K a p p a d o k i e n

Samstag, 12. Februar 2011 18:01

Hintergründiges und Wissenswertes, Interessantes und Skurriles über die Vulkanlandschaft  K a p p a d o k i e n
 - für Kenner und Neulinge 
Susanne Oberheu und Michael Wadenpohl, Reisebuchautoren und
Inhaber von Kappadokya Travel, dem Anbieter für Individualreisen
in Kappadokien, berichten und informieren auf dieser Website in über 50 verschiedenen Texten, Berichten und Artikeln.
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kappadokien

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Kappadokien echt und authentisch

Freitag, 30. Januar 2009 22:19

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Individualreisen nach Kappadokien

Kappadokien ist eine weltweit einzigartige  Erosionslandschaft im Herzen der Türkei. Enge Schluchten, skurrile Felsformationen,  antike Höhlensiedlungen unterhalb der weiten anatolischen Steppe sowie unzählige in den Fels gehauene  Kirchen und Klöster der ersten Christen, ausgestattet mit kostbaren Fresken und auf schmalen Eselspfaden zu entdecken, erwarten den Besucher.

www.kappadokya-travel.com 

Erleben Sie dieses einmalige UNESCO Weltnatur- und Kultur-Erbe! Die Reisebuch-Autoren Susanne Oberheu & Michael Wadenpohl von Kappadokya Travel führen Sie durch Täler, Schluchten und über kleine Bergkämme dieser atemberaubenden Vulkanlandschaft, zeigen Ihnen Ortschaften und verborgene Höhlendörfer. Sie begegnen Einheimischen und lernen ihre Lebensweise kennen. Ihnen werden die Kunst- und Kulturschätze dieser fantastischen Region spannend erklärt, und es wird Ihnen deutlich, warum genau hier byzantinische Fresken und Kirchen von unvergleichlichem Wert verborgen existieren und warum Menschen in unterirdischen Städten hausen mussten und vieles mehr. Abseits der Touristenpfade erleben Sie Kappadokien und erhalten fundierte Hintergrundinformationen zu Land und Leuten, Geschichte, Kultur und Landschaft.

 

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Mit den folgenden Artikeln, Reportagen und Texten erzählen

Susanne Oberheu und Michael Wadenpohl von Kappadokien.

Wie in einer kleinen Zeitung berichten sie immerwieder etwas Neues.

Lesen und staunen Sie, was Kappadokien alles zu bieten hat.

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Kappadokien entdecken

Samstag, 7. Februar 2009 11:30

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Susanne Oberheu und Michael Wadenpohl stellen sich vor:

 

 

Traditionelle kappadokische Tuffsteinhäuser bieten paradiesische Innenhöfe und orientalische Wohnkultur

Traditionelle kappadokische Tuffsteinhäuser bieten dem müden Reisenden paradiesische Innenhöfe und orientalische Wohnkultur

 

Kappadokya Travel

ist ein kleines deutsches Reiseunternehmen, das sich auf Individualreisen nach Kappadokien spezialisiert hat. Inhaber sind die Reisebuchautoren und Kappadokienkenner Susanne Oberheu und Michael Wadenpohl. Seit über 20 Jahren sind sie in Kappadokien zuhause, kennen die Sprache und Kultur des Landes. Ihr Interesse gilt dem „sanften” Tourismus, kultur- und naturnah! Mehr unter: www.kappadokya-travel.com

 

 

 

 

 

In Kleingruppen von maximal 6-8 Personen möchten Susanne Oberheu und Michael Wadenpohl ihre Gäste in alte und neue Kulturen und in die faszinierende Vulkanlandschaft Kappadokiens einführen. Wie fundiert ihr Wissen über diese Region ist, zeigt ihr Buch über Kappadokien: Ein Reiseführer, der unter den Türkeireiseführer ein Bestseller ist . Mehr unter:                   www.kappadokien-reisefuehrer.com

Begleiten Sie die beiden durch diese fremde und beeindruckende Landschaft!

 

Höhlenhäuser zum Teil noch bewohnt

Höhlenhäuser zum Teil noch bewohnt

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Y A K A M O Z - Ein türkisches Wort gilt als das schönste Wort der Welt

Montag, 23. Januar 2012 10:53

Das berühmteste türkische Wort ist den meisten vollkommen unbekannt und nicht alle verstehen seinen Sinn!

 

Wer aber einmal in den Nachtstunden in Istanbul an einer seiner berühmtesten Ecken gesessen hat und den Blick über die atemberaubende Meerenge hat schweifen lassen, der hat es schon gefühlt und gesehen, ohne dass dem ausländischen Besucher ein Wort, ein Begriff, eine Erklärung dafür eingefallen wäre.

Die Türken haben ein Wort dafür, was andere nur in ganzen Sätzen versuchen auszudrücken: das schöne Wort: YAKAMOZ ! (gesprochen: Jakamos)

 

Es bedeutet den Widerschein des Mondes auf dem Wasser.

An einer Stelle lässt der Mond über Istanbul die Wasseroberfläche des Bosporus so schön golden schimmern, dass die ganze Meeresenge danach benannt wurde: das Goldene Horn.

Aber Yakamoz gibt es natürlich nicht nur am Goldenen Horn, auch wenn es da am berühmtesten ist.

Yakamoz gibt es überall dort, wo Menschen romantisch fühlen und liebevoll eintauchen in das Mysterium einer Seelenverbundenheit mit der Natur, deren Faszination und Schönheit in den meisten Sprachen unaussprechlich bleibt:

Das goldene Glitzern und durch zarte Wellen des Wassers leicht vibrierende Schimmern des Mondes auf der Wasseroberfläche. - Das alles reicht zur Beschreibung dieses Momentes dennoch nicht aus.

So haben die Türken dem Unaussprechlichen einen Namen gegeben. Aber er wird nur gehaucht und vorzugsweise von Liebespaaren und nur in ganz bestimmten Situationen verwendet. Diese wiederum sind vergänglich und nicht für jedermann erkennbar.

 

Als das schönste Wort der Welt wurde es 2007 in einem Wettbewerb von 58 Nationen prämiert. Wer also seine Kappadokienreise mit einem Besuch von Istanbul verbindet, sollte bei Mondschein unbedingt am Goldenen Horn sein und dann sein „YAKAMOZ“ leise in die laue Nachtluft hauchen.

Wer aber nur nach Kappadokien kommt, der muss auf sein Yakamoz auch nicht verzichten.

Wunderschön windet sich der größte Fluss der Türkei, der Rote Fluss, durch Kappadokien und auch er schimmert fast so golden wie am Goldenen Horn, wenn der Mond sich darin widerspiegelt.

 

Romantischer Ausflugstipp: Fischessen mit Yakamoz am Roten Fluss in Avanos mit anschließender Mondscheinwanderung durch die märchenhafte Tuffsteinlandschaft Kappadokiens. 

Susanne Oberheu       www.kappadokya-travel.com

Der Fluss wird in Avanos auch kleiner Bosporus von Kappadokien genannt

Der Fluss wird in Avanos auch kleiner Bosporus von Kappadokien genannt

 

 

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Turkish Way of Life oder die Verlangsamung des Seins

Mittwoch, 4. Januar 2012 13:02

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Die Türken sind keine Stubenhocker

 

Die ganze Lebensart der Türken ist darauf ausgerichtet, Ausblick zu haben, gucken zu können, den Blick schweifen zu lassen in entspannter Erwartung, was der Tag so bringt. Hektik und Stress wird dabei um jeden Preis vermieden. Man kann auch sagen, die Türken sind die Erfinder der im Westen überall geforderten Verlangsamung des Seins. Türken beherrschen selbst bei größtem Stress und großen Sorgen einen eigenen Beruhigungsautomatismus, von dem wir im Westen sehr viel lernen könnten.  Dabei verkriechen sie sich aber nicht, sondern im Gegenteil: man geht raus, vor die Tür!

Traditionelle türkische Häuser sind so gebaut, dass es immer einen überdachten, aber freien Vorraum vor dem Haus gibt. Ein paar Kissen und Teppiche am Boden laden dann zum Verweilen ein. Da die traditionellen orientalischen Häuser sehr viel Wert auf Privatsphäre legen, geht der Blick vom offenen Vorraum nicht unbedingt in die weite Landschaft, sondern bei Stadthäusern zunächst einmal in einen weiten Innenhof, der von einer hohen Mauer umgeben ist. Dieser Hof wird oft wie ein kleines Abbild des Paradieses geschaffen, mit Wasserstelle, Blumen, rankenden Weinreben, kuscheligen Sitz- und Schlafmöglichkeiten. Die modernen türkischen Häuser haben diese großen Innenhöfe nicht mehr, dafür riesige Balkone oder zur Straße ausgerichtete verglaste Wintergärten, in denen dann das Sofa platziert wird, von dem man immer einen freien Blick auf die Straße oder Umgebung hat. Aber die Türken lieben ja nicht nur den freien Blick und wollen ansonsten alleine und für sich sein - nein, man möchte sich in seiner Freizeit auch unterhalten, ein bisschen tratschen und klatschen, Kontakte pflegen. Zur türkischen Lebensqualität gehören immer auch andere Menschen. Und wer weder einen großzügigen Innenhof noch Vorgarten oder offenen Wintergarten hat, setzt oder hockt sich, sobald es seine Zeit erlaubt einfach auf die Straße, ohne Sofa und ohne Kissen. Und manche recken ihre Beine dann so in den Weg, dass man kaum daran vorbeikommt. Das ist auch so beabsichtigt, denn die türkische Höflichkeit gebietet es, dass man sich ein wenig Zeit für seine Mitmenschen nimmt: „Komm setz dich und trink ein Glas Tee mit mir. Warum hast du es so eilig, genieße lieber dein Leben und erzähl mir etwas von dir!“ Ein Glas Tee bekommt man überall, kostet nur wenige Kurusch und wird an jeder Straßenecke serviert. Manchmal redet man auch gar nicht, sondern verbringt einfach ein wenig Zeit miteinander. Türken können stundenlang einfach nur dasitzen und eben gar nichts tun, dafür haben sie sogar einen eigenen Begriff genauso wie für das langsame scheinbar ziellose Schlendern. Wobei die Frauen ihr Wohnviertel und die Männer die Geschäftswelt als bevorzugte Schlenderregionen benutzen, eben dort wo traditionell auch ihre Aufgaben und Beziehungen liegen: die Frauen kümmern sich um Haus, Familie und Hof und die Männer um Geschäfte und das Geldverdienen. Geschlendert wird überall, sogar auf verkehrsreichen Straßen, der Schlenderer hat in der Türkei noch immer Vorrang, was dem Schlenderbedürfnis nicht entspricht, wird als große Einschränkung empfunden und einfach ignoriert, wie zum Beispiel Fußgängerampeln oder Supermarktschlangen.

Einen geregelten Arbeitstag wie in den Industrienationen gibt es traditionell in Anatolien nicht, Türken arbeiten aufgabenorientiert, das bedeutet manchmal bis zu 14 Stunden täglich, 7 Tage die Woche ohne Wochenende und Urlaub. Aber Türken hetzen sich nicht, selbst wenn sie es eilig haben. Wer hektisch und gestresst ist, hat in seinem Leben etwas falsch gemacht. Hektik ist kein Zeichen für Fleiß und Erfolg, wie im Westen, sondern ein Zeichen für Versagen und Unvermögen. Selbst die Ärmsten würden niemals laufen und ihr ganzer Stolz ist ihre Gelassenheit und Ruhe. Das türkische Wort „langsam“ – „yavasch“ - ist ständiger Mahner bereits an die Kinder. Der Türke zeigt, dass er Zeit hat oder anders ausgedrückt, er alles im Griff und Hektik nicht nötig hat. Touristen werden deshalb wegen ihrer ewigen Eile oft bemitleidet, da sie für Türken den Eindruck machen, als könnten sie sich Ruhe und Gelassenheit nicht leisten, benehmen sich also wie Sklaven, die von einem grausamen Herrn getrieben würden. Auch Gelassenheit im Miteinander und Geschäftlichen ist absolute Voraussetzung für Respekt und Würde. Lautes Schimpfen ist verpönt und in Geldangelegenheiten nimmt man die Dinge nicht so ernst. Selbst der Ärmste würde niemals die Kurusch (Pfennige / Cents) auf die Hand zählen, man greift in die Tasche und ist großzügig, auch im Kleinen. Getrennte Rechnungen im Restaurant sind unmöglich und die türkischen Kellner mussten sich erst mit Entsetzen an diese Gepflogenheiten der ausländischen Touristen gewöhnen.

Das heißt natürlich auch, dass man manchmal zu wenig Geld in der Tasche hat. Geldsorgen sind für Türken ein alltägliches Brot. Aber auch hier reagiert man mit Gelassenheit. Denn im türkischen Way of Life braucht es nicht viel: einen schönen Platz mit viel Aussicht, Menschen, die man kennt und sich Zeit für einen nehmen, einen Tee ausgeben und beim Essen nicht getrennte Rechnungen verlangen - das ist selbstverständlich in der Türkei, darauf kann sich bisher jeder verlassen…. und irgendwann ergeben sich dann schon neue Verdienstmöglichkeiten, inschallah!!

Susanne Oberheu

Sich vor dem Haus gemütlich niederlassen, Menschen treffen und Tee trinken - das ist türkische Lebensqualität!
Sich vor dem Haus gemütlich niederlassen, Menschen treffen und Tee trinken - das ist türkische Lebensqualität!

www.kappadokya-travel.com   

 

 

 

 

 

 

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Die Luxushäuser des 21.Jahrhunderts: Höhlen

Donnerstag, 29. Dezember 2011 11:21

Gibt es heute noch Höhlenbewohner?

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Was assoziieren wir, wenn wir an Höhlenbewohner denken: frierende Menschen mit einem groben Fell bekleidet um eine rauchende Feuerstelle kauernd und an halbrohen Mammutknochen hungrig nagend. Die Höhle ist dunkel, dreckig und feucht und durch die Öffnung im Fels zieht der kalte Wind hinein. Diese Höhle bietet Schutz vor Regen und Stürme und vor Feinden und wilden Tieren, ist aber ansonsten ziemlich unkomfortabel.

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Was für eine Legende!

Die Wohnhöhle, zumindest in Kappadokien, ist die reinste Luxusbehausung!

Die Höhlen sind warm und trocken und das sehr gesunde Raumklima wird bisher von keinem Hightech-Ökohaus erreicht.

 

 

 

Gehen wir einmal davon aus, dass die Höhlenöffnungen nicht durch wehende Felle verschlossen sind, sondern durch hochwertige Isolierverglasung, die auch das Tageslicht weit in die Höhlen lässt. Die kappadokischen Höhlen haben, je nachdem wie tief sie in den Felsen gehauen wurden, konstante Temperaturen von ca. plus 8-17° C, unabhängig davon, ob draußen plus +45°C oder minus -20°C herrschen. Das sind ideale Voraussetzungen nicht nur für Wein und Gemüse das ganze Jahr über, ohne jede Energiezufuhr. Auch Menschen fühlen sich unter bestimmten Bedingungen hier pudelwohl.

Die Wohlfühlraumtemperatur für Menschen liegt bei ca. plus +20°C. Also muss eine zusätzliche Heizquelle her.

Auch ästhetisch eine echte Herausforderung: die Höhlenwohnung

Auch ästhetisch eine echte Herausforderung: die Höhlenwohnung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch hier gelten besondere Höhlenvoraussetzungen, denn die künstlich erzeugte Wärme, um die Raumtemperatur auf kuschelige 20°C zu bringen, geht in der Höhle kaum verloren: eine Handvoll Kohlen und ein paar Holzscheite reichen aus, um 100 m² Wohnfläche über Stunden warm zu halten. Die Wärme wird genau wie die Ausdünstungen der Menschen vom porösen kappadokischen Fels aufgesogen und nach und nach wieder abgegeben. Regelmäßiges Lüften ist zwar notwendig, um die Feuchtigkeit hinausziehen zu lassen. Deswegen wird es aber nicht gleich kalt in der Luxusbude: denn meterdicke Wände speichern die Wärme und geben sie nur sehr langsam wieder ab. Gerade Schlafzimmer, die des Nachts sehr viele Ausdünstungen der Menschen aushalten müssen, sind in der Höhle am besten platziert: 

Die Wände nehmen die Feuchtigkeit auf und das Raumklima bleibt gesund trocken. Schimmelpilz und Milben gibt es hier nicht.   

Das einzige Problem bei Höhlen ist die Dunkelheit der hinteren Bereiche und dass dort keine organischen Feuerstellen möglich sind, da man durch mindestens 20 Meter Fels kaum ein Ofenrohr gestemmt bekommt, außerdem benötigt organische Verbrennung zusätzlich Luft. Die Lösung des 21.Jahrhunderts heißt also Fußboden-Zentralheizung. Auch hier gilt wieder: wenig Energie mit einer großen Wirkung: die Höhle als Fast-Null-Energie-Haus!

Und auch der heute übliche Wohnkomfort passt in runde Räume:

500 Fernsehprogramme weltweit!

500 Fernsehprogramme weltweit!

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer sagt denn, dass man in Höhlen keine modernen Traum-Küchen oder luxuriöse Wellness-Bäder bauen kann, mit einem ganz besonderen Charme? moderne-hoehlen-wohnung-architektur-hauser-kappadokien-tuerkei-zentral-anatolien1

Was aber die Dunkelheit der nicht zu den Öffnungen gewandten Räumen betrifft, so muss hier auf innenarchitektonische Tricks der elektrischen Beleuchtung zurückgegriffen werden. Bei gleißender Sonnenstrahlung im Sommer in Kappadokien ist das Dunkel der Höhle sogar eine Wohltat. Und nun kommt der psychologische Vorteil des Höhlenwohnens ins Spiel: das unbeschreibliche Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Denn hier treten unsere Ur-Instinkte aus Steinzeittagen wieder hervor: die Höhle vor allem als Schutzraum vor der Außenwelt. Höhlen sind nur zu einer Seite geöffnet, der hintere Bereich ist von undurchdringlichem Fels umgeben: ungebetene Gäste und Lärm bleiben draußen. Liegt die Höhle mitten im Stadtzentrum wie zum Beispiel der quirligen Kleinstadt Avanos in Kappadokien, so betritt man mit seiner Höhle eine traumhafte Oase der Ruhe, kühl im heißen Sommer und wohlig warm in den klirrend kalten Wintermonaten, mit einem wunderbaren atmungsaktiven Raumklima. 

Der größte Vorteil der Höhlenwohnung aber ist, dass sich Handys hier von allein abstellen. Kontakte zur Außenwelt sind nur durch Verkabelungen möglich.

- Was für eine himmlische Ruhe!

Entspannung und Ruhe in einem Höhlenhaus

Entspannung und Ruhe in einem Höhlenhaus

 

 

Höhlenbewohner

Susanne Oberheu

und Michael Wadenpohl

 

www.kappadokya-travel.com

 

 

 

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29.10.2011 Türkische Zeitungen berichten über Michael Wadenpohl & Susanne Oberheu

Sonntag, 27. November 2011 10:25

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Kappadokien-Liebhaber wird Tourismus-Botschafter von Kappadokien

Übersetzung aus dem Türkischen

 

 

 

 

Der deutsche Bauingenieur Michael Wadenopohl (51) schrieb als Tourist zusammen mit Susanne Oberheu einen Reiseführer in deutsch und englisch über die wichtigsten touristischen Zentren Kappadokiens. Als Tourist reiste er aus Hannover in Deutschland das erste Mal 1986 nach Kappadokien und war von der einzigartigen Schönheit der Region so hypnotisiert, dass er freiwilliger Tourismus-Botschafter von Kappadokien wurde. Seitdem besuchte er die Gegend oft und seit 1993 wohnt er in Avanos. Aus den vielen Erkundungen der Region wurde schließlich ein Buch für Besucher Kappadokiens. Für die Veröffentlichung des Buches erhielt er große Unterstützung von seiner Frau Susanne Oberheu. Durch Veröffentlichung des Buches in englischer und deutscher Sprache macht Wadenpohl sein Buch ausländischen Touristen zugänglich, es wird in vielen Zentren für Tourismus angeboten. Wadenpohl, der sich selbst als Tourist in Kappadokien niederließ, möchte vor allem aus seinem eigenen Land Touristen nach Kappadokien bringen. Die Vorbereitung zur Veröffentlichung des Buches dauerte ein Jahr und nach der Entscheidung, ein Buch zu schreiben, erkundete er mit viel Mühe  Zentimeter für Zentimeter die Gegend. Beide möchten zum Tourismus der Region Kappadokien beitragen, für Touristen aus anderen Ländern, aber vor allem aus Deutschland und einen Leitfaden für einen angenehmen Aufenthalt geben, sagt er und sieht sich nun als Kappadokier. Das Buch steht in völligem Einklang mit den eigenen Beobachtungen und ist durch die Augen eines Fremden geschrieben. 5000 Exemplare wurden bisher in Deutschland und der Türkei verkauft. Einige Zeit des Jahres verbringen Wadenpohl und seine Frau in Deutschland, den größten Teil aber in Kappadokien, sagt Wadenpohl. Die Vorbereitungen zur Erstellung des Reiseführers nahm etwa 10 Jahre in Anspruch. Die 3. und englische Ausgabe ist auf der amerikanischen Internet Shopping-Seite www.amazon.com  zu finden. Das Buch ist besonders denjenigen zu empfehlen, die Kappadokien noch nie gesehen haben. In seinem 348-seitigen Buch beschreibt er Feenkamine, Täler, Kirchen und Kapellen, unterirdische Städte bis hin zu Boutique-Hotels und gibt eine weitere Vielzahl von Informationen.

Erschienen in den Lokalzeitungen in Kappadokien sowie weiteren türkischen Zeitungen November 2011.

Originaltext siehe Belde Zeitung Seite 18 : http://www.beldegazetesi.com/gazeteler/20111029gazete.pdf  

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Avanos - ein Geheimtipp ?

Mittwoch, 9. November 2011 14:27

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In Avanos ist das Leben noch ganz türkisch

 

Bei Wikipedia ist zu lesen wie auch in manchen Reiseführern, dass die kappadokische Töpferstadt Avanos vom Tourismus leben würde, also besonders touristisch wäre.

Wer das schreibt, hatte sicherlich seine eigene Sicht auf die Dinge, und diese „Dinge“ liegen weit außerhalb von Avanos.

 

Tatsächlich gibt es in Avanos einige sehr große Hotels, sogar ein Hilton und ein Sheraton ist in Planung, außerdem Verkaufshallen, Animationsbetriebe etc..- das heißt am Stadtrand: etwa 1-2 km vom Zentrum und der schönen Altstadt am Fluss entfernt, da wo die Einheimischen ihre Läden haben.

 

Das was den meistenKappadokien-Besuchern von Avanos in Erinnerung bleibt ist das Töpferdenkmal

Was den meisten Kappadokien-Besuchern von Avanos in Erinnerung bleibt ist das Töpferdenkmal

Das „Schöne“ oder Tragische am Massentourismus ist, dass man diese so genannten Bustouristen als normaler Einheimischer nie zu Gesicht bekommt. Das heißt, Tausende von Touristen werden täglich rein in den Bus, raus aus dem Bus und in kürzesten Abständen in die entsprechenden Sehenswürdigkeiten und Verkaufsausstellungen geführt. Die Altstadt von Avanos gehört nicht dazu, denn hier halten im Vergleich zu anderen kappadokischen Ortschaften kaum Reisebusse und wenn, dann nur für 2 Minuten am Töpferdenkmal: ein Foto und schon geht’s weiter. 

 

 

Die kleien Verkaufsläden in der Altstadt von Avanos leben inzwischen hauptsächlich vom Verkauf an türkische Touristen

Die kleinen Verkaufsläden in der Altstadt von Avanos leben inzwischen hauptsächlich vom Verkauf an türkische Touristen. Dass die ersten Touristen, die Kappadokien besuchten, Fransosen waren, ist überall noch zu erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Avanos ist berühmt wegen seines Töpferhandwerks und da schaffen sich die Reiseunternehmen, die fast alle nicht aus Avanos kommen, eigene Verkaufshöhlen weit entfernt von den anderen Avanos-Töpfern in der Altstadt, da bleibt das Geld in der Familie sozusagen.

Und genau das ärgert die Avanos-Töpfer, denn fast kein einziger dieser Töpfer kann vom Tourismus leben wie immer behauptet.  Auch arbeiten die wenigsten aus Avanos in den großen Hotels oder den extra für den Massentourismus hochgezogenen Restaurants. Auch da bringen die ortsfernen Reiseunternehmen ihre eigenen Leute mit.

Selbst der berühmteste Töpfer von Avanos hat erkannt, dass er mit seiner alten kleinen aber ehemals sehr berühmten Töpferhöhle in der Altstadt keinen Staat mehr machen kann und sich ganz strategisch wenige Meter vom Hilton entfernt eine 3000 m2 große Verkaufshöhle buddeln lassen mit großem Busparkplatz direkt vor der Tür. Dass er für jeden Bus, der vor seinem Laden halten soll, 500,-€ an das Reisunternehmen zahlen muss, scheint sich dann für ihn zu rechnen.

 

Die Menschen in Avanos leben also noch ziemlich bescheiden von dem, was der Individualtourismus ihnen vor die Tür spült und das ist sehr wenig.

 

Zum Vergleich: Avanos hat etwa 12.000 Einwohner. In der Altstadt von Avanos haben sich aber gerade mal 7 Pensionen und kleinere Hotels etablieren können.

Der Hauptort Göreme hat etwa 2500 Einwohner und verfügt über beachtliche 150 Pensionen und  Hotels in seinem Ortskern, Tendenz steigend.

 

Die Avanos-Bewohner leben also wie viele andere Türken auch vom Handel und Handwerk, wenige vom Tourismus. Töpfer haben es inzwischen verstanden, Produktionsaufträge aus dem Ausland an Land zu ziehen.

Toepfer Hakan und sein Bruder Gökan liefern Schmuck- und Gartenkeramiken bis nach Amerika. In seinem kleinen Laden in der Altstadt freut sich Hakan über jeden Besucher!

Töpfer Hakan und sein Bruder Gökan liefern Schmuck- und Gartenkeramiken bis nach Amerika. In seinem kleinen Laden in der Altstadt freut sich Hakan über jeden Besucher!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oder sie sind Künstler und zeigen ihre Exponate in Ankara, Istanbul oder sogar Europa. In Avanos fehlt der Publikumsverkehr. Dort müht man sich vergeblich ab, potente Käufer in die Ausstellungen zu holen.

Das Atelier Ikizler verfügt in seinen kleinen Ausstellungsräumen in der Altstadt von Avanos über besonders hervorragende Stücke. Hier ist der Eigentümer und Künstler des Ateliers mit einer hethitischen Schnabelkanne zu sehen.

Das Kunst- und Keramik-Atelier Ikizler verfügt in seinen kleinen Ausstellungsräumen in der Altstadt von Avanos über besonders hervorragende Stücke. Hier ist der Künstler Mehmet Ikizler in seinem Atelier mit einer hethitischen Schnabelkanne zu sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit ein paar Jahren jedoch haben türkische Touristen Avanos für sich entdeckt. Sie bleiben allerdings immer nur übers Wochenende oder zu den Feiertagen, kaufen ihre Bodenvasen für die schicke Istanbuler Wohnung in einem kleinen traditionellen Töpferbetrieb und flanieren unbehelligt vom ausländischen Tourismus in den schönen Parkanlagen am Fluss entlang. Viele Cafes, traditionelle Lokantas und Bars mit Lifemusik haben sich ganz auf den türkischen Geschmack aus den Großstädten eingestellt. Seit Neuestem gibt es sogar direkt am Fluss ein sehr feines Fischrestaurant und von der Sonnenterrasse geht der Blick über den Fluss zur berühmten Hängebrücke, der schönen Moschee und den kappadokischen Höhlenhäusern von Avanos.  Und für die türkischen Ausflügler hat sich der Restaurantbesitzer etwas ganz Besonderes einfallen lassen, einmalig in der Türkei: ab sofort kann man den Fluss mit einer echten Gondel befahren!

Der Rote Fluss, Kizilirmak, der Avanos durchzieht, ist mit seiner ca.1500 km Länger der größte Fluss der Türkei

Der Rote Fluss, Kizilirmak, der Avanos durchzieht, ist mit seiner ca.1500 km Länge der größte Fluss der Türkei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So ist Avanos ganz türkisch geblieben und für Ausländer zum Geheimtipp geworden. Wenn außerhalb in den riesigen Höhlenanlagen für 300 ausländische Touristen der Folkloreabend abläuft, kann der Kenner gemütlich in den kleinen und feinen Restaurants und Bars im Zentrum von Avanos dem Können junger türkischer Musiker lauschen und echten türkischen Lifestyle erleben.

 

Und selbst der Geschäftsmann in Avanos ist inzwischen ganz froh, dass er den Knebeln der Reiseunternehmen, dem Lärm und Gestank der laufenden Busse und dem Stress des Massentourismus nicht ausgeliefert ist.

Susanne Oberheu, Bewohner von Avanos

www.kappadokya-travel.com

Die berühmte alte Fussgänger-Hängebrücke, genannt Asma-Köprüsü, führt direkt in die Altstadt von Avanos

Die berühmte alte Fussgänger-Hängebrücke, genannt Asma-Köprüsü, führt direkt in die Altstadt von Avanos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kappadokien-Rundreise

Sonntag, 30. Oktober 2011 15:26

Ein kritischer Bericht

In der kalten Jahreszeit zwischen November und April werden wieder die billigen Kappadokien-Rundreisen angeboten.

Warum gerade jetzt?

Die wenigsten Touristen, die diese Rundreise buchen, wissen eigentlich wohin es geht.

Denn, Kappadokien liegt zwar im Süden, mit Wärme und sommerlichen Temperaturen aber ist in der Zeit zwischen November und April kaum zu rechnen. Die Hotels stehen dann leer und die Zimmer sind billig zu haben. Die eigentliche Reisesaison für Kappadokien ist von Mai bis Oktober!

Kappadokien liegt im Schnitt über 1000 m hoch und das bedeutet von November bis April in der Regel Temperaturen von unter +10°C oder sogar Minuswerte mit Schnee bis hin zu minus -20°C; Schneeketten sind dann für Kappadokien vorgeschrieben.

