Beiträge vom Februar, 2011

K a p p a d o k i e n

Samstag, 12. Februar 2011 18:01

Hintergründiges und Wissenswertes, Interessantes und Skurriles über die Vulkanlandschaft  K a p p a d o k i e n
 - für Kenner und Neulinge 
Susanne Oberheu und Michael Wadenpohl, Reisebuchautoren und
Inhaber von Kappadokya Travel, dem Anbieter für Individualreisen
in Kappadokien, berichten und informieren auf dieser Website in über 50 verschiedenen Texten, Berichten und Artikeln.
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kappadokien

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Das Jahr des Tuffs!

Donnerstag, 24. Februar 2011 11:04

Vulkane und ihre Schätze: 2011 – Das Jahr des Tuffs!

 

Kappadokien war vor Millionen Jahren ein wahrer Hexenkessel. Wäre hier jemand vorbeigekommen, er hätte an diesem Ort die Hölle vermutet.

 

Unter Getöse bäumte sich hier das Erdinnere auf und spritze seine Glut  und alles Innere wie Blut und Eiter durch die Wunden der Erdoberfläche. Eine tödlich heiße Masse begrub die Landschaft unter sich und zerstörte in fortwährenden Explosionen alles Lebendige im Umkreis: Krater an Krater überzog Kappadokien, durch die die Erde hier im Zentrum der anatolischen Platte ihr Inneres nach außen spuckte.

Vielleicht als Rache dafür, dass Erdbeben im Zentrum einer tektonischen Platte kaum spürbar sind, beschloss die Natur, sich hier anders bemerkbar zu machen.

Heute fährt man durch das wunderschöne Kappadokien, bewundert  in der Ferne die mächtigen und zum Glück erloschenen Vulkane Erciyes und Hasan Dağı und bemerkt gar nicht die Reste vieler weiterer Krater unter den eigenen Füßen - diese sind nämlich fast alle nur aus Satellitenentfernung zu erkennen.

Bruchstücke dieser riesigen Calderen sind heute in der Gegend verstreute kleine Hügel.

Aber ehemalige Hexenkessel hinterlassen ihren Nachkommen ein Paradies:

Heiße Quellen mit Heilwasser sind die letzten plätschernden Öffnungen ins Erdinnere und es gibt nichts Schöneres, als an kühleren Tagen sich in diese natürlichen Badewannen zu legen.

 

Der mächtige Vulkab Erciyes. Ein imposanter Zeuge der Erdgeschichte!

Der mächtige Vulkan Erciyes. Ein imposanter Zeuge der Erdgeschichte!

 

 

 

Und die alles tötende Masse von vor Millionen Jahren verwandelte sich in Gesteine, die dem Menschen heute nützen und schmücken: Tuffstein und Obsidian sind in Kappadokien verschwenderisch vertreten.

 

Der Tuffstein entstand aus Lava-Asche, die die Sonne verdunkeln ließ und noch Schaden anrichtete, als die Vulkane sich schon längst zur Ruhe gesetzt hatten.  Heute haben Wind und Wasser aus den Tuffasche-Ablagerungen nicht nur eine der märchenhaftesten Landschaften der Erde geformt; der Tuffstein ist leicht zu bearbeiten, so dass Menschen ohne großen Aufwand sich Paläste in die Berge kratzen konnten. Dort waren sie durch die überaus dämmende Wirkung des Gesteins vor der Hitze der Sommer und der Kälte der Winter natürlich geschützt, außerdem ist Tuffstein extrem atmungsaktiv; ein größerer Wohnkomfort ist nicht denkbar.

 

Wind und Wasser haben aus tödlichen Asche-Ablagerungen eine märchenhafte Landschaft geschaffen!

Wind und Wasser haben aus tödlichen Tuff- Asche-Ablagerungen eine märchenhafte Landschaft geschaffen!

Die Deutsche Gesellschaft für Geowissenschaften hat den Tuff zum Gestein des Jahres 2011 erklärt!

 

Obsidian ist ein glänzender dunkler braun-blau-schwarzer Stein, entstanden aus schnell erkalteter Lava, amorph und nicht kristallin ist er hart und schneidend wie Glas, daher seine Bedeutung: Als Werkzeug vor der Eisenzeit ein Material von unschätzbarem Wert! Kappadokien handelte Obsidian mit den Ägyptern und Assyrern. Heute ist Obsidian nur noch ein schön scheinender Schmuckstein, der aber wie Feuerstein nur schwer zu bearbeiten ist.

