dagi

Die Doppelspitze des Hasan Vulkans 6200 v.Chr. gezeichnet während eines Ausbruchs. Man erkennt deutlich den Ascheregen und die Auswürfe aus den Schloten. Im Vordergrund die erste bekannte Stadt der Welt: Catal Höyük.

Susanne Oberheu

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Thema: Archäologie, Geschichte, Vulkanismus | Kommentare (0) | Autor: admin