Eine sogenannte Kappadokien-Rundreise heißt auch, dass der Rundreise-Tourist mindestens 1500 km im Bus sitzt. Die Türkei ist ein riesiges Land. Ist der Zielflughafen zum Beispiel Antalya, so ist das immerhin etwa 600 km von Kappadokien entfernt und muss hin und zurückgefahren werden, weitläufige Abstecher unterwegs sind außerdem zu erwarten. Das eigentliche Kappadokien ist ein sehr kleines Gebiet, etwa 20×20 km groß, also innerhalb Kappadokiens bedeutet eine „Rundreise“ eine Fahrt von maximal 1 Stunde!

Aber das ist nicht das schlimmste Übel!

Was den deutschen Touristen dann erwartet, ist vielleicht nicht jedem klar.

Wie sich der super Spott-Preis von 150,-€ oder auch 250,-€ rechnet, auch nicht.

Es gibt sogar Gerüchte, dass die türkische Regierung diese Reisen subventioniert:

 „..weil die ja in die EU wollen!“, wie mancher blauäugig und ziemlich überheblich meint.

Gleich vorweg: Es gibt nur einen, der für den ausstehenden Restbetrag, der so eine Reise kostet, bezahlt, und das ist der Kunde selbst, ausgelegt von pfiffigen türkischen Geschäftsleuten;

und zwar mit extrem überhöhten Preisen für Getränke, Essen, Verpflegung, Touren, zusätzliche touristische Angebote.

Wenn der „Reisende“ nun glaubt, er könne sich dem entziehen, so irrt er. Die Reiseveranstalter sorgen natürlich auch dafür, dass Sie keine Alternative haben. Außerdem sehen sie eine Verweigerung nicht gerne und reagieren oft mit Unfreundlichkeit. Ein entspanntes Urlaubsgefühl kann da nicht aufkommen.  

Der Rest der offen stehenden Summe wird auf Verkaufsveranstaltungen verdient, diese sind immerhin gut geheizt und finden in riesigen Häusern meist außerhalb auf der „grünen Wiese“ statt, so dass Sie sich auch hier nicht entziehen können. Mancherorts werden sogar nach dem Einlass der Busgesellschaft die Türen geschlossen. Selbst wenn Sie dann nichts kaufen, angenehm ist das nicht - das weiß man von Butterfahrten! Mit ein bisschen Folklore und Ambiente untermalt glaubt der Gast sogar einen Moment, dass ihm etwas geboten wird.

Dass Sie erst gar nicht auf die Idee kommen, einmal Land und Leute auf eigene Faust zu besuchen oder echte Kontakte zu knüpfen, geschweige die normalen Preise kennen zu lernen, dafür sorgen die Reiseleiter. Selbst türkischen Reiseleiter machen ihre eigenen Landsleute schlecht. Sie mahnen ihre Schäfchen, würde man sich außerhalb ihrer Obhut begeben, so könnten sie für nichts garantieren, man könnte überfallen, bestohlen oder bestenfalls übern Tisch gezogen werden, dem Türken an sich sei nicht zu trauen. Die Preise in den kleinen Läden seien viel höher als bei ihnen und die Türken würden einen gnadenlos ausnehmen. Sicher wäre man nur in den von dem Veranstalter benutzten Verkaufsausstellungen, die von der türkischen Regierung betrieben würden und diese würde  für die verkaufte Ware eine Garantie geben. Nichts davon entspricht der Wahrheit! Die Preise in diesen von skrupellosen türkischen Geschäftsleuten betriebenen Verkaufsveranstaltungen sind nicht selten 10 bis 50 mal höher als der normale Preis. Reiseleiter bekommen oft kein Gehalt und verdienen ihr Geld durch Provisionen. Für jedes von seinen Schäfchen gekaufte Stück erhält er bis zu 40 % des Preises für sich; was natürlich vorweg auf den Verkaufspreis aufgeschlagen wurde. Außerdem kann man sich vorstellen, wo das besondere Interesse des Reiseleiters während der Rundreise liegt! Große Teppichläden erwarten einem Umsatz von mindestens 10.000,-€ pro Busladung Touristen. Diese Rechnung schien auch bisher aufzugehen.

Leider hält sich die türkische Regierung völlig heraus, gibt weder Sicherheiten noch Verbraucherschutz, es gibt kein Rückgaberecht und kein Gesetz gegen Wucherei.

 

Und hier tun sich die türkischen Reiseleiter einen Bärendienst, denn so mancher Tourist hat danach und spätestens zuhause herausgefunden, dass seine Lederjacke, die er von 1000,-€ auf 300,-€ herunter handeln konnte, nicht mehr als 50,-€ wert ist. Noch schlimmer geht es denjenigen, die meinen, einen besonders wertvollen Teppich erstanden zu haben. Ihr Schnäppchenglück verwandelt sich dann ganz schnell in blanke Wut, wenn sie herausfinden, dass der Teppich ganz und gar nicht aus Seide ist und er nicht 5000,-€ Wert ist, sondern gleich um die Ecke in einem kleinen Laden für 200,-€ zu haben war.  

 

Die Türkei ist ein wunderschönes Land und die Gastfreundlichkeit seiner Bewohner ist echt und herzlich. Das kann jeder bestätigen, der einmal auf eigene Faust dieses riesige Land besucht hat.

 

Die Tausende von Deutschen aber, die jetzt diese Rundreisen buchen, um die türkische Kultur einmal aus der Nähe kennen zu lernen, werden nach so einer Abzocke sicher nicht wieder kommen und viele von ihnen werden von der Türkei wenig Freundliches zu berichten haben.

 

Schade, dabei könnte eine unverfälschte Sichtweise auf die Türkei auch in Deutschland viel Positives bewegen!

 

 „.Am nächsten Morgen steigen 30 Touristen in den Bus.. Reiseleiter Hakan* (46) erklärt das Programm…. Auffällig nur: Hakan preist immer wieder die Einkaufsangebote für Leder, Schmuck und Teppiche an: „Für solche Jacken zahlen Sie zu Hause 1200 Euro, hier nur 200 Euro!“ …Doch zunächst sollen sich die Reisenden für das „Fress-Paket“ (139 €) oder das „Rund-um-Sorglos-Paket“ (179 € für Mittag und Folklore-Abend) entscheiden… Die Hotels nehmen gern mal acht Euro für ein Glas Wein. Was in der Reisebeschreibung als informativer „Besuch einer Teppichknüpfschule“ beschrieben wird, stellt sich als clevere Verkaufstaktik heraus. Leder- und Schmuckpräsentationen stehen auf dem Programm – allerdings nicht auf dem Programm im Internet, dort ist keine Rede von Verkaufsshows. Dabei gäbe es ohne die gar keine Reise. „Dem Lederhersteller gehört das Reiseunternehmen. Die Teppich-, Leder- und Schmuck-Hersteller sind die Sponsoren der Reise. Wenn niemand etwas kaufen würde, gäbe es solche Reisen nicht“, sagt Hakan. … “(aus:  bildderfrau.de/reisen-urlaub/eine-woche-tuerkei-fuer-einen-euro-d17264×45736.)

 “Genau, irgendwie muss sich das ja finanzieren, umsonst ist der Tod”, sagt Günter Pfaff. “Und wer soll das denn sponsern?”, fragt er. Die Zeitung, die der Mann abonniert hat, tue das mit Sicherheit nicht. Pfaff geht davon aus, dass der Verlag “an sich damit nichts zu tun hat, “das wird ungeprüft reingelegt” - das passiere auch in anderen Zeitschriften und Nachrichtenmagazinen. Seiner Meinung nach handelt es sich bei den Sponsoren um genau die Leute, die sich vor Ort ein gutes Geschäft mit den Reisenden erhoffen: “Wir laden Sie mit freundlicher Unterstützung der Tourismusförderung Türkei zu einem unvergesslichen Urlaubserlebnis ein” steht in dem Schreiben - und dahinter stecken möglicherweise die Betreiber dieser Manufakturen”, sagt der Verbraucherberater. Diese hätten vermutlich einen Deal mit den Touristik-Betrieben: Wir bezuschussen euch und dafür bringt ihr uns willige Käufer.” ( aus stz-online.de/nachrichten/regional/schmalkalden/fwstzsmlokal/art2450,1136953)

 

Susanne Oberheu         

www.kappadokien-reisefuehrer.com

Kappadokya Travel bietet Individualreisen von Mai bis Oktober an:

www.kappadokya-travel.com

Bei kleinen Händlern zu kaufen macht mehr Spaß und ist auch billiger!

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Opferfest in der Türkei

Sonntag, 30. Oktober 2011 10:53

Das Schweigen der Schafe

 

Wir schreiben das Jahr 1432.

Es ist Ende Oktober und in wenigen Tagen feiern die Gläubigen in der ganzen Welt ein großes Fest. Sie gedenken dem Stammvater aller Juden, Christen und Muslime als Vorbild für echten Glauben an den einzigen und wahren Gott.

 

Im Tanach der Juden, im Alten Testament der Christen und im Koran der Muslime wird davon berichtet, wie Abraham von Gott aufgefordert wird, ihm seinen einzigen Sohn zu opfern. Er will gehorchen, aber Gott hält ihn auf und verlangt statt des Sohnes die Tötung eines Opfertieres.

 

Und genau dieses tun Muslime am Tag des so genannten Opferfestes, dem Kurban Bayrami: sie schlachten in Gedenken an Abraham und seinen Sohn ein Schaf oder eine Ziege oder sogar ein Rind und verschenken das Fleisch an Verwandte, Bekannte, Nachbarn und Bedürftige. Es ist das größte islamische Fest: Millionen von Schafen müssen an diesem Tag ihr Leben lassen.

 

Das Wort Kurban stammt aus dem Hebräischen und bedeutet Opfer, waren es doch die Juden, die diesem Opfer Abrahams als erste gedachten.

Feiern tun allerdings nur die Muslime nun dieses Fest.

Arabische Christen nennen das Osterfest Kurban Bayrami und meinen damit Jesus Opfertod am Kreuz. `

 

Für Juden ist es die Initiation zur Erneuerung des Bundes mit Jahwe, der Abraham auffordert, das Weltliche zu verlassen, um das Geistige und Göttliche zu schauen. Das Opfer meint nicht das Menschenopfer als Gehorsam unter einer göttlicher Brutalität, sondern die Bereitschaft, in ein mystisches Verhältnis zu Gott zu treten.

Für Christen ist es das alttestamentliche Gegenstück zum Kreuzestod Christi, der vom Vater zur Vergebung der Sünden geopfert wurde, um den Menschen Gott näher zu bringen.

Opfer bedeutet also nicht grausames Töten für einen unbarmherzigen Gott sondern sich als Mensch mit Gott zu verbinden.

Und in diesem Sinne ist es dann auch der gerettete Sohn Ismail, der zusammen mit Abraham Begründer des Heiligtums Kaaba in Mekka wurde, dort wo Muslime sich Gott besonders nahe fühlen. Ismail selbst gilt als Stammvater der Araber. In der Bibel ist allerdings von Ismails Bruder Isaak die Rede, und dieser gilt als Erzvater aller Juden, was weder Juden noch Muslime dazu veranlasst, sich als Brüder zu sehen.

 

Die große Bedeutung dieses Opfers Abrahams, arabisch Ibrahim, für alle trägt leider überhaupt nicht zur interreligiösen Verständigung bei.

 

Wenn wir also die Bedeutung auch als Christen und Juden verstehen, warum feiern wir dann Kurban Bayrami nicht mit den Muslimen gemeinsam?

 

Wenn in Europa das Fleisch der Tiere am Opferfest verteilt wird, gehen Sie ruhig zu ihrem muslimischen Nachbarn und lassen sich etwas davon abgeben. Und rümpfen Sie nicht die Nase über das massenhafte Schlachten. Der Fleischverbrauch der Europäer ist wesentlich höher als der der Muslime in der Welt und dafür wird täglich im Akkord getötet.

Nur die Reicheren können sich ein ganzes Rind für ca. 2000,-€ leisten.

Nur die Reicheren können sich ein ganzes Rind für ca. 2500,-€ leisten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehrere Familien tun sich oft zusammen, um ein ganzes Rind zu kaufen. 2/3 des Fleisches soll aber an Bedürftige verschenkt werden und nur 1/3 dürfen nach islamischer Tradition die Familien für sich behalten. Es heißt aber, dass das nicht immer eingehalten wird, da Fleisch in der Türkei besonders teuer ist.

  

Übrigens ist es am 6. November 2011 wieder soweit und wir schreiben das Jahr 1432 islamischer Zeitrechnung!

 

Abraham lebte vor fast 4000 Jahren und wuchs in Harran auf, der heutigen Türkei!

 

Frohe Festtage - Iyi Bayramlar

 

Susanne Oberheu   www.kappadokya-travel.com

Zum Opferfest verschenken Muslime das Fleisch eines geschlachteten Tieres

Auch in Kappadokien werden Schafe und Rinder vor der Haustür geschlachtet. Die zurückbleibenden Blutlachen überall auf den Straßen erinnern noch lange daran.

Thema: Islam, Kultur | Kommentare (0)

Kappadokien ist kein Erdbeben-Gebiet

Mittwoch, 26. Oktober 2011 11:18

Druck von allen Seiten - die Anatolische Platte

Die Türkei ist eines der vom Erdbeben am meisten gefährdeten Gebiete der Erde. Daran erinnert einmal mehr das schreckliche Beben von VAN dieser Tage ganz im Osten der Türkei.

Und leider sind die Erschütterungen oft von sehr großer Wucht. Das letzte ganz große Erdbeben in Izmit nahe Istanbul hatte eine Stärke von M= 7,6. Dieses Beben in VAN erreichte auch fast diesen Wert. In Izmit starben 1999 fast 17.000 Menschen. In Van, das nicht so stark bevölkert ist, starben bereits über 400 Menschen, viele sind noch vermisst.

Am 23.11.2011 ereignete sich im Gebiet VAN im Osten Anatoliens ein Erdbeben der Stärke M=7,2

Am 23.11.2011 ereignete sich im Gebiet VAN im Osten Anatoliens ein Erdbeben der Stärke M=7,2

 

 

 

 

 

 

 

Und die Türken müssen ständig mit neuen Verwerfungen rechnen. Hängen sie doch als relativ kleine Anatolische Platte zwischen der riesigen Kontinentalplatte Eurasiens im Norden, Westen und Osten, der Afrikanischen Platte im Süden und der Arabischen Platte im Südosten. Und ausgerechnet die 20 Mio-Metropole Istanbul steht direkt am Graben, der die eurasische von der anatolischen Platte trennt. Hier rechnen Experten in den nächsten Jahrzehnten mit einem der größten Erdbeben der Geschichte. Dieses würde die 2000 Jahre alte Stadt Istanbul, das alte Konstantinopel fast vollständig zerstören und Millionen von Menschen sind gefährdet.  Seltsamerweise wächst Istanbul aber immer weiter. Eine kollektive Verdrängung der Gefahr lässt die Menschen normalerweise ruhig schlafen. Dieses Erdbeben von VAN aber, das über 1000 km entfernt von Istanbul liegt, hat wieder alle aufgeschreckt und sie an ihr Schicksal erinnert. 

Dennoch gibt es selbst in diesem sehr bewegten Gebiet Türkei ruhige Ecken: Kappadokien gehört dazu! Es liegt auf halbem Weg zwischen Istanbul und VAN, welche jeweils etwa 600 km entfernt sind. Das große Erdbeben von 1999 ließ allerdings auch in Kappadokien die Erde vibrieren, so stark waren die Auswirkungen gewesen.

Kappadokien liegt fast mittig auf der Anatolischen Platte. Wenn diese gedrückt und geschoben wird, dann sind die Ränder betroffen, dort wo die Gräben verlaufen. Durch das  zentralanatolische Hochland zieht sich keiner dieser furchtbaren tektonischen Schluchten. Es wird zwar bei starken Beben mitgerüttelt, aber kaum merkbar. Das jetzige Erdbeben von VAN war in Kappadokien überhaupt nicht zu spüren.

Der fast 4000er Vulkan ERCIYES ist fast immer schneebedeckt

Der fast 4000er Vulkan Erciyes in Kappadokien

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber als hätte die Mitte der Anatolischen Platte ein Luftloch benötigt, steht genau hier einer der größten Vulkane der Türkei, der fast 4000er mit dem seltsamen Namen Erciyes. Er ist allerdings schon seit Jahrtausenden erloschen. Dass das nicht für alle Ewigkeiten gelten muss, daran werden die Kappadokier durch ihre vielen heißen Thermalquellen erinnert.

Heiße Thermalquellen in Kappadokien

Heiße Thermalquellen in Kappadokien

 

 

 

 

 

 

Susanne Oberheu  

www.kappadokya-travel.com

Thema: Geologie, Vulkanismus | Kommentare (0)

22.09.2011 - Schnee im September in Kappadokien

Freitag, 23. September 2011 14:15

tuerkei-anatolien-kappadokien-kultur-traditionen-land-lebenZu den Merkwürdigkeiten in Kappadokien gehört es, dass die Einheimischen zu Unzeiten vom Wintereinbruch reden.

 

Als ich noch nicht so lange in Kappadokien wohnte und eines Morgens im September vor meine Haustür trat, bei schönstem Sonnenschein und etwa +26°C im Schatten, trat meine Nachbarin zu mir und behauptete, ohne dabei eine Miene zu verziehen, dass es in der Nacht geschneit hätte und nun der Winter kommen würde. Dieser ist bekanntlich in Kappadokien und auf dem gesamten anatolischen Hochplateau ausgesprochen kalt mit Schnee, eisigen Winden und Minustemperaturen von bis zu -20°C.  Doch meine Nachbarin sah nicht so aus, als wollte sie eine unwissende Ausländerin verulken, machte eine Kopfbewegung Richtung Osten und betrat mit ehrlichem Seufzer wieder ihr Haus. „Wahrscheinlich, um den Ofen anzumachen!“, dachte ich verwirrt, während ich mich aus der viel zu heißen Sonne wieder in meinen schattigen und kühlen Innenhof begab:„Was für eine verrückte Welt. Spinnen die denn, die Kappadokier?!?“ Auf welches Abenteuer hatte ich mich eingelassen, hier sesshaft zu werden?

 

Nun, diese Seltsamkeit der Kappadokier wiederholt sich jeden September. Der September ist ein schöner warmer Monat, Sonne pur und manchmal sogar über +30°C im Schatten, aber selten unter +20°C. Der September gehört zu den beliebtesten Monaten der Besucher von Kappadokien. Der Oktober wird schon kühler und ab November muss mit eisiger Kälte gerechnet werden.

 

Seltsamerweise hatte meine Nachbarin wohl eine echte Vorahnung gehabt, denn tatsächlich kühlte sich in den nächsten Tagen das Wetter um einige Grad ab, aber es blieb immer noch warm und sonnig und über +20°C im Schatten und alle im Ort erzählten vom Wintereinbruch.

 

Ich hätte mehr auf die bedeutsame Kopfbewegung meiner Nachbarin achten sollen, um das Rätsel der spinnnenden  Kappadokier zu enthüllen:  

Im Osten, da wo ihre Aufmerksamkeit für einen Moment ruhte, liegt der Fast-4000er Vulkan Erciyes.

Und tatsächlich, jetzt konnte ich es selber sehen:

Der Erciyes hatte eine kleine weiße Kuppe bekommen!

 

– es hatte tatsächlich geschneit im September in Kappadokien!

Susanne Oberheu

www.kappadokya-travel.com.

 

Siehe auch türkischer Wetterdienst für Kappadokien / Nevsehir:

http://www.dmi.gov.tr/de-DE/forecast-cities.aspx?m=NEVSEHIR

 

 

 

 

Thema: Klima, Skurriles | Kommentare (0)

Wasser, Luft, Erde

Donnerstag, 22. September 2011 9:45

SU, HAVA, YER

 

Wenn Türken sich auf der Straße treffen, dann tauschen sie zunächst die obligatorische Grußformel aus:

„Wie-geht-es-dir?-Danke-mir-geht-es-gut!-Und-wie-geht-es-dir?-Danke-mir-geht-es-auch-gut!“ Unterbrochen von Füllwörtern wie „“ach“, „naja“, „eigentlich“ etc., und natürlich versehen mit den entsprechenden höflichen Anredetiteln wie  „Bruder“, “Schwester“, “Tante“, “Onkel“ etc.

 

Das dauert immer eine ganze Weile, das geht nicht im Vorübergehen, dazu muss man stehen bleiben, manchmal hält man sich während dieser Prozedur an den Händen, sollte man sich lange nicht gesehen haben, dann wird natürlich auch der doppelte Wangenkuss vorausgeschickt.

Ein kurzes Hallo ist in der Türkei absolut unüblich und gilt als extrem unhöflich. So kann ein Wochenmarktbesuch sich über Stunden hinziehen, da in der nächsten Höflichkeitsphase man sich natürlich zum Tee einlädt. Teeküchen gibt es an jeder Ecke und die Teeverkäufer laufen jede Strecke für ihre Kunden. Nun lobt man den guten Tee und dass dieser wohl aus besonders feinem Wasser und auf keinen Fall aus Leitungswasser zubereitet wurde; man fragt weiter nach dem Befinden der ganzen Familie und wenn das alles absolviert ist, unterbrochen mit Seufzern des Erstaunens und Entzückens, und lautstarkem Schlürfen des Tees, der nach jedem Schluck natürlich wieder gelobt wird, …ja dann tritt nun endlich Stille ein, mit dem dampfenden Teeglas in der Hand.

 

Wie wichtig den Türken die Qualität des Wassers ist, zeigen die vielen Plätze, Bäche und Ortschaften, die in Anatolien „Incesu“ heißen: „Feines Wasser“. Für „Feines Wasser“ fahren die Türken meilenweit und füllen an berühmten Quellen ihre Plastikflaschen und Kofferräume damit. Stolze Hausfrauen betonen beim Servieren des Tees gern, dass ihr Mann dafür 400 km gefahren ist.

 

Und wenn die Türken dann irgendwann still beim Tee aus feinstem Quellwasser ihren Gedanken nachhängen, dann hauchen sie manchmal: „Ne Hava güzel bugün!“-  „Was ist die Luft gut heute!“ Und der dazugehörige Seufzer verrät, dass damit mehr gemeint ist als „nur“ gute Luft!

 

Was wir nun in den Sommermonaten 2011 in Kappadokien erleben durften, war das Beste, was es an Luft gibt und die Türken kamen aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus: „Yayla Havasi“ – „Hochlandluft!“ wiederholten sie immer wieder wie eine Beschwörungsformel.

Für uns Europäer ist es einfach angenehm warme, nicht zu heiße  trockene Luft mit weniger als 20% Luftfeuchtigkeit und mit einer ständig frischen Brise versehen.  

Für die Türken ist es der Inbegriff von Glück und Freiheit: Das Nomadenleben längst vergangener Zeiten wird mit dem gehauchtem „Yayla Havasi“ romantisch und wehmütig wieder zu Leben erweckt: Als man noch ungebunden, immer die warme seichte Hochlandbrise im Nacken, mit den Herden durch unberührte und atemberaubende Natur auf die Sommerweiden zog, die Abende an Feuern unter dem  Sternenhimmel verbrachte und man sich stolze Geschichten aus seinem Volk erzählte.

 

Yayla Havasi“ und „Ince Su“ – Hochland-Luft und feines Wasser und ein Stück Erde in freier weiter Natur, um ein Feuer machen zu können für die herrlichen Fleischspieße.

 - Das sind bis heute immer noch die 3 Dinge, die einen Türken glücklich machen!

 

Vielleicht gibt es deshalb in Kappadokien noch kein McDonalds und keine künstlichen Konsum- und Vergnügungstempel und auch die Shopping Center sind immer noch sehr bescheiden.

 

Kappadokien hat eine traumhafte und meist noch unberührte Natur, unvergleichlich gute Luft und viele Hochlandquellen, aus denen feinstes Wasser strömt …… 

Susanne Oberheu

www.kappadokya-travel.com

 

Der Beruf des Hirten ist hart und entbehrungsreich. Dennoch verbinden viele Türken damit ein verlorenes Gefühl von Freiheit und Ungebundenheit

Der Beruf des Hirten ist hart und entbehrungsreich. Dennoch verbinden viele Türken damit ein verlorenes Gefühl von Freiheit und Ungebundenheit

Thema: Islam, Klima, Kultur | Kommentare (0)

Ramadan heißt auf Türkisch Ramasan

Mittwoch, 21. September 2011 11:20

Mit Unverständnis beobachtet das christliche Abendland die seltsame Sitte der Muslime, einmal im Jahr eine einmonatige Fastenzeit einzulegen, die aber durch Fressorgien in der Nacht aus Sicht der Europäer ad absurdum geführt wird.

 

Tatsächlich steigt der Umsatz der Lebensmittelsindustrie in der Türkei um satte 30% während des „Fastenmonats“ Ramasan. In dieser Zeit wird tagsüber gedarbt und nach Sonnenuntergang verwöhnen sich die Muslime mit den teuersten und köstlichsten Mahlzeiten und ähnlich wie bei uns zu Weihnachten werden während der Nachtstunden Unmengen von Süßigkeiten gegessen.

 

“Was soll daran Fasten sein?”, fragt sich der an christliche Fastenriten gewöhnte Europäer.

 

Das christliche Fasten soll den Körper reinigen und für Spiritualität öffnen.

 

Das islamische Fasten ist da ganz anders angelegt:

 

Mohammed war rigoros gegen Askese: Ein Muslim solle mit beiden Beinen im Leben stehen, arbeiten, Familie haben und das Leben genießen. Die christlichen Mönche mit ihrer Weltabgewandtheit und ihren Entsagungen waren ihm zutiefst suspekt. Selbst Sex verordnete er seinen Gläubigen als etwas Gottgegebenes.

 

Warum dann aber diese absurde Fastenzeit?

 

Mohammed wollte seinen Gläubigen nicht eine Zeit der innerlichen Nabelschau verabreichen, sondern im Gegenteil, eine Zeit des Leidens und der Entsagungen, zu mindestens während der Tageszeit.

 

Der Fastenmonat Ramasan richtet sich nach dem islamischen Mondkalender, was eine jährliche Bewegung von 11 Tagen zu unserem gregorianischen Kalender ausmacht. Somit findet der Fastenmonat jedes Jahr 11 Tage früher statt. Nach nun mehr etwa 35 Jahren trifft der Fastenmonat wieder auf den heißen Sommer mit langen Tagen und kurzen Nächten. Das heißt, bis zu 14 Stunden während des verordneten Tagesfastens darf der Gläubige weder trinken noch essen noch rauchen. – Eine seltsame Pflicht, wenn man bedenkt, dass der Islam in der Wüste entstanden ist, wo Wasser und Trinken existenzielle Bedeutungen haben. Tatsächlich soll Mohammed im Sommer den Fastenmonat eingeführt haben, dann wenn es den Gläubigen am schwersten fällt, nicht zu trinken.

 

Der Muslim soll also während der Fastenzeit leiden - das ist der Sinn des islamischen Fastens. Die Fastenzeit soll ihn daran erinnern, wie es ist, nichts zu essen und zu trinken zu haben, Entsagungen zu spüren. So ist dann auch die oberste Pflicht während des Ramasans, den Armen zu spenden.

Aber ganz nach Mohammeds lebensfreudiger Einstellung gilt dieses Leiden nur für den Tag. Nach Sonnenuntergang, eine Zeitmessung, die jeder Muslim in antiken Tagen nachvollziehen konnte, soll er sich wieder ganz den Genüssen hingeben, natürlich nur bis Sonnenaufgang, dann ging das Leiden von vorne los.

Welche wirtschaftlichen und gesundheitliche Folgen diese Regelung bei seinen Gläubigen im Industriezeitalter haben würde, konnte Mohammed vor fast 1400 Jahren noch nicht ahnen.

 

Noch zu Mohammeds Zeiten hat man während des Fastenmonats tagsüber einfach geschlafen und die Nacht zum Tag gemacht. Das hat sich auch bis vor ein paar Jahrzehnten in der islamischen Welt bewährt. Nun aber müssen auch die Muslime im globalen Zeitalter immer pünktlich auf der Matte stehen und dabei fit sein.

Außerdem hat man herausgefunden, dass diese Art des Fastens zu Gallensteine führt. Und besonders für ältere Menschen, die noch gern am Fasten traditionell festhalten, wird der Ramasan-Monat lebensbedrohlich, da viele von Ihnen unter Diabetes und anderen altersbedingten Krankheiten leiden. Davon wusste Mohammed natürlich im Konkreten nichts. Allerdings schränkte er diese muslimische Pflicht schon so erheblich ein, dass fast jeder, der Ramasan nicht machen möchte, dieses auch religiös begründen kann. Vom Fasten ausgenommen sind Kinder, Schwangere, Reisende und Kranke. Wer sich also nicht ganz wohl oder sogar krank fühlt, ist von dieser Pflicht ausgenommen.

 

So ist es üblich geworden in der Türkei, während des Ramasans seine Mitmenschen zu fragen, ob sie denn fasten würden. Die Antworten fallen ganz individuell unterschiedlich aus. Der eine arbeitet tagsüber hart und beteuert, dass fasten für ihn unmöglich sei. Der andere hat gerade während der Sommerzeit Kreislaufprobleme und entzieht sich mit dieser Begründung der religiösen Pflicht.

 

Aber ein bisschen Ramasan versucht jeder: der eine verzichtet auf Alkohol und Fleisch in dieser Zeit, der andere spendet besonders viel den Armen, der dritte geht öfters in die Moschee als gewöhnlich. Aber die leckeren Süßigkeiten werden von allen in Unmengen vernascht. Und in der Nacht besucht man sich mehr als sonst, trifft die Familie, geht aus und gönnt sich einfach etwas Besonderes. Eben wie bei uns zu Weihnachten. Böse Zungen meinen deshalb, der Fastenmonat wäre zur Konsumorgie verkommen.

 

Die Tradition, dass in der Nacht Trommler durch die Straßen gehen, um die Gläubigen zur letzten Mahlzeit vor Sonnenaufgang zu wecken, ist inzwischen vielerorts eingestellt worden. In Istanbul wurde das seit über 500 Jahren übliche Wecken verboten. Ein Zugeständnis an die Leistungsgesellschaft des 21.Jahrhunderts: Menschen, die tagsüber arbeiten müssen, wollen einfach nicht um 3 Uhr nachts von Ohren betäubenden Paukenschlägen geweckt werden. 

 

Besucht man ein islamisches Land während des Ramasan, so muss man mit viel Verständnis die schlechte Laune der Muslime während der Tageszeit ertragen, besonders um Raucher sollte man dann einen großen Bogen machen. In vielen Gegenden gibt es weder etwas zu essen noch zu trinken. Aber der Tourist muss nicht arbeiten, er kann tagsüber schlafen und dann nachts die Feierstimmung auf den Straßen genießen. Wenn der Muezzin abends zum Fastenbrechen ruft, gibt es keine freien Plätze mehr in den Restaurants und eine feierliche Stille erfasst dann die muslimische Welt, in Erwartung kulinarischer Wonnen. Essen Sie vorher etwas heimlich und gehen später ins Restaurant oder lassen Sie sich von den Süßigkeiten verwöhnen, die überall verschenkt werden.   