 

Deswegen liegt er in Kappadokien inzwischen auch nur noch unbemerkt in der Gegend herum und  den Bauern zur Last, welche die Steine von ihren Äckern sammeln müssen, damit diese ihre Maschinen nicht zerstören. Für den kundigen Sammler und Kappadokien-Besucher ist es jedoch ein schönes Souvenir, denn Fundorte für Obsidian gibt es nicht so viele auf der Welt. Ähnlich geht es der Sandrose in der Wüste, niemand kann sie wirklich gebrauchen, aber jeder stellt sich so ein Prachtstück gern in den Schrank!

Susanne Oberheu

 

Diesen riesigen Obsidian hatte ein Bauer Susanne Oberheu geschenkt. Kurze Zeit später entdeckten wir noch viel mehr davon.
Diesen riesigen Obsidian hatte ein kappadokischer Bauer Susanne Oberheu geschenkt. Kurze Zeit später entdeckten wir aber noch viel mehr davon!

 

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Rumi und die Liebe

Dienstag, 22. Februar 2011 12:34

Dschalal ad-Din Rumi, 1207 in Balch in Afghanistan geboren, flüchtete als Kind vor den Mongolen, bis er nach Konya in Anatolien kam (240 km von Kappadokien entfernt). Konya war damals Hauptstadt der weltoffenen Seldschuken und Anziehungspunkt für viele Gelehrte, Künstler und Denker, die der Mongolensturm vor sich hertrieb. Mevlana Rumi genoss die offene und tolerante Atmosphäre der Stadt und verbrachte schließlich sein ganzes Leben in Konya. Sein weltberühmtes Mausoleum erinnert heute an ihn. 

 

Rumi zählt zu den größten islamischen Mystikern und die in seiner Muttersprache verfassten persischen Gedichte zu den bedeutensten Werken der persischen Literatur. 

 

Als Derwischmeister und Sufi stiftete er den Derwischorden der Mevlana in Konya, die durch den Derwischtanz berühmt wurden. Beim konzentrischen Um-Sich-Selbst-Drehen versetzen die Mevlana-Mönche sich in eine transzendente Ekstase, die ihnen die Harmonie des Universums fühlen bzw. Gottesnähe erfahren lassen soll. Diese spirituelle Übung findet immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Bei Touristen beliebte Derwischvorführungen werden also nicht von Mönchen des Mevlana-Ordens sondern von Tänzern vorgetragen, die dabei garantiert nicht in Trance fallen. Auch in der seldschukischen Karawansarei bei Avanos in Kappadokien finden jeden Abend Derwischtanzvorführungen statt. Auch wenn diese natürlich nicht echt sind, vermitteln sie doch die große spirituelle Hingabe, die die Mönche dabei haben müssen.  

 

Hier in Konya lernte  Rumi schließlich den Derwisch Schamsuddin Tabrizi kennen und lieben. Dieser war ein Schüler des Haçı Bektaş aus Kappadokien und die beide wurden ein beargwöhntes Paar in Konya. Seine Liebesbeziehung zu Schamsuddin Tabrizi endete schließlich tragisch, aber die Liebesgedichte, die Mevlana Rumi über seinen verschollenen Freund schrieb, gehören zu den schönsten der Weltliteratur und beeinflussten schließlich den mittelalterlichen Minnesang in Europa.  

Susanne Oberheu

Auch Kappadokien hat sein Ort der Liebe: Askdere, das Liebstal!

Auch Kappadokien hat sein Ort der Liebe: Askdere, das Liebestal!

Kern auch seiner islamische Mystik ist die Liebe:

Die Liebe zu Gott befähigt ihn zur Liebe alles Geschaffenen, denn alles gehört zu einem harmonischen Ganzen, dessen Teil auch der Mensch ist. In der Ekstase löst sich der Mensch in diesem Ganzen auf, wie  „eine Welle im Meer“ und erfährt die Harmonie des Universums!

 

Wer liebt, ist Gott nahe und hat selbst Gott in sich.

 

Von Geboten und Dogmen hielt Rumi nichts. Auch sollte man sich in einer Liebesbeziehung ganz hingeben, also auch sexuell. Diese von islamischen Mönchen sehr oft vertretenen Auffassung von Liebe widerspricht in diesem Fall der christlichen, die in allem Sexuellen eher etwas Teuflisches vermutet ( Paulus, Augustinus) und stellt damit einer der wenigen Gegensätze zwischen islamischer und früh-christlicher Mystik dar.

 

So sind Rumis Gedichte voller Sinnenfreude und doch losgelöst von allem Weltlichen:

 

“Komm, wer du auch seiest!
Wanderer, Anbeter, Liebhaber des Loslassens, komm.
Dies ist keine Karawane der Verzweiflung.
Auch wenn du deinen Eid tausendmal gebrochen hast,
komm nur,
und noch einmal: komm!”