So endet der Ramazan dann auch, wie man vermutet, mit einem großen Zuckerfest!      Susanne Oberheu         www.kappadokya-travel.com

In Kappadokien braucht der Tourist keine Angst vorm Verhungern haben. In den verstecktesten Tälern bemühen sich geschäftstüchtige Einheimische, die Wanderer mit frisch gepressten Orangensaft oder mit provisorisch gezimmerten rollenden Küchen zu versorgen

In Kappadokien braucht der Tourist zu Ramasan keine Angst vorm Verhungern haben. Selbst in den verstecktesten Tälern bemühen sich geschäftstüchtige und weniger fromme Einheimische, die Wanderer mit frisch gepressten Orangensaft und mit turkish Fastfood aus provisorisch gezimmerten Küchen zu versorgen.

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Gewitter und Eisregen in Kappadokien im Juni

Sonntag, 26. Juni 2011 11:35

In Kappadokien ist die Klimaerwärmung angekommen

 

 

Das kontinentale Klima in Kappadokien zeichnete sich bislang durch harte, kalte Winter und heiße, trockene Sommer aus.

 

Noch 1950 erzählten Reiseberichte aus Kappadokien vom „Ewigen Eis“ des fast 4000er Vulkans Erciyes Dağı.  Und 1969 sollen die Temperaturen im Sommer +38°C nicht überschritten und im Winter bis zu -25°C geherrscht haben mit hoch Schnee.

 

Dieses scheint nun einer anderen Klimaperiode anzugehören.

 

Das „ewige“ Eis vom Erciyes ist seit einigen Jahren jeden August verschwunden und letzten Sommer hatte Kappadokien Hitzerekorde von + 45°C zu melden.

Schnee gibt es nur noch manchmal und die Winter sind inzwischen eher „frühlingshaft“ mild mit noch vor 40 Jahren unvorstellbaren 15-20°C plus.

Dafür gibt es mehr Regen in Kappadokien, das bisher als sehr trocken galt. Im Mai 2009 gab es in der ganzen Türkei Regenmassen wie noch nie. Auch Kappadokien versank im Tuff-Schlamm und war ungewöhnlich grün für die Jahreszeit. Es blühte wie es die Einheimischen zu Lebzeiten im Mai noch nicht gesehen hatten.

Das wiederholte sich 2011. Temperaturen von nur + 15°C tagsüber und einer dichter Wolkendecke sowie immerwieder starke Regenfällen ließen deutsche Urlauber an das heimische Mai-Wetter erinnern. In Deutschland dagegen war es ungewöhnlich trocken - verkehrte Welt! Der Juni, normalerweise schon sehr heiß mit über + 30°C und absolut regenfrei war zwar freundlicher als der Mai mit + 25°C, aber heftige Gewitterschauer brachten so manchen Wanderer in den schönen kappadokischen Schluchten in Katastrophenstimmung. Glücklicherweise bietet Kappadokien überall Unterstände inform von Höhlen und unter bröselnden Tuffsteinüberhängen bot sich dem Naturliebhaber ein wahres Naturschauspiel:   Täler und Straßen Kappadokiens verwandelten sich in reißende Ströme, die ganze Gesteinsbrocken mit sich schleppten, tieferliegende Höhlen füllten sich mit Wasser und bereits von der Erosion stark beschädigte Mauern und Felsenreste wurden einfach mitgerissen. Höhepunkt dieser Gewitterwelle im Juni war schließlich der infernale Wolkenbruch am 13.Juni, der halb Anatolien überflutete. Kein Haus, was nicht einen Wasserschaden meldete. Und in einer Zeit, in der die Kappadokier normalerweise bereits unter der brennend-heißen Sonne zu stöhnen beginnen, fiel Eis vom Himmel, Graupelschauer.  Welcher enorme Schaden freiliegende Fresken und antike Ruinen im Weltkulturerbe genommen haben, mag keiner schätzen.

Welchen Sommer wir in Kappadokien erwarten dürfen, auch nicht! Man munkelt, der würde dieses Jahr wohl ausfallen oder auf den Winter verschoben werden.

 

Wir werden weiter berichten!

Susanne Oberheu & Michael Wadenpohl

www.kappadokya-travel.com 

 

Juli 2011 …. der Sommer hat in Kappadokien wie gewohnt Einzug gehalten. Durch die Hitze von weit über 30°C sind nun “endlich” und wie wir das seit Jahrzehnten nicht anders kennen, die schönen Hänge und sanften Hügel Kappadokiens wüstenhaft gelb geworden, die letzte wilde Blume ist vertrocknet, außer noch in manchen schattigen Tälern. Und die Kappadokier ziehen sich in ihre kühlen Höhlen zurück…. bis zum Abend. Die Nächte sind nun wunderbar lau-warm und der immer seichte Wind, der über die anatolische Höhenplatte streicht, streichelt die Haut. Die Luft ist trocken und angenehm. So kennen wir das und so soll es sein im Juli. Ein letztes großes Gewitter vor ein paar Tagen war noch einmal Segen für die kappadokischen Bauern. Aber nun haben wir Sonne pur! Susanne Oberheu:   www.kappadokya-travel.com

 

Siehe auch türkischen Wetterdienst für Kappadokien / Nevsehir:

http://www.dmi.gov.tr/de-DE/forecast-cities.aspx?m=NEVSEHIR

 

 

 

 

 

 

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Der Patagonientourist in Kappadokien

Freitag, 24. Juni 2011 12:45

oder wie man richtig reist…

 

Der sogenannte Patagonientourist in Kappadokien wünscht das echte und wahre Kappadokien zu sehen. Er legt allergrößten Wert darauf, dass ihn der Einheimische nicht als Einnahmequelle, sondern neugierigen Besucher und wohlwollender Freund sieht, eben so wie er sich selbst sieht. Deswegen achtet er streng darauf, dass ihm nur das wirkliche Kappadokien gezeigt wird, abseits aller von anderen Touristen frequentierten Wege und Orte. Er lässt sich auch nur sehr ungern als Tourist bezeichnen. Touristen sind in seinen Augen oberflächliche Konsumenten, die sich wenig für die Kultur eines Landes interessieren und daher willige Opfer der einheimischen Geschäftemacher sind. Ein Tourist kauft alles, was man ihm anbietet, er als Reisender dagegen nur das wirklich Echte und Besondere, wenn überhaupt. So nimmt er viele Unbequemlichkeiten in Kauf, denn fälschlicherweise wird er immer wieder wie ein normaler Tourist behandelt, wenn er Hotels, Restaurants oder Geschäfte betritt. So sucht er unentwegt nach Auswegen aus dieser Miesere, isst lieber gar nichts und geht große Umwege als den Ausschilderungen für Touristen zu folgen. 

Außerdem hat der Patagonientourist eine klare und theoretisch gut vorbereitete Vorstellung von dem, was er für das Wahre und Echte hält.

 

Idealer Weise soll man auf Reisen seinen Horizont erweitern. Das bedeutet aber, dass der Horizont, den man bisher hatte, vielleicht verrückt wird, also ganz unvorhergesehene Einsichten das bisherige Weltbild verändern.

 

Davon hält der Patagonientourist wenig. Sein Weltbild wurde ihm bereits von namhaften Schriftstellern und Wissenschaftlern in vielen Lesestunden im heimischen Wohnzimmer vermittelt. Daran kann ein Einheimischer mit 4 Jahren Schulbildung und wenig Kenntnissen von diesen Dingen kaum rütteln. Eher sollte man den Einheimischen über die Tragweite seiner Kultur und seines Denkens aufklären, sozusagen als kleine Entwicklungshilfe nebenbei.

 

Mit einem massiven Fundament an Einsichten geht dann auch der Patagonientourist an seine Aufgabe, Land und Leute zu erkunden. Ausgerüstet mit allen zur Verfügung stehenden gedruckten Informationen und der dazugehörigen Technik schreitet er ans Werk. Seine größten Trophäen sind Fotos vom spontanen Einheimischenkontakt, weit weg von jeder Zivilisation und Technik: Strommasten, Autos und Fernsehgeräte auf seinen Fotos will er nicht haben und werden, wenn es gar nicht anders geht, digital nachgearbeitet, eben rausgeschnitten. Die echten und wahren Bilder sind  Fotos von lachenden Frauen mit Kopftuch, Männern in traditioneller Hose, am liebsten auf einem Esel, und natürlich Kinder in allen Variationen, gern schmutzig und barfuss in Lumpen. Auch die Schafherde mit Schäfer darf nicht fehlen. Dazu natürlich romantische Sonnenuntergänge von Landschaften, in denen sonst kein Tourist je gesichtet wurde.

Und dennoch lüstert es den Patagonientouristen auch nach anderen Beweisen seiner Reisetätigkeit, sogenannten Souvenirs. Aber echt sollen sie sein und möglichst geschenkt, denn die einheimische Tourismusindustrie zu unterstützen entspricht nicht seinem Konzept vom Reisen. Obwohl er aus dem gut situierten Bildungsbürgertum kommt, lässt er sich also gern beschenken: Wenn Einheimische ihn zum Essen einladen, ist das für ihn die größte Wertschätzung als Reisender und oft genug muss die Anwesenheit des Gastes Dank genug sein für die Großzügigkeit. Man will die armen Wilden ja auch nicht mit Gaben des westlichen Wohlstandes verderben. Womöglich auch mit Geld seine Dankbarkeit zu zeigen, gehört zu den Todsünden des Patagonientouristen. Wenn Kleidung und Ausrüstung für die Reise auch ein Vermögen gekostet haben und man nicht an Markenprodukten gespart hat, so ist das schlichte Kaufen eher verpönt und entspringt dem Kapitalismus, den man ja in der Fremde nicht unterstützen möchte.

 

Trotz intensivster Vorbereitungen passieren dem Patagonientouristen dennoch manchmal Fehler. Da er wenig auf die Beratung von Einheimischen Wert legt und andere Touristen sowieso keine Ahnung haben, also jeder nicht gedruckten Information eher kritisch gegenübersteht,  können diese Fehler ausgesprochen peinlich werden.

 

Warum der Patagonientourist von der Autorin so genannt wird, erzählt die folgende wahre Geschichte:

 

Ein Tourist, der als solcher nicht erkannt und genannt werden möchte, betritt schließlich dennoch irgendwann einen kleinen Teppichladen in der Altstadt von Avanos in Kappadokien. Eigentlich will er gar nicht und der freundliche Teppichhändler muss ihn fast hineinziehen, aber schließlich und unter Protest gibt er nach und betritt den unechten Ort, an dem man für Teppiche bezahlen muss und wo jedem dummen Touristen das Geld aus der Tasche gezogen wird.

Um seine Ehre zu retten und um seine Andersartigkeit zu demonstrieren, wiederholt er gebetsmühlenartig, dass er aber nur und ausschließlich echte Patagonien-Teppiche sehen wolle! - Der freundliche Teppichhändler zuckt zusammen. Eine gute Reaktion, wie der Patagonientourist meint, denn jetzt hätte er den Teppichhändler überrascht und ihm gezeigt, dass er anders ist all die anderen Touristen. Der Teppichhändler wedelt etwas hilflos mit den Armen: „Leider, nein, damit könne er nicht dienen, aber vielleicht…..“ -  „Nein!“, kontert der Patagonientourist nun wesentlich selbstsicherer und seiner Einzigartigkeit bewusst: für ihn käme, wenn überhaupt, nur ein echter und wirklich  e c h t e r  Patagonien-Teppich in Frage. Er ließe sich da auch nicht beirren oder rumkriegen wie vielleicht andere. So geht das eine ganze Weile, der Teppichhändler wühlt verzweifelt in seinem Gedächtnis danach, was ein Patagonien-Teppich denn sein könne und ob er in seinem umfangreichen Sortiment dem strengen Kaufinteressenten vielleicht doch noch etwas Ähnliches bieten könnte. Bis schließlich die bis dahin stille Ehefrau des “Patagonientouristen” ganz leise flüstert:

 “Kappadokien, mein Schatz, ………….K a p p a d o k i e n  !  ! !“

 

Susanne Oberheu 

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Der Reiseführer für Kappadokien soll eine Hilfe sein, um sich auf etwas Neues einlassen zu können.....

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Ist der Orient-Teppich out?

Sonntag, 19. Juni 2011 14:32

Ein original kappadokischer Teppich aus der Region Taschpinar

Ein original kappadokischer Gebetsteppich aus der Region Taschpinar, Schafswolle

Lange Zeit galt der Orient-Teppich als Statussymbol erst der Adligen und Superreichen, dann des soliden Bürgertums. Orientalische Teppiche waren Werte, die an die Nachkommen mit Stolz weitervererbt wurden.

 Wer unter seinem Ess- oder Wohnzimmertisch einen mindestens 7 m² großen echten Perser zeigen konnte, hatte es meistens geschafft in der Welt des Geldes. Denn Orient-Teppiche waren unerschwinglich teuer für die meisten Sterblichen.

Das hat sich nun geändert und das europäische Bürgertum, durchaus in der Lage, sich so ein Schmuckstück zu leisten, hat andere Vorstellungen von vorzeigbaren Werten. Außerdem gebeutelt von allerlei Allergien verzichtet die gut situierte Hausfrau heute lieber ganz auf textile Bodenbeläge. In der schwedischen Möbelwelt, die inzwischen Einzug in die meisten Haushalte genommen hat, spielt eine aufwendige Handarbeit keine Rolle mehr. Helle Einrichtungen verlangen allerdings hier und da nach bunten Flecken, ganz besonders fürs Kinderzimmer. Und so haben sich die persischen Manufakturen auf den europäischen Geschmack eingestellt und überfluten den Möbelmarkt mit sogenannten Gabbeh-Teppichen, bei Kennern als Pädagogen-Teppich verunglimpft: knallige Farben mit kleinen Tierchen oder Männchen sparsam verziert, denn der Europäer liebt den Überblick, weder bunt noch floral noch mit Bordüre darf es sein. So ganz anders als der Orient-Teppich seit Jahrhunderten traditionell hergestellt wird. 

 

Ein traditioneller Orient-Teppich ist nach wie vor der Inbegriff von handwerklicher Qualität, die seinesgleichen sucht. Jedes Stück ist ein Unikat, in das die Knüpferin mit unermüdlichen Fleiß und Einsatz etwas von sich eingewebt hat. Zuhause am heimischen Webstuhl verbrachte bisher eine junge Frau im Orient viel Zeit; sind doch Teppiche, Decken und Kissen auch ihre Aussteuer für die zukünftige Ehe gewesen. So hat sie in den Jahren des Webens und Knüpfens auch ihren ganz eigenen Stil und Geschmack in die Handarbeit gebracht; viele Symbole haben einen tieferen Sinn und drücken oft  ihre Wünsche und Träume aus. Ein in Heimarbeit gefertigter Orient-Teppich, auch Nomaden-Teppich genannt, ist ein einmaliges Kunsthandwerk.

 

An einem 3 m² großem Teppich knüpft eine Frau schon mal ein ganzes Jahr, die umfangreichen Vorarbeiten für die Wolle nicht mitgerechnet. Je nach sorgfältiger Arbeit, Qualität der Wolle und Können der Knüpferin sind dann solche traumhaften Arbeiten auch schon für 400,-€ zu haben. Dass die Künstlerin davon nur ein Bruchteil gesehen hat, versteht sich. Aber der europäische Geschmack verschmäht die wertvolle Handarbeit; zu bunt, zu kitschig aus deren Sicht.

 

Heute knüpfen und weben kaum noch junge Frauen in der Türkei oder dem Iran zuhause oder verdienen sich in Heimarbeit etwas Geld dazu. Der Markt wird von Manufakturen beliefert. Auch hier arbeiten vorwiegend Frauen, deren Fingerwertigkeit für Männer meist unerreichbar bleibt. Doch die Handarbeiten sind leblose Kopien von vorgegebenen Mustern, wie die des Gabbeh im Iran, die vom Käufermarkt bestimmt werden. Dass in diesen Manufakturen manchmal unhaltbare Arbeitsbedingungen herrschen ist bekannt, seitdem man von Kinderarbeit in indischen Werkstätten weiß.

 

So werden dann echte und zuhause gefertigte Nomaden-Teppiche, die zurzeit noch billig zu haben sind, irgendwann einmal unbezahlbar sein und  als wertvolle Einzelstücke gehandelt werden. 

 

Leider haben inzwischen auch die Türken keinen Sinn mehr für die von Mama noch in liebevoller Heimarbeit gefertigten Stücke. In Istanbul hat dann auch schon der erste Ikea-Markt geöffnet mit Teppichen ohne Kultur, industriell gefertigt oder in Manufakturen, die keiner kennt.

 

 

Kleine Teppichkunde

 

Wann die ersten Teppiche geknüpft wurden, weiß man nicht. Leider sind Teppiche nicht besonders haltbar, in geschichtlichen Dimensionen gesprochen. Feuchtigkeit zerstört sie und archäologische Funde sind selten. Ein Glücksfall ist dann auch der sogenannte Pazyryk-Teppich, der im Permafrost Sibiriens 2500 Jahre die Zeit überstehen konnte und damit der älteste Nachweis für die Knüpfkunst ist. teppich-pazyryk

Es ist wahrscheinlich, dass turkmenische Nomadenstämme in Zentralasien die ersten dicken Teppiche aus Schafs- und Ziegenwolle knüpften, um diese in kalten Wintern in ihren Zelten auf den Boden zu legen. Schnell zu verstauende Webstühle gehören seit ewigen Zeiten zu der Ausrüstung jeden Nomadenstammes, quasi die Raumausstattung der Zeltbewohner.

Da man viel Zeit mit dem Knüpfen verbrachte, müssen dann auch bald künstlerische und ästhetische Erwägungen in das Handwerk eingeflossen sein. So entwickelte jede Region und jeder Stamm im Laufe der Jahrhunderte ganz eigene Teppiche, mit eigenen Mustern und Farben. Von Generation zu Generation wurde dann an das Handwerk immer höhere Ansprüche gestellt und die Teppichknüpferei verfeinert: bessere Wolle, klarere Linien, hohe Knüpfdichte, Detailgenauigkeit.

Die im türkischen Konya gefundenen Teppiche aus dem 13.Jahrhundert n.Chr.beweisen einen  hohe Kunst der Teppichherstellung.

Seldschukkische Muster prägten Teppiche und Architektur des gesamten Orients

Seldschukkische Muster prägten Kunst und Architektur des gesamten Orients

Der zu dieser Zeit in Anatolien lebende turkmenische Stamm der Seldschukken beglückte schließlich den gesamten Orient mit seinen feinen Ornamenten und Arabesken und hatte künstlerischen Einfluss bis in das maurische Spanien.

Handbemalte Kacheln in Isfahan im Iran

Handbemalte Kacheln in Isfahan im Iran

Die in den nomadischen Teppichen eingewebten und geknüpften geometrischen Muster fanden schließlich Einzug in die Keramik- Kachel- und Fliesenherstellung sowie Architektur der berühmtesten und schönsten Gebäude von Samarkand nördlich von Afganistan, Isfahan im Iran bis Granada in Spanien. Imitiert wurden diese Muster schließlich auch in der europäischen Gotik. Kreuzritter hatten erste Teppiche zu den erstaunten Europäern gebracht, wo sie sofort den künstlerischen Stil prägten. Osmanische Sultane verschenkten die begehrten Stücke schließlich an europäische Königs- und Fürstenhäuser und erkauften sich somit diplomatisches Wohlwollen. Die Blütezeit der Teppichknüpfkunst war schließlich das 16.Jahrhundert. In der Türkei herrschte der prächtigste und erfolgreichste aller osmanischen Sultane, Sultan Süleyman. Er machte die Teppichknüpfkunst zur Chefsache und verschleppte die besten Künstler und Teppichmeister aus dem besiegten Täbris in Persien, wo diese eine ganz eigene Stilrichtung von hoher Qualität entwickelt hatte, nach Istanbul.

Neue Teppichknüpfzentren entstanden im westlichen Anatolien. Die Seidenraupe hatte man bereits 1000 Jahre zuvor lebend aus China schmuggeln können und in den Maulbeerbäumen der türkischen Stadt Bursa fühlten sie sich besonders wohl. Hier entstanden die schönsten Seiden- und Brokatstoffe. Der orientalische Teppich war nun das Wertvollste und Schönste, was europäische Adelshäuser als ihr eigen wünschten. Hatten sie einen erwerben können, so ließen sie sich gern mit ihm auf einem Gemälde darstellen, von berühmten Malern wie Hans Holbein, Lorenzo Lotto, Jan van Eyck und Jan Vermeer. In Europa nannte man diese Teppiche dann auch Holbein- oder Lotto-Teppiche. Tatsächlich aber waren es Uschak-Teppiche aus der heute noch bekannten Uschak-Region in der West-Türkei.

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Der bisher erreichte Gipfel der Teppichknüpfkunst wurde im 19,Jahrhundert schließlich in der vom Sultan ins Leben gerufenen Manufaktur Hereke in Izmit nahe Istanbul erreicht: persische florale Muster kombiniert mit türkmenischen geometrischen Ranken und Symbolen werden in Seide geknüpft mit einer unvorstellbaren Knüpfdichte von 200 Knoten pro Quadratzentimeter und sogar mehr. Diese Stücke sind allerdings heute in Sammlerhänden und erzielen astronomische Preise.

Aber in türkischen Teppichläden sind heute noch Hereke-Seiden-Teppiche zu finden, nicht alt und mit einer Knüpfdichte von „nur“ 100 Knoten pro Quadratzentimeter, aber der feine Glanz dieser Prachtstücke ist immer noch atemberaubend. Aber Achtung: Fälschungen kommen inzwischen aus China, vielleicht als späte Rache für den Seidenraupenklau.

Auch wenn es nicht in Ihre Wohnung passt: lassen Sie sich mit einer Lupe die Knüpfdichte eines Hereke-Seiden-Teppichs ruhig einmal zeigen. Sie scheinen nicht von Menschenhänden gemacht zu sein- sind sie aber!   

Seidenteppich aus Kayseri in Kappadokien

Seidenteppich aus Kayseri in Kappadokien

Türkische Orient-Teppiche kommen heute noch aus den Regionen
- Izmit, Canakkale, Bergama, Uschak, Mugla im Westen Anatoliens
- aus Antalya und Konya in der Mitte Anatoliens
- aus Kirschehir, Aksaray, Nigde,Yahyale und Kayseri in der Region Kappadokien in Zentralanatolien
- und Adiyeman, Diyarbakir und Kars im Osten.
Im Gegenesatz zu Webteppichen, den Kelims, werden geknüpfte Teppiche meist aus Schafswolle hergestellt und nur manchmal mit der minderwertiger Baumwolle vermischt. Entscheident für die Qualität der Wolle ist das Alter des Schafes und die Zeit der Schur. Winterwolle von 1-2-jährigen Schafen soll die beste sein. Behutsam wird diese dann in Handarbeit gewaschen, gesponnen und schließlich mit den örtlichen zur Verfügung stehenden Pflanzenfarben eingefärbt, die dem Teppich einen einzigartigen Farbton verleihen, der von Region zu Region unterschiedlich ist.
Susanne Oberheu
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Original kappadokischer Teppich aus der Region Yahyali mit traditionellem Muster

Original kappadokischer Teppich aus der Region Yahyali mit traditionellem Muster

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Das berühmte Freilichtmuseum von Göreme

Sonntag, 5. Juni 2011 10:09

Großer Andrang am „Göreme Open Air Museum“

 

Von Touristenzentrum Göreme zufuß kommend weist ein Schild daraufhin, dass es zum Göreme Open-Air-Museum hier entlang ginge. Statt geradeaus dem Bürgersteig Richtung Eingang folgend, solle man nun hier abbiegen. Der Grund wird schnell deutlich: der Weg führt eng durch eine Gasse mit Souvenirläden auf beiden Seiten und endet vor 2 Kamelen, ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir uns bei einem der größten touristischen Attraktionen der Region befinden. Hinter den mit Tüchern und Figuren für die heimische Vitrine vollgepackten Baracken stehen dann auch die Reisebusse in Reih und Glied; bis zu 20 Stück können es zu Stoßzeiten schon mal werden.  Jeder der Kappadokien auch nur für einen Tag besucht, geht in das berühmte Göreme-Open-Air-Museum. Der Eintrittspreis ist dann auch für Kappadokien verhältnismäßig hoch mit ca. 7,-€.

20 Busse bedeuten ca. 1000 Besucher.

Das Open-Air-Museum ist eine ehemalige Klosteranlageaus dem 11.Jahrhundert mit etwa 10 kleineren Kapellen, dazu Refektorien, Küchen etc. Die Kappellen, zum Teil mit den best erhaltensten Fresken Kappadokiens, sind in der Regel nicht größer als 15-20 m². Nur die Tokali-Kirche außerhalb des Geländes hat Kirchengröße. Diese durchaus sehenswerten Kappellen befinden sich in Tuffkegeln und im Felsen, verteilt an einem kleinen Rundgang.

 

Man stelle sich nun 1000 Besucher vor, die in 150-200 m² Kapellenfläche drängen. Große Menschentrauben vor den Höhleneingängen füllen das kleine Tal. Ein Museumswächter tippt auf seine  Armbanduhr:“ Three minutes!“ Der Reiseleiter einer Busgesellschaft zwängt seine Schäfchen nun in die dunkle Höhlenkirche. Aber auch bei aller Liebe, 50 Personen passen nicht auf den schmalen eingezäunten Weg innerhalb der kleinen Kappelle; der Reiseleiter drängt, die Zeit läuft, er brüllt seine Informationen in die dichte Menge und schon mahnt der Museumswächter, dass die 3 Minuten vorbei sind. Die Luft in der Kappelle ist stickig und schwül. Die meisten Kulturinteressierten sind froh, wieder ins freie Gelände zu kommen. Aber wofür sie nun 15,- Lira zahlen mussten ist ihnen nicht klar und sie sind unzufrieden. Der Reiseleiter bekommt schlechte Laune und die Stimmung im sonst so beschaulichen Mönchstal von Göreme ist eher gereizt. Reiseleiter unterschiedlicher Gesellschaften giften sich an. Die Laune der Museumswächter, die vor jeder Höhlenkirche die Zeit messen, ist auch nicht die beste. Dennoch sagt sich der Besucher :“Was muss, das muss und erträgt das alles!“ Wie lange die 1000 Jahre alten Fresken diesen Ansturm von feuchter Atemluft ertragen werden, das wartet die Museumsverwaltung offensichtlich geduldig ab.

Schwierig wird die Situation allerdings erst, wenn, wie es regelmäßig passiert, in Göreme der Strom ausfällt. Das ist kein Problem für Hotels, Restaurants und sogar die Souvenirläden schalten dann ihre Generatoren an; man hat sich darauf eingestellt. Nur das Göreme-Open-Air-Museum besitzt offensichtlich keinen Generator! Die sowieso dunklen Höhlenkirchen liegen dann vollständig im Dunkeln. Dennoch wird ohne jeden Hinweis, dass man zurzeit im Museum ja gar nichts erkennen könne, weiterhin Eintritt in Massen kassiert: 15.000,-€ ohne dass man irgendetwas von den berühmten Fresken sehen würde. Die Museumswächter vor den Eingängen sind auch verschwunden; nicht, um  Taschenlampen zu holen, sondern weil ja jetzt sowie keiner mehr in die Kirchen geht.

Die schönste Kirche von Kappadokien ist die sogenannte „Dunkle Kirche“  im Göreme-Open-Air-Museum“, die so heißt, weil hier noch weniger Tageslicht hineinfällt als in die anderen, was die Farbenpracht der Fresken erhalten hat. Freundlicherweise sagt einem dann auch der Museumswächter, dass sie dunkel ist, bevor er die zusätzlichen 4,-€ dafür kassiert.               

Susanne Oberheu

Besuchen Sie Kappadokien nie ohne Taschenlampe!

Besuchen Sie Kappadokien nie ohne Taschenlampe!

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Von Juni bis August wird in Kappadokien gefeiert!

Dienstag, 31. Mai 2011 12:08

Was ein europäischer Besucher schon immer einmal erleben wollte……..

 

Es ist laut, man versteht kaum sein eigenes Wort und das des Tischnachbarn sowieso nicht. So sitzt man nun vor trockenen Keksen an Monoblock-Plastiktischen in bequemen Monoblock-Stühlen. Ein eher gelangweilter Herr verteilt Säfte im 100ml-Miniformat- Tetrapack und nur für Kinder wie es scheint; die Zahl ist begrenzt, da mag man nicht fragen. Der Sänger singt schmachtende Liebeslieder und auf der Tanzfläche werden dazu die Hüften geschwungen. So geht es eine ganze Weile. Zum fortgeschrittenen Abend erscheint schließlich ein in einer roten Robe bekleideter Mann. Die Musikgruppe hört auf zu spielen. Es wird plötzlich andächtig still. Wir sind auf einer türkischen Hochzeit. Der Mann in der feierlichen Robe ist der Standesbeamte. Das Brautpaar, er im glänzenden Anzug, sie im weißen Brautkleid mit roter Schärpe um die Hüfte, nehmen zusammen mit dem Beamten an dem extra für sie hergerichteten Tisch Platz.

Mit einem lauten „Evet!“(Ja!)  durch das Mikrophon, eher für die Gäste als für die Form gesprochen, besiegeln die beiden ihre Ehe. Die Musiker fangen wieder an zu spielen und die Tanzfläche füllt sich erneut, jetzt zusammen mit dem Brautpaar. Will man nicht tanzen, so muss man einfach abwarten. Weiterhin kommen Hochzeitsgäste und werden mit parfümierten Wasser und Bonbons am Eingang begrüßt. Man kann gucken, wer alles kommt und wie sich die Jugend auf der Tanzfläche outet.

Irgendwann kommt mit Pomp und Tusch eine Hochzeitstorte hereingefahren, mehrstöckig, aber leider nur zum kleinen Teil echt. Das Brautpaar schneidet den Kuchen an und der Service verteilt kleine Brocken auf Plastikteller an die Gäste, auch hier haben die Kinder natürlich Vorrang. Die Musik spielt weiter, zu laut, um sich unterhalten zu können. Schließlich gegen 10.3o Uhr fingern die Gäste plötzlich in ihren Taschen, viele stehen auf und bewegen sich Richtung Brautpaar, das sich am Tanzflächenrand postiert hat. Dann wird es still und jemand fordert durch ein Mikrophon auf, nun das Brautpaar zu beschenken.  Braut und Bräutigam tragen dafür quer über der Brust breite rote Schärpen. Flankiert werden sie von Eltern und engsten Verwandten, die beim Geschenke-Abgeben hilfreich zur Seite stehen. Denn die Geschenke der Gäste bestehen aus Goldblättchen und Geldscheinen, die mit Sicherheitsnadeln an den Schärpen befestigt werden müssen. Manchmal ist auch ein Goldreif für den Arm dabei. Name des Gastes und Höhe seines Geschenkes  werden von einem Conferencier  durch ein Mikrophon den übrigen Gästen mitgeteilt und manchmal auch dem ganzen Wohnviertel. Nachdem dem Brautpaar Geld, Gold und gute Wünsche überreicht wurden, verlassen schließlich die meisten Besucher die Hochzeit. Nur die Jugend nutzt noch die Gelegenheit, auf der Tanzfläche unzweideutige Signale auszusenden. Bei einer normalen türkischen Hochzeit auf dem Land gibt es kein Essen, wenig zu trinken und natürlich kein Alkohol; es wird getanzt bis die Füße schmerzen und für eine gute Musikergruppe wird viel Geld investiert.

 

Zu so einer Hochzeit werden mindestens 100 Gäste geladen, oft sind es sogar mehrere Hundert. Einladungskarten werden vorweg großzügig verteilt und wer keine explizite Einladung bekommen hat, kann trotzdem hingehen. Es wird allerdings missbilligend notiert, wenn man kein Geld oder Gold abgibt. So kommen viele Eingeladene, die aus dem Tanzalter heraus sind, erst gegen 10.oo Uhr, wenn die Geschenkübergabe bevorsteht und verlassen danach auch gleich wieder die Hochzeit.

 

Von einem rauschenden Fest, für das die Eltern der Braut ein Vermögen ausgeben müssen, kann nur bedingt die Rede sein. Das Brautkleid und die Frisur der Braut allerdings sind meistens atemberaubend. Kostspielig aber wird es oft für die Gäste, für die die vielen Einladungen manchmal ein finanzielles Problem bedeuten. Das Geld und das Gold aber, das das Brautpaar bekommt, gehört der Braut allein für den Fall einer Scheidung und wird meistens direkt auf die Bank gebracht. Und tatsächlich haben die Scheidungen in der Türkei auch schon zugenommen. Geheiratet wird aber trotzdem nach wie vor und gern traditionell. Auf dem Land ist eine “wilde Ehe”noch absolut unüblich.

 

Die Hochzeitssaison in Anatolien beginnt etwa Mitte Juni mit den Sommerferien und endet zu Ramasan. Der Fastenmonat Ramasan verschiebt sich jedes Jahr um 10 Tage. Dieses Jahr beginnt er bereits Anfang August, so dass für die Feierlichkeiten keine 2 Monate Zeit bleiben. Also müssen in dieser kurzen Zeit alle geplanten Hochzeiten des Jahres stattfinden. Fast täglich fahren dann hupende Autokorsos  durch die Straßen und jeden Abend sind die Ortschaften mit türkischer Life-Musik erfüllt, oft mit einem Feuerwerk gekrönt. 

Falls Sie auf so eine Hochzeitsfeier treffen, gehen Sie ruhig hin! Gratulieren Sie dem Brautpaar und lassen Sie sich auf der Tanzfläche von den verführerischen Rhythmen mitreißen:

Arme hoch, Brust raus und dann die Hüfte kreisen lassen!                   

Susanne Oberheu

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Ömer macht die Frauen glücklich

Donnerstag, 26. Mai 2011 15:31

Avanos nahe dem Töpferdenkmal

Sanft legt er die Hände in ihren Nacken. Sie solle die Augen schließen, verlangt Ömer leise von seiner Kundin. Dann streift er die Hände leicht über die Schultern herunter und wieder zum Nacken, schließlich umfasst er ihren Kopf und die Stirn und wieder gehen die Hände sichtbar vorsichtig in den Nacken. Mit kleinen Kreisbewegungen bearbeitet er nun die Schläfen. Der Raum ist verdunkelt und es riecht nach Rasierwasser.

Ömer beherrscht sein Handwerk seit über 30 Jahren: er ist Berber von Beruf. Täglich kommen viele Männer in seinen kleinen Laden am Hauptplatz in der Töpferstadt Avanos, um sich rasieren und die Haare schneiden zu lassen und, wie es das Berberhandwerk verlangt, auch eine Kopfmassage zu bekommen.

Seit ein paar Jahren aber haben Frauen mit verspanntem Nacken, Kopf- oder Rückenschmerzen Ömers Hände zu schätzen gelernt.

Besonders gestresste Frauen aus Europa schwören inzwischen auf seine Künste. So mancher Physiotherapeut, so meinen sie, könnte von Berber-Ömer eine Menge lernen.

Manchmal verlangen die Frauen sogar, dass er ihre Rückenbeschwerden behandelt. Dann aber guckt Ömer verlegen, denn sein kleiner Frisörladen mit großem Schaufenster ist nicht dafür ausgerichtet, dass die Frauen ihren Rücken entblößen. So müssen die Freundinnen und Ehemänner Wache stehen, die Vorhänge werden zugezogen und in Ömers Frisörladen ziehen die Frauen etwas verschämt die T-Shirts hoch. Mit leichten und auch stärkeren Kreis- und Druckbewegungen und hochkonzentriert macht sich der Berber nun daran, seinen Patientinnen Wohlbefinden zu verschaffen. Und es gelingt sogar fast immer! Frauen gehen meistens glücklich aus seinem Laden; manchen sind sogar die Sorgenfalten im Gesicht verschwunden, anderen laufen Freudentränen die rosigen Wangen herunter, nun schmerzfrei und entspannt.  Ömers Preis: schlappe 5,-€! Dass die Behandlungen auch von längerfristigem Erfolg sein können, das beweisen dann die Raki-Flaschen, die aus Dank im Berberladen abgegeben werden. Und so ist dann auch Ömer glücklich, denn seine Fähigkeiten, so sagt er, sind ganz normal für einen Berber! Nur den Nacken kurzfristig auszurenken, wie es früher immer zum Service gehörte, das verbieten ihm die Frauen, ganz unverständlicher Weise!

Susanne Oberheu
Eine Rasur und eine Massage beim Berber - diesen Luxus läßt sich der türkische Mann nicht nehmen
Eine Rasur und eine Massage beim Berber - diesen Luxus läßt sich der türkische Mann nicht nehmen

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Katharina, Margareta, Barbara und Dorothea

Sonntag, 17. April 2011 11:18

Wer kennt sie nicht, die vier Heiligen Frauen?!

 

Noch heute werden gern Mädchen nach ihnen benannt.

So manche glücklichen Eltern meinen, ihren Töchtern schöne deutsche Namen gegeben zu haben.

 

Ein deutscher Merkspruch lautet:

 

Margareta mit dem Wurm,
Barbara mit dem Turm,
Katharina mit dem Radl,
das sind die drei heiligen Madl.

 

Aber die „Madl“ sind nicht deutscher Herkunft!

 

Drei der Heiligen Frauen aus dem 3.Jahrhundert waren anatolische Damen aus der heutigen Türkei und eine kam sogar aus Afrika, aus Ägypten.

 

Alle waren Töchter aus besserem Hause, besonders schön und klug und sehr widerborstig. Ihr Leben hatten Sie Christus geweiht. Sie weigerten sich zu heiraten, was besonders ihre Verehrer sehr erboste. Dies hatte grausame Folgen, was sie schließlich zu den ersten Märtyrerinnen im Christentum machte.

 

Die Heiligen Jungfrauen lebten zu einer Zeit, als Anatolien und auch Ägypten unter der Knute der Römer stand, die erbarmungslos die neuen Christen bestraften.

 

Katharina wird vom griechischen Adjektiv katharos („rein“) abgeleitet und bedeutet demnach „die Reine“, „die Aufrichtige“. Die Heilige Katharina kam aus Alexandria in Ägypten, mit ihrer Schönheit und Klugheit betörte sie sogar den römischen Kaiser, den sie aber zugunsten ihres christlichen Gottes zurückwies. Das erboste den Kaiser so sehr, dass er sie erst in ein Verließ stieß und als das auch nichts half, sie mit zwei Rädern, die sie auseinander zu reißen drohten, folterte. Ein Engel kam ihr zur Hilfe. Schließlich wurde sie geköpft und aus ihren Wunden soll Milch geflossen sein. Nach ihr wurde das Katharinenkloster am Mosesberg im Sinai benannt, wo man ihre Gebeine fand, aus denen bis heute heilendes Öl fließen soll. Sie wurde zur Schutzpatronin der Gelehrten und Universitäten, aber auch der Töpfer und Frisöre u.s.w.

 

Margareta ist abgeleitet vom altgriechischen „margarites“ und bedeutet „die Perle“. Die Heilige Margareta lebte in Antiochia, das türkische Antakya an der Grenze zu Syrien. Ihr Vater missbilligte ihren christlichen Glauben und denunzierte sie. Der Richter verliebte sich in die Schöne. Doch auch sie lehnte mit Hinweis auf ihre Liebe zu Jesus Christus ab. Ins Verließ gestoßen wurde sie von einem Drachen bedroht. Das Kreuzeszeichen rettete sie aber, auch siedendes Öl konnte ihr nichts anhaben. Wie ein Wunder blieb sie unverletzt und wurde schließlich geköpft. Sie ist die Schutzpatronin der Schwangeren und wird gegen Unfruchtbarkeit angerufen. Die Anatolierin wird gern mit der germanischen Göttin der Ehe, Göttin Freya verglichen.

 

 

Barbara bedeutet im Griechischen „Die Fremde“. Die Heilige Barbara wohnte in der Nähe des heutigen Istanbuls, damals Byzanz, in dem Ort Nikomedia.

Auch sie war sehr schön und klug und wollte nicht heiraten. Ihr erzürnter Vater sperrte sie darauf in einen Turm. Aber das half nichts. Ihr Vater beschloss nun, sie zu töten. Sie konnte aber fliehen und sich in einer sich vor ihr öffnenden Felsspalte verstecken. Der Vater fand sie dennoch. Sie wurde grausam gefoltert und von ihrem Vater dann eigenhändig enthauptet. Die Heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Architekten und Maurer, des Technischen Hilfsdienstes und der Geologen, aber ganz besonders der Bergleute. Berühmt ist sie auch in deutschen Bergbaugebieten, wo bis heute an ihrem Namenstag, dem 4.Dezember in den Bergwerken ihr zu Ehren die Arbeit ruht. Pflückt man an diesem Tag einen Obstbaumzweig, so wird der in eine Vase gestellte so genannte Barbarazweig am Heiligen Abend blühen.

Im Göreme-Museum in Kappadokien ist der Heiligen Barbara eine eigene Kapelle geweiht: nur durch eine kleine Felsöffnung gelangt man in die Höhlenkirche und diese befindet sich direkt neben der Apfelkirche, die so heißt, weil hier einmal ein Apfelbaum gestanden haben soll. Und in Nikomedia sollte sich über 1600 Jahre später noch einmal die Erde bewegen: 1999 zerstörte ein großes Erdbeben die heute Stadt Izmit.

 

Dorothea bedeutet im Griechischen „Das Geschenk Gottes“. Die Heilige Dorothea wurde von einem römischen Stadthalter begehrt. Aber auch sie wollte nicht heiraten und Jesus Christus ganz alleine gehören. Der brüskierte Amtsmann war empört, ließ sie foltern und zum Tode durch Enthauptung verurteilen. Auf dem Weg zum Schafott spottete ein Heide namens Theophilus: „Ob denn ihr Bräutigam Jesus Christus der Braut auch Blumen und Früchte schenken würde?“. Da erschien ein Engel mit einem Körbchen voller Rosen und Äpfel. Theophilus war bekehrt und wurde mit Dorothea zusammen enthauptet.

Dorothea ist die Schutzpatronin der Gärtner, Blumenhändler, aber auch der Bierbrauer.

Der Grund liegt sicherlich darin, dass ihre Heimat das kappadokische Caesarea war. Bereits die hier lebenden Hethiter tranken gerne Bier und so hat das Bierbrauen in Kappadokien eine Jahrtausende zurückliegende Tradition. Das türkische Bier „EFES“ tut dem keinen Abbruch!

Susanne Oberheu
Weder Jungfruaen noch heilig: Susi, Fatma, Suse und Ingrid
Weder Jungfrauen noch heilig: Susi, Fatma, Susanne und Ilka

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Von Kappadokien brach ein Held auf, um das Böse in der Welt zu bekämpfen

Montag, 11. April 2011 13:05

Der berühmteste Heilige der Christenheit war Kappadokiertuerkei-kleinasien-kappadokien-kultur-reise-hoehlen-kirchen-georg-der-drachentoter1

 

Der Heilige Georg lebte zurzeit der Christenverfolgungen Ende des 3.Jahrhunderts in Kappadokien. In dieser Zeit erlitten die jungen Christen unter dem römischen Kaiser Diokletian besonders grausame Hinrichtungen und Folterungen. Auch der Heilige Georg musste viele furchtbare Martern überstehen, bis er schließlich daran starb.

 

Berühmt jedoch wurde er nicht als Märtyrer, sondern als Drachentöter!

Der Legende nach soll er eine Prinzessin vor einem bösen Drachen gerettet haben.

Schon vor dem Martyrium des Heiligen Georg war die Drachenlegende fester Bestandteil der Christenerzählungen gewesen wie u.a. im Johannes-Evangelium in der Offenbarung beschrieben:

 

„Ein Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen.

Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn…Und ihr Kind wurde zu Gott …

 

Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften,

aber sie konnten sich nicht halten und sie verloren ihren Platz im Himmel.

Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und mit ihm wurden seine Engel hinab geworfen….

Da geriet der Drache in Zorn über die Frau und er ging fort, um Krieg zu führen…..“

Johannes Offenbarung 12

 

 

Erst während der Kreuzzüge im Orient hörten die in den Krieg gegen die Sarazenen und zur Errettung der Christenheit Ausgezogenen von dem besonders schrecklichen Martyrium des Kappadokiers Georg: mit siedendem Öl und mit Nägeln sollen sie ihn traktiert haben, damit er von seinem christlichen Glauben abschwor, aber der Heilige Georg blieb standhaft und wetterte gegen die Römer.

 

Als die Kreuzzüge anfangs unter dem Banner des Erzengel Michaels nicht zum erhofften Erfolg führten, sah man sich nach einem neuen Erretter der Christenheit um, der die Kreuzritter in den Sieg führen sollte. Georg, durch sein Martyrium in Kleinasien bereits eine Berühmtheit, wurde zum Drachentöter und zum edlen Bezwinger des Bösen.

In seinem Namen wurde 1099 n.Chr. Jerusalem von den Christen erobert. Diese Eroberung war jedoch weniger edel, niemand in der Stadt soll dieses Massaker überlebt haben. Die Ritter sollen knöchelhoch durch Blut gewartet sein. Der Heilige Georg war aber nun berühmt.

 

Ab dem 12. Jahrhundert wurde dann der Kappadokier als der Strahlenste aller Retter und Heiligen der Christenheit gefeiert. Er wurde zum Sinnbild für Edelmut und Opferbereitschaft, im Kampf gegen das Böse und immer auf der Seite der Armen. Er wurde zum Schutzheiligen der Templer und des Deutschen Ordens, er war der persönliche Schutzpatron von Richard Löwenherz und ist bis heute Schutzpatron des englischen Könighauses. Der Ritter Sir Galahad von der berühmten Tafelrunde geht als reinster und edelste Ritter auf die Figur des Heiligen Georg zurück. Die Moslems verehren ihn als Prophet.

 

Georg der Drachentöter ist außerdem der Schutzheilige von England, Portugal, Tirol, Moskau, London, Barcelona, Istanbul und Rio De Janeiro, aber auch Freiburg und Eisenach in Deutschland u.s.w…..

 

In Kappadokien wird er zusammen mit seinem Bruder Theodor fast in jeder Kirche mit Malereien in großen Freskenbildern dargestellt.

 

Aber der Heilige Georg ist nicht nur Schutzpatron der Ritter und Soldaten, sondern auch der Pfadfinder, Reiter und Wanderer:

 

Wo also sonst könnte sich heute der Wanderer sicherer fühlen als in Kappadokien, der Heimat des berühmtesten aller Schutzheiligen. Und da er außerdem auch noch für das gute Wetter zuständig ist, gibt es wohl keinen besseren Ort, um als Pfadfinder zu Pferd oder zu Fuß die Landschaft Kappadokiens zu erkunden.

Susanne Oberheu

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Die prächtigsten Höhlenkirchen von Göreme

Dienstag, 5. April 2011 10:36

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Die „Dunkle-“ und die „Schnallen“-Kirche:

 

Zu den schönsten Kirchen Kappadokiens, die bisher gefunden wurden, gehören die Dunkle- und die Schnallen-Kirche im Freilicht-Museum von Göreme. Ihre Farbenpracht und ihren guten Zustand verdanken sie tatsächlich der Dunkelheit. Von Menschen unentdeckt hatten diese Kirchen in der unterirdischen Felsenlandschaft von Kappadokien einen 1000-jährigen Schlaf geschlummert, bis kappadokische Schäfer einen kleinen Zugang im Berg fanden und ihn frei räumten. Durch das fehlende Tageslicht haben die wertvollen Fresken dieser Kirche die lange Zeit gut überstanden.  

Die „Dunkle Kirche“ stammt aus dem 11.Jahrhundert und gehört zu den am prächtigsten ausgestatteten Kirchen Kappadokiens. Sie stammt aus einer Zeit, als ein Kappadokier als Kaiser in Konstantinopel das große byzantinische Reich für kurze Zeit befrieden konnte, Kappadokien ausnahmsweise einmal nicht umkämpftes Grenzgebiet war und weder Araber noch Perser die verschreckten Menschen ständig in die unterirdischen Städte trieben. Reiche Stifter und hervorragende Künstler gaben sich in dieser Friedensperiode die Klinke in die Hand. Es war eine wahre Blütezeit, aus der diese reich ausgestatteten Kirchen stammen.

Ende des 11.Jahhunderts fielen bereits neue Eroberer nach Kappadokien ein: die turkmenischen Seldschukken entrissen nun für immer die Region dem christlich-byzantinischen Machtbereich. Das tat dem christlichen Mönchsleben in Kappadokien allerdings kaum Abbruch. Die Seldschukken herrschten tolerant und so entstanden weitere prächtige Kirchen.

Entgegen der Ausschilderung im Göreme-Museum stammt nämlich die neue Tokali (Schnallen-)Kirche nicht aus dem 11. sondern aus dem 13.Jahrhundert, wie die deutsche Kunsthistorikerin, Hanna Wiemer-Enis in ihrer Dissertation beweisen konnte.

Selbst dem Laien scheint es schon ganz unwahrscheinlich, dass diese dicht beieinander liegenden Höhlenkirchen aus derselben Epoche stammen sollten: hier der Pantokrator, dort Jesus am Kreuz in der Hauptapsis. Außergewöhnlich ist auch die liebkosende Maria, Maria Eleusa, in der Tokalı Kirche. Szenen aus Jesu Leben sind ganz unterschiedlich dargestellt und kombiniert.

Bedenkt man, dass die byzantinische Malerei wie auch die Ikonenmalerei 1000 Jahre lang sehr strengen immer gleich bleibenden Regeln unterworfen war, so sind die Unterschiede zwischen der „Dunklen-“ und der „Schnallen“(Tokalı)-Kirche erheblich. Natürlich gab es Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte und auch regionale Eigenheiten. Dennoch gilt der byzantinische Stil als statisch und ist genau deshalb als oberflächlich und zurückgeblieben im Westen immer wieder verkannt worden. Tatsächlich aber vermitteln die griechisch-orthodoxen Fresken und Al-Secco-Malereien des byzantinischen Reiches eine sprituelle Tiefe, die in unserer westlichen materiellen Welt fast verloren gegangen scheint.

Leider läßt der große Besucherstrom, der diese kleinen Kirchen heute besucht, keinerlei Spriritualität mehr zu. Laut ist es geworden in den heiligen Kappellen und Kirchen. Man muss die Zeiten kennen, während der man manchmal ganz allein in dieser Pracht stehen kann und dann erfasst den Betrachter ein leichter Schauder und er ahnt, dass diese Ausschmückungen ganz und gar nicht oberflächlich sind.

Susanne Oberheu

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Kappadokien in der Steinzeit

Freitag, 1. April 2011 10:45

Inzwischen weiß der Kenner, Kappadokien steht für viele Superlative: Zentrum des ersten indoeuropäischen Großreichs,die erste Formulierung einer Menschenrechts-Charta, die größten Mystiker des Islams und des Christentums, das erste christliche Glaubensbekenntnis, die erste Kanonisierung der Bibel, und natürlich die einzigartige Erosionslandschaft mit ihren Tausenden von Wohnhöhlen und Höhlenkirchen.

Die Vulkane, die unter anderem für diese Landschaft verantwortlich sind, sind schon seit Tausenden von Jahren erloschen.

 

Und nun kommt die nächste Superlative:

Menschen haben den Hasan Dağı gezeichnet, als dieser noch aktiv war!

 

Die erste Landschaftszeichnung der Welt zeigt den eruptierenden Vulkan Hasan Dağı in Kappadokien. Gezeichnet von einem Künstler vor über 8000 Jahren in Catal Höyük, der ersten bekannten Siedlung der Menschheit, ca. 150 km entfernt.

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Die Doppelspitze des Hasan Vulkans 6200 v.Chr. gezeichnet während eines Ausbruchs. Man erkennt deutlich den Ascheregen und die Auswürfe aus den Schloten. Im Vordergrund die erste bekannte Stadt der Welt: Catal Höyük.

Susanne Oberheu

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Die Ortschaften von Kappadokien

Dienstag, 29. März 2011 8:16

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Kappadokien für den Besucher - das sind 7 kleine und größere Ortschaften in und um den Nationalpark Göreme

 

Der heute touristische Begriff Kappadokien betrifft nur noch eine Region von ca. 400 km2. In seiner größten Ausdehnung zur Zeit des Römischen Reiches überzog Kappadokien einen großen Teil ganz Zentral-Anatoliens. An Kappadokien kam niemand vorbei, der vom Orient nach Europa wollte und umgekehrt.

 

Wenn der Besucher heute nach Kappadokien kommt, meint er damit 7 kleine und ganz kleine Ortschaften, in denen sich die Einwohner auf die Gäste mehr oder weniger eingerichtet haben:

 

1.) Der Hauptort Göreme, nach dem der Nationalpark benannt wurde, ist eigentlich nur ein Dorf mit etwa 2500 Einwohnern. Es hat aber die spektakulärsten Feenkamine und Felswohnungen von ganz Kappadokien zu bieten. Der Dorfplatz wirkt skurril und unwirklich durch seine natürliche Architektur. Und hier befindet sich das berühmte Göreme-Freilicht-Museum mit den schönsten Kirchen und den wertvollsten Fresken. Göreme ist die erste Anlaufstelle für jeden Touristen. 150 Pensionen und Hotels, dazu Restaurants, Bars und Geschäfte haben sich auf den ausländischen Besucherstrom eingestellt; die wichtigsten Täler sind von hieraus zu Fuß zu erreichen.

 

2.) Der größte Ort im Dreieck „Kappadokien“ ist Ürgüp mit ca. 16.000 Einwohnern. Auch hier gibt es ein gutes touristisches Angebot mit weltstädtischer Atmosphäre. Manche Bar und manches Restaurant haben Istanbuler Standard. Eine gigantische antike Felswand erinnert daran, dass die Ürgüper mal in Höhlen gewohnt haben. Heute sieht man vorwiegend schön restaurierte alte osmanische Villen, in denen die Einheimischen leben oder schöne Hotels untergekommen sind. Ürgüp hat im Unterschied zu Göreme ein eigenes türkisches Stadtleben, das aber sehr westlich geprägt ist.

 

3.) Der nächst größere Ort ist die Töpferstadt Avanos, gelegen am Roten Fluss mit etwa 12.000 Einwohnern. Die Altstadt des Ortes wirkt verschlafen, während sich in der Peripherie ähnlich wie in Ürgüp Hotels, Verkaufshallen und Animateurbetriebe für den Massentourismus breit gemacht haben, deren Gäste aber die schöne Innenstadt kaum besuchen. Bekannt ist Avanos durch seine vielen Töpferhöhlen. Kleine Pensionen und Hotels gibt es hier nur eine Hand voll und so bleibt das Leben im Kern türkisch. Aber es gibt etliche Lokantas, Cafes, Teehäuser und sogar Bars mit Live-Musik, die sich in der Altstadt und entlang des Flussufers ganz auf den türkischen Gast eingestellt haben.

 

4.) Der schönste Ort ist sicherlich der kleine Ort Uçhisar mit etwa 3500 Einwohnern. Hier befindet sich einer der beiden berühmten Felsenburgen, die weit über den Ort und die Landschaft ragen. Am Hang gelegen mit einer der schönsten Aussichten, die Kappadokien zu bieten hat, haben sich inzwischen einige Luxushotels in die alten Höhlenhäuser eingenistet, mit Preisen von bis zu 1.000,-€ für eine Übernachtung, Höhlensuite mit grandiosem Blick und Whirlpool inklusive. Das Dorfleben beschränkt sich auf eine Straße oberhalb des Hanges und hat ein bescheidenes Angebot. Restaurants, Cafes oder Bars außerhalb der Hotels gibt es kaum.

 

5.) Der Ort Ortahisar mit ebenfalls 3500 Einwohnern ist berühmt durch die zweite verlassene Felsenburg als höchster Punkt in der Landschaft. Dieser Ort ist noch ganz dörflich, wenige Pensionen und kleine Hotels haben sich im Tal in den alten verlassenen Höhlenhäuser niedergelassen. Hier besteht noch ein echtes Dorfleben mit kleinen Geschäften, Lokantas, Teehäusern. Nur vor der Felsenburg sammeln sich die Touristenbusse zu bestimmten Tageszeiten. Als Attraktion hat Ortahisar außerdem die unterirdischen Vorratskammern, die bis heute genutzt werden.  

 

6.) Der kleinste Ort ist Cavuşin mit nur 700 Einwohnern, einigen kleinen Restaurants, Souvenirständen und ein paar Pensionen. Auch hier beeindruckt eine riesige von der Erosion freigelegte Felswand, in denen die Bewohner noch bis 1961 in ihren Höhlenwohnungen lebten. Vor hier aus geht ein Wanderweg in eines der schönsten Täler Kappadokiens, in das Rosental.

 

7.) Der ehemals griechische Ort Mustafapaşa mit 2000 Einwohnern liegt etwas außerhalb des kappadokischen Dreiecks, südlich von Ürgüp. Er unterscheidet sich von allen anderen kappadokischen Ortschaften durch sein an Griechenland erinnernden Dorfkern mit einer großen alten Kirche, einem Cafe mit dem griechischen Namen „Ellena“ und die reich verzierten Tuffsteinhäusern der 1923 vertriebenen Griechen. Dieser Ort ist klein und verschlafen und scheinbar abseits des kappadokischen Trubels. Dennoch gibt es auch hier inzwischen einige schöne kleine Hotels und Pensionen und einige Souvenirstände.   

 

 

 

So bietet Kappadokien nicht nur in jedem neuen Tal Überraschungen und neue Sichtweisen einer erodierenden Landschaft. Auch jeder der 7 Orte hat etwas ganz Eigenes und unterscheidet sich von den anderen. Darauf bestehen auf jeden Fall die Einwohner der Ortschaften. Kappadokier wie alle Türken sind Lokalpatrioten. Kein Einheimscher würde sagen, er käme aus Kappadokien! Ein „Avanoslı“ möchte sich auf gar keinen Fall mit einem „Göremeli“ verwechselt sehen und umgekehrt.

Sie sind alle Türken, aber zwischen den Ortschaften liegen Welten!

So wie Türkischstämmige in Deutschland zwar sagen, sie seien Türken, aber ihre Stadt, zu der sie gehörten, das wäre Dortmund oder Berlin.

Also überlegen Sie sich als Besucher, bei wem Sie zu Gast sein wollen: Kommen Sie in Göreme unter, so schlägt Ihnen in Ortahisar vielleicht etwas Unverständnis entgegen und natürlich umgekehrt.

Susanne Oberheu

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Keine Angst vorm Teppichkauf

Freitag, 25. März 2011 12:07

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Wie betrete ich ein Teppichgeschäft,

ohne den listigen Methoden gewiefter Teppichhändler ausgeliefert zu sein?

6 Regeln!

 

 

1. Regel:

Vergessen Sie Ihre Anonymität!

Niemand kann sich oder seine Absichten vor Teppichhändlern verstecken.

Teppichhändler sind die besten Psychologen und wissen schon über Sie Bescheid, da wissen Sie noch gar nicht, ob Sie den Laden überhaupt betreten wollen. Schon vor der Tür gehen Sie eine Beziehung zum Teppichhändler ein. Umso offener und direkter Sie auftreten, desto mehr fühlt sich ein Teppichhändler an seiner Ehre gepackt. Seien Sie Sie selbst!

 

2. Regel:

Glauben Sie nicht, einem Teppichhändler etwas vormachen zu können!

Wenn er Sie sieht, kennt er Ihre Schuhgröße, Ihre Nationalität, oft auch Ihren Beruf und vor allem hat er eine klare Vorstellung von Ihrem Bankkonto, egal was Sie beteuern oder beschwören. Außerdem sind die meisten Teppichhändler sehr gebildet, sprechen mehrere Sprachen, haben oft studiert und sind viel gereist und kennen die Kultur ihrer Kunden. Wenn Sie sein Teppichgeschäft betreten, ist er Ihnen weit überlegen. Benutzen Sie sein Wissen, quetschen Sie ihn aus!

 

3. Regel: 

Seien Sie freundlich!

Desto abweisender und unfreundlicher Sie sind, umso mehr zieht Sie der Teppichhändler über den Tisch, ohne dass Sie es merken. Oder er zeigt Ihnen nur wertlose Ware, die Sie in jedem heimischen Kaufhaus kriegen könnten. Gute und wirklich schöne Teppiche zu kaufen, setzt ein Vertrauensverhältnis zwischen Käufer und Verkäufer voraus. Und lassen Sie sich ruhig in die traumhafte Welt der Teppichkunst einführen.