“Wer von Lieb´ nicht Farbe hat,
Ist bey Gott nur Stock und Stein.
Liebe lockt aus Steinen Wasser,
Liebe glättet Spiegel rein.“

 

“Sei frei, mein Knabe, und durchbrich die Schranke,
Zu lang war Gold und Silber dein Gedanke!
Denn gössest du das Meer in einen Krug, -
Was fasst er? Kaum für einen Tag genug.
Voll wird des Geiz´gen Aug´ nie; doch verleiht
Der Muschel Perlen die Genügsamkeit?
Wem immer Liebe riss das Kleid entzwei,
Der ist von Geiz und aller Schande frei.“

 Die UNESCO erklärte das Jahr 2007 als das "Jahr von Rumi"!

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Die drei kappadokischen Kirchenväter

Montag, 21. Februar 2011 19:21

Was ist der christliche Glaube?
Hier wurde dem Glauben ein Rahmen gegeben. 

Fast jede Aussicht aus einer Höhle bietet einen Blick in eine Landschaft, die nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Fast jede Aussicht aus einer Höhle bietet einen Blick in eine Landschaft, die nicht von dieser Welt zu seinen scheint.Wie eine kleine Insel, fruchtbar durch unzählige Wasserquellen, umrahmt von den immer noch beeindruckenden Vulkanen Erciyes und Hasan Dağı wirkt die Landschaft Kappadokiens entrückt schön. Entrückt dem Irdischen fühlten sich dann auch die ersten christlichen Mönche, die hier in verborgenen Höhlen Einsamkeit und Kontemplation suchten. Das antike Caesarea, die heutige kappadokische Stadt Kayseri, hatte neben Antiochia in der Türkei, Alexandria in Ägypten, Caesarea in Palästina und natürlich Konstantinopel, das heutige Istanbul, einer der ersten Bischofssitze inne. Dem Metropolit von Caesarea in Kappadokien unterstanden schließlich 50 Bischöfe über ein riesiges Gebiet in Kleinasien, weit über die Grenzen Kappadokiens hinaus. Basilius der Große sollte fast schicksalhaft die Geschichte der künftigen christlichen Kirche prägen. Er, sein Bruder Gregor von Nyssa und sein Freund Gregor von Nazianz bildeten im 4.Jahrhundert das kappadokische Dreigestirn im Kampf für den trinitiätischen Glauben an die Dreifaltigkeit: Gott, Gottes Sohn und Heiliger Geist.Diese drei kappadokischen Kirchenväter fanden die Formulierungen für das bis heute gültige Glaubensbekenntis, das im 1.Konzil von Konstantinopel 381 n.Chr. seine endgültige Fassung erlangte. Das 4.Jahrhundert kann daher als das für die Christenheit entscheidende Jahrhundert der Kappadokier genannt werden. Basilius der Große war Metropolit von Caesarea und setzte für die kappadokischen Mönche in ihren Höhlen erste Mönchsregeln fest, die dann von Benedikt von Nursia im Benedektinerorden des 6.Jahrhunderts übernommen wurden. Seine Lithurgie ist heute noch Bestandteil der griechisch-orthodoxen Kirche. Sein Freund, Gregor von Nazianz war Metropolit von Konstantinopel und Leiter dieses für die Kirche so wichtigen Konzils. Außerdem war er der erste, der eine umfassende Liste zur Kanonisierung des NeuenTestaments vorlegte. Basilius Bruder Gregor von Nyssa war schließlich derjenige, der die Trinitätslehre der künftigen katholischen Kirche am klarsten ausformulierte und damit den Grundstock für das Glaubensbekenntnis legte, wie es bis heute in allen 3 christlichen Kirchen gesprochen wird, der orthodoxen, der katholischen und der protestantischen. Außerdem standen sie in Kontakt mit den wichtigsten Kirchenmännern ihrer Zeit wie Eusebius von Caesarea in Palästina und Athanasius von Alexandria. Mit ihnen überstand der trinitarische Glaube das Jahrhundert gegen die damals weit verbreitete arianische Lehre, die besagte, dass Jesus Christus ein Geschöpf Gottes und nicht Gott selbst sei. Basilius der Große war schließlich unter dem arianischen Kaiser Valens einer der letzten amtierenden Bischöfe der trinitarischen Lehre, ein harter kappadokischer Fels im Strudel der Kirchengeschichte. Darüber hinaus waren sie in ihrem alltäglichen Handeln vorbildlich für die zukünftigen Generationen von Christen und Klerikern. Basilius der Große verschenkte während einer großen Hungersnot sein erhebliches Vermögen an die Armen, er baute Krankenhäuser und veranlasste Armenspeisungen. Die karitativen Einrichtungen Caesareas galten damals als Weltwunder. Aber Basilius gründete auch Klöster und befahl den Mönchen, nicht nur weltvergessen an sich selbst zu denken; sie sollten arbeiten und nützlich für die Allgemeinheit sein, neben Beten und dem Studium der Bibel. Das älteste Mönchstal in Kappadokien: Zelve, das noch bis in die 50er Jahre von kappadokischen Bauern genutzt wurde. Heute sind die versteckten Höhlenwohnungen und Kirchen von der Erosion freigelegt.