 

4. Regel:

Lassen Sie sich nicht erpressen!

Selbst nach 4 Stunden Teppich-Vorführung, 100 gezeigten Teppichen, Unmengen von Tee und Wein und einer großartigen Beköstigung, trauen Sie nur ihrem Bauchgefühl für einen Teppich! Können Sie sich nicht entscheiden, dann gehen Sie einfach. Sie sind moralisch an kein Geschäft gebunden. Und wenn der freundliche Teppichhändler Sie dann noch abends zum Essen oder in sein Haus einlädt, sagen Sie ruhig zu, aber kaufen Sie keinen Teppich, wenn er Ihnen nicht gefällt.

 

5. Regel:

Kaufen Sie nur Teppiche, in die Sie sich wirklich verliebt haben!

Hand gewebte und geknüpfte Teppiche sind ein Traum, echte Unikate und wahre Kunstwerke, die jede Wohnung verschönern. Die Türkei ist berühmt für ihre Teppiche. Wirklich schöne und gute Handarbeiten aus Privatbesitz und nicht aus der Manufaktur werden immer seltener, da die junge türkische Frau inzwischen andere Interessen hat, als jahrelang zuhause vor einem Webstuhl zu hocken. Deshalb lohnt sich immer der Gang in ein Teppichgeschäft, besonders in Kappadokien. Lassen Sie sich die schönen Stücke in Ruhe zeigen, schwelgen Sie, trinken dazu Tee oder auch mal einen Rakı und genießen Sie die Vielfalt dieser Handarbeiten. Und irgendwann erscheint dann der Teppich Ihres Lebens vor Ihren Augen. Lassen Sie sich ganz offen von dem erfahrenen Händler beraten, aber nie erpressen. Kaufen Sie nur, wenn Sie ohne diesen Teppich den Laden nicht mehr verlassen wollen.

 

6. Regel:

Preisverhandlungen sind ein Muss!

Desto distinguierter Sie auftreten, umso teurer wird der Teppich. Der Preis eines Teppichs entscheidet sich oft nach dem Käufer und nicht nach dem Produkt. Setzen Sie sich eine feste Preis-Obergrenze und dann verhandeln Sie: 20% Preisnachlass sind mindestens drin. Aber kaufen Sie keinen Teppich als Wertanlage, da Sie den wirklichen Marktwert meistens nicht kennen können. Dazu bräuchten Sie ein unabhängiges Wertgutachten. Teppichhändler halten sich nicht an tatsächliche Marktwerte: 1000 % Gewinn ist keine Seltenheit.

Lassen Sie sich Zeit bei Ihren Entscheidungen.

Bei Kauf erhalten Sie schließlich ein Zertifikat für Ihre Hausrat-Versicherung. Das bedeutet aber nicht, dass der genannte Betrag darin auch in etwa dem wirklichen Wert entspricht. Das garantiert Ihnen ohne Wertgutachten keiner. Umtauschrecht gibt es in der Türkei nicht; ein Gesetz gegen Wucherei auch nicht! Und noch ein wichtiger Hinweis: In Kappadokien gibt es außer die kleinen als Familienbetrieb geführte Teppichläden auch große Verkaufshallen, in denen bis zu 100 Teppichhändler und eine unbegrenzte Auswahl an Teppichen auf die Bus-Touristen warten. Da diese meistens keine Preisvergleiche anstellen können, sind hier die Teppiche wesentlich teurer als in den kleinen Läden. Dies hat zur Folge, dass die kleinen Teppichhändler ihre Kunden lieber in die großen Verkaufshallen “schleppen”, als eigene Teppiche zu verkaufen; die Provision, die sie dort bekommen überschreitet sogar die Gewinnspanne beim Verkauf eigener Teppiche! Meiden Sie also die großen Verkaufshallen, da hier die Preise besonders hoch sind!

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Grundsätzlich sollten Sie in kleinen Läden nur den betreffenden Teppich kaufen, wenn er, egal mit welchem Marktwert, Ihrer Meinung nach das schöne Stück ist, für das Sie diesen Preis auf jeden Fall opfern würden.

Und da werden Sie staunen, welch wunderschöne Handarbeiten ganz günstig zu haben sind! 

 

Die 3 wichtigsten Kriterien, die den Preis eines Orient-Teppichs bestimmen:

 

1. Das Alter:

Umso älter ein Teppich, desto wertvoller.

Das Alter, ob 50 Jahre alt oder 100 Jahre, kann den Preis eines Stückes vervielfachen

 

2. Die Einzigartigkeit:

Umso seltener eine Teppichart, desto wertvoller.

Hier ist der Preis-Obergrenze kein Limit gesetzt, eben wie ein Gemälde von Van Gogh

 

3. Die Qualität:

Die Feinheit der Arbeit und die Qualität des Materials entscheiden über den Preis

 

 

 

Gar nicht oder weniger wichtig ist:

 

1. Ob der Teppich heile ist:

Eine gut restaurierte Arbeit vermindert den Wert eines Teppichs nicht.

Besonders wertvolle alte Teppiche sind oft zerschlissen und fadenscheinig. Es gibt Teppiche, die der Laie wahrscheinlich als zerfetzten Lappen zum Müll geben, während der Kenner dafür 100.000,-€   bezahlen würde.

 

2. Ob die Handarbeit fehlerfrei ist:

Fehler werden im Orient grundsätzlich mit eingewebt (Nur Allah ist vollkommen!).

Hat ein Teppich oder Kelim keinen Fehler, so ist es wahrscheinlich eine Maschinenarbeit und damit nichts wert.

 

 

 

 

Als Kenner erwartet Sie in Kappadokien eine unbegrenzte Auswahl von Orient-Teppichen, Kelims, Dschidschims, Sumaks etc.

Und mancher unscheinbarer Teppichladen verbirgt in seinem Inneren Werte von mehreren hundert Tausend Euro. Suchen Sie besonders wertvolle Stücke, so fragen Sie den Teppichhändler danach, weil diese meistens im Safe oder sehr gesondert aufbewahrt werden, jedenfalls nicht für jedermann sichtbar.

Susanne Oberheu

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Ballonfahren in Kappadokien - eine Herausforderung

Montag, 21. März 2011 11:38

Ballonfahrten in Kappadokien- das Ende einer Ära

 

 

 

 

 

Die Begründer von Kapadokya Balloons gehen in den Ruhestand.

 

Nach über 20 Jahren Ballooning verlassen die Begründer, Pioniere und besten Piloten der Ballonfahrt in Kappadokien, Kaili Kidner und Lars Eric Möre, die Region und wollen ihren Lebensabend ganz anders verbringen: nicht mehr in der Luft, sondern auf dem Wasser. An der Küste bei Antalya wartet ein Boot auf die beiden, auf das sie die nächsten Jahre die Weltmeere erkunden wollen.

 

Das Ende einer Ära, in der sich Besucher der beiden sicher gehen konnten, das Beste an Ballonfahrt zu bekommen, das sie sich wünschen konnten.

 

Vor über 20 Jahren waren Kaili, gebürtige Engländerin und Lars, gebürtiger Schwede, die ersten, die die Einwohner von Kappadokien früh morgens aus der Luft weckten, wenn sie unter einer riesenhaften Hülle lautstark den Gashahn aufdrehten.

Über 20 Jahre brachte die Engländerin Kaili Kidner die Besucher Kappadokiens in Entzücken und Staunen

Über 20 Jahre lang brachte die Engländerin Kaili Kidner die Besucher Kappadokiens in Entzücken und Erstaunen

 

 

Als Angestellte fingen sie im kappadokischen Robinson Club an, machten sich dann 1991 selbstständig in Göreme und bauten schließlich eines der erfolgreichsten Unternehmen Kappadokiens auf. Kein Bildband, kein Reise- oder Fernsehbericht, kein Reiseführer, der sie nicht erwähnte. Ihre Ballons sind zum Markenzeichen Kappadokiens geworden.

Weltweit pilgerten weitere Ballonpiloten nach Kappadokien. Amerikanische Piloten aus dem Grand Canyon kamen in Kappadokien nicht mehr aus dem Staunen: eine größere Herausforderung an den Piloten als in den engen Schluchten dieser Erosionslandschaft, in der immer wieder ein kleiner Feenkamin die Durchfahrt versperrt, konnte es nicht geben.

 

Kaili und Lars gewannen international die besten Piloten für sich, die aus Australien, England und Österreich hier zeitweise eine neue Heimat fanden.

 

Der Touristenstrom, der in Kappadokien bei ihnen eine Ballonfahrt unternehmen wollte, wurde immer größer, die Nachfrage stieg, das Unternehmen expandierte. Aber auch weitere Ballongesellschaften wurden von Türken gegründet. Die Nachfrage war einfach nicht zu sättigen. Heute steigen morgendlich bis zu 40 Ballone in den kappadokischen Himmel. Ihre Körbe tragen im Schnitt 15 bis 20 Personen, der Preis liegt bei 150,-€ pro Person. Also mindestens 600 Menschen täglich von April bis November gehen in die Luft und bezahlen dafür täglich 90.000,-€. Damit ist die Ballonfahrt in Kappadokien zum größten Wirtschaftsunternehmen der Region geworden.

 

Kaili und Lars nehmen es gelassen. Sie haben hart für ihr Geld gearbeitet. Eine verrückte Idee vor 20 Jahren machte sie erfolgreich und berühmt. Jetzt genießen sie ihre Ruhe fernab der vielen Menschen auf den Weiten der Meere.

 

Für die Touristen bleibt jedoch ein Dilemma zurück. Welcher der türkischen Piloten kann ihnen das Wasser reichen? Allein die Erfahrung fehlt ihnen oft. So verkommt eine Ballonfahrt manchmal zum schlichten Abheben und wieder Landen, weit weg von allen Tälern und Schluchten und Feenkaminen.

 

Dennoch empfehlen wir immer noch eine Ballonfahrt, da auch ohne Akrobatik der Blick aus der Höhe über die kappadokische Landschaft das Atemberaubendste ist, was eine Ballonfahrt bieten kann.

 

Und wir sind auf der Suche nach den besten Piloten, die uns eines Tages wieder dieses unvergleichliche Gefühl des Eintauchens in eine der spektakulärsten Landschaften der Erde vermitteln, wie Tauchführer im Roten Meer.

 

Susanne Oberheu & Michael Wadenpohl, Kappadokya Travel

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Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf einen Blick

Freitag, 18. März 2011 10:23

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1.       Verlassene Höhlendörfer

2.       Große und kleine Klosteranlagen, tief verborgen hinter Fels aus der Frühzeit des Christentums

3.       Höhlenkirchen der ersten Christen

4.       Wertvolle byzantinische Fresken

5.       Unterirdische Städte, in denen die Menschen schon vor Jahrtausenden Zuflucht suchten

6.       Jahrhundert alte kappadokische Tuffsteinhäuser

7.       Türkische Wohnkultur und Lebensart

8.       Griechische Dörfer und deren wunderschön verzierten Häuser aus Tuff

9.       Seldschukische Karawanserei aus dem 11. Jahrhundert und Kappadokien als Verkehrsknotenpunkt der antiken Handelswege

10.   Römische Ausgrabungen

11.   Hethitische Gräber

12.   Alevitische Heiligtümer

13.   Osmanische Bauten der letzten Jahrhunderte

14.   Heilende Thermalquellen und Maare als letzte Zeugnisse vulkanischer Tätigkeiten der größten Vulkane Anatoliens nach dem Ararat: Die erloschenen Vulkane Erciyes und Hasan-Dağı

15.   Die zu bizarren Felsformationen erodierte Vulkanlandschaft Kappadokiens

16.  Wanderungen durch die unzähligen fruchtbaren Täler und Schluchten Kappadokiens, entlang der Höhlen, Höhlenkirchen, antiken Wohnanlagen und den wunderschönen Gärten der Einheimischen

17.   Die hochragenden Felsenburgen von Uçhisar, Çavuşin und Ortahisar

18.   Die Höhlen und Kirchen des Mönchstals Zelve

19.   Die berühmten Feenkamine von Paşabağı

20.   Die skurrilen Felskegel von Aşkdere

21.   Die verzierten Taubenschläge vom Taubental und Çat-Tal

22.   Die unterirdischen Vorratshallen von Ortahisar

23.   Die seltsamen Felsformationen des Devrent-Tals

24.   Die spektakuläre Ihlara-Schlucht

25.   Das farbenprächtige Rosental, das romantische Balkantal, das abenteuerliche Zemi-Tal u.a.

26.   Die berühmten Fresken im Open-Air-Museum von Göreme

27.   Die Touristenzentren mit ihren Souvenirläden und Restaurants von Göreme und Ürgüp

28.   Die Fast-Millionenstadt Kayseri, das berühmte antike Caesarea des Römischen Reiches

29.   Den traditionellen Töpferort Avanos mit seinen unzähligen Höhlentöpfereien - am längsten Fluss der Türkei gelegen, dem Kizilirmak, bekannt in der Antike als Halys, den Krösus überschritt

30.   Den über ganz Kappadokien verteilten traditionellen Handwerken wie Teppichknüpferei, Töpferei und Weinanbau sowie Onyxverarbeitung - da wo sie arbeiten, nicht wo sie verkaufen!

31.   Die seit Jahrhunderten existierenden Basare, auf die der Tourismus noch keine Auswirkungen hat

32.   Die örtliche Küche, Kochkunst in handgefertigten Töpfen aus Avanos in einheimischen Lokantas. Der örtliche Wein aus Kappadokien, einem durch Hitze, Kälte und Kalkböden ausgezeichneten Weinanbaugebiet.

 

 

Abseits der Touristenpfade können Sie die paradiesische Stille der Natur genießen oder das echte kappadokische Leben. Die kleinen Gruppen machen eine ganz individuelle Erfahrung Kappadokiens möglich. Dabei wird kein Programm stur absolviert: Ziel ist ein stressfreier und interessanter Tagesablauf ohne Terminkalender. Die traumhafte Landschaft Kappadokiens bietet beste Voraussetzungen, um einmal die Seele baumeln zu lassen, aber mit Tiefgang! Authentizität ist das Motto!

Die Tagestouren

 

Die Tagestouren beginnen gemütlich nach dem Frühstück um ca. 9.30 Uhr.

Je nach Themenschwerpunkt werden sie geführt von Susanne Oberheu oder Michael Wadenpohl. In der Regel steht ein Geländewagen zur Verfügung, für größere Gruppen ein Kleinbus. Susanne Oberheu mit Schwerpunkt Geschichte, Kunst, Kultur und Religion sowie

Michael Wadenpohl als Wanderführer mit Schwerpunkt Geologie, Vulkanologie und Architektur werden Ihnen ein abwechslungsreiches Tagesprogramm bieten.

Sie führen Sie an die schönsten Stellen Kappadokiens und zeigen Ihnen Geheimtipps, die in keinem Reiseführer (auch nicht ihrem eigenen!) vermerkt sind! 

 

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Meltingpot Anatolien / Schnittstelle Kappadokien

Montag, 14. März 2011 19:12

Schmelztiegel der Kulturen

 

Man kann sagen, jeder wollte mal nach Anatolien und die meisten blieben.

 

Die ersten nachweislichen Einwanderer waren vor fast 4000 Jahren Indogermanen, die über den Kaukasus ins Landesinnere drängten und ein Weltreich gründeten, die Hethiter.

Wer zu der Zeit schon dort wohnte, ist unbestimmt. Aber die Ausgrabungen in Catal Hüyük unweit von Kappadokien belegen: Hier gab es die ersten weltweit menschlichen Siedlungen vor 8000 Jahren. Anatolien war schon immer bewohnt. Die Einheimischen, wer sie auch immer waren, verschmolzen dann mit den Neuankömmlingen. Als nächsten weiß man, dass ein Bauernvolk vom Balkan auf die anatolische Hochebene mit Sack und Pack kam und sich für immer niederließ, die Phrygier.

An den Rändern Anatoliens machten sich die Griechen breit, wir wissen das von Homer, der von Troja berichtete. Aber auch die Einfahrt vom Kaukasus blieb belebt. Die Skyten jagten die Kimmerer vor sich her, auch die blieben, und den Skyten schien es im östlichen Anatolien auch gut zu gefallen. Seit langem hatten auch schon die Semiten von der arabischen Halbinsel nach Anatolien geschaut, mit denen sie bereits seit Jahrhunderten Handel betrieben. Bis Kappadokien konnten die Assyrer Ihr Großreich ausdehnen.

Bis dann die Perser kamen, erst zaghaft, dann gewaltig die Achämeniden und ganz Anatolien in ihr Reich eingliederten. Sie bauten die Seidenstraße und ermöglichten noch mehr Zuwanderungen aus Asien und Europa. Irgendwann kam dann wieder die Stunde der Griechen. Ganz Anatolien wurde nach Alexander dem Großen griechisch. Das hielt aber nicht die Kelten davon ab, auch einmal vorbeizuschauen und zu bleiben: die Galater der Paulusbriefe sind Kelten, Nachbarn der Kappadokier. Und schließlich wollten dann auch die Römer Kleinasien, wie sie es nannten, und zwar ganz, weswegen sie sich für Jahrhunderte mit den Persern darum schlugen. Die einheimischen Griechen nahmen es gelassen. Römisch-persisch-griechische Kultur, nomadisch unterwandert wurde in Anatolien gepflegt, immer wieder bedroht von einfallenden und plündernden Horden. Die Hunnen und selbst die Goten schauten auch mal kurz vorbei, gingen aber wieder, beladen mit Beute und so manchem verschleppten Kappadokier. Einer dieser kappadokischen Nachkommen war Wulfila, der erste Bischof der Goten, der den Wilden in Europa das Christentum und die Schrift brachte. 

Dann kamen wieder die Semiten, aber diesmal mit einer religiösen Mission, dem Islam. Die Araber kamen zunächst nur bis Kappadokien, das sie aber nicht in Ruhe lassen wollten. Der Westen kämpfte erbittet um jeden Meter, musste sich aber schließlich weit zurückziehen. Von allen Seiten im Osten kamen nun Turkvölker, die vor den Mongolen aus Zentralasien flüchteten. Auch die wollten nach Anatolien, aber die wollten ja überall hin und gingen dann nach ausgiebigen Plünderungen auch wieder, jedenfalls die meisten. Als sich dann der Turkstamm der Osmanen in Anatolien etablierte, war es mit der westlichen griechisch-römischen Macht bald vollends vorbei, dennoch blieben die meisten Griechen, Römer, Slawen, Gallier oder wie sie sich auch immer nannten.

Seitdem herrscht Ruhe.

Seltsamerweise sind all die Völker nach Anatolien gekommen, man weiß aber nur von den Hunnen, Goten und Mongolen, dass sie auch wieder gingen. Alle anderen blieben und vermischten sich mit der ansässigen Bevölkerung.

Der griechische Ort Mustafapasa heute von Griechen verlassen. Aber vielleicht ist dieser Türke ja ein bischen griechisch oder slawisch oder semitisch oder persisch. Wer weiß das schon.
Der griechische Ort Mustafapasa ist heute von christlichen Griechen verlassen. Aber vielleicht ist dieser Türke ja ein bischen griechisch oder slawisch oder semitisch oder persisch. Wer weiß das schon.

So kann man wohl heute mit Recht behaupten, dass wohl kaum ein Land derartige Anziehungskraft auf fremde Völker ausübte. Anatolien war über Jahrtausende hip, jeder wollte sich dort niederlassen! Und die heutigen Türken haben wahrscheinlich den größten Genpool der Welt! Kappadokien aber war die Schnittstelle und daher auch immer wieder militärische Front. Dieses mag der Grund sein, warum die Kappadokier, die ebenfalls nicht weg gehen wollten, sich lieber in die Erde gruben, um sich so vor den ständigen Überfällen zu schützen -  in den unterirdischen Städten.Susanne Oberheu

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Tourismus in Kappadokien vor 25 Jahren

Mittwoch, 9. März 2011 15:13

Susanne Oberheu 1994 allein unterwegs in der Türkei.

Susanne Oberheu allein unterwegs in der Türkei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie die kappadokischen Männer den “jungen” Tourismus kennenlernten:

 

Westliche Touristinnen wagen sich nur selten allein, wenn überhaupt, in ein islamisches Land. Sie befürchten zu große Einschränkungen in ihrer Bewegungsfreiheit und auch unangenehme Begegnungen mit muslimischen Männern, da der Islam dem Mann gegenüber Frauen ein Verhalten erlaubt, das in der westlichen Welt undenkbar wäre. Frau weiß, der islamische Mann hat keinen Respekt vor Frauen.  

So das traditionelle Vorurteil!

 

Ganz besonders junge Touristinnen erwarten aber von ihrem Urlaub nicht nur Erholung unter südlicher Sonne, sondern natürlich wollen sie auch Partys machen, ausgehen, tanzen, aus sich herauskommen können: eben alles, was hilft, den heimischen Alltagsstress abzubauen  - dazu ist Urlaub da, endlich der täglichen Kontrolle und den gesellschaftlichen Normen zuhause zu entfliehen.

 

Frau ahnt, dieses ist natürlich mit muslimischen Männern nicht möglich, ohne Gefahr zu laufen, im glimpflichsten Fall unangenehm angebaggert zu werden.

 

Die einheimischen Männer dagegen stecken mittendrin in ihren täglichen Normen und Regeln, nach denen sie auch zunächst versuchen, ihre Gäste zu empfangen. Dass aber Touristen keinen normalen Gäste sind, konnten die Türken in den Anfängen des Tourismus in Kappadokien noch nicht ahnen.

 

Hierzu möchte ich aus der Anfangszeit des Tourismus in der Türkei berichten: 

 

 

In Kappadokien verbrachten mein Freund und heutiger Ehemann Michael und ich in den Jahren 1986 und 1987 viele Monate und wir kamen bei unserem Freund Mustafa unter, der in Deutschland groß geworden war, aber mit 17 Jahren wieder in die Türkei zurück musste. Wir erinnerten ihn an seine Teenagerzeit, als er in den 70er Jahren seine Jugend in Deutschland genoss. In diesen Monaten bei Mustafa gammelten wir so herum, lernten Leute kennen und verbrachten mit anderen in unserem Alter so unsere Zeit. Wir waren jung und wohl im Gegensatz zu unseren türkischen Freunden hatten wir das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu erleben: Das Fremde kribbelte und wir waren auf der Suche nach einer weiteren Wahrheit in diesem Leben. Aber auch Micha und ich waren für die jungen Türken die reizvollen Fremden, in deren Nähe man sich gern aufhielt, einfach nur weil man neugierig war.

Wir waren zwischen 18 und 25 Jahre alt. So saß ich eines Tages mal wieder mit Ali, er mag damals 18 Jahre gewesen sein, vor dem Geschäft, in dem er als Verkäufer arbeitete, und wir beobachteten die Ankunft eines der Linienbusse auf dem angrenzenden zentralen Platz.

Unsichtbare Erregung machte sich unter den gelangweilten Geschäftsleuten vor ihren Läden breit, als eine kleine Gruppe von hübschen jungen und sehr blonden Touristinnen aus dem Bus entstiegen und gleichsam die Arena betraten: Rucksacktouristen, Individualreisende, geradezu Pioniere, wie es sie in den 80er Jahren verstärkt in der Türkei gab. Aber die Türken in Kappadokien waren an diesen Anblick noch nicht gewöhnt: Bequeme Shorts, ärmellose T-Shirts und einen riesenhaften Rucksack über der Schulter, dazu klobige Boots an den Füßen. Als Tourist kommt man sich in solchen Momenten vor wie im Zoo, ungehemmten Gaffern optisch erbarmungslos ausgeliefert. Türken kannten dieses Outfit nur als Unterwäsche und die Schuhe nur als Militärstiefel und waren entsprechend amüsiert. Wer sich so anzog, war entweder verrückt oder ein nicht ernstzunehmender Ausländer. Niemand mit einem bisschen Anstand würde sich so unter die Leute wagen.

Also hatten wir da ein paar junge verrückte Ausländerinnen. In manchem türkischen Mann erwachte geradezu der Jagdtrieb bei diesem Anblick, da solche Frauen unter den nicht gut meinenden Zeitgenossen wie vogelfrei gesehen werden. Dass sie mit ihren Frechheiten dann aber auch noch Erfolg haben sollten, verblüffte sie.

Ali schien in seinem jungen Leben bereits entsprechende Erfahrungen gemacht zu haben. Jedenfalls bemerkte er, die glotzende Lethargie unterbrechend, völlig unvermittelt, dass er mit mir darüber wetten wolle, noch heute Nacht eine dieser Frauen ins Bett zu kriegen.

Ich sagte Ali, dass er jetzt aber spinnen würde. Er zwinkerte mir zu, stand auf und die Jagd konnte beginnen: ein junger hübscher Mann mit schwarzen Haaren und braunen Augen, einem verführerischen schwebenden Gang und einem umwerfenden Lächeln sprach die verunsicherten Touristinnen im fließenden Englisch an. Charmant bot er seine Hilfe als Fremdenführer an: die Damen schienen begeistert. Abends trafen wir uns wie so oft im Lokanta, wo nur noch 2 der Frauen Alis tollen Geschichten lauschten. Es wurde ein schöner gemeinsamer Abend und wir Touristen konnten Reise-Erfahrungen austauschen.

Schließlich verabschiedete sich Ali und eine der Frauen stand mit ihm wie selbstverständlich auf, die andere blieb fast ein wenig beleidigt sitzen. Ali zahlte, legte seinen Arm um seine Begleiterin und zwinkerte mir noch einmal beim Hinausgehen zu. Wir alle, die im Lokanta zurückblieben, auch die anderen türkischen Gäste sahen mit Fassungslosigkeit, wie einfach Touristinnen für etwas zu haben waren, wofür die Männer sonst bezahlen mussten, abgesehen davon, dass diese Art von Frauen für fast jeden Türken auf dem Land unerreichbar war.

Mit 20 Jahren behauptete Ali, er hätte schon 100 verschiedene Frauen im Bett gehabt. Nach dieser Show glaubte ich ihm das fast. Der Kelim, um den wir gewettet hatten, war natürlich verloren und mein Glaube an die moralische Integrität meiner Schwestern auch. In Deutschland hören sich diese Urlaubserlebnisse dann wohl ganz anders an. Ich habe nicht nur an der türkischen Riviera Alis Experiment immer wieder bestätigt gesehen. Hotels heuern Gigolos sogar an, um ihre weibliche Kundschaft zu befriedigen.

In Kappadokien habe ich allerdings auch erlebt, wie diese erotischen Abenteuer die türkischen Männer korrumpierte und sie völlig aus der Bahn riss. Beziehungen zu einheimischen Frauen waren nicht mehr möglich, ihr Ruf bei den türkischen Frauen war ruiniert. Die Männer wurden zynisch, aggressiv, machten Schulden und verrieten alte Freunde, mit denen sie in den schweren Jahren des türkischen Putsches fest zusammengehalten hatten; sie ließen sozusagen die Sau raus. Es folgte viel Streit und ihr Benehmen ließ sie gesellschaftlich absinken. Irgendwann fuhren sie dann mit dicken Autos und unnahbaren Sonnenbrillen als vermeintlich erfolgreich und angeberisch durch den Ort. Aber sie wurden nicht mehr eingeladen und man sah sie nur noch an den Theken der neuen Bars, die überall aus dem Boden schossen… Damals hieß es, die Türkei sei das Tailand der europäischen Frauen. Dass diese Frauen die Männer benutzten, diese Einsicht hätten die türkischen Männer aus Stolz nie zugelassen.  Die glücklicheren von ihnen heirateten schließlich eine Frau aus dem “Westen” und verließen die Türkei.

 

Heute dreht sich kein Türke mehr in Kappadokien um, wenn blonde leicht bekleidete Touristinnen aus den Bussen steigen.  

Susanne Oberheutuerkei-kappadokien-kultur-reise-frauen-tourismus

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Erste Berichte über Kappadokien erreichen Europa

Samstag, 5. März 2011 13:40

Der Forschungsreisende Paul Lucas gelangt auf seinen Reisen durch den Orient auch nach Kappadokien. Was er dort sieht und erlebt, schildert er später am Hofe Ludwigs XIV in Versailles.

Auszug aus den unwahrscheinlichen Reiseberichten des Sieur Paul Lucas im Jahr 1703 in Paris:

… Wir entkamen der Gefahr und betraten bei Sonnenaufgang das Dorf Avanos am Irmak. Früher schien dieser Fluss mehrere Brücken gehabt zu haben. Sein Lauf ist sanft und man versicherte mir, dass er sich ins Schwarze Meer ergießen würde. In den Bergen jenseits des Irmaks sieht man überall eine Menge Grotten, sie scheinen regelrechte Behausungen gewesen zu sein. Wir ruhten uns erst eine Stunde aus, dann überschritten wir vorsichtig den Fluss. Hier überraschte mich die Schönheit der Grotten, aber unglaubliches Erstaunen bemächtigte sich meiner beim Anblick der antiken Monumente, welche ich auf der anderen Seite des Wassers.. gewahrte. Und wenn ich heute noch daran denke, werde ich von diesem Eindruck überwältigt.

Ich habe schon viele Reisen unternommen, aber Ähnliches habe ich noch niemals gesehen und auch niemals von so etwas reden gehört. Es sind eine gewaltige Menge von Pyramiden, die sich da erheben, die einen mehr, die anderen weniger aus einem einzigen Fels gewachsen, und innen derart ausgehölt, dass mehrere Wohnungen darinnen sind, übereinander, mit einer sachönen Türe, um einzutreten, mit einer schönen Treppe, um dort hinaufzusteigen, und großen Fenstern, welche all die Zimmer hell erscheinen lassen. Dann bemerkte ich, dass die Spitze jeder Pyramide durch einige Figuren vollendet wurden. Ich grübelte lange über die Formen der Pyramiden nach und welchen Zweck es gehabt haben konnte, sie so zu gestalten, denn es gab davon nicht zwei- oder dreihundert, sondern mehr als zweitausend hintereinander!…..

Susanne Oberheu

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Dass es diese von Paul Lucas in Paris beschriebenen Pyramiden und Grotten wirklich geben sollte, das glaubte ihm damals kein Mensch!
Pyramiden und Grotten - das war vor 300 Jahren ganz unwahrscheinlich!

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Das Jahr des Tuffs!

Donnerstag, 24. Februar 2011 11:04

Vulkane und ihre Schätze: 2011 – Das Jahr des Tuffs!

 

Kappadokien war vor Millionen Jahren ein wahrer Hexenkessel. Wäre hier jemand vorbeigekommen, er hätte an diesem Ort die Hölle vermutet.

 

Unter Getöse bäumte sich hier das Erdinnere auf und spritze seine Glut  und alles Innere wie Blut und Eiter durch die Wunden der Erdoberfläche. Eine tödlich heiße Masse begrub die Landschaft unter sich und zerstörte in fortwährenden Explosionen alles Lebendige im Umkreis: Krater an Krater überzog Kappadokien, durch die die Erde hier im Zentrum der anatolischen Platte ihr Inneres nach außen spuckte.

Vielleicht als Rache dafür, dass Erdbeben im Zentrum einer tektonischen Platte kaum spürbar sind, beschloss die Natur, sich hier anders bemerkbar zu machen.

Heute fährt man durch das wunderschöne Kappadokien, bewundert  in der Ferne die mächtigen und zum Glück erloschenen Vulkane Erciyes und Hasan Dağı und bemerkt gar nicht die Reste vieler weiterer Krater unter den eigenen Füßen - diese sind nämlich fast alle nur aus Satellitenentfernung zu erkennen.

Bruchstücke dieser riesigen Calderen sind heute in der Gegend verstreute kleine Hügel.

Aber ehemalige Hexenkessel hinterlassen ihren Nachkommen ein Paradies:

Heiße Quellen mit Heilwasser sind die letzten plätschernden Öffnungen ins Erdinnere und es gibt nichts Schöneres, als an kühleren Tagen sich in diese natürlichen Badewannen zu legen.

 

Der mächtige Vulkab Erciyes. Ein imposanter Zeuge der Erdgeschichte!

Der mächtige Vulkan Erciyes. Ein imposanter Zeuge der Erdgeschichte!

 

 

 

Und die alles tötende Masse von vor Millionen Jahren verwandelte sich in Gesteine, die dem Menschen heute nützen und schmücken: Tuffstein und Obsidian sind in Kappadokien verschwenderisch vertreten.

 

Der Tuffstein entstand aus Lava-Asche, die die Sonne verdunkeln ließ und noch Schaden anrichtete, als die Vulkane sich schon längst zur Ruhe gesetzt hatten.  Heute haben Wind und Wasser aus den Tuffasche-Ablagerungen nicht nur eine der märchenhaftesten Landschaften der Erde geformt; der Tuffstein ist leicht zu bearbeiten, so dass Menschen ohne großen Aufwand sich Paläste in die Berge kratzen konnten. Dort waren sie durch die überaus dämmende Wirkung des Gesteins vor der Hitze der Sommer und der Kälte der Winter natürlich geschützt, außerdem ist Tuffstein extrem atmungsaktiv; ein größerer Wohnkomfort ist nicht denkbar.

 

Wind und Wasser haben aus tödlichen Asche-Ablagerungen eine märchenhafte Landschaft geschaffen!

Wind und Wasser haben aus tödlichen Tuff- Asche-Ablagerungen eine märchenhafte Landschaft geschaffen!

Die Deutsche Gesellschaft für Geowissenschaften hat den Tuff zum Gestein des Jahres 2011 erklärt!

 

Obsidian ist ein glänzender dunkler braun-blau-schwarzer Stein, entstanden aus schnell erkalteter Lava, amorph und nicht kristallin ist er hart und schneidend wie Glas, daher seine Bedeutung: Als Werkzeug vor der Eisenzeit ein Material von unschätzbarem Wert! Kappadokien handelte Obsidian mit den Ägyptern und Assyrern. Heute ist Obsidian nur noch ein schön scheinender Schmuckstein, der aber wie Feuerstein nur schwer zu bearbeiten ist.

 

Deswegen liegt er in Kappadokien inzwischen auch nur noch unbemerkt in der Gegend herum und  den Bauern zur Last, welche die Steine von ihren Äckern sammeln müssen, damit diese ihre Maschinen nicht zerstören. Für den kundigen Sammler und Kappadokien-Besucher ist es jedoch ein schönes Souvenir, denn Fundorte für Obsidian gibt es nicht so viele auf der Welt. Ähnlich geht es der Sandrose in der Wüste, niemand kann sie wirklich gebrauchen, aber jeder stellt sich so ein Prachtstück gern in den Schrank!

Susanne Oberheu

 

Diesen riesigen Obsidian hatte ein Bauer Susanne Oberheu geschenkt. Kurze Zeit später entdeckten wir noch viel mehr davon.
Diesen riesigen Obsidian hatte ein kappadokischer Bauer Susanne Oberheu geschenkt. Kurze Zeit später entdeckten wir aber noch viel mehr davon!

 

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Rumi und die Liebe

Dienstag, 22. Februar 2011 12:34

Dschalal ad-Din Rumi, 1207 in Balch in Afghanistan geboren, flüchtete als Kind vor den Mongolen, bis er nach Konya in Anatolien kam (240 km von Kappadokien entfernt). Konya war damals Hauptstadt der weltoffenen Seldschuken und Anziehungspunkt für viele Gelehrte, Künstler und Denker, die der Mongolensturm vor sich hertrieb. Mevlana Rumi genoss die offene und tolerante Atmosphäre der Stadt und verbrachte schließlich sein ganzes Leben in Konya. Sein weltberühmtes Mausoleum erinnert heute an ihn. 

 

Rumi zählt zu den größten islamischen Mystikern und die in seiner Muttersprache verfassten persischen Gedichte zu den bedeutensten Werken der persischen Literatur. 

 

Als Derwischmeister und Sufi stiftete er den Derwischorden der Mevlana in Konya, die durch den Derwischtanz berühmt wurden. Beim konzentrischen Um-Sich-Selbst-Drehen versetzen die Mevlana-Mönche sich in eine transzendente Ekstase, die ihnen die Harmonie des Universums fühlen bzw. Gottesnähe erfahren lassen soll. Diese spirituelle Übung findet immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Bei Touristen beliebte Derwischvorführungen werden also nicht von Mönchen des Mevlana-Ordens sondern von Tänzern vorgetragen, die dabei garantiert nicht in Trance fallen. Auch in der seldschukischen Karawansarei bei Avanos in Kappadokien finden jeden Abend Derwischtanzvorführungen statt. Auch wenn diese natürlich nicht echt sind, vermitteln sie doch die große spirituelle Hingabe, die die Mönche dabei haben müssen.  

 

Hier in Konya lernte  Rumi schließlich den Derwisch Schamsuddin Tabrizi kennen und lieben. Dieser war ein Schüler des Haçı Bektaş aus Kappadokien und die beide wurden ein beargwöhntes Paar in Konya. Seine Liebesbeziehung zu Schamsuddin Tabrizi endete schließlich tragisch, aber die Liebesgedichte, die Mevlana Rumi über seinen verschollenen Freund schrieb, gehören zu den schönsten der Weltliteratur und beeinflussten schließlich den mittelalterlichen Minnesang in Europa.  

Susanne Oberheu

Auch Kappadokien hat sein Ort der Liebe: Askdere, das Liebstal!

Auch Kappadokien hat sein Ort der Liebe: Askdere, das Liebestal!

Kern auch seiner islamische Mystik ist die Liebe:

Die Liebe zu Gott befähigt ihn zur Liebe alles Geschaffenen, denn alles gehört zu einem harmonischen Ganzen, dessen Teil auch der Mensch ist. In der Ekstase löst sich der Mensch in diesem Ganzen auf, wie  „eine Welle im Meer“ und erfährt die Harmonie des Universums!

 

Wer liebt, ist Gott nahe und hat selbst Gott in sich.

 

Von Geboten und Dogmen hielt Rumi nichts. Auch sollte man sich in einer Liebesbeziehung ganz hingeben, also auch sexuell. Diese von islamischen Mönchen sehr oft vertretenen Auffassung von Liebe widerspricht in diesem Fall der christlichen, die in allem Sexuellen eher etwas Teuflisches vermutet ( Paulus, Augustinus) und stellt damit einer der wenigen Gegensätze zwischen islamischer und früh-christlicher Mystik dar.

 

So sind Rumis Gedichte voller Sinnenfreude und doch losgelöst von allem Weltlichen:

 

“Komm, wer du auch seiest!
Wanderer, Anbeter, Liebhaber des Loslassens, komm.
Dies ist keine Karawane der Verzweiflung.
Auch wenn du deinen Eid tausendmal gebrochen hast,
komm nur,
und noch einmal: komm!”


“Wer von Lieb´ nicht Farbe hat,
Ist bey Gott nur Stock und Stein.
Liebe lockt aus Steinen Wasser,
Liebe glättet Spiegel rein.“

 

“Sei frei, mein Knabe, und durchbrich die Schranke,
Zu lang war Gold und Silber dein Gedanke!
Denn gössest du das Meer in einen Krug, -
Was fasst er? Kaum für einen Tag genug.
Voll wird des Geiz´gen Aug´ nie; doch verleiht
Der Muschel Perlen die Genügsamkeit?
Wem immer Liebe riss das Kleid entzwei,
Der ist von Geiz und aller Schande frei.“

 Die UNESCO erklärte das Jahr 2007 als das "Jahr von Rumi"!

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Die drei kappadokischen Kirchenväter

Montag, 21. Februar 2011 19:21

Was ist der christliche Glaube?
Hier wurde dem Glauben ein Rahmen gegeben. 

Fast jede Aussicht aus einer Höhle bietet einen Blick in eine Landschaft, die nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Fast jede Aussicht aus einer Höhle bietet einen Blick in eine Landschaft, die nicht von dieser Welt zu seinen scheint.Wie eine kleine Insel, fruchtbar durch unzählige Wasserquellen, umrahmt von den immer noch beeindruckenden Vulkanen Erciyes und Hasan Dağı wirkt die Landschaft Kappadokiens entrückt schön. Entrückt dem Irdischen fühlten sich dann auch die ersten christlichen Mönche, die hier in verborgenen Höhlen Einsamkeit und Kontemplation suchten. Das antike Caesarea, die heutige kappadokische Stadt Kayseri, hatte neben Antiochia in der Türkei, Alexandria in Ägypten, Caesarea in Palästina und natürlich Konstantinopel, das heutige Istanbul, einer der ersten Bischofssitze inne. Dem Metropolit von Caesarea in Kappadokien unterstanden schließlich 50 Bischöfe über ein riesiges Gebiet in Kleinasien, weit über die Grenzen Kappadokiens hinaus. Basilius der Große sollte fast schicksalhaft die Geschichte der künftigen christlichen Kirche prägen. Er, sein Bruder Gregor von Nyssa und sein Freund Gregor von Nazianz bildeten im 4.Jahrhundert das kappadokische Dreigestirn im Kampf für den trinitiätischen Glauben an die Dreifaltigkeit: Gott, Gottes Sohn und Heiliger Geist.Diese drei kappadokischen Kirchenväter fanden die Formulierungen für das bis heute gültige Glaubensbekenntis, das im 1.Konzil von Konstantinopel 381 n.Chr. seine endgültige Fassung erlangte. Das 4.Jahrhundert kann daher als das für die Christenheit entscheidende Jahrhundert der Kappadokier genannt werden. Basilius der Große war Metropolit von Caesarea und setzte für die kappadokischen Mönche in ihren Höhlen erste Mönchsregeln fest, die dann von Benedikt von Nursia im Benedektinerorden des 6.Jahrhunderts übernommen wurden. Seine Lithurgie ist heute noch Bestandteil der griechisch-orthodoxen Kirche. Sein Freund, Gregor von Nazianz war Metropolit von Konstantinopel und Leiter dieses für die Kirche so wichtigen Konzils. Außerdem war er der erste, der eine umfassende Liste zur Kanonisierung des NeuenTestaments vorlegte. Basilius Bruder Gregor von Nyssa war schließlich derjenige, der die Trinitätslehre der künftigen katholischen Kirche am klarsten ausformulierte und damit den Grundstock für das Glaubensbekenntnis legte, wie es bis heute in allen 3 christlichen Kirchen gesprochen wird, der orthodoxen, der katholischen und der protestantischen. Außerdem standen sie in Kontakt mit den wichtigsten Kirchenmännern ihrer Zeit wie Eusebius von Caesarea in Palästina und Athanasius von Alexandria. Mit ihnen überstand der trinitarische Glaube das Jahrhundert gegen die damals weit verbreitete arianische Lehre, die besagte, dass Jesus Christus ein Geschöpf Gottes und nicht Gott selbst sei. Basilius der Große war schließlich unter dem arianischen Kaiser Valens einer der letzten amtierenden Bischöfe der trinitarischen Lehre, ein harter kappadokischer Fels im Strudel der Kirchengeschichte. Darüber hinaus waren sie in ihrem alltäglichen Handeln vorbildlich für die zukünftigen Generationen von Christen und Klerikern. Basilius der Große verschenkte während einer großen Hungersnot sein erhebliches Vermögen an die Armen, er baute Krankenhäuser und veranlasste Armenspeisungen. Die karitativen Einrichtungen Caesareas galten damals als Weltwunder. Aber Basilius gründete auch Klöster und befahl den Mönchen, nicht nur weltvergessen an sich selbst zu denken; sie sollten arbeiten und nützlich für die Allgemeinheit sein, neben Beten und dem Studium der Bibel. Das älteste Mönchstal in Kappadokien: Zelve, das noch bis in die 50er Jahre von kappadokischen Bauern genutzt wurde. Heute sind die versteckten Höhlenwohnungen und Kirchen von der Erosion freigelegt.

Alle drei Kirchenväter lebten bescheiden und liebten das zurückgezogene Leben, was ihnen in ihren Positionen nicht immer vergönnt war. Gregor von Nazianz flüchtete von seinen Ämtern immer wieder in die Einsamkeit einer Höhle, er liebte die Stille und wurde ein großer Dichter und einer der wichtigsten christlichen Mystiker . Sie arbeiteten hart an sich und prägten das Christentum wie nur wenige.

 

In Kappadokien ist aus dieser Zeit kaum ein Zeugnis geblieben. Eine Kirche im Dorf Güzelyurt ist Gregor von Nazianz geweiht. Das antike Caesarea heißt heute Kayseri und hat über 800.000 Einwohner.

 

Kappadokien wurde nie wieder so berühmt. Aber Menschen, die die Einsamkeit in dieser unvergleichlich schönen und bizarren Landschaft suchten, gab es viele. Es gab Kontakte zum Mönchsberg Athos in Griechenland. Man lebte zurückgezogen, aber kosmopolitisch. Diesen Eindruck vermittelt Kappadokien bis heute. „Tausend“ Kirchen soll es hier noch verborgen geben und tatsächlich überrascht hinter manchem unscheinbaren Eingang in der Felswand eine kleine Kapelle, oder sogar eine 3-schiffige Kirche oder Basilika mit Säulen, Kuppeln und Apsiden von manchmal atemberaubender Größe und Erhabenheit. Ganze Klosteranlagen mit Refektorium und Mönchsklausen verbergen sich hinter dieser wundersamen Erosionslandschaft. Der Bilderstreit des 8.Jahrhunderts war die nächste große Zerreisprobe in der christlichen Kirche des Ostens: dürfen Gott, Jesus Christus oder die Heiligen abgebildet werden? Kaiser Leon III befahl die Zerstörung der Bilder. Auch in Kappadokien wurden fast alle Fresken und Ikonen dieser Zeit von so genannten Ikonoklasten vernichtet und verfolgte Bilderverehrer zogen sich in das undurchdringliche Labyrinth kappadokischer Höhlen und unterirdischer Städte zurück. Aber die folgenden Jahrhunderte brachten erneut eine Blütezeit im Klosterleben Kappadokiens und noch heute sind viele großartige Fresken aus dieser Zeit zu bewundern.

Höhlenkirche mit Fresken, die das Leben Jesu schildern - von unvergleichlicher Qualtität und Schönheit!

Höhlenkirche mit Fresken, die das Leben Jesu schildern - von unvergleichlicher Qualtität und Schönheit!

In der Bibel wird Kappadokien nur in Ermahnungen des Paulus an die Kappadokier erwähnt. Sicherlich ist er von Syrien kommend auf dem Weg zu den Galatern auch hier durchgekommen. Wahrscheinlich wird er sogar die Straße, die am Roten Fluss durch Avanos entlang geht, genommen haben.  Aber die meisten Menschen, die sich in die geheimnisvolle Landschaft Kappadokiens zurückgezogen haben, hatten wahrscheinlich wenig Interesse für theologische Haarspaltereien, sie wollten in Ruhe einfach nur Gott nahe sein. Tatsächlich scheinen Mensch und Natur hier eine außergewöhnliche Symbiose eingegangen zu sein, die ruhiger werden lässt für etwas anderes Irreales, Mystisches, ganz und gar Außergewöhnliches!

 

Kappadokien strahlt Spiritualität aus.

 

 

Manchmal sieht man Menschen in sich versunken auf einen dieser skurrilen Felsspitzen hockend wie der Welt entrückt, oder eine kleine Gruppe von Christen in einer der Höhlenkirchen ganz unvermittelt ein Kirchenlied anstimmend, oder einen einzelner Touristen vor einer Ikone betend. Aber nicht nur Christen, auch Moslems treffen hier auf ihre großen Mystiker, wie Yunus Emre und Hadschi Bektasch: diese Derwische predigten um 1300 n. Chr. Bescheidenheit und Nächstenliebe, praktizierten das Abendmahl und verehrten Jesus Christus als einen ihrer großen Märtyrer. Die UNESCO erklärte Kappadokien 1985 zum Weltkultur- und Naturerbe und das Jahr 1990 zum Yunus Emre-Jahr: zum Jahr des Friedens und der Liebe!

So war und ist Kappadokien ein echter Ort der Begegnung. Menschen wollten hier immer das Einigende spüren, nicht das Trennende. Kappadokien scheint es einem dabei leicht zu machen.

Susanne Oberheu

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Wie ein gotischer Dom steht dieser von der Natur geschaffene Tuffsteinfels in der Landschaft
Wie eine gotische Kathedrale wirkt dieser Tuffsteinfels

 

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Wunderheiler in Kappadokien

Samstag, 19. Februar 2011 11:58

Er heißt Halis Ateş und nennt sich der „Bio-Energie-Mann“. Er wohnt in einfachen Verhältnissen in Avanos, was einen wundert, wenn man ihn einmal in Aktion gesehen hat. Im türkischen Fernsehen ist er eine Berühmtheit und wöchentlich kommen von weither Menschen, die bei ihm auf Heilung einer Krankheit hoffen. Freundlich bittet  er die Hilfesuchenden in sein kleines altes Tuffsteinhaus etwas abseits in der Altstadt von Avanos am Roten Fluss. Am Wochenende kommt es in der kleinen Gasse vor seinem Haus schon einmal zu Warteschlangen. Die Schuhe müssen natürlich im Vorraum abgestreift werden. Man sitzt eine kleine Weile auf bequemen großen Sesseln um einen Tisch und sehr zurückhaltend, als hielte er seine Frage für Anmaßung, erkundigt sich Halis Ates  nach den Beschwerden seiner Besucher. Am Wochenende holt er sich auch Hilfe von seinen heranwachsenden Töchtern, die die gleiche Gabe besitzen wie er. Halis meint sogar, dass seine älteste Tochter größere Fähigkeiten besäße als er; bei ihm würde die Kraft schon langsam nachlassen. Er wolle seine Kinder  aber nicht überfordern; in der Woche, wenn die Mädchen zur Schule gingen, wäre Heilen für sie sowieso tabu. Außerdem bräuchte das Heilen sehr viel Kraft.  Schon sein Vater heilte fremde Menschen, ohne je eine medizinische Ausbildung erhalten zu haben. Und scheinbar ist diese Fähigkeit von ihm auch auf seine Töchter übergegangen. 

Im Fernsehen tritt Halis Ates weniger als Heiler, denn als Bio-Energie-Mann auf: dann entblößt er seinen Oberkörper und bittet die Zuschauer Löffel, Gabeln  oder große Messer an seinen Rücken und Brust zu heften. Obwohl Halis völlig aufrecht steht, bleiben die Gegenstände ohne jede Hilfe an ihm hängen und fallen nicht herunter, sogar Bügeleisen scheinen wie an ihm zu kleben.

 

Seine heilende Gabe aber ist, den Schmerz der Patienten mit seinen Händen zu erspüren. Hat er den Schmerz gefunden, so zieht er seine großen Hände immer wieder über diese Stelle des Körpers, ohne sie zu berühren. Die Patienten schließen dabei die Augen und könnten schwören, dass Halis warme Hände auf ihrem Körper liegen würden, da es dort sehr warm geworden wäre. Sie würden ihm nicht glauben, dass er sie nicht berührt habe, wenn nicht  anwesende Freunde und Verwandte ihnen genau das bestätigten. Die Zuschauer sehen diesem Geschehen fassungslos zu, selbst die, die vorher an solche Kräfte eher zweifelten.

Die heilenden Händer der Tochter wirken ohne Berührung!

Die heilenden Hände der Tochter wirken ohne Berührung!

 

Es herrscht Ruhe in diesem kleinen Zimmer, wo der Patient sich auf einem Sofa ausstrecken musste.

 

Nach 10 Minuten merkt man Halis an, dass er erschöpft ist. Er scheint mit seinen Händen den Schmerz aus dem Körper des Patienten zu ziehen und er selbst verliert dabei an Kraft. Auch das ist ein Grund, warum er nur ungern diese Arbeit seinen Töchtern zumutet.

Nach Beendigung der ersten Sitzung gibt er Prognosen ab, manche Patienten müssen noch einmal wiederkommen. Dann sitzt man noch eine Weile um den Tisch herum und die Frau des Hauses reicht Tee. Halis Ateş würde nie Geld für seinen Dienste verlangen. Dennoch geben die glücklichen Patienten natürlich gerne etwas. Bei manchen tritt sofortige Erleichterung ein, bei einigen erst Tage später, und es gibt auch Menschen, denen kann sogar der Bio-Energie-Mann aus Avanos nicht helfen, was er dann auch in aller Bescheidenheit zugibt.

Susanne Oberheu

 

Halis mit seinen begabten Töchtern
Halis mit seinen begabten Töchtern

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In allen großen Kulturen haben Menschen ihre Mahlzeiten liegend eingenommen!

Mittwoch, 16. Februar 2011 12:58

Orientalische Esskultur in Kappadokien

 

Das kappadokische Leben wie das aller Türken und Orientalen findet traditionell am Boden statt. Peinlichst wird darauf geachtet, dass niemand den Wohn- und Essbereich mit Schuhen betritt; weder Hund noch Katze hat Zugang zur kappadokischen Wohnung.

 

Das ist auch kein Wunder, denn die Kappadokier nehmen seit Alters her sogar ihr Essen am Boden ein.

 

Dazu werden weiche Kissen und Teppiche in einem großen Kreis auf dem gerade gefegten und vielleicht mit Matten und weiteren Teppichen belegten Boden ausgebreitet. In die Mitte platziert die Hausfrau ein niedriges Gestell, etwa 20-30 cm hoch, darüber wird eine große Tischdecke ausgebreitet und darüber schließlich der Tisch, traditionell ein schön ziseliertes Kupfertablett. Heute ist das Tablett oft aus Aluminium oder mit Blumenmuster verzierter Emaille.

 

Wenn nun alle Familienmitglieder bis auf die Hausfrau und die älteren Töchter es sich auf den Kissen gemütlich gemacht haben, servieren die Frauen das Essen: zunächst ein Salat aus zerkleinerten Tomaten mit Zwiebeln, vielleicht noch Gurken und Paprika und viel Petersilie und alles sehr klein geschnitten, gesalzen und mit scharfer trockener Paprika gewürzt, so dass der Gemüsesaft entziehen kann und eine Soße bildet, in die man Brot stippen kann.

 

Und natürlich werden dazu Unmengen von Weißbrot gereicht und Wasser in Karaffen von der nächsten Quelle- das schmeckt besonders gut.

 

Nun setzen sich zum ersten Gang die Frauen dazu. Es werden zur Bereicherung noch gesalzene Zwiebeln in Scheiben und Oliven, sauer Eingelegtes, vielleicht auch Schafskäse und gefüllte Weinblätter- herzhafte Kaltspeisen eben, dazu gereicht. 

 

Grundnahrungsmittel ist das weiche Weißbrot, das man in den Salatsud oder eine Paste stippen oder wie eine kleine Tasche als Besteck benutzt und damit Käse und Gurkenscheiben greifen kann.

 

Ist der Salatteller verputzt erheben sich die Frauen wieder, jetzt kommt der Hauptgang:

 

Gegrilltes Fleisch, gegrilltes Gemüse wie  Auberginen, Paprika und Tomaten, dazu in Öl geschwenkter Reis mit Pinienkernen und natürlich Brot.

 

Die kappadokische und jede türkische Hausfrau hat eine Palette an Köstlichkeiten für die Hauptmahlzeit zu bieten: Gefüllte Auberginen sind sehr beliebt; so beliebt, dass sich schon mancher überfressen hat. Deswegen heißt diese Spezialität auch: Der Imam ist in Ohnmacht gefallen. Außerdem essen die Türken sehr gern diverse gefüllte und belegte Teigstücke, was in der Türkei Pide heißt und natürlich haben die Italiener mit ihrer Pizza von den Türken abgeguckt. Aber das wäre gar nicht so aus der Welt gegriffen, denn Europa hat bekanntermaßen den Kaffee und den Grillspieß von den Türken. Der Döner dagegen soll in den 70er Jahren in Berlin erfunden worden sein.

 

Auch hier wird zum Essen Wasser aus der besten Quelle getrunken.

Gegessen wird nicht von Tellern. Die Mahlzeiten werden in großen flachen Schüsseln serviert, an die jeder in der Runde mit dem Löffel oder dem zum Besteck geformten Brot heranreichen kann. Jeder hat seine Seite der Schüssel und es gilt als ungehörig vom Schüsselrand des anderen zu essen. Der Hausherr zeigt gern seine Großzügigkeit, indem er seinen Anteil den Kindern oder dem Gast mit dem Löffel rüberschiebt.

 

Inzwischen sind so um die 2 Stunden vergangen und auf dem schönen Emailletablett die Blumen nicht mehr zu sehen. Oft schützt man das Tablett noch mit Zeitungen, die dann nach Ende der Mahlzeit mit all den Knochen-, Brot- und Essensresten zusammengeknüllt entsorgt wird.

 

Nach diesem anstrengenden Schlemmen reicht die Hausfrau noch ein paar süße Sünden und dazu gibt es frisch aufgebrühten Tee.

Erschöpft vom Essen liegt man nun um den niedrigen Tisch in den weichen Kissen, schlürft den Tee, der natürlich auch nur aus allerfeinstem Quellwasser gebrüht wurde, gönnt sich das eine oder andere Stückchen Würfelzucker mehr im Tee und natürlich die kleinen in Honig und Zuckerwasser gereichten Magenschließer. Wem das noch nicht reicht, bekommt noch diverse Nüsse in kleinen Schälchen und Früchte der Saison vorgesetzt und weil nach all den Stunden einem inzwischen der Gesprächsstoff ausgegangen ist und die Nachbarin einfach nicht mit Neuigkeiten vorbeikommt, knuspert man noch lange an den unvermeidlichen Sonnenblumenkernen, die zwar nicht den Magen belasten, aber für Beschäftigung sorgen. Denn nun dauert es ja eine Weile bis das alles verdaut ist. Die Frauen räumen schon wieder auf, legen das Tablett zur Seite, so dass die Herren genügend Platz für ihre ausgestreckten Beine haben, und bereiteten schon mal den nächsten Tee vor. Deren Zubereitung dauert nämlich in manchen Haushalten bis zu einer Stunde.

Susanne Oberheu

An diesem Tisch ist immer noch Platz für Besuch vorgesehen

Im Orient und auch in Kappadokien isst man am Liebsten im Freien!

Ach ja, wozu war eigentlich die Tischdecke da, wenn doch sowieso alles im Zeitungspapier landete?

Da man bei „Tisch“ im Schneidersitz sitz, um besser an das Essen heranzukommen, werden durch das Tischtuch die bestrumpften Füße bedeckt. Außerdem ersetzt die Tischdecke die Servierte.  

Und wenn der Gast nach vielen Stunden das Haus verlässt, erhält er noch einige Spritzer Parfümwasser in die offenen Hände. Er soll nicht nur satt und glücklich sein, sondern auch gut riechen.

Orientalisch essen heißt nach wie vor genießen. Dieses gilt auch in den ärmsten Haushalten, in denen es vielleicht kein Fleisch oder Honig gibt, man sich aber nicht minder der ausgesuchten Qualität des Gemüses, des Wassers und des Tees und deren guter Zubereitung mit Genuss hingibt. 

Als Besucher lernt man schnell die wichtigsten geschmacklichen Feinheiten einfachster Lebensmittel wie rohe Zwiebeln zu unterscheiden.  

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Hat Gaudi abgeguckt?

Freitag, 11. Februar 2011 17:54

 

Antoni Gaudi war ein katalanischer Architekt und lebte von 1852 bis 1926. Die meisten seiner großartigen Bauten stehen in Barcelona, Tausende von Kilometer von Kappadokien entfernt. Seine Architektur ist organisch, verspielt, oft skurril und niemals gleichförmig. Er gilt als einer der größten Architekten der Welt, seine Baudenkmäler gehören zum Weltkulturerbe……….

 

…….all das trifft auch auf  die Landschaft und Wohnhöhlen von Kappadokien zu!

 

Aber Gaudi soll Kappadokien nie gesehen haben?!?

 

 

Von der Natur geschaffen in Kappadokien

Von der Natur geschaffen in Kappadokien

Von Gaudi geschaffen in Katalonien

Von Gaudi geschaffen in Katalonien

 

Vergleichen Sie selbst:

Von der Natur geschaffen in Kappadokien
Von der Natur geschaffen in Kappadokien

Von Gaudi geschaffen in Katalonien

Von Gaudi geschaffen in Katalonien

  tuerkei-kappadokienwander-kultur-bildungs-reise-architektur-kunst Susanne Oberheu
www.kappadokya-travel.com
Wirklich von Gaudi in Spanien?

Wirklich von Gaudi in Spanien?

 

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Eine kulinarische Sensation in Kappadokien

Sonntag, 6. Februar 2011 21:32

 

 

 

 

Das Frühjahr 2009 in Kappadokien war feuchter denn je zuvor, wie viele Einheimische meinten. Kappadokien, für Sonne satt und wenig Regen bekannt, versank quasi im Tuff-Schlamm.

Und dennoch sah man immer wieder einsame Männer in nassen Windjacken und einfachen Stöckern in den Händen  über die von Feuchtigkeit dünstenden Hügel ziehen. Dabei leicht gebückt als wollten sie sich vor dem Nieselregen ducken. Aber sie duckten sich nicht, sie hielten Ausschau! Sie waren unterwegs in einer ungewöhnlichen Mission: Trüffel! 