Alle drei Kirchenväter lebten bescheiden und liebten das zurückgezogene Leben, was ihnen in ihren Positionen nicht immer vergönnt war. Gregor von Nazianz flüchtete von seinen Ämtern immer wieder in die Einsamkeit einer Höhle, er liebte die Stille und wurde ein großer Dichter und einer der wichtigsten christlichen Mystiker . Sie arbeiteten hart an sich und prägten das Christentum wie nur wenige.

 

In Kappadokien ist aus dieser Zeit kaum ein Zeugnis geblieben. Eine Kirche im Dorf Güzelyurt ist Gregor von Nazianz geweiht. Das antike Caesarea heißt heute Kayseri und hat über 800.000 Einwohner.

 

Kappadokien wurde nie wieder so berühmt. Aber Menschen, die die Einsamkeit in dieser unvergleichlich schönen und bizarren Landschaft suchten, gab es viele. Es gab Kontakte zum Mönchsberg Athos in Griechenland. Man lebte zurückgezogen, aber kosmopolitisch. Diesen Eindruck vermittelt Kappadokien bis heute. „Tausend“ Kirchen soll es hier noch verborgen geben und tatsächlich überrascht hinter manchem unscheinbaren Eingang in der Felswand eine kleine Kapelle, oder sogar eine 3-schiffige Kirche oder Basilika mit Säulen, Kuppeln und Apsiden von manchmal atemberaubender Größe und Erhabenheit. Ganze Klosteranlagen mit Refektorium und Mönchsklausen verbergen sich hinter dieser wundersamen Erosionslandschaft. Der Bilderstreit des 8.Jahrhunderts war die nächste große Zerreisprobe in der christlichen Kirche des Ostens: dürfen Gott, Jesus Christus oder die Heiligen abgebildet werden? Kaiser Leon III befahl die Zerstörung der Bilder. Auch in Kappadokien wurden fast alle Fresken und Ikonen dieser Zeit von so genannten Ikonoklasten vernichtet und verfolgte Bilderverehrer zogen sich in das undurchdringliche Labyrinth kappadokischer Höhlen und unterirdischer Städte zurück. Aber die folgenden Jahrhunderte brachten erneut eine Blütezeit im Klosterleben Kappadokiens und noch heute sind viele großartige Fresken aus dieser Zeit zu bewundern.

Höhlenkirche mit Fresken, die das Leben Jesu schildern - von unvergleichlicher Qualtität und Schönheit!

Höhlenkirche mit Fresken, die das Leben Jesu schildern - von unvergleichlicher Qualtität und Schönheit!

In der Bibel wird Kappadokien nur in Ermahnungen des Paulus an die Kappadokier erwähnt. Sicherlich ist er von Syrien kommend auf dem Weg zu den Galatern auch hier durchgekommen. Wahrscheinlich wird er sogar die Straße, die am Roten Fluss durch Avanos entlang geht, genommen haben.  Aber die meisten Menschen, die sich in die geheimnisvolle Landschaft Kappadokiens zurückgezogen haben, hatten wahrscheinlich wenig Interesse für theologische Haarspaltereien, sie wollten in Ruhe einfach nur Gott nahe sein. Tatsächlich scheinen Mensch und Natur hier eine außergewöhnliche Symbiose eingegangen zu sein, die ruhiger werden lässt für etwas anderes Irreales, Mystisches, ganz und gar Außergewöhnliches!

 

Kappadokien strahlt Spiritualität aus.

 

 

Manchmal sieht man Menschen in sich versunken auf einen dieser skurrilen Felsspitzen hockend wie der Welt entrückt, oder eine kleine Gruppe von Christen in einer der Höhlenkirchen ganz unvermittelt ein Kirchenlied anstimmend, oder einen einzelner Touristen vor einer Ikone betend. Aber nicht nur Christen, auch Moslems treffen hier auf ihre großen Mystiker, wie Yunus Emre und Hadschi Bektasch: diese Derwische predigten um 1300 n. Chr. Bescheidenheit und Nächstenliebe, praktizierten das Abendmahl und verehrten Jesus Christus als einen ihrer großen Märtyrer. Die UNESCO erklärte Kappadokien 1985 zum Weltkultur- und Naturerbe und das Jahr 1990 zum Yunus Emre-Jahr: zum Jahr des Friedens und der Liebe!

So war und ist Kappadokien ein echter Ort der Begegnung. Menschen wollten hier immer das Einigende spüren, nicht das Trennende. Kappadokien scheint es einem dabei leicht zu machen.

Susanne Oberheu

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Wie ein gotischer Dom steht dieser von der Natur geschaffene Tuffsteinfels in der Landschaft
Wie eine gotische Kathedrale wirkt dieser Tuffsteinfels

 

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Wunderheiler in Kappadokien

Samstag, 19. Februar 2011 11:58

Er heißt Halis Ateş und nennt sich der „Bio-Energie-Mann“. Er wohnt in einfachen Verhältnissen in Avanos, was einen wundert, wenn man ihn einmal in Aktion gesehen hat. Im türkischen Fernsehen ist er eine Berühmtheit und wöchentlich kommen von weither Menschen, die bei ihm auf Heilung einer Krankheit hoffen. Freundlich bittet  er die Hilfesuchenden in sein kleines altes Tuffsteinhaus etwas abseits in der Altstadt von Avanos am Roten Fluss. Am Wochenende kommt es in der kleinen Gasse vor seinem Haus schon einmal zu Warteschlangen. Die Schuhe müssen natürlich im Vorraum abgestreift werden. Man sitzt eine kleine Weile auf bequemen großen Sesseln um einen Tisch und sehr zurückhaltend, als hielte er seine Frage für Anmaßung, erkundigt sich Halis Ates  nach den Beschwerden seiner Besucher. Am Wochenende holt er sich auch Hilfe von seinen heranwachsenden Töchtern, die die gleiche Gabe besitzen wie er. Halis meint sogar, dass seine älteste Tochter größere Fähigkeiten besäße als er; bei ihm würde die Kraft schon langsam nachlassen. Er wolle seine Kinder  aber nicht überfordern; in der Woche, wenn die Mädchen zur Schule gingen, wäre Heilen für sie sowieso tabu. Außerdem bräuchte das Heilen sehr viel Kraft.  Schon sein Vater heilte fremde Menschen, ohne je eine medizinische Ausbildung erhalten zu haben. Und scheinbar ist diese Fähigkeit von ihm auch auf seine Töchter übergegangen. 

Im Fernsehen tritt Halis Ates weniger als Heiler, denn als Bio-Energie-Mann auf: dann entblößt er seinen Oberkörper und bittet die Zuschauer Löffel, Gabeln  oder große Messer an seinen Rücken und Brust zu heften. Obwohl Halis völlig aufrecht steht, bleiben die Gegenstände ohne jede Hilfe an ihm hängen und fallen nicht herunter, sogar Bügeleisen scheinen wie an ihm zu kleben.

 

Seine heilende Gabe aber ist, den Schmerz der Patienten mit seinen Händen zu erspüren. Hat er den Schmerz gefunden, so zieht er seine großen Hände immer wieder über diese Stelle des Körpers, ohne sie zu berühren. Die Patienten schließen dabei die Augen und könnten schwören, dass Halis warme Hände auf ihrem Körper liegen würden, da es dort sehr warm geworden wäre. Sie würden ihm nicht glauben, dass er sie nicht berührt habe, wenn nicht  anwesende Freunde und Verwandte ihnen genau das bestätigten. Die Zuschauer sehen diesem Geschehen fassungslos zu, selbst die, die vorher an solche Kräfte eher zweifelten.

Die heilenden Händer der Tochter wirken ohne Berührung!

Die heilenden Hände der Tochter wirken ohne Berührung!

 

Es herrscht Ruhe in diesem kleinen Zimmer, wo der Patient sich auf einem Sofa ausstrecken musste.

 

Nach 10 Minuten merkt man Halis an, dass er erschöpft ist. Er scheint mit seinen Händen den Schmerz aus dem Körper des Patienten zu ziehen und er selbst verliert dabei an Kraft. Auch das ist ein Grund, warum er nur ungern diese Arbeit seinen Töchtern zumutet.