 

 

Regen bringt sattes Grün, leuchtende Tuffsteinfarben und manchmal Trüffel nach Kappadokien

Regen bringt sattes Grün, leuchtende Tuffsteinfarben und manchmal Trüffel nach Kappadokien

Der kappadokische vom Regen aufgeweichte Boden wölbte sich hier und da und brach an verschiedenen Stellen seltsam auf. Säckeweise weiße Trüffel brachten die Männer ohne jede tierische Hilfe zutage.

 

Im Mai 2009 wurden in Kappadokien Trüffel nur kiloweise verkauft, das Kilo 5,-€! Selbst Ungeübte hätten auf den Wanderungen Trüffel finden können.
 
Die kappadokische Hausfrau hatte es zu dieser Zeit leicht, ihren Speiseplan zu bestimmen: Trüffel in Rührei am Morgen, Trüffel in Scheiben gebraten am Mittag und Trüffel in Sahnesoße über Fleisch und Nudeln am Abend.
 
Nach 3 Wochen konnten wir keine mehr sehen. Aber die Zeit der Trüffel ging so plötzlich wie sie gekommen war.
 
Wer also über einen verregneten kappadokischen Urlaub schimpft, sollte lieber den Klappspaten und das Kochgeschirr auspacken und vielleicht in einer der vielen verlassenen Höhlenwohnungen ein kulinarisches Abenteuer der ganz besonderen Art genießen.
Susanne Oberheu
www.kappadokya-travel.com
P.S. Wer Anfang-Mitte Mai 2011 Kappadokien besuchte und viel Regen ertragen musste, konnte aber auf den Märkten der Region diese Kostbarkeit erneut entdecken, unscheinbar zwischen Petersilie und Kartoffeln zwischen den Ständen am Boden in kleinen Häufchen liegend.

Jeden Tag Trüffel kann auch zur Qual werden. Weiße Trüffel in Kappadokien

Jeden Tag Trüffel kann auch zur Qual werden. Weiße Trüffel in Kappadokien

 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

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Die ersten Humanisten waren Derwische aus Kappadokien

Samstag, 5. Februar 2011 15:45

Haci Bektas. Sein Orden und Kloster in Kappadokien ist heute alivetisches Heiligtum. Jährlich im August findet hier das weltweit größte Fest der Aleviten statt.

Der Wanderderwisch Haci Bektas liebte die Menschen und die Tiere. Sein Kloster in Kappadokien ist heute alevetisches Heiligtum. Jährlich im August findet hier das weltweit größte Fest der Aleviten statt.

“Was du nicht willst, was man dir tu………”

 

 

 

Derwische sind islamische Mönche, auch Sufis genannt. Sie leben wie die christlichen Mönche meist zurückgezogen und in Armut.  Armut und Liebe sind die Grundpfeiler der meisten islamischen Mönche. Ihre Mystik ist mit der des Juden- und Christentums vergleichbar. Ihr Menschenbild entspricht schon früh unserem modernen Humanismus.

Haci Bektas war im 13.Jahrhundert ein wandernder Derwisch in Zentralanatolien. Auf ihn gehen die ersten Formulierungen des heutigen Humanismus zurück.
Das Hauptkloster des nach ihm benannten Ordens liegt im gleichnamigen Ort Hacibektas in Kappadokien, wo diese Tafel hängt:

Grundsätze des islamischen Derwisch-Orderns des Haci Bektas Veli

"Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu!" Grundsätze des islamischen Derwisch-Orderns des Haci-Bektas in Kappadokien aus dem 13.Jahrhundert - Diese Grundsätze sind heute Teil der UN-Menschenrechts-Charta von 1948

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der bekannteste Derwisch und Mönch dieses Ordens war Yunus Emre, er lebte um 1300 n.Chr. und gilt als der erste Humanist der Geschichte.

Es sollte aber noch fast 500 Jahre dauern bis 1789 die erste grundlegende Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von der Nationalversammlung Frankreichs beschlossen wurde, und gegen die Diskreminierung der Frau verabschiedeten die UN erst 1979 ein internationales Übereinkommen.

Susanne Oberheu

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www.kappadokya-travel.com

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Mystisches Denken in Kappadokien

Sonntag, 30. Januar 2011 12:10

Wie in Sahne versinkt man in dieser Landschaft und der weiche Tuff macht es möglich, dass man nicht an der Oberfläche bleibt

Wie in Sahne versinkt man in dieser Landschaft und der weiche Tuff macht es möglich, dass man nicht an der Oberfläche bleibt

 

Das Gleichnis vom Elefanten - eine wahre Geschichte! 

 

“Einst hatte ein König den Auftrag gegeben, alle von Geburt an Blinden der Hauptstadt an einem Ort zusammenzubringen. Anschließend befahl er ihnen, einen Elefanten zu betasten und danach das Aussehen und die Beschaffenheit des Tieres zu beschreiben. Die Antworten fielen entsprechend unterschiedlich aus, je nachdem, welches Körperteil der Blinde zu fassen bekam: wie eine Säule sei der Elefant… wie ein Sessel… wie ein Fächer…  Jeder der Blinden konnte aber hören, was sein Nachbar sagte und war entsetzt über die falsche Meinung des anderen. So entstand unter den Blinden ein heftiger Streit, wobei ein jeder den anderen zu überschreien versuchte, wie denn ein Elefant tatsächlich beschaffen sei.”

 

Dieses Gleichnis von Buddha wanderte schließlich von Indien durch den Orient bis nach Zentral-Anatolien, wo der Derwischmystiker Dschalal ad-Din Rumi erklärt, dass viele Wege zu Gott führen und es keine objektiv fassbare Wahrheit gäbe. Auch erklärt er, dass Dogmen eine Gefahr für die Religion seien und dass alles Trennende überwunden werden muss; nur die Liebe sei ein echtes religiöses Gefühl.Dogmen aber haben Jahrhunderte nach Buddha, Jesus und Mohammed neue Regeln für den Menschen aufgestellt, die wieder das Trennende statt das Einigende hervorheben, das Leben härter machten statt leichter. Die christliche Kirche erklärte nur wenige Jahrhunderte nach Jesus jene für Ketzer, die nicht an den Gott der Dreifaltigkeit oder den 2 Naturen Jesu glaubten. Die Sunniten unter den Moslems erklärten nur Jahrzehnte nach Mohammed den Koran für die letzte und absolut gültige Wahrheit, der nichts mehr hinzugefügt werden dürfe.

Höhlenwohnungen, Mönchsklausen : Hier verschmilzt der Mensch mit der Natur und kommt zur Ruhe

Höhlenwohnungen, Mönchsklausen : Hier verschmilzt der Mensch mit der Natur und kommt zur Ruhe

Es muss an der Landschaft liegen, dass gerade auf der kargen Hochebene Zentralanatoliens sowie in den verborgenen Höhlen Kappadokiens sich Menschen fanden, die ganz anders dachten und bis heute Maßstäbe für ein gemeinsames Leben aller Gläubigen setzten. Dschalal ad-Din Rumi, Begründer des Mevlevi-Ordens im nahen Konya, lebte vor 800 Jahren und ist bis heute einer der größten Mystiker des Islam. Yunus Emre vom Bektaşi-Orden, Mystiker und der erste Humanist der Geschichte, predigte in Hacibektaş in Kappadokien und wird bis heute nicht nur von den Türken geehrt und gefeiert. Vor über 700 Jahren erklärte er: „Suche Gott in deinem Herzen, nicht in Jerusalem oder Mekka!“ und „Wer Liebe fühlt, trägt Gott im Herzen!“ und „Viele Wege führen zu Gott!“

 

Der kappadokische Bischof Gregor von Nazianz zählt noch heute zu den größten Mystikern der Christen.

 

 

Fernab von Regeln und Dogmen scheint gerade die Landschaft Kappadokiens den Menschen mit sich und der Natur, der Welt, dem Universum und mit Gott zu versöhnen, unabhängig von der Religion!

 

 

Aus dem englischen Reiseführer von  Susanne Oberheu

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www.kappadokya-travel.com 

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Kappadokien im März

Sonntag, 16. Januar 2011 14:21

Der mächtige Vulkan Erciyes in Kappadokien im Mai

Der mächtige Vulkan Erciyes in Kappadokien im Mai

Es werden immer wieder Rundreisen nach Kappadokien im März/April angeboten.

Vielen Besuchern ist aber nicht bewußt, dass das Klima in Kappadokien ganz anders ist als an der bekannten türkischen Reviera oder auch in Istanbul.

Kappadokien liegt 1000 m bis 1400 m über dem Meeresspiegel inmitten der kargen anatolischen Hochebene.

Das bedeutet heiße Sommermonate und sehr kalte Wintermonate.

Der Sommer kann sich durchaus mit Temperaturen um 30°C plus bis in den November hineinziehen. Dann kommt aber der Winter in der Regal mit geballter Kraft: Temperaturen von minus 20°C und hoch Schnee sind in den Monaten Januar bis März keine Seltenheit.

Der Winter zieht sich dann auch entsprechend hin. Es gab schon Schnee im Mai. Der April ist statistisch gesehen der regenreichste Monat des Jahres im sonst sehr trockenen Kappadokien. Ab Mai blüht Kappadokien auf und hat in der Regel Temperaturen von 20° bis 30°C. Juli und August sind die heißesten Monate mit durchschnittlich weit über 30°C.

Der Klimawandel hat aber in den letzten Jahren für extreme Unrelmäßigkeiten gesorgt:

Der Februar 2010 hatte frühlingshafte Temperaturen von plus 20°C statt minus 20°C. Der heiße und trockene Juni ungewöhnlich viele Regenfälle und der August 2010 war  mit 45°C plus der heißeste seit Jahrzehnten.

Wer im März oder April Kappadokien besucht, muss mit Schnee, Regen und Minustemperaturen rechnen.

Viele Wanderwege sind dann nicht mehr passierbar. Die Hotels müssen die Heizungen für ihre Gäste anschmeißen, wenn sie denn welche haben. Zu dieser Zeit sind Preise für Übernachtungen besonders günstig, da die eigentliche Saison in Kappadokien erst Ende April beginnt und dann mit einem grandiosem Herbst Ende Oktober endet.

Wer außerhalb dieser Zeiten fährt, sollte sich warm anziehen.

Susanne Oberheu

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www.kappadokya-travel.com

Siehe auch türkischen Wetterdienst für Kappadokien / Nevsehir:

http://www.dmi.gov.tr/de-DE/forecast-cities.aspx?m=NEVSEHIR

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Die schönsten Fotos von Kappadokien

Donnerstag, 13. Januar 2011 22:23

Höhlenfotos gehören sicherlich zu den größten Herausforderungen in der Fotografie

Nur mit Ortskenntnisse entstehen traumhafte Fotos

... und nur mit guten Ortskenntnissen entstehen traumhafte und aussagekräftige Fotos

Auf den folgenden Websites zeigen Ihnen die weltberühmten Fotografen Ahmed Ertug und Heiner Strässer, wie sie Kappadokien durch die Linse sehen. Deren Websites haben natürlich den Anspruch hoher Bildqualität - deshalb haben Sie beim Hochladen etwas Geduld - es lohnt sich! 

Ahmet Ertug:http://www.ahmetertug.com/index-gallery-landscapes.html

Heiner Strässer:http://www.derpanoramafotograf.com/kat/kappadokien.html 

tuerkei-kappadokien-hoehlenwohnungen-hoehlen-haus-negative-architektur-moenchstal-zelve

www.kappadokya-travel.com

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Ein Reisebericht

Montag, 3. Januar 2011 15:55

Susanne Fuchs war Teilnehmerin an Exkursionen von Kappadokya Travel im September 2010 und schrieb diesen Reisebericht an ihre Freunde: 123                                              
Ein Höhepunkt 2010 war im September meine Reise nach Kappadokien in Zentralanatolien. Schon lange war ich interessiert an dieser außergewöhnlichen Gegend, die neben den geologischen Besonderheiten eines durch Vulkanismus und den größten Fluss der Türkei geprägten Gebietes auch unheimlich viel an Geschichte, Religion und Mystik zu bieten hat – und noch viel mehr.

Ich wollte nicht nur Sehenswürdigkeiten abklappern, sondern Natur und Kultur wirklich

hautnah erleben. Ich hatte das Glück, im Internet ein deutsches Ehepaar ausfindig zu machen, das seit mehreren Jahren in Kappadokien lebt und Individualreisen anbietet. Sie konnten alle meine Wünsche erfüllen und vielmehr meine Erwartungen noch übertreffen.

In einer sehr netten Gruppe von fünf Personen wohnten wir in deren für die Gegend typischen Höhlenhaus in der Töpferstadt Avanos, von wo aus wir mit dem Pickup unsere Touren unternahmen. Wir wanderten durch einsame Täler und konnten uns nicht satt sehen an den immer wieder andersartigen, teils skurrilen Felsformationen aus verschiedenfarbigem Gestein, geformt von Wind und Wetter. Wir erkundeten verlassene Höhlensiedlungen, die das ganze Gebiet wie einen Schweizer Käse durchlöchern und die größtenteils in den fünfziger Jahren aus Sicherheitsgründen geräumt wurden. Wir krochen und kletterten mit unseren Taschenlampen durch das Labyrinth der unterirdischen Städte und malten uns aus, wie sie schon vor Jahrtausenden vielleicht zu Verteidigungszwecken gegen vielerlei Angreifer genutzt wurden. Wir bestaunten die prachtvollen byzantinischen Malereien in den Klöstern und Höhlenkirchen und stellten uns vor, wie Christen vor ihren römischen Verfolgern Zuflucht in abgelegenen Tälern suchten. Wir wandelten auf den Spuren großer Mystiker und ließen uns bezaubern von der Atmosphäre heiliger islamischer Stätten. Wir träumten uns in die Zeit der großen Handelskarawanen, die auf der berühmten Seidenstraße durch die karge Landschaft zogen und in den Karawansereien Schutz vor Überfällen fanden. Wir schlenderten durch die Dörfer mit ihren farbenfrohen Märkten und diskutierten stundenlang in den Teehäusern und Lokantas die spannendsten Themen. Wir suchten Kontakt zu den liebenswerten Menschen und waren beglückt von deren Gastfreundschaft und Herzlichkeit. Wir genossen das noch heiße Fladenbrot aus dem glühenden Backofen, den auf offenem Feuer frisch eingekochten Traubensirup und viele weitere Köstlichkeiten. Unzählige weitere Details dieser so eindrucksvollen und bereichernden Reise könnte ich aufzählen, und doch bleibt es unmöglich, deren Faszination wirklich zu vermitteln.

S.Fuchs, Dezember 2010 Nürnberg

tuerkei-kappadokien-kultur-wander-bildungs-reise-individual

www.kappadokya-travel.com

 

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Gästehaus “KOSKONAK”

Montag, 22. November 2010 13:19

Meterdicke Tuffsteinwände, ein von einer hohen Mauer umgebener schattiger Innenhof mit Sommer- und Winterzimmer und gut temerierten Höhlen dahinter. Ein typisches kappadokisches Tuffstein-Höhlenhaus

Kappadokien ist berühmt für seine Tuffstein-Höhlenhäuser

Meterdicke Tuffsteinwände, ein von einer hohen Mauer umgebener Innenhof mit plätscherndem Springbrunnen, umrankt von grünen Weinstöcken: Das ist im Orient die Vorstellung vom Paradies. Ein traditionelles orientalischen Haus in Kappadokien ist eine Insel der Ruhe und Bequemlichkeit im sonst quirligen orientalischen Leben. Und verborgen im Innern liegen tief in den Fels gehauen die kühlen Höhlen.Mehr Infos: www.kappadokya-travel.com

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Geoglyphen in Kappadokien

Montag, 15. November 2010 13:44

Time and Space

Man muss schon darauf hingewiesen werden: ein Pferd in der Landschaft!

 

Man muss schon darauf hingewiesen werden:

Ein Pferd als Landschafts-”Bild”  !

Das Pferd steht für den Namen von Kappadokien, das im Altertum bei den Persern Katpatuka genannt wurde:         “Land der schönen Pferde”

 

 

 Der internationale Künstler Andrew Rogers läßt aus der Ballonperspektive Kappadokien neu erscheinen:

www.andrewrogers.org/land-art/turkey

Seit 1989 entstanden in 13 Ländern über 40 Skulpturen, wobei die meisten Geoglyphen in Kappadokien zu bewundern sind.

Geoglyphen sind Linien aus Natursteinen vor Ort zusammengetragen. Die berühmtesten sind die riesigen geheimnisvollen Linien der antiken Nazca-Kultur in Peru. In Kappadokien ziehen sie sich über eine Länge von 7 Km über die kargen Berge. Der  Geoglyphen-Park in Kappadokien gehört zu den größten und schönsten.

Dafür wurden von dem Australier aus Melbourne Tausende von Tonnen Gestein bewegt. Material und Arbeitskräfte fand Andrew Rogers vor Ort. zeitgenossische-kunst-in-kappadokien-andrew-rogers

 

 

 

 

 

 

 

Aber auch schweres Gerät benötigte der Künstler, denn die Geoglyphen werden von geheimnisvollen, Tonnen schweren Stelen, an Stonehenge erinnernd, ergänzt.

Diese Stele ist Teil des Geoglyphen-Parks von Andrew Rogers in Kappadokien
Diese Stele ist Teil des Geoglyphen-Parks von Andrew Rogers in Kappadokien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abgelegene Orte, Wüsten wie die Wüste Gobi sowie Hochgebirge sind seine bevorzugten Orte zum Erstellen dieser gigantischen Kunstwerke; diese Regionen strahlen allesamt Unendlichkeit und etwas Geheimnisvolles aus.

 

Die mystische Landschaft Kappadokiens hatte es dem Künstler daher besonders angetan.

Die Geoglyphen sind entweder aus der Ballonperspektive zu bewundern oder mit einem Geländewagen zu erreichen.

www.kappadokya-travel.com

Mit diesem Zeichen verewigt sich Andrew Rogers in seinen Kunstwerken

Mit diesem Zeichen verewigt sich Andrew Rogers in seinen Kunstwerken

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Hethiter in Kappadokien

Mittwoch, 10. November 2010 16:24

Dieser etwa 4 m hohe Stein mit hethitischen Hieroglyphen steht in Kappadokien mitten auf einem Acker, vom Rest der Welt unbeachtet. Die Inschriften sind über 3000 Jahre alt!

Dieser etwa 4 m hohe Stein mit hethitischen Hieroglyphen steht in Kappadokien mitten auf einem Acker, vom Rest der Welt unbeachtet. Die Inschriften sind über 3000 Jahre alt!

 

……..Die Kopie des ersten Friedenvertrages der Welt zwischen den Ägyptern und Hethitern kann man heute im UNO-Gebäude in New York bewundern. Verträge dieser Art waren damals nachhaltiger als heute: die Grenze zwischen dem hethitischen und ägyptischen Reich blieb stabil, keiner wagte mehr einen Angriff und jeder ließ sich zuhause als Sieger feiern. Ramses II verewigte seine vermeintlichen Heldentaten gegen die Hethiter im heimischen Karnak. Und bis ins 20.Jahrhundert n. Chr. glaubten ihm Touristen wie Wissenschaftler, weil von den Hethitern jede Spur verloren war. Um 1170 v.Chr. verschwand deren mächtiges Reich. Nur die Hieroglyphen von Karnak und wenige Bibelstellen wiesen überhaupt noch darauf hin, dass es einmal Hethiter gegeben haben musste.
Aber wer waren die Hethiter?
Deutsche Archäologen haben sie erst 1905 wieder entdeckt, ein Tscheche anschließend ihre Sprache aus Keilschrifttafeln entziffert und herausgefunden, dass die Hethither Indoeuropäer waren.
2,5 Milliarden Menschen gehören heute zur Sprachgruppe der Indoeuropäer: fast alle Ost- und Westeuropäer, Russen, Amerikaner, aber auch Kurden und Iraner gehören dazu.
Chinesen, Türken, Araber und Afrikaner zum Beispiel gehören anderen Sprachfamilien an.
Eines der größten antiken indoeuropäischen Reiche war also das unbekannte Reich der Hethiter.
Und dieses hatte ihr Zentrum in der Region des heutigen Kappadokiens in Zentralanatolien, nördlich und südlich des Flusses Kizilirmak, der bei den Hethitern Marassanta hieß. Beschriftete Tontafeln, die sogenannten Kappadokischen Tafeln aus dem heutigen Kültepe bei Kayseri brachten nach Jahrtausenden ein vergessenes Volk wieder ans Licht. Kültepe hieß vor über 3500 Jahren Nescha und war vor Hattuscha die erste hethitische Hauptstadt und orientalisches Handelszentrum gewesen. Ihre spätere Hauptstadt Hattuscha liegt etwa 150 km nördlich von Kappadokien.
Zur gleichen Zeit hatte die mykenische Kultur in Griechenland ihre Blütezeit. Ein Austausch der Kulturen hat sehr wahrscheinlich an der Küste Anatoliens stattgefunden(Troja/Milet). Auch ist das Löwentor von Hattuscha (ca.1550 v.Chr.) dem von Mykene (1250 v.Chr.) in Griechenland erstaunlich ähnlich. Die mykenische Hochkultur Griechenlands wurde bisher als Wurzel europäischer Zivilisation angesehen. Aber bereits 1000 Jahre vor den ersten Zügen einer Demokratie in Griechenland und über 3000 Jahre vor der ersten grundlegenden Verfassung der Welt (Bill of Rights 1689) hatten die Hethiter in Anatolien eine Verfassung und eine bindende Gesetzgebung. Ganz ungewöhnlich und ihrer Zeit weit voraus war auch ihre sehr differenzierte und humane Rechtsprechung.
Könnte nach neueren Erkenntnissen die Wiege europäischen Denkens und Fühlens womöglich nicht bei den Griechen sondern bei den Hethitern in Zentralanatolien liegen?

Ein hethitische Spiel, nachgearbeitet in der Töpfer-Werkstatt Ikizler in Avanos

Ein hethitisches Spiel, nachgearbeitet in der Töpfer-Werkstatt Ikizler in Avanos

Auf jeden Fall sind die Hethiter die ältesten bekannten Vertreter der indoeuropäischen Sprachfamilie.

Außerdem tranken sie gerne Bier, sollen sehr verspielt gewesen sein und waren geniale Militärstrategen.

Sicherheit liebend wie sie waren, nahmen sie auch die Götter der besiegten Völker in ihrem Pantheon mit auf: die Rache fremder Götter ängstigte sie. So war ihre Götterwelt groß und zahlreich.

Die Hethiter werden auch das Volk der 1000 Götter genannt.

Diese waren ihnen wichtiger als Schlachten, die sie für Zeremonien in der Heimat schon mal abbrachen.
Der Herrscher war König, Richter, Priester und Feldherr zugleich, aber nicht allmächtig. Seit 1500 v.Chr. war er an eine Verfassung gebunden und die Regierungsgewalt musste er sich mit einer ihn kontrollierenden und beratenden Gemeinschaft von Amtsträgern teilen. Auch seine Frau hatte eigene Regierungsbefugnisse und als oberste Priesterin verfügte sie über große Macht.
Frauen spielten auch in der Götterwelt keine untergeordnete Rolle.
Die berühmteste aller Göttinnen ist die Großgöttin Kybele.
Bereits 6000 v.Chr. hatte in Anatolien ( Catal Höyük ) die Muttergöttin neben dem Stiergott allergrößte Bedeutung. In den folgenden Jahrtausenden wurde die Großgöttin, Große Mutter (Magna Mater) oder Muttergöttin, wie sie genannt wurde, sehr verehrt. Die Kubaba der Hethiter, die Athene der Griechen, die Magna Mater der Römer, und sogar Maria als Mutter Gottes der Christen werden auf die anatolische Kybele zurückgeführt.
So ist der europäische Kulturkreis von Anatolien nicht zu trennen.

- aus der Englisch-Ausgabe des Reiseführers (Cappadocia) von S.Oberheu & M.Wadenpohl

Hethitisches Wandrelief aus der Werkstatt Ikizler in Avanos

Hethitisches Wandrelief aus der Werkstatt Ikizler in Avanos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kopien hethitischer Töpferkunst findet man heute in den Töpfereien in Avanos.

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Christentum in Kappadokien

Montag, 8. März 2010 15:40

Von der Natur geschaffene Häuser bergen seit 1000 Jahren christliche Kappellen und Kirchen mit wertvollen byzantinischen Fresken geschmückt. in dieser märchenhaften Landschaft fühlten sich die ersten Christen Gott besonders nahe!

Von der Natur geschaffene Häuser bergen seit über 1000 Jahren christliche Kappellen und Kirchen mit wertvollen byzantinischen Fresken. In dieser märchenhaften Landschaft fühlten sich die ersten Christen Gott besonders nahe!

 

Die Bedeutung Kappadokiens im Christentum

 

aus der Englischausgabe des Reiseführers 2010

 

Kappadokien war von Anfang an eines der Zentren des sich ausbreitenden Christentums. Neben dem palästinensischen Caesarea war das kappadokische Caesarea (das heutige Kayseri) der Ausgangspunkt einer sich über die ersten Jahrhunderte nach Christus entwickelnden Orthodoxie, des so genannten „Rechten Glaubens“. Streitigkeiten darüber, was der rechte Glaube sein sollte, hatte es auch von Anfang an hier gegeben. Kappadokien war regelrecht zerteilt unter den Anhängern verschiedener Glaubensrichtungen. 

 

Noch in den ersten Jahrhunderten nach Christus wurden Christen im Römischen Reich, zu dem auch Kappadokien gehörte, mit unvorstellbarer Grausamkeit verfolgt und gemartert. Das Regime war unerbittlich, jüdische Aufstände wurden brutal niedergemacht, Menschen verschleppt und ermordet. In dieser Zeit setzt sich eine unerhörte Botschaft von Jerusalem Richtung Kleinasien und Kappadokien durch: der einzige Gott (der Monotheismus wurde bisher ausschließlich von den Juden praktiziert) ist nicht nur für die auserwählte Gemeinde der Juden dar, sondern für jeden und alle Menschen sind vor Gott gleich. Dazu ist dieser Gott nicht, wie bei den Juden und im Alten Testament, strafend und züchtigend, sondern verzeihend und barmherzig. Eine unglaubliche Idee in diesen grausamen Zeiten und eine Idee, die über die Grenzen des jüdischen Palästinas hinaus Gültigkeit haben konnte. Paulus war der erfolgreichste Missionar dieser neuen Idee, die zunächst in der heutigen Türkei, in Kleinasien, Fuß fasste, so auch in Kappadokien. Sein leidenschaftlicher Appell richtete sich erst einmal an alle jüdischen Gemeinden: „der Mensch wäre ohne sein Zutun erlöst von der Sünde; es bräuchte weder Gebote, Tempel noch Rituale, um die Barmherzigkeit Gottes zu erlangen und dieses gelte für alle Menschen, nicht nur für das auserwählte Volk der Juden“. Er hielt sogar die Beschneidung für entbehrlich. Das war unerhört und revolutionär und beflügelte die Fantasie vieler Menschen, die in dieser furchtbaren Zeit unter der Knute der Römer zu leiden hatten. Die ersten Ideen, was damit wohl gemeint sein könnte, gipfelten in skurrilen Selbstkasteiungen. In Syrien setzte sich ein Simeon 30 Jahre auf eine Säule und verkündete seine Ansicht vom gottgefälligen Leben. Einer seiner Jünger dagegen bezog in Kappadokien als Eremit eine ziemlich komfortable Höhlenwohnung, sogar mit in den Fels geschlagenen Möbeln: der Simeonsturm in Paşabağı.

Inzwischen wurden die versteckten Mönchsklausen von Wind und Wetter freigelegt. Ein Wohnfelsen, der vor Jahrhunderten noch Schutz und Ruhe bot.
Inzwischen wurden die versteckten Mönchsklausen von Wind und Wetter freigelegt. Ein Wohnfelsen, der vor Jahrhunderten noch Schutz und Ruhe bot.

 Kappadokien, nur einige hundert Kilometer von Syrien und Palästina entfernt, war von Anfang an das ideale Rückzugsgebiet für religiöse Kontemplation. Auch hier dachten die ersten Christen in ihren aus dem Fels gehauenen Klausen über Veränderungen des traditionellen Gottesbegriffs und ihres Lebens nach. Noch taten sie es allein als Eremiten, scheuten die Menschen, die in diesen Zeiten soviel Leid brachten, suchten die Einsamkeit und die Nähe Gottes in freier Natur, befreit von allen Regeln und Obrigkeiten. Kappadokien bot dafür die ideale Voraussetzungen: Häuser brauchten nicht gebaut werden, frisches Quellwasser und fruchtbare Täler gab es im Überfluss, die Höhlen schützten vor Kälte und Hitze und das Labyrinth der kappadokischen Erosionslandschaft versprach Schutz vor imperialem Säbelrasseln. Die Regierenden ließen einen in Ruhe, vorerst jedenfalls.

Aber die christlichen Gemeinden wuchsen. Eremiten saßen in ihren Höhlen inzwischen dicht gedrängt in den Tälern. Man schloss sich zu Gruppen zusammen. Die Entwicklung einer reinen Lehre, nach der alle leben sollten, nachdem man sämtlichen bekannten Regeln abgeschworen hatte, nahm langsam Formen an. Aber wer war dieser Jesus? Ein neuer Prophet oder Gott selbst? Christen nannten sich diejenigen, die an seine Auferstehung glaubten, was für gläubige Juden absolut inakzeptabel war. Einen Auferstehungsglauben gab es bis dahin nur in der ägyptischen Mythologie und die war den Juden aus ihrer eigenen Geschichte heraus verhasst. Fragen des Christentums wurden kontrovers und leidenschaftlich diskutiert. Hierbei entwickelten sich unterschiedliche Denkweisen zwischen dem Orient und Europa: Während der Monotheismus im nahen Osten seit über 1000 Jahren fest verwurzelt war, basierte die westliche Kultur auf römisch-hellenistischem Gedankengut. Das Individuum galt im Westen mehr, in der griechischen Demokratie war der einzelne verantwortlich für sein Tun, Menschen konnten zu Göttern werden und umgedreht; die Welt der Götter war die der Menschen sehr ähnlich: sie konnten korrupt, böse, hinterhältig aber auch verliebt sein, sie waren Versager oder Helden und hatten bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Der mächtige Gott der Juden dagegen, dessen Name man nicht aussprechen durfte und dessen Antlitz man nicht sehen durfte, war menschlich nicht zu fassen. Seine Geschöpfe waren dem Unsichtbaren auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, nur mit absoluter Unterwerfung unter die Gesetzte dieses Gottes konnte man auf Gnade für sein Leben hoffen.