Nach Beendigung der ersten Sitzung gibt er Prognosen ab, manche Patienten müssen noch einmal wiederkommen. Dann sitzt man noch eine Weile um den Tisch herum und die Frau des Hauses reicht Tee. Halis Ateş würde nie Geld für seinen Dienste verlangen. Dennoch geben die glücklichen Patienten natürlich gerne etwas. Bei manchen tritt sofortige Erleichterung ein, bei einigen erst Tage später, und es gibt auch Menschen, denen kann sogar der Bio-Energie-Mann aus Avanos nicht helfen, was er dann auch in aller Bescheidenheit zugibt.

Susanne Oberheu

 

Halis mit seinen begabten Töchtern
Halis mit seinen begabten Töchtern

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In allen großen Kulturen haben Menschen ihre Mahlzeiten liegend eingenommen!

Mittwoch, 16. Februar 2011 12:58

Orientalische Esskultur in Kappadokien

 

Das kappadokische Leben wie das aller Türken und Orientalen findet traditionell am Boden statt. Peinlichst wird darauf geachtet, dass niemand den Wohn- und Essbereich mit Schuhen betritt; weder Hund noch Katze hat Zugang zur kappadokischen Wohnung.

 

Das ist auch kein Wunder, denn die Kappadokier nehmen seit Alters her sogar ihr Essen am Boden ein.

 

Dazu werden weiche Kissen und Teppiche in einem großen Kreis auf dem gerade gefegten und vielleicht mit Matten und weiteren Teppichen belegten Boden ausgebreitet. In die Mitte platziert die Hausfrau ein niedriges Gestell, etwa 20-30 cm hoch, darüber wird eine große Tischdecke ausgebreitet und darüber schließlich der Tisch, traditionell ein schön ziseliertes Kupfertablett. Heute ist das Tablett oft aus Aluminium oder mit Blumenmuster verzierter Emaille.

 

Wenn nun alle Familienmitglieder bis auf die Hausfrau und die älteren Töchter es sich auf den Kissen gemütlich gemacht haben, servieren die Frauen das Essen: zunächst ein Salat aus zerkleinerten Tomaten mit Zwiebeln, vielleicht noch Gurken und Paprika und viel Petersilie und alles sehr klein geschnitten, gesalzen und mit scharfer trockener Paprika gewürzt, so dass der Gemüsesaft entziehen kann und eine Soße bildet, in die man Brot stippen kann.

 

Und natürlich werden dazu Unmengen von Weißbrot gereicht und Wasser in Karaffen von der nächsten Quelle- das schmeckt besonders gut.

 

Nun setzen sich zum ersten Gang die Frauen dazu. Es werden zur Bereicherung noch gesalzene Zwiebeln in Scheiben und Oliven, sauer Eingelegtes, vielleicht auch Schafskäse und gefüllte Weinblätter- herzhafte Kaltspeisen eben, dazu gereicht. 

 

Grundnahrungsmittel ist das weiche Weißbrot, das man in den Salatsud oder eine Paste stippen oder wie eine kleine Tasche als Besteck benutzt und damit Käse und Gurkenscheiben greifen kann.

 

Ist der Salatteller verputzt erheben sich die Frauen wieder, jetzt kommt der Hauptgang:

 

Gegrilltes Fleisch, gegrilltes Gemüse wie  Auberginen, Paprika und Tomaten, dazu in Öl geschwenkter Reis mit Pinienkernen und natürlich Brot.

 

Die kappadokische und jede türkische Hausfrau hat eine Palette an Köstlichkeiten für die Hauptmahlzeit zu bieten: Gefüllte Auberginen sind sehr beliebt; so beliebt, dass sich schon mancher überfressen hat. Deswegen heißt diese Spezialität auch: Der Imam ist in Ohnmacht gefallen. Außerdem essen die Türken sehr gern diverse gefüllte und belegte Teigstücke, was in der Türkei Pide heißt und natürlich haben die Italiener mit ihrer Pizza von den Türken abgeguckt. Aber das wäre gar nicht so aus der Welt gegriffen, denn Europa hat bekanntermaßen den Kaffee und den Grillspieß von den Türken. Der Döner dagegen soll in den 70er Jahren in Berlin erfunden worden sein.

 

Auch hier wird zum Essen Wasser aus der besten Quelle getrunken.

Gegessen wird nicht von Tellern. Die Mahlzeiten werden in großen flachen Schüsseln serviert, an die jeder in der Runde mit dem Löffel oder dem zum Besteck geformten Brot heranreichen kann. Jeder hat seine Seite der Schüssel und es gilt als ungehörig vom Schüsselrand des anderen zu essen. Der Hausherr zeigt gern seine Großzügigkeit, indem er seinen Anteil den Kindern oder dem Gast mit dem Löffel rüberschiebt.

 

Inzwischen sind so um die 2 Stunden vergangen und auf dem schönen Emailletablett die Blumen nicht mehr zu sehen. Oft schützt man das Tablett noch mit Zeitungen, die dann nach Ende der Mahlzeit mit all den Knochen-, Brot- und Essensresten zusammengeknüllt entsorgt wird.

 

Nach diesem anstrengenden Schlemmen reicht die Hausfrau noch ein paar süße Sünden und dazu gibt es frisch aufgebrühten Tee.

Erschöpft vom Essen liegt man nun um den niedrigen Tisch in den weichen Kissen, schlürft den Tee, der natürlich auch nur aus allerfeinstem Quellwasser gebrüht wurde, gönnt sich das eine oder andere Stückchen Würfelzucker mehr im Tee und natürlich die kleinen in Honig und Zuckerwasser gereichten Magenschließer. Wem das noch nicht reicht, bekommt noch diverse Nüsse in kleinen Schälchen und Früchte der Saison vorgesetzt und weil nach all den Stunden einem inzwischen der Gesprächsstoff ausgegangen ist und die Nachbarin einfach nicht mit Neuigkeiten vorbeikommt, knuspert man noch lange an den unvermeidlichen Sonnenblumenkernen, die zwar nicht den Magen belasten, aber für Beschäftigung sorgen. Denn nun dauert es ja eine Weile bis das alles verdaut ist. Die Frauen räumen schon wieder auf, legen das Tablett zur Seite, so dass die Herren genügend Platz für ihre ausgestreckten Beine haben, und bereiteten schon mal den nächsten Tee vor. Deren Zubereitung dauert nämlich in manchen Haushalten bis zu einer Stunde.

Susanne Oberheu

An diesem Tisch ist immer noch Platz für Besuch vorgesehen

Im Orient und auch in Kappadokien isst man am Liebsten im Freien!

Ach ja, wozu war eigentlich die Tischdecke da, wenn doch sowieso alles im Zeitungspapier landete?

Da man bei „Tisch“ im Schneidersitz sitz, um besser an das Essen heranzukommen, werden durch das Tischtuch die bestrumpften Füße bedeckt. Außerdem ersetzt die Tischdecke die Servierte.  

Und wenn der Gast nach vielen Stunden das Haus verlässt, erhält er noch einige Spritzer Parfümwasser in die offenen Hände. Er soll nicht nur satt und glücklich sein, sondern auch gut riechen.

Orientalisch essen heißt nach wie vor genießen. Dieses gilt auch in den ärmsten Haushalten, in denen es vielleicht kein Fleisch oder Honig gibt, man sich aber nicht minder der ausgesuchten Qualität des Gemüses, des Wassers und des Tees und deren guter Zubereitung mit Genuss hingibt. 

Als Besucher lernt man schnell die wichtigsten geschmacklichen Feinheiten einfachster Lebensmittel wie rohe Zwiebeln zu unterscheiden.  

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Hat Gaudi abgeguckt?

Freitag, 11. Februar 2011 17:54

 

Antoni Gaudi war ein katalanischer Architekt und lebte von 1852 bis 1926. Die meisten seiner großartigen Bauten stehen in Barcelona, Tausende von Kilometer von Kappadokien entfernt. Seine Architektur ist organisch, verspielt, oft skurril und niemals gleichförmig. Er gilt als einer der größten Architekten der Welt, seine Baudenkmäler gehören zum Weltkulturerbe……….

 

…….all das trifft auch auf  die Landschaft und Wohnhöhlen von Kappadokien zu!

 

Aber Gaudi soll Kappadokien nie gesehen haben?!?

 

 

Von der Natur geschaffen in Kappadokien

Von der Natur geschaffen in Kappadokien

Von Gaudi geschaffen in Katalonien

Von Gaudi geschaffen in Katalonien

 

Vergleichen Sie selbst:

Von der Natur geschaffen in Kappadokien
Von der Natur geschaffen in Kappadokien

Von Gaudi geschaffen in Katalonien

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  tuerkei-kappadokienwander-kultur-bildungs-reise-architektur-kunst Susanne Oberheu
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Wirklich von Gaudi in Spanien?

Wirklich von Gaudi in Spanien?

 

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Eine kulinarische Sensation in Kappadokien

Sonntag, 6. Februar 2011 21:32

 

 

 

 

Das Frühjahr 2009 in Kappadokien war feuchter denn je zuvor, wie viele Einheimische meinten. Kappadokien, für Sonne satt und wenig Regen bekannt, versank quasi im Tuff-Schlamm.