Somit erübrigte sich für die meisten Menschen im Osten die Frage, ob Jesus Gott war. Der Arianismus, der Jesus eher als Gesandten Gottes, aber auf keinen Fall als Gott selbst sah, hatte im Orient und auch in Kappadokien viele Anhänger.

Um das so genannte Wesen Jesu stritten sich dann auch die ersten christlichen Konzile, bei denen kappadokische Bischöfe maßgeblichen Einfluss hatten.


Zum Ruhme der neuen Religion begann Kaiser Konstantin 325 n.Chr. den Bau der Hagia Sophia in Konstantinopel, das heutige Istanbul in Auftrag zu geben, die aber nach mehreren Bränden erst 200 Jahre später ihr heutiges Aussehen bekam und für 1000 Jahre die größte christliche Kirche der Welt blieb.
Zum Ruhme der neuen Religion begann Kaiser Konstantin 325 n.Chr. den Bau der Hagia Sophia in Konstantinopel in Auftrag zu geben. Über 1000 Jahre blieb die Hagia Sophia die größte christliche Kirche der Welt. Hier die prachtvolle goldene Kuppel!
 
Auch Kaiser Konstantin, der Byzanz am Bosporus zur neuen Hauptstadt des römischen Imperiums ernannt hatte, kam in persönlichen Kontakt mit der neuen Lehre: seine Mutter Helena, die, bevor sie Kaisersmutter wurde, eine einfache geschiedene Wirtsfrau war, bedrängte den Gekrönten, die neue Religion anzunehmen. Die Heilsbotschaft dieser neuen Religion, wie auch immer man sie in den nächsten Jahrhunderten zurechtstutzen würde, erreichte zu dieser Zeit ganz besonders Minderheiten, Unterdrückte, Benachteiligte, Arme und Frauen, die in der alten Welt wenig auf Gnade hoffen konnten. 

Für Kaiser Konstantin hatte der Monotheismus, abgesehen von den religiösen Details, eine ganz eigene politisch hoch brisante Anziehungskraft:  der Vielgötterei der Römer und Griechen setzte er einen einzigen Gott entgegen, wie es nur einen einzigen Kaiser geben konnte. Ein intelligenter Schachzug, in einer Zeit, als Kaiser im römischen Reich kamen und gingen und in Rom man versuchte Gegenkaiser zu etablieren. Somit wurde eine religiöse Idee, die besonders den unterdrückten Menschen Hoffnung geben wollte, zum neuen Instrument eines absolutistischen Machtanspruches. Nach der Konstantinischen Wende, wodurch das Christentum nun Unterstützung statt Verfolgung fand, kam es dann auch zu den ersten Konzilen der Geistlichkeit. Diese sollten dem neuen Glauben endlich eine feste Ordnung und klare Vorgaben geben; eine allgemeingültig bindende Lehre für jedermann, die allerdings auch die ausgrenzte, die nicht dieser Meinung waren. So bekam die erhoffte Erlösung und Vergebung der Sünden, Kernsatz des neuen Glaubens, 300 Jahre nach Jesus bereits wieder ihre ersten Einschränkungen. Obwohl bis dahin das Christentum als eine orientalische Religion, verwurzelt im Judentum,  anzusehen war, und auch alle Konzile im orientalischen Kleinasien stattfanden, setzte sich doch nach und nach die westlich-europäische Denkart durch.

Der Hunnensturm hatte in Europa inzwischen gewütet und eine Völkerwanderung ausgelöst, die schließlich in der Zerstörung Roms durch die Vandalen gipfelte. Das byzantinische Kleinasien war davon weitestgehend verschont geblieben und erlebte eine Blütezeit, die Hagia Sophia wurde als größte Kirche der Christenheit gebaut. Nach der Ermordung des letzten römischen Kaisers existierte Rom als Machtzentrale faktisch nicht mehr. Die Goten beherrschten Europa von Ravenna aus. Konstantinopel war das neue Rom und seine Bürger nannten sich weiterhin Römer des Römischen Reiches.

Verblieben war Rom nur der Bischofssitz, aber dieser nahm erheblichen Einfluss auf die Konzile. Der Bischof von Rom verlangte sogar als Nachfahre Petri, der in Rom hingerichtet wurde, die Primatstellung unter allen christlichen Bischöfen, was aber abgewiesen wurde.

Jedoch fand in allen Konzilen die von den zukünftigen Katholiken aus Rom geforderte Trinitätslehre breite Unterstützung, auch beim Metropoliten von Caesarea in Kappadokien, Bischof Basilius, sowie dessen Bruder, Bischoff Gregor von Nyssa, und vom Metropoliten von Konstantinopel selbst, Bischoff Gregor von Nazianz, ebenfalls ein Kappadokier. Man konnte sagen, dass diese 3 kappadokischen Kirchenväter maßgeblich an der neuen Entwicklung beteiligt waren.

 

Jesus der Gekreuzigte, Gott und Mensch zugleich. Hier in einer der schönsten Höhlenkirchen Kappadokiens, der Tokali Kirche.

Jesus der Gekreuzigte, Gott und Mensch zugleich. Hier in einer der schönsten Höhlenkirchen Kappadokiens, der Tokali Kirche.

 

Diese Trinitätslehre war eine klare Absage an den Arianismus: Gott, Christus und der Heilige Geist seien wesensgleich in Jesus vereint. In dieser Zeit entstand das christliche Glaubensbekenntnis, das bis heute in orthodoxen, katholischen und protestantischen Kirchen gesprochen wird: “Jesus Christus, Sohn Gottes, der geboren ist vom Heiligen Geist aus der Jungfrau Maria…..Mensch geworden ist….und aufgestiegen ist zum Himmel…“ 

Jesus als Weltenherrscher in der Kuppel einer kappadokischen Höhlenkirche.

Jesus als Weltenherrscher in der Kuppel einer kappadokischen Höhlenkirche.

 

Diese so genannte Wesensgleichheit Jesu war das erste Dogma der neuen christlichen Kirche, 10 Jahre später, knapp 400 Jahre nach Christi Geburt, wurde das Christentum dieser so genannten orthodoxen Prägung zur Staatsreligion. Andersdenkende wurden verfolgt und dieses Mal versteckten sich Christen vor Christen im unwegsamen Gelände der kappadokischen Höhlenwelt. Im Konzil von Chalkedon 451 n.Chr. wurde weiterhin festgelegt, dass Christus, der Auferstandene, zugleich göttlich und menschlich sei (2-Naturen-Lehre). Was erneut eine klare Absage an den einen unaussprechlichen, unnahbaren und menschlich nicht erfassbaren Gott des Orients war, und eine Absage an die so genannten Monophysiten, die Jesus für rein göttlich hielten. Die monophysitische Sichtweise konnte sich nur in Syrien und Ägypten (Kopten) bis heute halten.

Dieses war nun die allumfassende Lehre, genannt Katholizismus. Der römische Bischof nannte sich katholischer Papst in dem von heidnischen Germanen beherrschten Europa. Der Papst erlangte schließlich auch die politische Macht, als er 800 n.Chr. Karl den Großen zum Kaiser krönte und damit über dem Kaiser stand sowie dem Kaiser in Konstantinopel die Gefolgschaft verweigerte. Die byzantinischen Bischöfe nannten sich orthodox und unterstanden nach wie vor den Weisungen des byzantinischen Kaisers. Die orthodoxen Bischöfe sprachen griechisch, die katholischen lateinisch. Missverständnisse und Uneinigkeiten prägten das Verhältnis. Diese gipfelten schließlich in der Exkommunizierung des griechisch-orthodoxen Metropoliten von Konstantinopel durch den römischen Papst 1054 (Morgenländisches Schisma). Die Plünderung und Zerstörung Konstantinopels durch die katholischen Kreuzfahrer 150 Jahr später ist der unrühmliche Höhepunkt dieser Kirchenspaltung; mit katastrophalen Folgen für die Christenheit: erst diese Zerstörungen, von denen sich Konstantinopel nie wieder erholen sollte, boten die Voraussetzungen zur Eroberung der Stadt durch die türkischen Osmanen 1453. Und dieses besiegelte das Ende des 1000-jährigen christlichen Byzantinischen Reiches.  

Religiös untermauert wurde die immer stärker werdende Macht der römisch-katholischen Kirche auch durch den Kirchenvater Augustinus aus Nordafrika. Seine Lehre von der Erbsünde, die jeder Mensch von Geburt an als Böses in sich trägt und die daraus resultierende Unterwerfung unter die katholischen Kirche als einziger Weg zur Erlösung wurde im  Konzil von Ephesus 431 n.Chr. zur allgemeingültigen Lehre.  

 

 

Jesus Christus steht heute im Mittelpunkt der christlichen Religion, nicht seine Heilsbotschaft!

Jesus Christus steht heute im Mittelpunkt der christlichen Religion, nicht seine Heilsbotschaft!

 

 

So wurde Jesu Befreiungsbewegung von neuen Machthabern instrumentalisiert. Andersglaubende waren wieder Verfolgungen und Folterungen ausgesetzt, fast wie zu römischen Zeiten. Die Höhlen in Kappadokien wurden nicht kalt.

Die größte Verfolgung erlitten die verängstigten Christen Kappadokiens allerdings durch eine neue, völlig unerwartete Anweisung des byzantinischen Kaisers. Die Mönche und Nonnen, die sich in Klostergemeinschaften in Kappadokien inzwischen zusammengetan hatten, kratzten immer mehr Kirchen und ganze Klosteranlagen aus dem weichen Tuffgestein.

Sie verehrten ihre Heiligen und Märtyrer und schmückten ihre Kirchen mit so genannten Ikonen: Heiligenbilder, die die Heiligen, die Märtyrer und Begebenheiten aus dem Leben Jesu zeigten. Sie sollten dem Betrachter zum Blick ins Jenseits verhelfen, um Gott näher zu sein. Kaiser Leon III jedoch verkündete nun ein Ikonenverbot: der sogenannte Ikonoklasmus wütete im ganzen Byzantinischen Reich als ein letztes Aufbäumen der orientalischen Sichtweise eines Gottes, der in seiner Größe unaussprechlich und nicht abbildbar ist („Du sollst dir kein Bildnis machen“). Kaiser Leon III war Syrer und stand unter dem Einfluss einer neuen großen religiösen Macht, die den Orient seit dem 7.Jahrhundert eroberte: der Islam breitete sich in nie dagewesener Schnelligkeit aus und beschnitt das Byzantinische Reich. Arabien, Ägypten und Nordafrika fielen sofort an die islamischen Eroberer. Viele orientalische Christen traten freiwillig zum Islam über, der ihrer Vorstellung von einem allmächtigen Gott und dessen Propheten näher kam als die komplizierte Trinität und Wesensgleichheit der christlichen Orthodoxie. Auch Leon war Orientale und sein Bilderverbot griff mit der Macht eines orientalischen Despoten zu: unerbittliche Verfolgungen, Verhaftungen, Hinrichtungen und Folterungen überzogen den byzantinischen Rumpfstaat Kleinasien, die heutige Türkei. Kappadokien erlebte seine schlimmste Zeit. Dieser Eingriff in das beschauliche Leben von Kappadokien war schlimmer als die regelmäßigen Raubüberfälle der islamischen Araber. Nur wenige Ikonen haben diese Zeit überlebt. Anstelle der farbenprächtigen Heiligenbilder und Fresken hielten nun einfache mit Eisenoxyd gemalte Ornamente an den Wänden der kappadokischen Kirchen und im ganzen Byzantinischen Reich Einzug. Nicht immer gezwungener Maßen, wie einige Kirchen aus dem 11. Jahrhundert im Göreme Freilichtmuseum erahnen lassen. Der Zeitraum des als unglaublich brutal geschilderten Ikonoklasmus dauerte über 100 Jahre und endete 843. Der große Drang nach bildlicher Darstellung hatte gesiegt.  

Die Barbarakirche in Göreme zeigt noch die einfache ornamentale Malerei, kein Fresko, die Farbe wurde direkt auf den Fels aufgetragen.

Die Barbarakirche in Göreme zeigt noch die einfache ornamentale Malerei, kein Fresko, die Farbe wurde direkt auf den Fels aufgetragen.

 

 

 

Eine der schönsten Kirchenfresken, die fast 1000 Jahre unbeschadet überstanden haben, sind in der Kiranlik Kirche im Göreme Freilichtmuseum zu bewundern. Man sollte versuchen, diese kleinen aus dem Stein gehauenen Kirchen allein und still zu betreten, um sich der Wirkung der Heiligenbilder aussetzen zu können. Die Wände der Kirche sind über und über in den schönsten Farben in Freskotechnik bemalt. Man betritt das Kirchenschiff und blickt unwillkürlich geradeaus Richtung Apsis, in dessen Wölbung Jesus als Heilsbringer und Weltenherrscher vom Himmel herunterschaut. Auch das Kirchenschiff ist überkuppelt und aus der Kuppel sieht Jesus wie aus dem Jenseits auf den Betrachter herunter. Die Arkaden, Bögen und Wände zeigen Szenen aus dem Leben Jesu. Dazu gesellen sich Heilige und Bischöfe und fast immer die Erzengel Gabriel und Michael, die Jesus links und rechts flankieren. In den kappadokischen Kirchen tauchen zu den üblichen Jesusdarstellungen der christlichen Orthodoxie die Lokalheiligen auf:  Georg der Drachentöter soll Kappadokier gewesen sein. Außerdem wird Kaiser Konstantin und seine Mutter Helena, sowie Bischof Basilius von Caesarea in fast allen bildlichen Darstellungen verehrt. Byzantinische Fresken wie christliche Ikonen sind keine Kunstwerke sondern heilige Bilder, die eine Brücke zwischen dem Diesseits und dem Jenseits schlagen sollen. Oft wird ihnen eine Wunderwirkung zugeschrieben. Die Malweise und Anordnung der Bilder ist streng geregelt, künstlerische Freiheiten waren nicht erwünscht. Byzantinische Fresken, Mosaiken und Ikonen haben sich über fast 1000 Jahre kaum verändert: die Figuren sehen ernst und statisch dem Betrachter entgegen. Kaum eine Bewegung verrät Lebendigkeit, die Figuren scheinen zu schweben. Heilige, Engel und Honorationen sind meist zweidimensional flächig dargestellt ohne perspektivische Illusion, sie scheinen aus der Wand in den Kirchenraum hinein zu treten. So sollte keine weltliche Realität kopiert oder vorgetäuscht werden. Die Darstellungen wollten auch nicht informieren, sondern als transzendentale Realität des Jenseits spirituell erfahren werden. Deswegen sind diese Fresken auch kein Wandschmuck sondern Teil eines Raumes, der die Gläubigen in einen gottnahen Zustand versetzen sollte.

Die christliche Basilika mit Apsiden, Kuppeln, Gewölben, Längs- und Querschiffen, Narthex und Atrium blieb fast 1000 Jahre unverändert grundlegende sakrale Architektur im Orient. Die ersten Kirchen hatten oft einen Brunnen im Atrium, an dem sich die Christen vor dem Gottesdienst reinigen sollten, was heute nur noch bei Muslimen üblich ist. Tatsächlich entstand aus der christlichen Basilika schließlich die Moschee als islamisches Gotteshaus.

Die Vorstellung von Kuppel und Gewölbe als Himmelsdarstellung, also möglichst losgelöst vom Irdischen, erreichte ihre reale Umsetzung und Vervollkommnung im Bau der Hagia Sophia in Konstantinopel 537 n.Chr. Eine mit 40 Fenstern perforierte Kuppel von gigantischem Ausmaß von über 30 Metern Durchmesser schien über dem Kirchenschiff zu schweben und idealisierte mit seinen goldenen Mosaiken das strahlende Himmelsgewölbe. Die Hagia Sophia blieb über Jahrhunderte unerreichtes Vorbild für alle Sakralbauten. Dass die Osmanen sie schließlich mit wenigen Accessoires in eine Moschee umwandeln konnten, entspricht der gemeinsamen Vorstellung von einem Gotteshaus. 

Diese großen Tafeln in der Hagia Sophia ehren Allah!

Diese großen Tafeln in der Hagia Sophia ehren Allah!

 

 

 

Die kappadokischen Kirchen, in den Berg gehauen mit Säulen und Arkaden, die eine Kuppel tragen sollten, was statisch im Fels vollkommen überflüssig ist, blieben den allgemeingültigen Vorgaben von Gotteshäusern immer treu. Der zentrale Kuppelbau als byzantinische Besonderheit ist auch in Kappadokien stark vertreten. Die kappadokischen Fresken, heute vielfach der Witterung und Zerstörung ausgesetzt, entsprechen oft höchstem byzantinischem Standard. Neben Einheimischen müssen auch Freskenmaler aus Konstantinopel hier am Werk gewesen sein.

Bald war Kappadokien jedoch vom christlich byzantinischen Reich abgeschnitten: die turkmenischen Seldschuken hatten die Byzantiner bei Manzikert 1071 besiegt und dehnten ihren Herrschaftsbereich bis weit über Kappadokien hinaus aus. Ihre Hauptstadt gründeten Sie im 250 km entfernten Konja. Die Christen in Kappadokien waren nun vom Mutterland abgeschnitten, blieben aber von den islamischen Seldschuken unbehelligt. Die Seldschuken bauten Straßen, Karawanserein und Schulen und am steigenden Wohlstand hatten auch die Christen ihren Anteil. Noch in den folgenden Jahrhunderten entstanden die schönsten Fresken und wurden Klostergemeinschaften ausgebaut. Kreuzfahrer sollen auf ihrem Weg nach Jerusalem im seldschukischen Kappadokien vorbeigekommen sein, und waren wohl geblieben: einige Höhlenkirchen entsprechen mehr dem katholischen Kirchenschiff als dem byzantinischen Kuppelbau.

Auch gab es Verbindungen der kappadokischen Christen zu den Mönchsgemeinschaften auf dem Berg Athos in Griechenland.

Stille und Erhabenheit erfasst den Besucher in einer dieser kappadokischen Kirchen, wie hier in der "Dunklen Kirche" aus dem 11.Jahrhundert

Stille und Erhabenheit erfasst den Besucher in einer dieser kappadokischen Kirchen, wie hier in der "Dunklen Kirche" aus dem 11.Jahrhundert

Von hieraus entwickelt sich seit dem 12.Jahrhundert eine Spiritualität, die auch auf die Mönche in den Höhlen Kappadokiens große Anziehungskraft hatte: Ruhe, Stille, Einsamkeit, Gelassenheit und Friede sollte in verschiedenen Buß-, Gebets- und Meditationsübungen erlangt werden, genannt Hesychasmus. Durch das häufige Wiederholen von Formeln wie das Jesusgebet mit auf den eigenen Nabel (Nabelschau) gerichteten Blick sollte dieser transzendente Frieden erreicht werden. Zur gleichen Zeit praktizierten im nahen Konja islamische Mönche ganz ähnliche Meditationsübungen: durch das gleichmäßige Kreisen wollten die so genannten Derwische die gleichen spirituellen Erfahrungen erzielen.

 

 

Kappadokien wurde zum Rückzugsgebiet christlicher und islamischer Mystiker, die viele Gemeinsamkeiten hatten. Das unendliche Rezitieren von Suren aus dem Koran entspricht dem Jesusgebet. Gebetsketten wie der katholische Rosenkranz, der orthodoxe „Komboskini“ oder das islamische „Tasbih“ helfen dabei. Durch Askese, Gebet und Meditation sollte Spiritualität erlebt werden. Und wo anders als in der traumhaften Landschaft Kappadokiens wäre dieses möglich gewesen? So fanden Christen und Muslime unterschiedlicher Glaubensrichtungen in der bizarren Tufflandschaft Kappadokiens ihr gemeinsames Zuhause. Aber das Paradies wurde noch einmal massiv bedroht: die Mongolen plünderten Kayseri und fielen auch über Kappadokien her. Die Menschen flüchteten ein letztes Mal in die unterirdischen Städte, die ihnen schon so oft Schutz bieten mussten. Die Mongolen leiteten schließlich den Niedergang des Seldschukischen Reiches ein. An ihrer Stelle traten nun die turkmenischen Osmanen auf den Plan.

In den folgenden 500 Jahren des Osmanischen Reiches schliefen die christlich-orthodoxen Mönchsgemeinden langsam ein, wohl auch mangels neuer Anreize aus der christlichen Welt. Das christliche Konstantinopel war islamisches Istanbul geworden und die römisch-katholische Kirche in Rom interessierte sich wenig für die versprengten orthodoxen Christen in Kleinasien. Die letzten Christen mussten 1923 ihre Heimat verlassen: der militärische Angriff des Staates Griechenland auf die Türkei 1919 veranlasste den neuen türkischen Staatsmann Atatürk, alle griechisch-orthodoxen Christen des Landes zu verweisen. Seitdem sind die christlichen Kirchen und Gemeinden in Kappadokien verwaist.

Das Christentum hat also in Kappadokien eine fast 2000-jährige Geschichte: die Geschichte des Christentums ist auch die Geschichte Kappadokiens. Und das Christentum inspirierte schließlich den Islam, in dem viele christliche Gedanken weiterlebten. Der islamische Orden des Haçi Bektaş gründete hier sein Kloster und seine Humanistik hatte Einfluss auf die gesamte islamische Welt, verwurzelt aber war er im Gedankengut persischer Mystik, griechischer Philosophie, jüdischen Monotheismus und christlicher Heilslehre. Susanne Oberheu

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Über Kopftücher

Mittwoch, 3. März 2010 17:01

Ausschnitt aus der Englischausgabe des Reiseführers:

Zur traditionellen Bekleidung einer anatolischen Frau gehört das liebevoll umhäkelte Kopftuch genauso wie die äußerst bequeme Pumphose, genannt Schalva

Zur traditionellen Bekleidung einer anatolischen Frau gehört das liebevoll umhäkelte Kopftuch genauso wie die äußerst bequeme Pumphose, genannt Schalva

..Die bessere Bildung der Frauen hat in der Türkei ganz andere Folgen als vom Westen erwartet: Gebildete junge Frauen tragen wieder das Kopftuch. Die Verschleierung der Frau war zur Zeiten Mohammeds nicht üblich und ist auch in keiner Zeile im Koran erwähnt. Irgendwann galt es im Orient als vornehm, ein Kopftuch zu tragen. Erst mit dem Niedergang der islamischen Kultur in den letzten Jahrhunderten wurde die Verschleierung als Zeichen der Unterdrückung der Frau befohlen. Die moderne türkische Frau trägt heute Kopftuch aus Protest und wieder weil es schick ist. Sie möchte sich gegen die westliche Frauenrolle abgrenzen und der islamischen Kultur einen neuen Impuls geben. Die moderne Muslima ist beruflich, politisch und gesellschaftlich aktiv und fühlt sich emanzipiert.  Auch äußerlich unterscheiden sie sich von ihrer Salvar tragenden Großmutter mit traditionellem Kopftuch : Unter dem modernen Kopftuch wird das Haar zu einem Dutt hochgebunden, was dem Kopf eine besonders längliche Form verleiht. Dazu wird ein fast bodenlanger leichter Mantel getragen. Dies alles ist aus feinstem Tuch gefertigt und elegant geschnitten sowie der neuesten Mode entsprechend. Bei Familienfeiern in Kappadokien sind dann auch alle Richtungen vertreten: die Großmutter mit traditionell umhäkelten anatolischen Kopftuch, die Mutter nach westlichem Vorbild mit gefärbten Haaren und Dauerwelle, und die Tochter mit Hochsteckfrisur unter edelster Seide. … und es ist eher die kopftuchtragende Großmutter, die  über diese neue Mode verwundert ist. Die unterschiedlichen Sichtweisen darüber, was die Enkeltochter tragen sollte, sind oft nur ästhetischer Natur. Dass die Enkeltochter damit das neue Selbstbewußtsein der Muslima in ihrer Generation demonstrieren möchte, wird wohlwollend zur Kenntnis genommen. Streitereien unter den Frauen über das Kopftuch gibt es selten. Darüber verwirrt und oft auch dagegen ist allerdings der moderne türkische Mann.

Susanne Oberheu

 

 

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Reiseführer für Kappadokien

Samstag, 18. April 2009 17:11

tietel12. Auflage des erstmals 2007 erschienenen Reiseführers über Kappadokien, erweitert um einige Themen und mit den aktuellen Informationen aus dem Sommer 2008.

Wie schon im ersten Buch legen die Autoren auch jetzt wieder sehr viel Wert auf detaillierte Informationen über Land und Leute und berichten über alles Wichtige zu Reisen nach und in Kappadokien.

Seit 1986 bereisen die Autoren Kappadokien und haben inzwischen im Töpferort Avanos ein zweites Zuhause gefunden. Die archaische Landschaft hat es ihnen angetan: halb Wüste, halb Oase, fast paradiesisch anmutende grüne Schluchten, umgeben von märchenhaften Felsformationen. Seit Jahrtausenden leben die Menschen hier in komfortablen Höhlenwohnungen. Die ersten Christen zogen sich in die abgeschiedene Schönheit Kappadokiens zurück, schmückten ihre Höhlen-Kirchen mit wertvollen Fresken und schrieben Kirchengeschichte. Christen und Muslime lebten Jahrhunderte lang Seite an Seite am Fuße des fast 4000 m hohen Vulkans Erciyes in einer der fantastischsten Erosionslandschaften der Erde. Kappadokien, eine Region, in der man sich noch wie ein Entdecker fühlen kann, Neugierde vorausgesetzt. Hier spürt man Geschichte auf Schritt und Tritt.

Auch die 2.Auflage von 2009 bietet  wieder eine Fülle an Informationen und so manche kleine Erzählung stimmt ein auf eine grandiose Kulturlandschaft: Kappadokien ist UNESCO Weltkultur- und Naturerbe der Menschheit.

356 Seiten, ca.100 Fotos und 30 Orts- Umgebungs- und Wanderkarten

Kultur-, Wander- und Sprachführer mit Angaben zu Unterkünften und Preisen.

 

Weitere Informationen und Bestellung:

www.kappadokien-reisefuehrer.com

Kappadokien - Ein Reiseführer durch das Land der Feenkamine und Felsenburgen

Verlag: Shaker Media

ISBN: 978-3-86858-250-5

Preis 24.95 €

Herzlich willkommen in Kappadokien

Willkommen in Kappadokien

Reisen Sie mit den Autoren:

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Unterirdische Städte

Mittwoch, 8. April 2009 14:00

 

Nichts für Besucher mit Platzangst. die meisten unterirdischen Städte sollte man auf keinen Fall ohne ortskundigen Führer betreten!

Nichts für Besucher mit Platzangst! Die meisten unterirdischen Städte sollte man auf keinen Fall ohne ortskundigen Führer betreten!

Geheimnisvoll und bisher kaum erforscht: Viele von den unterirdischen Stätten sollen Jahrtausende alt sein und die meisten wurden noch gar nicht entdeckt, so vermuten Experten.

Uterirdische Städte sind vollkommen autarke Lebensräume mit Viehställen, Lager- und Wohnräumen, Küchen, Kirchen und Kapellen und sogar Keltereien wie auf diesem Foto.

Unterirdische Städte sind vollkommen autarke Lebensräume mit Viehställen, Lager- und Wohnräumen, Küchen, Kirchen und Kapellen und sogar Keltereien wie auf diesem Foto.

  Sie sind eine der Hauptattraktionen in Kappadokien. Allerdings sollte man lieber von Stätten sprechen, denn in historischen Zeiten besaßen die Ortschaften selten mehr als ein paar hundert Einwohner. Die Erzählungen, dass über 10.000 Menschen über Monate hinweg in diesen Anlagen leben mussten, ist eher unwahrscheinlich. Gern wird das ausgeklügelte System der Belüftung dem Besucher vorgeführt. Wer jedoch einmal zwischen zwei Busladungen voller Touristen dort unten gerät, wird sehr schnell merken, dass auch dieses System seine Grenzen hat. Addiert man noch die Gerüche des menschlichen Bedürfnisses und die Ausdünstung der Tiere dazu, dann ist es ganz aus mit der frischen Luft.

Über die Geschichte dieser unterirdischen Anlagen, hier in Kappadokien, ist nur sehr wenig bekannt. Gründeten die verschiedenen Kulturen anderer Ausgrabungsstätten ihre Orte auf den Trümmern ihrer Vorgänger und hinterließen so Schicht für Schicht ihr Zeugnisse für die Archäologie, so passierte dies hier in Kappadokien nicht. Wer hier diese Anlagen erneut nutzen wollte, der musste die Reste der vorherigen Bewohner entfernen, bzw. erst einmal richtig aufräumen.

Sicherlich waren die unterirdischen Städte Zufluchtskeller vor Überfällen, die in Kappadokien zu mancher Zeit zur Tagesordnung gehörten. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Logisch erscheint es auch, dass sie als Arbeits- und Lagerstätten, oder als Ställe auch zu Friedenszeiten genutzt wurden. Einen besseren Schutz vor den brütend heißen Sommertemperaturen und dem klirrend kalten anatolischen Winter kann es nicht geben. Auch war es wesentlich leichter eine Höhle in den weichen Fels zu schlagen, als aufwendig ein Haus zu errichten.

 

Senkrechte geheime Gänge tief unter der Erde sollten es Eindringlingen schwer machen

Senkrechte geheime Gänge führen immer tiefer in die Erde. Eindringlinge konnten sie bewaffnet kaum erklimmen!

                                                                                                                                                                                                                                                        

 

Für Touristen ist die Besichtigung der unterirdischen Städte ein richtiges Abenteuer. Auch wenn die Anlagen heute eine Ausschilderung besitzen und elektrisch beleuchtet sind, so läuft trotzdem so manchem Besucher ein kalter Schauer über den Rücken wenn er die engen Gänge durchwandert. Für Menschen mit Platzangst ist eine solche Begehung jedoch nicht ratsam. So mancher Tunnel ist nur im Entengang zu bewältigen.

Michael Wadenpohl

 

Kriechgänge als Fluchtwege oder wurden hier nur die Schafe durchgetrieben?

Kriechgänge als Fluchtwege oder wurden hier nur die Schafe durchgetrieben?

 

Wer sich eine solche Anlage einmal in aller Ruhe anschauen möchte, sollte nicht gerade die großen Städte in Derinkuyu oder Kaymakli aufsuchen, sondern zu den kleineren und unbekannteren fahren.

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Thema: Archäologie, Geschichte, Kultur, Vulkanismus | Kommentare (0)