Und dennoch sah man immer wieder einsame Männer in nassen Windjacken und einfachen Stöckern in den Händen  über die von Feuchtigkeit dünstenden Hügel ziehen. Dabei leicht gebückt als wollten sie sich vor dem Nieselregen ducken. Aber sie duckten sich nicht, sie hielten Ausschau! Sie waren unterwegs in einer ungewöhnlichen Mission: Trüffel! 

 

 

Regen bringt sattes Grün, leuchtende Tuffsteinfarben und manchmal Trüffel nach Kappadokien

Regen bringt sattes Grün, leuchtende Tuffsteinfarben und manchmal Trüffel nach Kappadokien

Der kappadokische vom Regen aufgeweichte Boden wölbte sich hier und da und brach an verschiedenen Stellen seltsam auf. Säckeweise weiße Trüffel brachten die Männer ohne jede tierische Hilfe zutage.

 

Im Mai 2009 wurden in Kappadokien Trüffel nur kiloweise verkauft, das Kilo 5,-€! Selbst Ungeübte hätten auf den Wanderungen Trüffel finden können.
 
Die kappadokische Hausfrau hatte es zu dieser Zeit leicht, ihren Speiseplan zu bestimmen: Trüffel in Rührei am Morgen, Trüffel in Scheiben gebraten am Mittag und Trüffel in Sahnesoße über Fleisch und Nudeln am Abend.
 
Nach 3 Wochen konnten wir keine mehr sehen. Aber die Zeit der Trüffel ging so plötzlich wie sie gekommen war.
 
Wer also über einen verregneten kappadokischen Urlaub schimpft, sollte lieber den Klappspaten und das Kochgeschirr auspacken und vielleicht in einer der vielen verlassenen Höhlenwohnungen ein kulinarisches Abenteuer der ganz besonderen Art genießen.
Susanne Oberheu
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P.S. Wer Anfang-Mitte Mai 2011 Kappadokien besuchte und viel Regen ertragen musste, konnte aber auf den Märkten der Region diese Kostbarkeit erneut entdecken, unscheinbar zwischen Petersilie und Kartoffeln zwischen den Ständen am Boden in kleinen Häufchen liegend.

Jeden Tag Trüffel kann auch zur Qual werden. Weiße Trüffel in Kappadokien

Jeden Tag Trüffel kann auch zur Qual werden. Weiße Trüffel in Kappadokien

 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

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Die ersten Humanisten waren Derwische aus Kappadokien

Samstag, 5. Februar 2011 15:45

Haci Bektas. Sein Orden und Kloster in Kappadokien ist heute alivetisches Heiligtum. Jährlich im August findet hier das weltweit größte Fest der Aleviten statt.

Der Wanderderwisch Haci Bektas liebte die Menschen und die Tiere. Sein Kloster in Kappadokien ist heute alevetisches Heiligtum. Jährlich im August findet hier das weltweit größte Fest der Aleviten statt.

“Was du nicht willst, was man dir tu………”

 

 

 

Derwische sind islamische Mönche, auch Sufis genannt. Sie leben wie die christlichen Mönche meist zurückgezogen und in Armut.  Armut und Liebe sind die Grundpfeiler der meisten islamischen Mönche. Ihre Mystik ist mit der des Juden- und Christentums vergleichbar. Ihr Menschenbild entspricht schon früh unserem modernen Humanismus.

Haci Bektas war im 13.Jahrhundert ein wandernder Derwisch in Zentralanatolien. Auf ihn gehen die ersten Formulierungen des heutigen Humanismus zurück.
Das Hauptkloster des nach ihm benannten Ordens liegt im gleichnamigen Ort Hacibektas in Kappadokien, wo diese Tafel hängt:

Grundsätze des islamischen Derwisch-Orderns des Haci Bektas Veli

"Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu!" Grundsätze des islamischen Derwisch-Orderns des Haci-Bektas in Kappadokien aus dem 13.Jahrhundert - Diese Grundsätze sind heute Teil der UN-Menschenrechts-Charta von 1948

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der bekannteste Derwisch und Mönch dieses Ordens war Yunus Emre, er lebte um 1300 n.Chr. und gilt als der erste Humanist der Geschichte.

Es sollte aber noch fast 500 Jahre dauern bis 1789 die erste grundlegende Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von der Nationalversammlung Frankreichs beschlossen wurde, und gegen die Diskreminierung der Frau verabschiedeten die UN erst 1979 ein internationales Übereinkommen.

Susanne Oberheu

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